Wirtschaftlichkeit klassisches EFH

  • Hallo zusammen,


    ich bin von der Qualität der Beiträge im Vergleich zu anderen Formen sehr begeistert, und erhoffe mir eine unabhängige Beratung.


    Wir haben uns vor zwei Jahren ein EFH in Südthüringen gekauft. Die Heizungsanlage wurde vom Vorbesitzer mit modernen Pumpen modernisiert, ansonsten entspricht das System dem Stand des Baujahres des Hauses von 1991.

    Die Herausforderung der Planung des Projektes ist, das wir ziemlich viele unbekannte Variablen haben. Für das erste bewohnen wir derzeit 2/3 des Hauses, der Rest muss noch Renoviert werden und ist später für die Kinder gedacht. Des Weiteren sind unsere Verbrauchswerte auch nicht fix, da unsere 2 Kinder (6 Monate + 3 Jahre alt) noch keinen großen Energiebedarf haben :-)

    Eine neue Heizung muss definitiv her, die Frage die ich mir stelle ist ob sich ein BHKW (bspw. Dachs 0.8) rechnet.

    Von PV bin ich persönlich kein Freund, da das Thema der Speicherung der generierten Energie noch nicht ausgereift - bzw. für den Hausgebrauch geeignet ist. Ein Elektrofahrzeug steht derzeit nicht zur Debatte.

    Wir haben auch einen Energieberater, der uns im Bezug auf Dämmung ein brauchbares Haus bestätigt hat. Mögliche Sanierungen (3-Fach verglaste Fenster, zusätzliche Fassadendämmung) stehen in keinen Verhältnis zum Aufwand.

    Der Kellerraum ist grosszügig dimensioniert, bauseitig sollte es keine Probleme geben.


    Die Frage ist nun, ob sich ein BHKW im verglich zu einer modernen Gastherme rechnet? Der bereits angesprochene Dachs liegt bei ca. 30T€, hingegen die Therme bei rund 10T€.


    Verbrauchsdaten

    Jährlicher Stromverbrauch: 3.406 kWh

    Jährlicher Brennstoffverbrauch: 36.013 kWh


    Derzeitige Heizung

    Energieträger der Heizung: Erdgas

    Alter und Typ der der Heiztechnik: Buderus Heizkessel Bj.1991

    Ist bereits eine Solarthermie vorhanden: nein

    Vorhandener Heizungspufferspeicher und Größe: nicht extern

    Art der Warmwasserbereitung und Vorratsvolumen: über Heizkessel

    Gibt es ein besonderes Strom-/Wärmeverbrauchsverhalten: nein

    Hydraulischer Abgleich durchgeführt: unbekannt

    Temperaturen der Heizkreise: 40° / 70°

    Art der Heizkörper: Fußbodenheizung im EG / Keller- & Dachgeschoss über Heizkörper


    Immobilie und Rahmendaten

    Beheizte Fläche, Anzahl Bewohner: 260m2, 4 Bewohner, vielleicht 5

    Art und Baujahr der Immobilie: EFH Bj.1991

    Erfolgte Modernisierungen: effiziente Umwälzpumpen

    Weitere geplante Modernisierungen: nicht geplant

    Zweiter Abgasstrang für BHKW frei: ja

    Erdgasanschluss vorhanden oder möglich: ja

    Zusammenschluss von Nachbarhäusern möglich: nein

  • So ein Vergleich Therme zu Dachs... bringt nicht viel.

    Denn die Anschaffung der Technik ist der geringste Kostenblock wärhend der Nutzungszeit. Die Energiekosten, die während der Betriebszeit auflaufen, sind deutlich höher. Also muß man die einbeziehen in die Betrachtung ( Ebenso Wartung usw).

    Mit einer Brennstoffzelle hat man durchaus die Chance, nach 15 Jahren weniger Gesamtkosten zu haben als bei einer reinen Gasheizung und Netzstrom.

  • Moin,


    schätzt man den Wirkungsgrad Eures alten Heizkessels mit 75-80% (Hs, mehr ist definitv nicht möglich), so dürfte Euer Wärmebedarf so um die 27-29.000 kWh liegen. Das entspricht gut 100-110 kWh/m2, nicht extrem gut, aber auch nicht ganz schlecht. Insofern gebe ich Eurem Energieberater Recht. Nachdem aber die Fenster schon 30 Jahre alt sind, dürften die jetzt – ganz unabhängig von der Energiefrage – sowieso früher oder später zur Erneuerung anstehen. An Eurer Stelle würde ich warten bis entweder die ersten Fenster Schäden aufweisen (Durchzug oder Kondenswasser zwischen den Scheiben) oder es sich abzeichnet, dass die gegenwärtige üppige Förderung für energetische Maßnahmen ausläuft oder gar durch entsprechende Vorschriften ersetzt wird. Whatever comes first wäre dann der Zeitpunkt, zu dem Ihr m.E. die Fenster (und zwar dann alle, jedenfalls die in beheizten Räumen) energetisch sanieren solltet.


    Unabhängig davon würde der genannte Wärmebedarf jedenfalls ausreichen, um für ein BHKW wie den Dachs 0.8 brauchbare Jahreslaufzeiten zu garantieren (auch noch nach einer allfälligen Fenstersanierung). Das Problem sehe ich in Eurem Strombedarf: 3.400 kWh reichen in aller Regel nicht aus, um für eine Brennstoffzelle wie den Dachs 0.8 eine Amortisationszeit von deutlich weniger als der technischen Lebensdauer von 20 Jahren zu ermöglichen.


    In der Anlage füge ich eine aktualisierte Fassung meiner Tabelle zur Wirtschaftlichkeitsabschätzung bei. Ich setze hier voraus, dass die Kosten für den 10-jährigen Vollwartungsvertrag in dem Angebot für die BZ enthalten sind. Dann wäre das Angebot als solches OK. Aber unterm Strich sieht es trotzdem so aus, als ob der Mehraufwand für die BZ abzüglich Förderung höher ist als Du voraussichtlich in 20 Jahren über Einsparungen herausholen kannst. Du solltest jetzt noch in den gelben Feldern die für Euch gültigen bzw. erwarteten Werte (v.a. Strom- und Gaspreise, ggf. auch Verbrauchsdaten) überarbeiten. Aber wenn dabei nichts wesentlich Günstigeres herauskommt, rate ich in Eurem Fall – jedenfalls unter wirtschaftlichen Aspekten – von der Anschaffung einer Brennstoffzelle ab.


    Was den zukünftigen Strombedarf wegen der Kinder betrifft, so würde ich das nicht überschätzen. Waschmaschine und Trockner laufen bei kleinen Kindern eher mehr als bei größeren, und bei den anderen Haushaltsgeräten sollte sich da nicht allzuviel tun. Wenn die Kinder ihr eigenes Zimmer haben, steigt der Strombedarf für Licht und Elektronik, aber ich glaube nicht dass das ein bedeutender Faktor sein könnte. (Was Ihr in 10 Jahren oder so schon merken werdet, ist dass der Warmwasserbedarf steigt. Aber der spielt für die Wirtschaftlichkeit einer Brennstoffzelle keine bedeutende Rolle.) Und sofern Ihr eines Tages doch an ein E-Auto denken solltet, könnt Ihr die entsprechenden Werte mal in die Tabelle eintragen. Viel dürfte aber auch dabei nicht rauskommen.


    Fazit: Eine BZ hätte in Eurem Fall hauptsächlich Hobby-Charakter.


    Unabhängig davon empfehle ich, in dem Haus einen hydraulischen Abgleich vorzunehmen. Ich bin fast sicher dass es damit möglich ist, die hohen Vorlauf- und wahrscheinlich auch Rücklauftemperaturen insbesondere im Radiatoren-Heizkreis zu reduzieren, was günstig für den Wirkungsgrad einer Brennwerttherme wäre. Außerdem ist der HA Voraussetzung für die meisten Förderungen energetischer Maßnahmen (auch z.B. für eine Brennstoffzelle).

    Von PV bin ich persönlich kein Freund, da das Thema der Speicherung der generierten Energie noch nicht ausgereift - bzw. für den Hausgebrauch geeignet ist.

    Sofern Ihr überhaupt ein geeignetes Dach habt, solltest Du Dir das noch mal überlegen. Was die Speicherung betrifft gebe ich Dir Recht, aber eine PV-Anlage könnte auch ohne Speicherung problemlos 30-40% Eures Strombedarfs abdecken. Und im Gegensatz zu einer Brennstoffzelle bin ich fast sicher, dass sich eine PV-Anlage bei Euch – geeignetes Dach vorausgesetzt – in weit weniger als 20 Jahren amortisieren würde.


    Gruß, Sailor

    Dateien

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Ich würde ganz kurz gesagt Sailors Meinung teilen aber den Gedanken an eine Photovoltaik weiterverfolgen.

    Denn die rechnet sich wesentlich besser als eine BSZ oder ein BHKW.

    Sofern deine Dachflächen relativ normal sind.

    50kw elektrisch Erdgas BHKW von Yados

    Absorptionskältemaschine aus BHKW-Abwärme

    Photovoltaikanlage 99,9 kwp

  • Vielen dank an sailor773 für die ausführliche Antwort.


    Für mich ist das hauptsächliche Thema, das monetär betrachtet die Mehrausgaben der Investition sich binnen 10 Jahren amortisiert haben sollten. Am Ende des Tages ist entscheidend, wie viel man für seine Energie - in welcher Form auch immer - im Nutzungszeitraum incl. der benötigten Anlagen und deren Entsorgung gezahlt hat.

    Eine Berechnung ist wirklich schwer, da der Gesetzgeber auch großen Einfluss hat, und dies in einem Zeitraum größer zehn Jahre unabsehbar ist . Die einzige Konstante ist der stetige Energiepreis-Anstieg. Für mich persönlich ist ein Betrachtungszeitraum größer zehn Jahre daher zu unsicher.


    Anhand der guten Neigung des Daches haben wir eine PV bereits berechnet. Hier hat der Energieberater eine Anlage mit 5,12 kWp und 4kWh Speichersystem vorgeschlagen. Invest ca. 12T€, eine Amortisation findet nach ca. 13 Jahren statt.


    Mein Ansatz ist beim BHKW das ich mit einem sehr günstig zu erwerbenden Energieträger (Gas) einen sehr teuren Energieträger generieren kann, unabhängig von Umwelteinflüssen.

  • So ein Vergleich Therme zu Dachs... bringt nicht viel.

    Denn die Anschaffung der Technik ist der geringste Kostenblock wärhend der Nutzungszeit. Die Energiekosten, die während der Betriebszeit auflaufen, sind deutlich höher. Also muß man die einbeziehen in die Betrachtung ( Ebenso Wartung usw).

    Mit einer Brennstoffzelle hat man durchaus die Chance, nach 15 Jahren weniger Gesamtkosten zu haben als bei einer reinen Gasheizung und Netzstrom.

    Sehe ich jetzt eher nicht so.

    Der Vollwartungsvertrag endet nach 10 Jahren, danach kosten die Reparaturen richtig Geld. Und wer hier schon länger mit liest, weis was da regelmässig an Reparaturen passieren kann. Der Hersteller muss auch erstmal die nächsten 10 Jahre überleben, sonst nützt auch der Vollwartungsvertrag nichts. Da schon einige BSZ Hesteller pleite erlitten haben, und einige gerade nicht so gut da stehen, würde ich eher ne Gastherme installieren und wenn das Dach passt, mit PV voll machen.


    Anhand der guten Neigung des Daches haben wir eine PV bereits berechnet. Hier hat der Energieberater eine Anlage mit 5,12 kWp und 4kWh Speichersystem vorgeschlagen. Invest ca. 12T€, eine Amortisation findet nach ca. 13 Jahren statt.

    PV würde ich das Dach voll machen, wenn 20KWp drauf passen, dann würde ich auch 20 KWp bauen.

    Wenns dir nur um Rendite geht, wüde ich den Speicher weglassen.

    DC gekoppeltes Eigenbau BHKW

    Kubota D722 mit Sincro FB4-48/100
    48V 775AH (C5) Bater, 2 Victron Multigrid

    28KWh Lifepo4 (32x 280Ah EVE Zellen, REC BMS)

    9,9 KWp PV u. 2,7 KWp PV

    WP Panasonic Aquarea 9KW

    Einmal editiert, zuletzt von stromsparer99 () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von stromsparer99 mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Sehe ich ähnlich: PV-Anlage unbedingt bauen. Allerdings würde ich es bei 9,99 kWp belassen, dann bleibt die PV bei der Einkommensteuer außen vor. Und, wenn es um Wirtschaftlichkeit geht, natürlich den Stromspeicher weglassen: Ohne Stromspeicher wird die Amortisationszeit jedenfalls kürzer als mit.


    Du kannst mit diesem Tool den Effekt verschiedener Anlagen- und Speichergrößen auf Deinen Eigenverbrauch abschätzen. Es zeigt sich: Bei Deinen 3.400 kWh Stromverbrauch würde die vom Energieberater empfohlene (durchaus passende) Anlage mit 5,12 kWp schon ohne Speicher ca. 34% Deines Stromverbrauchs direkt decken (1.156 kWh; etwa 3.964 kWh würden ins Netz eingespeist). Mit einem 4 kW Stromspeicher (die Dimensionierung würde ebenfalls passen) wären es 64%. Der Stromspeicher brächte Dir somit zusätzliche 1.020 kWh Eigenstrom. Bei 30 ct/kWh Bezugsstrom wären das ca. 306 EUR/Jahr Einsparung. Davon muss man aber die entgangene Einspeisevergütung abziehen, bei 8 ct/kWh EEG-Vergütung und optimistischen 90% Speicherwirkungsgrad wären das (1.020/0,9*0,08=) EUR 91, so dass der Speicher eine Netto-Einsparung von EUR 215 pro Jahr bringt. Wenn der Speicher Dich – fertig installiert – 4.000 EUR kostet (d.h. die PV-Anlage 5,12 kWp ohne Speicher würde 8.000 EUR kosten), entspricht das einer Amortisationszeit der Mehrkosten für den Speicher von 18,6 Jahren.


    Wenn Du aber den Speicher weglässt und stattdessen die ganzen 12 T€ in die PV-Anlage investierst, kriegst Du dafür wahrscheinlich 10 kWp Nennleistung. Damit könntest Du 38% Deines Stromverbrauchs (1.292 kWh) selbst erzeugen und würdest weitere ca. 8.708 kWh einspeisen. Die Investition bringt Dir im Vergleich zu einer 5,12 kWp-Anlage (1292-1156=) 136 kWh zusätzlichen Eigenverbrauch (41 EUR) sowie (8.708-3.964=) 4.744 kWh (380 EUR) zusätzliche Einspeisevergütung. Insgesamt beträgt der Vorteil ca. 420 EUR, also fast das Doppelte von dem, was Dir der Stromspeicher gebracht hätte. Die Amortisationszeit auf die angenommene Mehrinvestition von 4.000 EUR würde in dem Fall mit gut 9 Jahren Deine Anforderung erfüllen.


    Mein Rat wäre also, dass Du Dir ein Angebot für 5,12 kWp ohne Speicher machen lässt, und dann (vorausgesetzt Dein Dach gibt das her) gleich noch eins für 9,99 kWp ohne Speicher. Dann kannst Du die Angebotssummen mit dieser Rechnung abgleichen und siehst selbst, was sich lohnt und was nicht.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

    Einmal editiert, zuletzt von sailor773 ()

  • Wenn eine stromerzeugende Heizung gewünscht ist, muß man eben zusehen daß etwas vernünftiges kommt und kein halbes Testprojekt einer Firma.

    Und schon bei der Angebotsphase kann man einen Kostenvergleich über x Jahre machen.
    Die öft gehörte Aussage "PV aufs Dach" macht zwar elektrisch oft Sinn - aber es ersetzt keine Heizung.

  • Die öft gehörte Aussage "PV aufs Dach" macht zwar elektrisch oft Sinn - aber es ersetzt keine Heizung.

    Manchmal passt eben eine Stromerzeugende Heizung nicht ins Projekt, da passt dann eine Brennwerttherme oder Wärmepumpe und eine PV besser. Wirtschaftlich sowieso.

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    9,9 KWp PV u. 2,7 KWp PV

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  • Das stimmt - wichtig ist eben, daß man möglichst alles in die Betrachtung einbezieht.

    Beim Heizung oder Strom gibt es eben nicht die eine Lösung, die überall gut passt. Da muß man vergleichen und berechnen was das Optimum bildet.

  • Das stimmt - wichtig ist eben, daß man möglichst alles in die Betrachtung einbezieht.

    Beim Heizung oder Strom gibt es eben nicht die eine Lösung, die überall gut passt. Da muß man vergleichen und berechnen was das Optimum bildet.

    Dem stimme ich ausdrücklich zu!


    Man sollte übrigen auch bei allem einen angemessenem Betrag für Wartung und Reparaturen berechnen. Ich kenne genug Leute die z.B. einen defekten Wechselrichter hatten, den sie ersetzen mussten. ( Reparatur nicht Wirtschaftlich ) Dies ist aber besonders bei Kleinkraftwerken zu berücksichtigen.