Beiträge von sailor773

    Doch, das stimmt. Bei Solidpower ist das Verhältnis sogar noch günstiger: Beim aktuellen Modell BlueGen BG-15 liegt es meines Wissens bei 1:0,57 (1,5 kWel, 0,85 kWth).


    Der Grund liegt in unterschiedlichen Konstruktionsprinzipien. Die BlueGen ist eine Hochtemperaturzelle, die Vitovalor eine Niedertemperaturzelle. Der Preis für die wesentlich höhere Stromausbeute der BlueGen ist ein etwas niedrigerer Gesamtwirkungsgrad (Vitovalor ca. 83% Hs, BlueGen ca. 79% Hs) und die Tatsache, dass die Brennstoffzelle – um schädliche Temperaturschwankungen zu vermeiden – normalerweise niemals abgeschaltet werden darf (wie das dann z.B. bei Netzausfall läuft, weiß vielleicht Hans Dampf ). Wenn im Sommer kein Wärmebedarf vorliegt, geht das bisschen Wärme bei der BlueGen daher ungenutzt über Dach, während die Vitovalor bei weniger Wärmebedarf als 26 kWh/d einmal am Tag eine Pause machen darf.


    Ob es bei der langfristigen Haltbarkeit Unterschiede gibt, wird man sehen. Beide BZ werden mit 10-jährigem Vollwartungsvertrag verkauft, so dass dem Betreiber das erstmal egal sein kann.

    Danke für die Berechnung des Mehrverbrauchs, das entspricht etwa 380 € für Strom den man sonst für 1350 € beziehen würde. Bei der kleinen BSZ könntest du bestimmt knapp die Hälfte selbst verbrauchen.

    Über den Stromverbrauch wissen wir ja noch nicht allzu viel. Aber wenn die Schätzung von Hans Dampf mit 4000 kWh stimmt, kann wohl – grob über den Daumen gepeilt – während der Heizperiode (wo die Vitovalor ca. 5.000 Bh durchläuft und 3.750 kWh Strom erzeugt) der Stromverbrauch zu ca. 80% abgedeckt werden. Das wären dann ca. 2.100 kWh. Im Sommer kommen vielleicht noch mal 1000 Bh mit 750 kWh Strom dazu, von denen vielleicht 600 kWh selbst verbraucht werden. Insgesamt halte ich 60% Eigenverbrauchsquote für realistisch. Damit liegt die Bezugsstrom-Einsparung (2.700 kWh) bei ca. 810 EUR. Für den eingespeisten Strom (1.800 kWh) kriegt man nur ca. 90 EUR, so dass den 380 EUR für Gas-Mehrverbrauch eine Einsparung bzw. ein Erlös von EUR 900 gegenüber steht. Außerdem gibt es für den Gesamtverbrauch der BZ die Energiesteuer zurück, das wären für 13,2 MWh weitere 73 EUR. Die KWK-Zulage wäre zusätzlich 252 EUR pro Jahr, sofern nicht die Pauschalzahlung gezogen wird.

    Kann jemand grob abschätzen inwiefern der Gasverbrauch bei einer Brennstoffzellenheizung gegenüber einer normalen Brennwertheizung steigt?

    Bei der Vitovalor sieht das so aus: Die reine Brennstoffzelle (also ohne die zusätzlich eingebaute Gas-Brennwerttherme) verbraucht pro Betriebsstunde ca. 2,2 kWh Erdgas. Damit erzeugt sie 0,75 kWh Strom und 1,1 kWh Wärme. Angenommen sie läuft 6000 Stunden im Jahr, dann würde sie 13.200 kWh Erdgas verbrauchen und damit 4.500 kWh Strom und 6.600 kWh Wärme produzieren. Um die gleiche Menge Wärme zu erzeugen, würde eine Brennwerttherme mit 96% Wirkungsgrad (Hs) ca. 6.875 kWh Erdgas verbrauchen. Der Mehrverbrauch (in dem Fall ca. 6.325 kWh Erdgas im Jahr) ist der Stromerzeugung zuzurechnen.

    Der größte unbekannte Posten ist für uns die Heizung mit neuen Rohren und Heizkörpern.

    Wenn Ihr schon die gesamte Heizanlage erneuert, solltet Ihr bei der Auslegung der Heizkörper (sofern das räumlich möglich ist) großzügig sein. Wünschenswert wäre, dadurch (unabhängig von der Vorlauftemperatur) eine Heizkreis-Rücklauftemperatur von ca. 30-35°C oder niedriger zu erreichen. Nur so können der Brennwerteffekt voll genutzt und die in den Prospekten genannten – meist auf eine RLT von 30°C bezogenen – Wirkungsgrade halbwegs erreicht werden.

    Also nur wegen des E-Autos würde ich Nachteile bei der Laufzeit nicht in Kauf nehmen, das lohnt sich bestimmt nicht - zumal es in der Übergangszeit gerade auch um die Tageslaufzeit geht.

    - 2020/21 ist geplant den Zweitwagen durch ein kleines Elektroauto zu ersetzen (wahrscheinlich gebrauchter VW e-up). FZG würde nach jetzigem Stand ca. 60km pro Tag an 6 Tagen in der Woche bewegt werden. Aufladen nur zwischen 17 Uhr und 6 Uhr möglich.

    Der e-up dürfte einschl. Ladeverlusten so um die 15 kWh/100 km verbrauchen. Es geht also um ca. 9 kWh pro Nacht, im Winter wohl eher 10-11 kWh. Wenn man aus der Steckdose mit 2,3 kW lädt, ist das selbst im Winter in fünf Stunden locker zu schaffen. Angenommen man lädt z.B. über Zeitschaltuhr zwischen 24:00h und 05:00h, wo im Haus nur noch die Grundlast mit z.B. 200 W gefragt ist, dann bleiben bei einem durchlaufenden 2 kW-BHKW 1,8 kW für das Auto. Dieses wird also (wenn das BHKW nachts durchläuft) zu drei Vierteln mit BHKW-Strom geladen. Zugegeben, bei einem 5 kW BHKW wären es 100% – aber eben nur so lange es läuft. Wenn sich ein größeres BHKW aber beispielsweise um 02:00h abschaltet, weil mit 12 kW(th) der Wärmespeicher dann schon voll ist, hat man mit Zitronen gehandelt. In den vier Sommermonaten ist es sowieso egal, weil da weder ein 2 kW(el)- noch ein 5 kW(el)-BHKW nach 23:00h noch läuft.


    Mit Batterie kann man diesen Bedarf natürlich besser abdecken und dann insbesondere im Sommer das Auto auch mit PV-Strom laden. Nur bräuchte man dann allein für das E-Auto einen Boliden von Batterie mit ca. 10 kWh Kapazität. Einschl. Hausbedarf wäre damit eine Powerwall 2.0 mit 13,2 kWh (netto) eher schon knapp bemessen. Eine PW 2.0 dürfte einschl. Installation so um die 10.000 EUR kosten.


    Und jetzt zur Rechnung: Angenommen man kommt damit im Haus anstatt konservativ geschätzten 70% Autarkie (s.o.) auf 100%, dann ersetzt man durch die Batterie 2.400 kWh Bezugsstrom. Das E-Auto verbraucht im Jahr ca. 270 Tage * 10 kWh = 2.700 kWh. Schätzt man grob, dass davon im Winterhalbjahr 25% und ansonsten 100% über die Batterie laufen, so sind das ca. 1.700 kWh. Eingespart werden also 4.100 kWh Bezugsstrom, bei 28 ct/kWh etwa € 1.150. Bei Ladeverlusten von 8-10% muss der Betreiber dafür aber ca. 4.500 kWh Ladestrom hineinstecken. Bei je 50% BHKW-Strom (Opportunitätskosten ca. 9 ct/kWh) und PV-Strom (ca. 11 ct/kWh) kostet ihn das ca. 450 EUR. Durch die Batterie spart er also ca. 700 €/Jahr (bzw. wegen EEG-Umlage auf den EV>10.000 kWh noch etwas weniger) und hat somit nach ca. 15 Jahren sein Geld zurück. Ich nehme an, dass die Batterie so lange hält, aber ob das attraktiv ist muss jeder selbst entscheiden.

    In der Übergangszeit musst du dir halt überlegen wie du es anstellst das du erst den BHKW Strom und dann den PV Strom verbrauchst da dieser besser vergütet wird.

    Dafür gibt es die sogenannte Zählerkaskade, dann geht das ganz von selbst. Die Zählerkaskade wurde vor Jahren hier im Forum (ich glaube von Gunnar Kaestle) entwickelt und ist seit mindestens 10 Jahren von den Netzbetreibern anerkannter Standard beim gemeinsamen Anschluss von PV- und BHKW-Anlagen.

    Da ich nicht weiß wieviel Finanzmittel zur Verfügung stehen wollte ich noch anmerken das beim BHKW vielleicht auch gebraucht Geräte in Frage kommen

    Also wenn die Finanzmittel knapp sind, würde ich vor allem erst einmal die Batterie weglassen. Die ist in der geplanten Konfiguration die bei weitem unwirtschaftlichste Komponente. Beim BHKW bleibe ich bei meiner Empfehlung NeoTower 2.0 (oder ein anderes mit ähnlichem Leistungsprofil). Damit plus PV-Anlage solltet Ihr schon ohne Batterie locker auf 70% Autarkie kommen. Wenn man vor allem im Sommerhalbjahr die Laufzeit des BHKW intelligent regelt, sind wahrscheinlich sogar 80% drin. Allein für den Warmwasserverbrauch von fünf Personen kann z.B. ein NeoTower 2.0 im Teillastbetrieb wahrscheinlich vier Stunden pro Tag laufen und z.B. zwischen 19h und 23h (wenn die PV nichts mehr bringt) den Strombedarf am Abend größtenteils decken.

    Moin Mittelhesse ,

    klingt ja nicht so gut bzgl. bürokratischem Aufwand.

    Ganz so schlimm ist es nicht. Wer allerdings schon beim bloßen Gedanken an bürokratische Vorgänge Pickel bekommt, sollte sich das mit dem BHKW schon überlegen.


    Um das mal zu sortieren, hier eine Übersicht der bürokratischen Vorgänge, die man als Normalbürger (abgesehen von Angebotseinholung und Auftragserteilung an den Heizungsbauer) bei einem BHKW durchmachen muss. Wenn ich was vergessen habe, bitte ich die Kollegen im Forum um Ergänzung.


    1) Vor der Anschaffung (einmalig)

    • Förder-Antrag beim BAfA: Muss man selbst machen (Auftrag darf erst erteilt werden wenn Förderzusage vorliegt!).
    • Anmeldung beim Verteilnetzbetreiber/"VNB" (gilt auch für PV): Die Arbeit macht hauptsächlich der Elektriker. Man muss nur einiges unterschreiben.

    2) nach Einbau/Inbetriebnahme (einmalig)

    • IBN-Meldung an VNB (gilt auch für PV): Macht der Elektriker.
    • Eintrag ins Marktstammdaten-Register (gilt auch für PV)
    • Anmeldung bzw. Verwendungsnachweis mit diversen Anlagen an BAfA schicken. Siehe hierzu die Meldung unter "Prosumer-News"!
    • Erfassungsbogen und ggf. erste USt-Voranmeldung an Finanzamt schicken (gilt auch für PV)

    3) Laufend während des Betriebs

    • Meldung der Strom-Zählerstände an VNB (PV jährlich, BHKW zu jedem Quartalsende)
    • Meldung gem. § 15 Abs. 3 KWKG, insbesondere zur Stromerzeugung bei negativen Strompreisen, an VNB: Jährlich bis 31.03. des Folgejahres. Siehe hierzu die ausführliche Diskussion in diesem Forum.
    • ggf. Meldung der an Dritte (Mieter) verkauften Strommengen an Übertragungsnetzbetreiber, zur Festsetzung der EEG-Umlage (gilt ggf. auch für PV)
    • ggf. Antrag nach Mieterstromgesetz (gilt ggf. auch für PV)
    • ggf. Meldung der Zählerstände an Gaslieferanten
    • Umsatzsteuer-Voranmeldung (gilt auch für PV): Wenn man sich die USt hat erstatten lassen (d.h. nicht KUR), im IBN-Jahr und im Jahr danach jeden Monat. In späteren Jahren nur bei USt-Abführung >1000 €: Dann jedes Quartal, ansonsten entfällt sie.
    • Antrag auf Energiesteuer-Erstattung beim HZA: Jährlich sobald alle Brennstoffrechnungen für Vorjahr vorliegen.
    • Anlage EÜR bei der Einkommensteuer ausfüllen (gilt auch für PV)
    • Umsatzsteuererklärung an Finanzamt (gilt auch für PV): Auch bei Anwendung der KUR, dann aber sehr kurz
    • Gewerbesteuer-Erklärung an Finanzamt (gilt auch für PV)

    So, ich glaube das waren alle. Die besonders skurrile jährliche Meldung ans HZA nach EnSTransV ist laut "Prosumer News" seit diesem Jahr abgeschafft.


    Zum Arbeitsaufwand:

    • Den Aufwand für die Steuererklärungen einschl. Vorbereitung würde ich auf ein paar Stunden im Jahr schätzen, jedenfalls wenn man ein halbwegs ordentliches Buchführungs-System hat oder gar eine Software wie "Quicken" einsetzt (und nicht nur einen Schuhkarton mit Belegzetteln) . Man kann das aber auch an den Steuerberater delegieren, dann kostet's halt.
    • Die Zählerstandsmeldungen dauern ein paar Minuten, außer die Anlage ist nicht vor Ort.
    • Die Meldung nach § 15 KWKG ist aufwändiger, weil man dafür die Daten zu den negativen Strompreisen (gibt's im Internet) aufbereiten muss, aber ich schätze in 2 Stunden pro Jahr ist das zu schaffen. Es hilft dabei u.U. auch, wenn man monatlich oder gar öfter die Betriebsdaten aufschreibt, aber das würde ich unter "Hobby" einordnen.
    • Antrag beim HZA: Beim ersten Mal ist das etwas aufwändiger. Die Folgeanträge sind in weniger als einer Stunde zu schaffen.

    Gruß, Sailor


    Nachtrag:

    Zitat von Mittelhesse

    Die Frage bzgl. Förderung ging erst mal nur um den hydraulischen Abgleich.

    KfW-Förderung gibt es wohl nicht. Aber das hier sieht mir so aus, als ob es für Dich in Frage kommen könnte - solltest Du Dir zumindest mal ansehen. Die - gleichfalls geförderte - Heizpumpe solltest Du bei der Gelegenheit gleich mit auswechseln: Bei späterem Einbau eines BHKW kann die neue drin bleiben (ggf. mit Heizungsbauer so abklären).

    Was mich noch interessieren würde: wenn V bereit wäre, uns eine Entschädigung für den Stromentgang zu bezahlen - wie berechnen die das? Nehmen die eine durchschnittliche Lebensdauer des Vitotwin an und rechnen so den Stromgewinn hoch?

    Hier im Forum kenne ich nur einen Fall, bei dem Zahlen bekannt sind. Da gab es keine "Entschädigung für den Stromentgang", sondern das Vitotwin wurde von Viessmann zum Originalpreis zurückgekauft, allerdings mit einem Abschlag für das Alter des (in dem Fall sieben Jahre alten) Gerätes. In Eurem Fall ist das Gerät aber noch innerhalb der Fünfjahresgarantie, deshalb würde ich versuchen herauszuverhandeln, dass ein solcher Abschlag entfällt. Außerdem gab es von Viessmann einen Zuschuss zu den Einbaukosten der Vitovalor (ich glaube 1.250 € netto). Weil die neu angeschaffte Brennstoffzelle in Deutschland sehr hoch gefördert wird (keine Ahnung wie das in Österreich läuft), kam unterm Strich ein relativ kleiner Betrag heraus, der vom Betreiber noch draufzuzahlen war.


    Ich würde Dir in jedem Fall empfehlen, Dir von Viessmann bzw. Deinem Heizungsbauer ein diesbezügliches Angebot machen zu lassen sowie Dich nach der Brennstoffzellen-Förderung in Österreich zu erkundigen. Vielleicht kommt ja etwas heraus, was für Euch finanziell tragbar ist.

    Moin Fridold,

    Ein Teil davon ist vermietet, steuerlich 2/3 von DH , deswegen kann ich 2/3 der Verbrauchskosten u Instandhaltung steuerlich geltend machen u mit Mieteinnahmen verrechnen lassen von Steuerberater.

    Das bedeutet aber auch, dass Du auf den an die Mieter gelieferten BZ-Strom die volle EEG-Umlage abführen musst (derzeit 6,405 ct/kWh plus 19% Umsatzsteuer). Zum (teilweisen) Ausgleich kannst Du dann einen Zuschuss nach dem Mieterstrom-Gesetz beantragen (wie auch immer das geht, ich kenne bisher keinen, der das gemacht hat). Besser wird die Wirtschaftlichkeit damit jedenfalls nicht.

    Das mit den Steuern ist schon merkwürdig, wo lässt sich das nachlesen? Damit ich dem Installateur , er kommt am dienstag, seine Rechnung widerlegen kann?

    Siehe angehängte Verfügungen (die Regelung gilt für alle BHKW's mit Inbetriebnahme ab 2016).


    Quintessenz: Ein BHKW ist kein selbständiges Wirtschaftsgut, sondern Bestandteil des Gebäudes. Die Kosten für ein nachträglich in ein Wohngebäude eingebautes BHKW zählen als Erhaltungsaufwand, sind also sofort absetzbar. Das (und nur das) kann tatsächlich eine Möglichkeit sein, mit einem BHKW Steuern zu sparen. Ansonsten ist zu beachten, dass Einkünfte und Ausgaben auf Strom und Wärme aufzuteilen und unterschiedlich abzurechnen sind. Bei einer BlueGen ist der Stromanteil 1,5/2,1= 71,4%. Dies entspricht dem "Gewerbebetrieb Stromerzeugung". Die Wärmeerzeugung (28,6%) wird dagegen wie andere Heizkosten über die Anlage V abgerechnet. Wie das im Detail aussieht, insbesondere welche Einnahmen und Ausgaben wo - voll oder anteilig - zuzurechnen sind, steht in der Verfügung vom 11.01.16. Dein Steuerberater sollte damit arbeiten können und Dir dann auch erklären, wie das in dem Fall eines Gebäudes mit teilweiser Privatnutzung und Vermietung abzurechnen ist: Grundsätzlich ist der privat genutzte Wärmeanteil steuerlich (bei anteiligen Ausgaben wie Einnahmen) unbeachtlich, aber ob das auch in diesem Fall gilt, weiß ich schlicht nicht.


    Ich würde Dir empfehlen, diese äußerst komplexe Materie nicht mit dem Installateur zu diskutieren, es sei denn der wäre im Nebenberuf Dein Steuerberater. Entscheidend ist: Wenn im "Gewerbebetrieb Stromerzeugung" dauerhaft Verluste anfallen sollten - egal wie oder warum - wird das Finanzamt diesen wahrscheinlich als Liebhaberei einstufen. Aus diesem Grund hat es jedenfalls keinen Zweck, Einkommensteuer-Einsparungen aus "Verlusten" im laufenden Betrieb in die Wirtschaftlichkeitsrechnung aufzunehmen. Es ist sogar möglich, dass das FA die Anrechnung des Erhaltungsaufwandes aus der Investition für den gewerblichen Anteil (die 71,4%) verweigert, wenn sich nach einer Prognoserechnung aus Stromerzeugung und -Verkauf (einschl. Eigenverbrauch) über zehn Jahre einschl. Förderung und anteiliger Investition kein Totalgewinn ergibt. Aus diesem Grund empfehle ich, bei der Entscheidung "BHKW oder nicht" zunächst mal davon auszugehen, dass bei der Einkommensteuer keine Einsparung möglich ist. Wenn dann aus der Investition doch was an ESt zurückkommt, ist das "Upside Potential". Aber m.E. wäre es sinnlos, diese Überlegungen mit dem Installateur zu diskutieren.


    Zu Deiner Information: In der vorgelegten Steuerrechnung (Blatt 8) stimmen natürlich an vielen Stellen die kWh-Zahlen nicht. Davon abgesehen sind folgende wesentliche Fehler enthalten:


    1) Einnahmen:

    • Eigen-Stromverbrauch: Der an die Mieter verkaufte Anteil wird mit dem tatsächlich vereinbarten (Netto-)Preis bewertet. 28 ct/kWh netto (entspricht 33,3 ct/kWh brutto) würde ich als Mieter nicht akzeptieren. Der selbst verbrauchte Anteil wird steuerlich dagegen mit den Herstellkosten bewertet. Die liegen im vorliegenden Fall nach meiner Schätzung um 9 ct/kWh netto, falls keine Finanzierung stattfindet - sonst wären es ca. 3 ct/kWh mehr.
    • Wärmeverbrauch: Hat hier nichts zu suchen, wird über die Anlage V abgerechnet.
    • KWK-Investitionszuschuss: Dieser wird nicht auf zehn Jahre verteilt, sondern im Investitionsjahr verbucht (ob als Einnahme oder verrechnet mit den Investitionskosten - also dem Erhaltungsaufwand - ist unterm Strich egal)
    • Was hier völlig fehlt sind die Umsatzsteuer-Einnahmen aus dem Stromverkauf bzw. aus der Entnahme (Eigenverbrauch).
    • Auch noch hier hinein müssten m.E. allfällige Zuschüsse für Mieterstrom.

    2) Ausgaben

    • Brennstoffeinsatz: Gehört hier nur anteilig hinein (71,4% vom Netto-Bezugspreis, nicht wie hier Brutto), der Rest läuft über Anlage V bzw. Heizkostenabrechnung.
    • Wartungskosten: Gehören nur anteilig hinein (71,4%),der Rest läuft über Anlage V bzw. Heizkostenabrechnung.
    • AfA: Entfällt, da die Investition als Erhaltungsaufwand behandelt wurde. Im Neubaufall würde wie folgt gerechnet: Netto-Investition € 30.965 abzüglich KfW-Förderung € 12.450 = € 18.515. 2% AfA hiervon (Gebäudebestandteil!) sind € 370. Anzusetzen sind hiervon 71,4%, also € 264.
    • Schuldzinsen: Wären ggf. zu 71,4% anzusetzen, der Rest läuft über Anlage V.
    • Gezahlte Umsatzsteuer: Er rechnet hier 19% auf die Summe der Strom- und Wärmeverkäufe. Das ist Unsinn, so rechnet man das nicht. Aber ich habe jetzt keine Lust, auch noch eine Umsatzsteuerberechnung vorzunehmen, also lassen wir das mal als Platzhalter so stehen.
    • Gezahlte Stromsteuer Überstromeinspeisung: Kompletter Quatsch, so etwas gibt es nicht - schon gar nicht auf Überstromeinspeisung. (Wenn er das aber hier schon hineinschreibt, müsste er es auch auf Seite 5 aufführen!)
    • Gezahlte EEG-Umlage: 2,272 ct/kWh ist Unsinn. Auf den von Dir verbrauchten Strom fällt keine EEG-Umlage an (auch nicht wenn es 7000 kWh wären). Auf den an die Mieter verkauften Strom wird dagegen die volle EEG-Umlage fällig (6,405 ct/kWh). Auch diese Ausgabe fehlt in der Rechnung auf Seite 5.

    Jetzt müsste man mit den richtigen Zahlen ausrechnen, ob sich ein steuerlicher Überschuss oder ein Verlust ergibt. Aber aus meiner Sicht wäre das eine reine Fingerübung, weil das Ergebnis für die Wirtschaftlichkeitsrechnung (und damit für Deine Entscheidung) jedenfalls uninteressant ist.


    Gruß, Sailor

    Moin Fridold,

    und nein, der tatsächliche Strombedarf sind um die 7000kwh/Jahr

    Upps, da hatte ich noch das falsche Objekt im Kopf. Mit 7000 kWh Jahresverbrauch macht es zweifellos Sinn, über eine BlueGen nachzudenken.


    Aber was das Angebot betrifft: Ein paar Schwachstellen sind Dir ja selbst schon aufgefallen. Bei genauerem Hinsehen gewinnt man den Eindruck, das Angebot hat in dem Betrieb der jüngste Lehrling zusammengestellt und danach hat keiner mehr drauf geschaut. :rolleyes:


    Also der Reihe nach:

    Ausserdem kann der Bluegen die Stromspitzen von Backofen u Herd nicht abfangen, da muss ich auf alle Fälle Strom zukaufen. In seiner Aufstellung geht er von 0 zukauf auf.

    Stimmt. Die BlueGen produziert pro Tag ca. 36 kWh Strom. Der Verbrauch liegt bei 19,2 kWh/Tag, das Verhältnis E/V somit bei knapp 1,9. Bei einem normalen Haushalts-Verbrauchsprofil (also ohne Tesla und Koi-Teich) würde ich unter diesen Umständen eine Abdeckung von immerhin 90% erwarten, aber mehr als 6.300 kWh/a Eigenverbrauch sind m.E. nicht drin. Das scheint mir aber in den Angebotsrechnungen noch das geringste Problem zu sein.

    Wenn ich das richtig sehe rechnet er mit einem wirkungsgrad von 100% bei elektrisch.

    Also das hab' ich so nicht gefunden, aber unabhängig davon sind die Angaben auf Seite 5 zum Teil völlig unsinnig. ;-_


    Eine BlueGen läuft das ganze Jahr über 24/7 durch, kommt also auf 8.760 Betriebsstunden. In dieser Zeit erzeugt sie lt. technischen Daten mit 1,5 kW(el) nicht wie angegeben 8.760 kWh, sondern 13.140 kWh Strom, sowie (nicht wie angegeben 3.504, sondern) 5.256 kWh Wärme. Vielleicht ist es wegen einer kurzen Wartungspause etwas weniger, aber bei angenommenen 6.300 kWh Strom-Eigenverbrauch (s.o.) würde ich mit 6.800 kWh Strom-Einspeisung rechnen und nicht 1.760 kWh. Dafür liegt der Erdgasverbrauch der Brennstoffzelle auch nicht wie angegeben bei 17.520 kWh sondern (mit 2,5 kWh/Bh) bei ca. 21.900 kWh im Jahr.


    Zum Wirkungsgrad der bestehenden Gasheizung ist nichts bekannt, aber bei 100% (Hs) liegt er sicher nicht. Angenommen er liegt bei 95% Hs, dann wäre der Wärmebedarf 33.250 kWh. Wenn die BlueGen davon 5.250 kWh abdeckt, bleiben 28.000 kWh für die Gastherme. Mit den geschätzten 95% (Hs) Wirkungsgrad landet man dann bei einem Erdgasbedarf um 29.500 kWh für die Erdgasheizung.


    Noch zwei weitere Punkte in dem Angebot stimmen nicht zusammen:

    • Auf Seite 2 wird unter "Förderung" eine Einmalzahlung KWK-Zuschlag 3.600 EUR angesetzt. Das kann man machen (siehe jedoch unten), aber dann darf man nicht auf Seite 5 nochmals jährliche Einnahmen aus KWK-Zuschlag in Höhe von 421 EUR ansetzen.
    • Auf Seite 2 werden weiter unter "Förderung" EUR 963,60 Energiesteuer-Rückerstattung (verteilt über zehn Jahre) angegeben. Davon ab, dass die Zahl nicht stimmt (pro Jahr gibt es 21,9 MWh*5,5 €/MWh = 120,45 €) ist es natürlich völlig unzulässig, diese Förderung vom Investitionsbetrag abzuziehen, da man sie nun mal (anders als im Fall des KWK-Zuschlags) nicht vorab in einer Summe bekommen kann. Die Investition nach Förderung liegt also um den genannten Betrag höher.

    Damit müssten die Angaben in dem Kasten "Nach Installation der BZ" auf Seite 5 korrigiert wie folgt aussehen:


    Strombezug 700 kWh

    Erdgasbezug Therme 29.500 kWh

    Erdgasbezug Brennstoffzelle 21.900 kWh

    Stromkosten Bezugsstrom (angesetzt 28 ct/kWh brutto) 196 €

    Erdgaskosten Therme (angesetzt 5 ct/kWh brutto) 1.475 €

    Erdgaskosten Brennstoffzelle (angesetzt 5 ct/kWh brutto) 1.095 €

    Wartungskosten Brennstoffzelle 715 € plus 19% USt = 851 €

    abzüglich Erlös Stromeinspeisung (5 ct/kWh netto) 340 €

    abzüglich KWK-Zuschlag 0 (in Worten Null!) €

    abzüglich Energiesteuer-Erstattung 120 €.


    Achtung: Finanzierungskosten fehlen! Ich setze die mal mit Null an, weil ich die angebotene Finanzierung sowieso für unattraktiv halte. Die Kosten dafür sind mit 3,8% p.a. hoch, steuerlich nicht berücksichtigungsfähig (siehe unten) und führen bei der Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch zu Nachteilen. Wenn Ihr Euch das Eigenkapital für eine Brennstoffzelle nicht leisten könnt, solltet Ihr das Projekt m.E. besser bleiben lassen.


    Die (hier ebenfalls vergessene) Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch ist sehr kompliziert zu berechnen, aber unterm Strich ist der Einfluss wegen der Anrechnung von Vorsteuern marginal. Daher ist es m.E. zulässig, dieses Thema hier außen vor zu lassen.


    Als Summe ergeben sich so jedenfalls Kosten von 3.157 € im Jahr, nicht 2.566 € im Jahr.


    Die "Einkommensteuer-Einsparung" in Höhe von 592 € kannst Du vergessen. Man KANN (außer ggf. im Investitionsjahr) mit einer Brennstoffzelle keine Steuern sparen. Die "Einnahme-Überschuss-Rechnung" auf Seite 8 des Angebotes ist kompletter Unsinn, da sie zahlreiche falsche Angaben enthält und darüber hinaus die geltende Rechtslage zur steuerlichen Behandlung von BHKW's vollkommen außer Acht lässt. Aber selbst wenn sie stimmen würde, hätte dies lediglich zur Folge, dass das Finanzamt die Aktivität als Liebhaberei erkennt. Nachhaltige Verluste werden keinesfalls anerkannt, also gibt es auch keine Ersparnis von Einkommensteuer.


    Unterm Strich ist der Vorteil durch die Brennstoffzelle also nach den notwendigen Korrekturen mit ca. (3.710 ./. 3.157 =) 553 € anzusetzen. Dies muss bezogen werden auf eine Investition von ca. 14.900 EUR nach Förderung und Erstattung der Umsatzsteuer, womit die Amortisation jedenfalls länger geht als die Laufzeit des Vollwartungsvertrages.


    Wenn das mein Projekt wäre, würde ich auf die Pauschalzahlung der KWK-Zulage (3.600 €) verzichten und lieber die jährliche Auszahlung wählen. Dann gibt es pro Jahr zusätzlich (6.300*0,04 + 6.800*0,08 =) 796 €. In 6,85 Jahren (dann sind die 60.000 Bh Förderung vorbei) wären das 5.450 € statt 3.600 €. Aber weil nach knapp sieben Jahren damit Schluss ist, liegt die Amortisation auch dann noch über 20 Jahren.


    Rechnet man wie im Angebot mit 3% jährlicher Steigerung beim Strom- und Erdgaspreis, so sieht die Sache wahrscheinlich besser aus (ich hab's nicht nachgerechnet). Diese Art der Rechnung führt aber auch leicht dazu, dass man sich selbst in die Tasche lügt.


    Fazit: Bei den Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit strotzt das Angebot von Fehlern, und die Berechnung zur Steuer ist (wenn möglich) noch schlimmer. Das muss nicht unbedingt ein Hinweis auch auf mangelnde Zuverlässigkeit der anbietenden Firma bei der technischen Ausführung sein. Ob das Angebot als solches günstig oder ungünstig ist, kann Hans_Dampf zweifellos besser beurteilen als ich. Aber wenn das mein Projekt wäre, würde ich nach einer Firma suchen, die ihre Seriosität durch eine glaubwürdige Rechnung unter Beweis stellt – anstatt das Projekt durch Doppelanrechnungen und fragwürdige Aussagen zur Einkommensteuer schön zu rechnen und sich dabei durch grobe Fehler (z.B. Angaben zur Stromerzeugung) auch noch selbst in den Fuß zu schießen.


    Gruß, Sailor

    Moin,


    bevor ich mich mit diesem Angebot im Einzelnen auseinandersetze, hätte ich eine Frage. Im Eingangsbeitrag steht

    Jährlicher Stromverbrauch: ca. 3.500 kWh

    In dem Angebot ist jetzt aber von 7000 kWh Eigen-Stromverbrauch die Rede. Der Gesamt-Stromverbrauch wäre demnach noch höher. Was stimmt denn nun? Und wo sind die Zahlen in dem Angebot her?


    Ob eine BlueGen überhaupt Sinn macht, und ob die im Angebot gemachten Angaben und Annahmen sinnvoll oder hanebüchen sind (im Kapitel "Steuern" trifft überwiegend Letzteres zu, so viel vorweg), hängt sehr stark davon ab ob Ihr nun plant 3.500 kWh oder doch deutlich mehr als 7.000 kWh Stromverbrauch zu haben. Letzteres wäre selbst für eine 4-5köpfige Familie allerdings schon üppig, oder habt Ihr auch die Anschaffung eines Koi-Teichs o. dgl. vor?


    Gruß, Sailor

    1. An unserer Anlage ist ja nur der Stirling kaputt. Die Gasheizung läuft einwandfrei. Macht es da überhaupt Sinn, eine neue Gastherme einzubauen?

    Technisch macht es keinen Sinn - jedenfalls nicht, wenn die Alternative ist statt dem fußkranken Vitotwin lediglich eine normale Brennwerttherme einzubauen. Die im Vitotwin eingebaute Therme ist baugleich mit den Gasthermen, die Viessmann sonst auch verkauft, und die Vitotwin-Regelung kommt mit einem reinen "Brenner2"-Betrieb tadellos klar. Bei einem Tausch gegen eine Vitovalor würde man das alte Gerät dagegen komplett ausbauen, weil die Vitovalor ebenfalls eine Brennwerttherme für die Spitzenlast eingebaut hat.

    Sollten wir V den Vorschlag machen, uns statt einer neuen Gastherme eine Photovoltaik Anlage aufs Dach zu bauen?

    Machen könnt Ihr das unter technischen Gesichtspunkten wohl schon. Die Viessmann-PV-Module kommen zweifellos (wie praktisch alle anderen auch) aus China, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich um Billigware handelt. Die besseren China-Scheiben sind heutzutage meines Wissens Qualitätsware.


    Eine ganz andere Frage ist, ob bzw. zu was für Bedingungen Viessmann darauf eingeht, denn verdienen tun sie an einer PV-Anlage mit Sicherheit weniger als an einer Vitovalor.

    Ein Vitovalor kommt für uns nicht infrage

    Warum nicht?

    Moin Mittelhesse ,

    Wovon ist denn abhängig, wie weit man die Vorlauftemperatur absenken kann?

    Die Vorlauftemperatur ist (außer für eine Wärmepumpe, die aber hier wohl nicht zur Debatte steht) gar nicht so wichtig. Entscheidend für den Wirkungsgrad eines Brennwertkessels ist die Rücklauftemperatur.


    Eine niedrige Rücklauftemperatur ist erreichbar, wenn die Heizkörper bauart-bedingt sehr leistungsfähig oder im Verhältnis zur Heizlast großzügig dimensioniert sind. Letzteres kann sich auch (ohne Veränderung an den Heizkörpern selbst) durch Wärmeschutzmaßnahmen ergeben. Bei Flächenheizungen (z.B. Fußbodenheizungen) sind VLT und RLT von vornherein sehr niedrig. Bei Radiatoren wird im Rahmen des hydraulischen Abgleichs über voreinstellbare Thermostatventile der Durchfluss in jedem einzelnen Heizkörper so eingestellt, dass sich das Wasser auf seinem Weg durch den Heizkörper möglichst weit abkühlt. Aus einer VLT von 50°C werden dann z.B. Brennwert-freundliche 30°C RLT, und die HK sind unten viel kühler als oben. Das geht aber nur, wenn die HK groß oder leistungsfähig genug sind, um auch mit der so verminderten Temperatur den Raum immer noch ausreichend zu erwärmen.


    Im vorliegenden Fall würde ich als erstes von einem Fachmann einen hydraulischen Abgleich machen lassen um zu sehen, inwieweit die RLT überhaupt abgesenkt werden kann. Bei Heizöl ist der Brennwert-Effekt schon bei 52°C fast völlig weg. Wenn also die Rücklauftemperatur des Heizkreises nicht während des größten Teils der Heizperiode deutlich unter 40°C liegt, wäre die Anschaffung eines Öl-Brennwertkessels m.E. rausgeschmissenes Geld. (Der hydraulische Abgleich ist übrigens auch Voraussetzung für die Förderung eines BHKW.)


    Was das BHKW betrifft: Stromverbrauch (8000 kWh/Jahr, mit neuer Heizpumpe vielleicht 7.700 kWh) und Wärmebedarf (3.750 l Heizöl * 10 kWh/l * geschätztem Wirkungsgrad 80% = 30.000 kWh/Jahr) könnten m.E. den wirtschaftlichen Betrieb eines BHKW wie des NeoTower 2.0 mit 1,1-2,0 kW(el) und 3,8-5,2 kW(th) ermöglichen. Das läuft auch mit Flüssiggas. (Eine Brennstoffzelle kommt dagegen nicht in Frage, die gibt es derzeit nur für Erdgas.) Für die Spitzenlast bräuchtest Du zusätzlich eine ebenfalls mit Flüssiggas betriebene Gastherme.


    Aber was Neuendorfer geschrieben hat stimmt natürlich: Du müsstest in einen Flüssiggastank investieren und auf den an die anderen Parteien gelieferten Strom EEG-Umlage abführen. Im Ausgleich für Letztere darfst Du dann (zusätzlich zu den anderen bürokratischen Denksportaufgaben, mit denen der Staat uns BHKW-Betreiber beglückt) auch noch einen Förderantrag nach Mieterstrom-Gesetz stellen. Ob man sich das geben will, muss jeder selbst entscheiden: Hohe Leidensfähigkeit angesichts bürokratischer Herausforderungen ist ohnedies für den BHKW-Betreiber unerlässlich.


    Gruß, Sailor

    Meine Frau pendelt täglich 30km, derzeit mit einem Euro 5 Diesel. Wenn man da zu einem Golf E wechseln würde und den mit Wallbox lädt, sieht der Stromvebrauch schlagartig anders aus.

    Der Stromverbrauch sieht dann möglicherweise anders aus: Bei 60 km/Tag und 15 kWh/100 km Verbrauch wären das zusätzliche 9 kWh/Tag bzw. (in angenommen 220 Arbeitstagen) 1.980 kWh im Jahr. Außer der E-Golf kann beim Arbeitgeber kostenlos geladen werden, dann sind es Null kWh/a.


    Aber der Nutzen einer Vitovalor für das Laden eines E-Autos ist begrenzt, weil sie nun mal nur 750 Watt Leistung abgibt. Wenn ausschließlich nachts ab 22:00h geladen wird (wo in einem EFH geschätzte 150 Watt Grundlast anliegen), bleiben für das E-Auto im Schnitt vielleicht 600 Watt übrig.


    Die minimale Ladeleistung für E-Autos liegt aber - soweit ich weiß - aus technischen Gründen bei 6 A, also 1380 Watt. Angenommen das lässt sich am Auto (oder an der Wallbox) so einstellen, dann würde es ausreichen, um die tagsüber verbrauchten 9 kWh plus Ladeverlusten in ca. sieben Stunden nachzuladen. Soweit OK. Es zeigt sich aber, dass selbst bei einer solchen extremen "Schnarchladung" nur gute 40% aus der Vitovalor kommen können. Mehr als ca. 860 kWh zusätzlicher Verbrauch aus der Vitovalor sind also selbst in diesem Fall nicht drin. (Übrigens sollte man mit dem Hersteller klären, ob bzw. wie sehr die Ladeverluste bei so geringen Ladeleistungen ansteigen.)


    Tatsache ist, dass die kleinen Nano-BHKW's einfach zu schwach auf der Brust sind um viel zum Laden eines E-Autos beizutragen. Ändern tut sich das erst ab ca. 1,5 kW (BlueGen) bis 2 kW Leistung.

    Ohne das im Einzelnen gerechnet zu haben, fürchte ich, dass der Stromverbrauch mit 3.500 kWh zu gering ist um eine Brennstoffzelle wirtschaftlich zu betreiben. Grob geschätzt könnte in dem beschriebenen Haus eine Vitovalor im Jahr vielleicht 6.800 Stunden laufen und 5.100 kWh Strom erzeugen. Aber viel mehr als die Hälfte davon werdet Ihr wohl kaum selbst verbrauchen können. Ob sich dafür die Investition in eine Brennstoffzelle lohnt, ist aus meiner Sicht fraglich. Wenn die alte Heizung noch geht, könnte man natürlich auch noch 2-3 Jahre mit dem Tausch warten und beobachten, wie sich der Stromverbrauch tatsächlich entwickelt: Mit drei kleinen Kindern laufen womöglich Waschmaschine und Trockner jeden Tag zwei Mal. Andererseits könnt (und solltet) Ihr allein durch das Auswechseln der alten Heizpumpe wahrscheinlich schon 300 kWh im Jahr sparen.


    Die hohen Vor- und insbesondere Rücklauftemperaturen sind für eine Brennwertheizung nicht gerade optimal. Mit den alten Guss-Heizkörpern wird man da kaum viel machen können. Es wäre aber vielleicht den Versuch wert, neben dem Tausch der Fenster wenn möglich auch noch auf der obersten Geschossdecke (bzw. bei bewohntem DG innen zwischen den Dachbalken) eine Dämmung anzubringen, und dann einen hydraulischen Abgleich zu machen. Vielleicht ist es möglich, auf diese Weise die Rücklauftemperaturen etwas herunter zu bringen, das hilft jedenfalls bei der Brennwertnutzung.

    Wie viele Sterlingmotoren braucht man bis dahin? Selbst wenn nur einmal ein Ersatz notwendig würde, wäre ein Break-even nicht mehr darstellbar.

    Das ist der Schlüssel zu der ganzen Thematik. Wenn der Stirlingmotor nicht wenigstens im Mittel 50.000 Stunden hält, rechnet sich die Sache nicht: Ohne Vollwartungsvertrag nicht für den Betreiber und mit VWV nicht für den Hersteller. Oder ein VWV würde wie beim Ecopower vorsichtshalber für knapp 15 ct netto pro erzeugte kWh verkauft, dann rechnet sich's wieder nicht für den Betreiber (bei Vaillant hat sich's anscheinend für keinen der beiden gerechnet...)

    Das Zauberwort heißt Vollwartungsvertrag.

    Vollwartungsverträge hat Viessmann für das Vitotwin nie angeboten. Es gab eine fünfjährige Garantie, und eine Zeit lang wurde wohl gegen ein mäßiges Entgelt sogar eine Garantieverlängerung angeboten. Aus diesem Grund hat meines Wissens - jedenfalls hier im Forum - noch nie ein Vitotwin-Betreiber einen Austausch-Stirling bezahlt, die gab es alle auf Garantie. Und weil das offensichtlich zu viele waren, hat Viessmann das Projekt Stirling-BHKW mangels Wirtschaftlichkeit eingestellt. Aber insgesamt finde ich (nach eigenen Erfahrungen und nach der Mehrzahl der einschlägigen Forumsbeiträge, Ausnahmen bestätigen die Regel) die Viessmann-Politik den Vitotwin-Käufern gegenüber ziemlich fair, zumal im Vergleich zu anderen Stirling-Anbietern und auch zu anderen BHKW-Herstellern mit "V" im Namen.

    Die Jahresstromrechnung des Versorgers zeigt eine Menge von 5624 kWh, ich nehme an, dass da der Eigenverbrauch drin ist

    Nee, bestimmt nicht. Der Versorger (wer immer das ist) hat mit dem Netzbetreiber, der das BHKW abrechnet, nichts zu tun. Du hast also insgesamt 8.341 kWh verbraucht, davon 5.624 kWh Bezugsstrom (2/3) vom Versorger und 2.712 kWh (1/3) aus dem BHKW. Das passt ja auch besser zu Deiner Angabe am Anfang dieses Threads.


    Bei den Erträgen kannst Du noch die Energiesteuer-Entlastung dazu rechnen, das müssten nach neuem Satz (€ 4,42/MWh) so um die EUR 110 sein. Aber bei >500 EUR Regelwartungskosten pro Jahr (!) reißt es das natürlich nicht raus. Ich halte diesen Betrag für sehr hoch: Bei uns verrechnet der HB für die Wartung € 190 netto, plus Ersatzteile (Elektroden) nach Bedarf. Ich habe nur ein einziges Mal knapp € 400 netto für die Wartung bezahlt, sonst waren es bisher immer unter € 300. Und das nur alle zwei Jahre, was laut unserem HB vollkommen ausreichend ist.

    Ich bin zwar kein Jurist, aber m.E. widerspricht diese Vorgehensweise eindeutig dem Gesetzestext.

    Zitat von § 15 Abs. 4 KWKG

    (4) Wenn in einem Kalendermonat die Voraussetzungen nach § 7 Absatz 7 Satz 1 mindestens einmal erfüllt sind, legen die Betreiber von KWK-Anlagen ... Angaben zur Strommenge vor, die sie in dem Zeitraum erzeugt haben, in dem die Stundenkontrakte null oder negativ gewesen sind. Andernfalls verringert sich der Anspruch in diesem Kalendermonat um 5 Prozent pro Kalendertag, in dem dieser Zeitraum ganz oder teilweise liegt.

    Da steht "Andernfalls". Also im einen Fall erfolgt eine Meldung, dann Kürzung nach Stunden. Im anderen Fall erfolgt keine, dann Kürzung pauschal.


    Also ich würde mit Bezugnahme auf diesen Gesetzestext Widerspruch einlegen bzw. die ausstehende Vergütung anmahnen.

    Moin pauly ,


    wenn Du die Stirling-Betriebsstunden tatsächlich über sieben Jahre monatlich aufgeschrieben hast, kannst Du daraus für jeden Monat die mögliche Laufzeit einer PT2 ziemlich genau abschätzen: Du multiplizierst einfach die durchschnittliche Stirling-Laufzeit mit 5,4. Das bedeutet auch: In den Monaten, wo der Stirling mehr als ca. 130 Stunden gelaufen ist (also vermutlich im gesamten Winterhalbjahr), würde die PT2 vermutlich durchlaufen und dann in je 48 Stunden ca. 34 kWh Strom produzieren (nicht 36 kWh: Etwa alle 45 Stunden fallen zwei Stunden Regenerierzeit an, in denen kein Strom erzeugt wird).


    Wenn die 5300 kWh der Brutto-Stromverbrauch sind (also einschl. Direktverbrauch aus dem Vitotwin), wären das ca. 14,5 kWh/Tag. Die PT2 erzeugt 17 kWh/Tag. Bei diesem Verhältnis und einem normalen Haushalts-Verbrauchsprofil schätze ich, dass Du pro Betriebsstunde der PT2 im Mittel etwa 0,5 kWh selbst verbrauchen kannst - wenn sie durchläuft also ca. 11 kWh/Tag. Mit diesen Werten kannst Du die voraussichtliche Bezugsstrom-Einsparung und die Stromeinspeisung ausrechnen.


    Nachdem die erwartete Eigenverbrauchsquote bei ca. 67% liegt, ist es wahrscheinlich sinnvoll, beim KWK-Bonus die Pauschalzahlung (1.800 €) zu wählen. Dann hast Du keinen Aufwand falls Dein VNB den eingebauten Erzeugungszähler nicht akzeptiert, und später keinen Stress mit Meldungen oder pauschalen Kürzungen nach § 15 KWKG.


    Der Gasverbrauch der PT2 liegt bei ca. 2,2 kWh pro Betriebsstunde, die Wärmeerzeugung bei ca. 1,1 kWh/Bh. Die restliche Wärme kommt aus der eingebauten Brennwerttherme. Da die Brennstoffzelle selbst aus technischen Gründen den Brennwert nicht nutzen kann (die eingebaute Brennwerttherme dagegen schon) und mehr Strom erzeugt wird, dürfte sich der jährliche Gasverbrauch gegenüber jetzt etwas erhöhen.


    Die Energiesteuer-Erstattung ist bei der Brennstoffzelle weiterhin 5,5 €/MWh. Eine Anrechnung der Investitionsförderung findet hier nicht statt. Trotzdem wird unterm Strich weniger erstattet, weil die Brennstoffzelle für ihren KWK-Prozess weniger Gas verbraucht als das Vitotwin.


    Ich glaube das sind die wesentlichen Parameter, mit denen Du die Wirtschaftlichkeit selbst abschätzen kannst. Ansonsten melde Dich hier wieder.


    Gruß, Sailor