BHKW für 48 WE mit 200.000 kwh pro Jahr

  • Hallo an die Experten,


    wie würdet ihr in folgendem Objekt ein BHKW dimensionieren.


    48 WE = 48 Wohnungen mit etwa 100 private Mieter.
    Jahresheizenergieverbrauch inklusive Warmwasser = 230.000 kwh Erdgas- zukünftig etwa 200.000 kwh Erdgas durch Dachbodendämmung in 2011.
    Warmwasserbereitung pro Jahr 500 cbm, also etwa 24 % der Gesamtenergie.


    VIelen Dank für Eure wertvollen Tips,


    wgbisch

  • Hallo


    schön Dich mal wieder im Forum zu sehn (konnt mir irgendwie den Namen merken)


    das sieht ja recht nett aus
    1. welche Postleitzahl
    damit ich mal mit denKlimadaten schätzen kann
    2. sind die Mieter "zugägnglich"?
    Also hat man einen halbwegs vernünftigen Umgang, damit man ihnen auch nahelegen kann, den Strom von Dir zu kaufen?
    3. gibts vilelicht eine Abshätzung, wieviel Strom die gesamt brauchen...48Wohnungen könnten ja über 100.000kwh sein


  • 48 WE = 48 Wohnungen mit etwa 100 private Mieter.
    Jahresheizenergieverbrauch inklusive Warmwasser = 230.000 kwh Erdgas- zukünftig etwa 200.000 kwh Erdgas durch Dachbodendämmung in 2011.
    Warmwasserbereitung pro Jahr 500 cbm, also etwa 24 % der Gesamtenergie.


    Milchmädchenrechnung
    200.000 kWh: vier Nullen abstreichen und den Wert in kW_el nach unten abgerundet für ein BHKW ansetzen ~ 10-20 kW_el
    Überschlagsrechnung: ca 2/3 der Wärmearbeit kommen durch das BHKW, d.h. 120.000 kWh_th (bei gleichmäßiger Last, d.h. halbwegs gute Dämmung -> kleinere Winterspitze und WW-Verbrauch im Sommer auch mehr). Bei 4000 h sind das 30 kW_th, das sind ca. 15 kW elektrisch.


    Jetzt sollte man noch überprüfen, ob auch die elektrische Last stimmt. Pro Wohneinheit hat man in der Spitze gut durchschnittlich 1-1,5 kW, nachts zur Schwachlastzeit nur wenige hundert Watt zb. 200W bei den 2-Personen-Appartments. 50 * 0,2 kW sind 10 kW Grundlast, bei 0,3 kW wären es also die oben genannten 15 kW. Damit ist der Strom - sofern ihn die Mieter kaufen wollen - rund 20 ct/kWh wert und nicht nur ein Drittel.


    Abrechnungsvarianten sind hier erklärt. Nicht erschrecken lassen von dem juristischen Fachvolkalbular, sondern das Summenzählermodell umsetzen. Hier im Forum gibt's Schützenhilfe. Die Stromvermietung an die Vermarkter wird schon seit Jahren gemacht.


    Gruß,
    Gunnar

  • Moin W Gbisch,


    ich muss schon sagen das sind im durchschnittlichen pro Kopfverbrauch schon sehr niedrige Werte.
    wenn man mal foilgende Rechnung auf macht.


    Ein Mensch duscht einmal am Tag für 5 Minten pro Minute wern rund 7,5 Liter Warmwasser verbraucht für die Wohlfühltemperatur mischt man dann den Rest als Kaltwasser dazu.
    7,5 Liter x 5 Minuten x 365 Tage x 100 Mieter = 1368 m³ Warmwasser pro Jahr.


    ok ist nur eine Hochrechnung reale Werte sind natürlich besser der Wärmebedarf für die Heizung für so eine Imobilie mit 100 Mietern scheint mir auch sehr gering zusein.


    gehen wir mal von den 500 m³ Warmwasser im Jahr aus und wir vernachlässigen die Zirkulationverluste der Warmwasserleitungen.


    500m³ Warmwasser x 50°K Erwärmung x 1,12 Kwh/m³ = 28000 kWh für die Warwasserbereitung.


    Nun mal weiter gerechnet für den Hezungswärmebedarf.


    230.000 kWh Erdgas - 20% wohlwollenden Kessellverlust - 28000 kWh Warwasser : 48 Wohneinheiten x 6ct / kWh Wärmekosten : 12 Monate = 16,25 Heizkosten pro Monat.
    Das erscheint mir doch sehr gering das muss ein Fehler sein.


    :offtopic: Falls da noch eine Wohnung frei ist bei den niedrigen Kosten ziehe ich dort gerne ein.


    Kannst du bitte deine Datenerfassung prüfen ich bin der Meinung da stimmt was nicht.

    Mit Energie geladenen Grüßen aus dem Teufelsmoor.
    Nicht nur privat bin ich von hocheffizienten BHKW überzeugt.
    Vom Hobby zum Beruf gekommen bin ich seit einigen Jahren auch Angestellter der MWB AG und seit Februar 2014 bei RMB Energie GmbH

  • das sieht ja recht nett aus
    1. welche Postleitzahl
    damit ich mal mit denKlimadaten schätzen kann
    2. sind die Mieter "zugägnglich"?
    Also hat man einen halbwegs vernünftigen Umgang, damit man ihnen auch nahelegen kann, den Strom von Dir zu kaufen?
    3. gibts vilelicht eine Abshätzung, wieviel Strom die gesamt brauchen...48Wohnungen könnten ja über 100.000kwh sein


    - PLZ: 37345
    - zugängliche Mieter? - Die drehen im Treppenhaus jede 2. Gluehlampe raus und hätten am liebsten den Kohle-badeofen wieder.
    - Stromabschätzung würde ich mit dir mitgehen, etwa 100.000 kwh pro Jahr, vielleicht eher mehr.


    Hallo GB1530
    - kannst gern bei uns einziehen. Die Daten stimmen alle und sind von 2006 bis 2009 alle auf dem gleichen Niveau.
    - Du kannst ja selber rechnen dass wir inklusive Warmwasser bei etwa 80 kwh/quadratmeter und Jahr liegen - für ein MFH aus 1965 und ohne Dachbodendämmung sicherlich nicht schlecht. Spass beiseite: Die Daten stimme alle zu 100% - das sind eben die Effekte eines MFH mit 48 WE, wo der eine Nachbar den anderen mitheizt - die Experten sagen: günstiges Verhältnis von Oberfläche zu umbautem Raum.


    Aber die Info mit 15 kw el/ 30 kw th hilft mir schon echt weiter - Danke.


    WIe würdet Ihr den Speicher dimensionieren bei 500 cbm / Jahr = 1500 liter pro Tag WW-Bedarf?


    WGBisch

  • Hallo,


    also erstmal muss ich GB1530 aber nochmal recht geben,
    dass sind wirklich extrem niedrige Verbrauchswerte, da muss schon richtig gut Dämmung drauf sein und sonst einiges gemacht worden sein.


    Leistungsklasse 15/30 passt sehr gut
    vor allem, da von einem günstigen Strom-Wärmeverhältnis auszusegen ist


    geschätzte Laufzeit: 5.300 Vollbenutzungsstunden


    Grobe Kalkuklation
    mit Annahmen 80% Eigennutzung(erscheint hoch, aber bei 48 x 300W Grundlast...dürfte es schon konservativ sein)
    17cent Strombeschaffungskosten, 5cent Gaskosten, 5cent EEX und 1cent vNNE, 3,2cent Wartungskosten (alles pro kwh el)


    Vorsicht, nach neuerer Lesart, ist man EEG-Umlagepflichtig bei Verkauf an Mieter....hier müsste man dann -wenn auch wohl bisher nicht abverlangt- noch die in die Kalkulation mit einrechnen...ab '11 3,5cent und vll gehts auch noch in den Folgejahren höher (aber dann natürlich auch der Bezugspreis)


    Würde den Ertrag natürlich noch etwas schmälern (um ca. 2tsd)
    aber dennoch eine echt runde Sache.



    Nur die Mieter sollt man noch überzeugen
    den Strom auch wirklich bei Dir zu beziehen

  • Du kannst ja selber rechnen dass wir inklusive Warmwasser bei etwa 80 kwh/quadratmeter und Jahr liegen - für ein MFH aus 1965 und ohne Dachbodendämmung sicherlich nicht schlecht. Spass beiseite: Die Daten stimme alle zu 100% - das sind eben die Effekte eines MFH mit 48 WE, wo der eine Nachbar den anderen mitheizt - die Experten sagen: günstiges Verhältnis von Oberfläche zu umbautem Raum.


    Bei 200.000 kWh geteilt durch 50 WE sind das 4.000 kWh Wärmebedarf pro Wohnung. Das sind bei 80 kWh/m2 also ~2ZKB zu durchschnittlich 50m².
    80 kWh² sind für einen 60er-Bau auch nach Dachbodendämmung ein wirklich unglaublich guter Wert - ist da in den letzten 20 Jahren mal was dran gemacht worden? Fenster und Türen? Zugige Stellen abgestellt? Brennwertheizung? Einfacher Wärmeputz?


    Ansonsten der Tipp, beim Dachausbau auch an die photoakive Außenhaut zu denken. PV + BHKW ist eine gute Kombination: Sonnenstrom im Sommer und am Tag, KWK-Strom im Winter und in der Nacht. Passen noch 30 kW auf das Dach - das sind ca 200m²? 30 kW weil dann noch keine komplizierte Netzanschlussprüfung notwendig ist, weil die Tagesspitze des Verbrauchs auch höher ist und dann auch nicht jeder Tag einen blauen Himmel mit voller PV-Leistung mit sich bringt. PV-Strom kostet beim Eigenverbrauch im Minimum 12 ct/kWh (Opportunitätskosten gegenüber der Volleinspeisung gemäß §33(2) EEG). Wenn der Großteil der Mieter sich für den Strombezug aus der Heimstromquelle beziehen, kann die PV-Anlage das Erzeugungsportfolio sinnvoll ergänzen.


    Gruß,
    Gunnar

  • Hallo gunnar,


    super mitgedacht wegen Pv + BHKW,
    aber wir haben nur ein Ost-westdach - ich habe schon mehrfach gerechnet,
    lohnt sich wohl eher nicht. Auf meinen Süddächern habe ich schon 100 kwp PV drauf, sind aber alles andere Objekte.


    Wegen Wärmedämmung: klar - Fassade gedämmt, Keller gedämmt, Energisparfenster eingesetzt -
    fehlt nur noch Dachbodendämmung - der kommt
    eben 2011.


    Danke für die Infos - ich werde Powertherm ins Auge fassen.
    - Aber welchen Speicher würdet Ihr empfehlen 2000 l oder eher 3000 l?
    Wie gesagt 500 cbm WW / Jahr = 1,5 cbm pro Tag = 75 kwh WW-Energie pro Tag.


    MfG
    WgBisch

  • Passen noch 30 kW auf das Dach - das sind ca 200m²? 30 kW weil dann noch keine komplizierte Netzanschlussprüfung notwendig ist, weil die Tagesspitze des Verbrauchs auch höher ist und dann auch nicht jeder Tag einen blauen Himmel mit voller PV-Leistung mit sich bringt.

    Wobei das BHKW bei den 30kWp jedoch soweit mir bekannt mit einzurechnen ist. Und ein Überschreiten der Grenze ist ohnehin heikel, da viele VNB dann eine Wandlermessung verlangen - einige auch erst ab 40kWp.


  • aber wir haben nur ein Ost-westdach


    Wenn es nur ein relativ flaches Teil ist (Plattenbau?), dann könnte man ja ein wenig Richtung Süden aufständern.


    Zitat

    Aber welchen Speicher würdet Ihr empfehlen 2000 l oder eher 3000 l?
    Wie gesagt 500 cbm WW / Jahr = 1,5 cbm pro Tag = 75 kwh WW-Energie pro Tag.


    Eine zentrale Warmwasserbereitung mit kaskadierenden Frischwasserstationen (Plattenwärmetauscher) ergibt niedrige Rücklauftemperaturen. Das BHKW wenn möglich immer mit extra Brennwertwärmetauscher ordern, sonst wird nur zum Schornstein rausgeheizt.


    Ein Pufferspeicher mit 1000l hat bei hoher Spreizung (siehe WW-Bereitung oben) rund 50 kWh_th Inhalt. Das entspricht bei einer Stromkennzahl von 0,5 (z.B. 30% el, 60% th) einem funktionalem Stromspeichervolumen von 25 kWh_el. Durch diesen funktionalen oder virtuellen Stromspeicher kann der wärmegeführte Betrieb entkoppelt werden und man erhält die Möglichkeit, statt für 5 ct/kWh einzuspeisen für 15 ct/kWh den Strom im Gebäude zu vermarkten (alles ohne KWK-Zuschlag).


    Allerdings hat man auch thermische Verluste, mit denen man unbeheizte Kellerräume aufwärmt. Das gilt es gegeneinander abzuwägen. Ist denn genügend Platz vorhanden?


    Gruß,
    Gunnar