Ein Dach zwei getrennte PV Anlagen innerhalb eines Jahres bauen?

  • Hallo zusammen,


    ich hätte eine Frage, sind grundsätzlich zwei Anlagen auf einem Dach innerhalb eines Jahres möglich (bis Ende 2022 musste ja ein Jahr dazwischen liegen)? Die auch beide über EEG als Volleinspeiser abgerechnet werden können? In meinem Fall wären beide Anlagen je 81kWp groß und beide als Volleinspeisung angedacht :?:

  • Nach meinem Verständnis (d.h. ohne Gewähr) ja - sollte gehen.


    Nach § 24 Abs. 3 EEG sollten sogar beide Anlagen über denselben Zähler abgerechnet werden können.


    Ein Pferdefuß findet sich in § 9 Abs. 2 EEG. Ab 100 kWp muss RLM und Fernwirktechnik am Start sein. Hierfür zählen beide Anlagen technisch zusammen - nicht einzeln, wie bei der Vergütung. Das macht die Abrechnung über einen Zähler mit einer Fernwirktechnik besonders attraktiv!

    Man achte darauf, dass der BHKW-Lieferant nicht gegen § 312 StGB verstößt. :neo:

  • vielen Dank für deine Antwort.

    Hmm hab mir den Abs. 3 mal genau durchgelesen, ja das liest sich so.

    Aber wir würde das dann ablaufen?

    Ich melde zwei Anlagen an. Baue dann aber eine Wandlermessung ein? Wie würde ich dann abrechnen?

    Irgendwie bekomm ich das noch nicht ganz zusammen wie das technisch und auf dem Papier laufen soll.

  • Wandlermessung hat nichts mit RLM/SLP/iMSys zu tun, sondern der Stromstärke > 63/100 A. RLM oder Messsystem mit EinsMan braucht es aufgrund > 100 kWp am gleichen Hausanschluss.


    Bei zwei gleichartigen Anlagen über eine gemeinsame Messeinrichtung erfolgt die Abrechnung anteilig nach kWp.

    Man achte darauf, dass der BHKW-Lieferant nicht gegen § 312 StGB verstößt. :neo:

  • genial, danke für eure Antworten.

    Jetzt hätte ich noch eine weitere Frage. Ich will den ganzen Aufwand ja nur machen, weil ich die Direktvermarktung umgehen will.
    Bleibt halt die Frage ob das wirklich weniger Geld in der Direktvermarktung ist?

    Was ich bis heute nicht verstanden habe, man bekommt ja bei einer Anlagengröße über 100kWp und kleiner 1MW den Börsenpreis + Marktprämie. Kar Marktprämie = anzulegender Wert EEG – monatlicher Durchschnittspreis für Strom an der Börse.

    Aber auf den ganzen Direktvermarkter Seiten finde ich nicht wirklich was, wie viel das im Schnitt für so eine Anlage ist.

    Wisst ihr ob es da irgendwo eine Übersicht gibt, was so in den letzten Monaten für so eine Anlage in der Direktvermarktung pro KW bezahlt worden ist?

    Oder wie würdet Ihr das machen mit so einer Anlage in dieser Größe (162kWp Ost/West ohne eigenen Stromverbrauch)?

  • Mit der Anlagengröße fährt man in der Direktvermarktung eigentlich immer besser! Biete die Anlage mehreren Vermarktern an, vergleich die Angebote, studiere die Bedingungen genau und entscheide dann. Bei Interconnector gibt es direkt einen Rechner auf der Webseite… Aber das sind i.d.R. nicht direkt die besten Konditionen…

    Man achte darauf, dass der BHKW-Lieferant nicht gegen § 312 StGB verstößt. :neo:

  • jetzt hätte ich noch eine Frage. Unsere Anlage 163kwp wird jetzt gerade montiert, ist aber noch nicht ans Netz angeschlossen.

    Jetzt hat so ein Landwirt mit seinem Traktor angehalten und wollte ein paar Sachen wissen (größe, Preis etc..) aber dann sagt er, warum schließt du die jetzt noch an und nicht erst am 01.01.2024?

    gut hab ihm gesagt, dass wir ja keine EEG Vergütung bekommen, aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke ist ja auch die Direktvermarktungsvergütung vom EEG abhängig.

    Jetzt zur Frage, würdet Ihr die Anlage noch dieses Jahr in Betrieb nehmen oder strategisch bis anfang Januar warten? um dann die 20 + 1 Jahr mehr oder weniger voll zu haben?

  • Nachdem du ja keine EEG Vergütung bekommst, dürfte der Inbetriebnahme Zeitpunkt keine Rolle spielen.


    Bei den EEG Anlagen hat man das oft so gemacht, um eben dieses 20+1 Jahr mitzunehmen.

    Aber da du ja keine EEG Vergütung bekommst, dürfte der IBN Zeitpunkt keine Rolle spielen.

    Aber frag sicherheitshalber mal bei einem Direktvermarkter nach, wenn du da von jemand schon

    ein Angebot vorliegen hast

    50kw elektrisch Erdgas BHKW von Yados

    25kw Absorptionskältemaschine aus BHKW-Abwärme

    Photovoltaikanlage 99,9 kwp

  • ist ja auch die Direktvermarktungsvergütung vom EEG abhängig.

    Vom EEG abhängig ist nicht die Direktvermarktungsvergütung selbst, aber die Marktprämie. Die deckt die Differenz zwischen dem tatsächlichen Erlös aus der Direktvermarktung und dem "anzulegenden Wert" ab. Letzterer wird in § 48 EEG festgelegt und beträgt nach Abs. 2 (Anlage auf einem Gebäude, 40-1000 kW) 7,5 ct/kWh. Die Zahlung der Marktprämie ist wie die EEG-Vergütung auf das IBN-Jahr plus die 20 folgenden Kalenderjahre begrenzt.


    Will heißen: Wenn Du die Anlage jetzt (September 2023) in Betrieb nimmst, bekommst Du Marktprämie für die Jahre 2023 bis 2043. Wenn Du sie am 02.01.2024 in Betrieb nimmst, bekommst Du die Marktprämie auch noch für das Jahr 2044, verzichtest aber im Gegenzug auf die gesamten Erlöse einschl. Marktprämie für den Rest des Jahres 2023. Zugegeben, im Q4 läuft bei PV nicht viel. Andererseits: Niemand weiß wo der durch Direktvermarktung erzielbare Strompreis im Jahr 2044 liegt (außer Du hättest einen 20-Jahresvertrag mit Deinem Direktvermarkter) und ob das zusätzliche Jahr Marktprämie dann überhaupt noch einen Wert hat. Sofern der Erlös aus der Direktvermarktung über dem "anzulegenden Wert" liegt, ist die Marktprämie Null.


    Fazit: Wenn eine Inbetriebnahme zeitnah möglich ist, würde ich den "Spatz in der Hand" wählen und die Anlage so schnell wie möglich in Betrieb nehmen. Vielleicht wird der Herbst ja sonnig, dann hättest Du die so entgangene Marktprämie für 2044 schon 'reingeholt. Je länger sich das zieht, desto geringer wird der Vorteil. Wenn eine IBN so oder so erst im Dezember möglich wäre, kannst Du auch bis Anfang Januar warten.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie Viessmann Vitosol 300 Vakuumröhren 13,8 qm (Vorgänger Flachkollektoren 14 qm 2004-2021, davor 8 qm 1979-2003)

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  • Mit der Anlagengröße fährt man in der Direktvermarktung eigentlich immer besser! Biete die Anlage mehreren Vermarktern an, vergleich die Angebote, studiere die Bedingungen genau und entscheide dann. Bei Interconnector gibt es direkt einen Rechner auf der Webseite… Aber das sind i.d.R. nicht direkt die besten Konditionen…

    ich bräuchte nochmals eure Hilfe.

    Nach längerem hin und her haben wir dann letztes Jahr im September die 162kwp auf das Dach montiert und sind über die 100kwp gegangen.


    Leider bin ich immer noch nicht ganz schlau mit dem Thema Direktvermarktung, ich hab mit der EWE einen Vertrag geschlossen und zahle 88€ im Monat, soweit so gut.

    Jetzt z.B. die Abrechnung für den Monat Mai im Anhang.


    Da bekomm ich jetzt im Schnitt für die kwh 2,9cent. Jetzt müsste doch mein Stromanbieter vor Ort mir diesen anzunehmnden Wert bezahlen?

    Ich habe mit denen telefoniert und die meinten, dass das erst im Januar 2025 fest steht, weil da zählt der Jahreswert. Bisher liegen wir dieses Jahr bei 4,9cent, was zusammen mit meinem Direktvermarktungsgeld ca 8cent für die Anlage macht. Wenn man jetzt die Steuerberatergebühren und die Zinsen + Direktvermarktungsentgelt abzieht, rentiert sich die Anlage nicht, man bräuchte ca 10-11cent um das rentabel abzubilden. (darum ist die EEG Vergütung vermutlich auch so gewählt worden)


    Jetzt zur Frage, wisst ihr ob es einen Weg aus der Direktvermarktung gibt?

    Ich könnte z.B. die Anlage meinem Mieter verkaufen, der könnte zumindest den Strom nutzen (wäre für mich zwar sicher ein Verlustgeschäft).

    Oder kann ich einen Teil der Anlage an meinen Mieter verkaufen (z.B. nur zwei Wechselrichter)?


    hättet ihr da irgendwelche Ideen oder Erfahrungen?

  • was zusammen mit meinem Direktvermarktungsgeld ca 8cent für die Anlage macht. Wenn man jetzt die Steuerberatergebühren und die Zinsen + Direktvermarktungsentgelt abzieht, rentiert sich die Anlage nicht, man bräuchte ca 10-11cent um das rentabel abzubilden. (darum ist die EEG Vergütung vermutlich auch so gewählt worden)

    Wenn das so ist frage ich mich schon, warum Du diese Anlage letztes Jahr überhaupt erst gebaut hast, und dann noch als Volleinspeiser.


    Eine 163 kWp-Anlage sollte im Jahresmittel ca. 163.000 kWh Ertrag bringen. Mit 8 ct/kWh kommst Du auf Einnahmen von ca. 13.000 EUR. Abzüglich 12*88 EUR Vermarktungsentgelt sollten ca. 12.000 EUR bleiben. Und das reicht nicht um die Zinsen und den Steuerberater zu bezahlen? Mit was für Erträgen hast Du denn 2023 gerechnet (und was für ein Auto fährt eigentlich Dein Steuerberater :) )?

    Jetzt zur Frage, wisst ihr ob es einen Weg aus der Direktvermarktung gibt?

    Ich könnte z.B. die Anlage meinem Mieter verkaufen, der könnte zumindest den Strom nutzen (wäre für mich zwar sicher ein Verlustgeschäft).

    Oder kann ich einen Teil der Anlage an meinen Mieter verkaufen (z.B. nur zwei Wechselrichter)?

    Ein Gesamtverkauf geht natürlich. Ob Dein Mieter sich darauf einlässt – und zu welchen Bedingungen – ist eine andere Frage.


    Bei einem Teilverkauf an Deinen Mieter würde dann ja dieselbe Anlage gleichzeitig von verschiedenen Personen als Voll- und als Überschusseinspeiser betrieben. Ich halte es für ausgeschlossen, dass so etwas rechtlich möglich ist.


    Zulässig ist meiner Meinung nach aber, dass Du als Betreiber mit einem Teil der Anlage in die Überschusseinspeisung mit Mieterstrom gehst. Ich habe dafür z.B. diese Quelle gefunden – ob das bei Dir möglich ist oder gar sich das für Dich rechnet kann ich nicht beurteilen, aber vielleicht erkundigst Du Dich mal. Das Problem mit der Direktvermarktung wirst Du damit wohl nicht los, aber Du kannst Deine Einnahmen erhöhen.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie Viessmann Vitosol 300 Vakuumröhren 13,8 qm (Vorgänger Flachkollektoren 14 qm 2004-2021, davor 8 qm 1979-2003)

  • Wenn das so ist frage ich mich schon, warum Du diese Anlage letztes Jahr überhaupt erst gebaut hast, und dann noch als Volleinspeiser.

    Frage ich mich ebenfalls, insbesondere da Du doch bewusst über die Leistungsklassen der normalen Festeinspeisung gegangen bist. Ich kenne mich mit derartigen Größen nicht aus, aber hier lt. Link müsste es doch 10,7 ct / kWh geben ?

    Musst Dich selbst einlesen.

  • Das sind jetzt aber ein paar Unbekannte zu viel! Handelt es sich jetzt um EINE Anlage oder um ZWEI Anlagen? Das bemisst sich nicht an den Wechselrichtern, sondern nach dem Anlagenbegriff aus dem EEG. Sind es zwei Anlagen, so können diese ohne Direktvermarktung über einen gemeinsamen Zähler oder aber auch zwei Zähler abgerechnet werden. Ist es eine Anlage größer als 100 kWp, ist diese in der Direktvermarktung zu betreiben. Auch ein Eigenverbrauch ist bei einer Direktvermarktung möglich. Die Direktvermarktung unterliegt jedoch in weiten Teilen der Vertragsfreiheit. Das bedeutet: Es gibt nicht die eine Vergütung bei festen gesetzlich normierten Konditionen, sondern man muss als Anlagenbetreiber die Angebote mehrerer Direktvermarkter vergleichen und sämtliche Bedingungen (wie einen vorrangigen Eigenverbrauch) aushandeln und die ausgehandelten Konditionen vertraglich festhalten.

    Man achte darauf, dass der BHKW-Lieferant nicht gegen § 312 StGB verstößt. :neo: