Anbieterwechsel: Energieversorger und Vergleichsportale in der Kritik

Euro Banknoten und Münzen (Bild: Avij, Public Domain) Wenn Prosumer im Internet vermehrt nach günstigeren Strom- und Gastarifen mit Vergleichsrechnern suchen, erhalten die örtlichen Versorger darüber eine Rückmeldung und senken ihre Tarife. Auf diesem Weg versuchen die lokalen Anbieter bei einer Zunahme der Wechselbereitschaft die vergleichenden Verbraucher mit attraktiveren Angeboten im Rahmen eines Tarifwechsels zu halten. Um jedoch die günstigen Neukundentarife zu finanzieren, erhöhen die Versorger die Tarife in der Grundversorgung sowie für Bestandskunden.


Wer also nicht stets nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit die Preise vergleicht, zahlt wieder drauf. Dabei bieten viele Versorger unter der gleichen Tarifbezeichnung sogar teilweise unterschiedliche Preise für Bestandskunden sowie Neukunden und nochmals differenziert nach dem verwendeten Preisrechner und den Angeboten auf der eigenen Unternehmenswebseite. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), für die mehrere Internet-Vergleichsrechner Daten wie Postleitzahl und die von den Versorgern angebotenen Tarife aus 17.302.530 Suchanfragen der Jahre 2011 bis 2014 bereitgestellt haben.


Die Forscher des ZEW haben auch bestätigt, was schon längst bekannt sein sollte: Die Grundversorgung ist stets der teuerste Tarif. Laut der Studie zahlten Energiekunden in der Grundversorgung durchschnittlich 25 Prozent mehr pro Jahr für Strom als Verbraucher mit einem Vertrag bei einem überregionalen Anbieter. Dennoch ist die Wechselbereitschaft der Verbraucher gering: Rund 25 Prozent der privaten Haushalte handeln nicht und zahlen den teuren örtlichen Grundversorgungstarif. Ein guter Teil wechselte zumindest zu einem günstigeren Tarif des örtlichen Versorgers und nur 24 Prozent wechselten zu einem noch günstigeren überregionalen Energieversorger.


Doch auch wenn Prosumer wechseln wollen und die scheinbar zahlreichen Internet-Vergleichsrechner bemühen, drohen Fallstricke. Wie eine Untersuchung des Bundeskartellamtes zeigt, stecken hinter den unterschiedlich aussehenden Seiten in 95 Prozent der Fälle die beiden Unternehmen Verivox und Check24, die inzwischen nahezu alle anderen Konkurrenten aufgekauft haben und zusammen rund 3,5 Millionen Wechsel pro Jahr gegen Provision vermitteln. Um das Duopol im Bereich der Energiepreisvergleiche zu prüfen, hat das Bundeskartellamt eine sogenannte Sektoruntersuchung vorgenommen. Die Behörde kommt in ihrem Abschlussbericht zu einem niederschmetternden Ergebnis: In den meisten Fällen zeigen die vorgeblich unabhängigen Vergleichsrechner nämlich nicht etwa die günstigsten Versorger, sondern nur die Tarife, bei denen dem Portal die höchsten Provisionen winken.


Nur wenn Nutzer diverse Detaileinstellungen anpassen, werden die wirklich attraktiven Tarife aufgelistet. Zu diesen Einstellungen zählen beispielsweise die Abschaltung der Vorauswahl zur ausschließlichen Anzeige „empfohlener Tarife“ und von Tarifen mit „direkter Wechselmöglichkeit“. Doch selbst wenn vergleichende Energiekunden die Einstellungen anpassen, werden häufig auf der sogenannten "Position 0", ganz oben auf der Ergebnisseite, Tarife angezeigt, die für den Kunden nicht günstig sind, aber dem Portalbetreiber eine hohe Provision oder ein festes Entgelt für die Einblendung als Werbung einbringen.


Die Kartellbehörde stellt in ihrem Bericht aber auch fest, dass die Vergleichsrechner, mit vom Verbraucher korrigierten Einstellungen, „seriöse Informationen“ bieten können, wenn man genau hinsieht, die Ergebnisse auf "Position 0" erkennt und überspringt. Das Problem ist, dass die meisten Nutzer die teilweise gut versteckten und nur mit vielen Klicks zu erreichenden Einstellungen nicht finden und korrigieren oder die ganz oben eingeblendeten werblichen Tarifempfehlungen nicht als solche erkennen. 8f8ae8a0d0274fb79245c7499b0e08bb


Vorschaubild: Avij (Public Domain)

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