Biomethan BHKW (393 kW) nach EEG oder KWKG?

  • Hallo Zusammen,


    aktuell schreibe ich meine Abschlussarbeit zum Thema Wirtschaftlichkeit eines Biomethan-BHKW´s (999kW, 393kW_el), welches ein kleines Fernwärmenetz speisen soll.

    Das ganze bei einem Energieversorger.

    Meine Fragen:

    #1: EEG oder KWK?!

    #2: Wenn EEG, hier gibt es eine feste Vergütung (max.19cent/kWh) und eine Marktprämie. Wie berechnet sich die Marktprämie? Kann auch strommarktgeführt gefahren werden um am Spotmarkt zu handeln?


    Danke mal vorab!

    Grüße,

    Philip

  • Moin Philip,


    ich bin ja auch kein Spezialist, aber eine kurze Recherche insbesondere auf dieser Seite ergab folgendes:

    Wie berechnet sich die Marktprämie?

    Die Marktprämie berechnet sich bei Vermarktung am Spotmarkt aus der Differenz zwischen "anzulegendem Wert" und dem Monatsmittelwert des Spotmarktpreises. Der "anzulegende Wert" 2021 betrug 12,8 ct/kWh für Anlagen bis 150 kW. Für größere Anlagen wird der "anzulegende Wert" per Ausschreibung ermittelt. Der Höchstgebotswert für 2021 lag bei 18,4 ct/kWh und soll eigentlich jedes Jahr um 1% reduziert werden. (Die max. 19 ct/kWh gelten nur für hochflexible Kraftwerke.)


    Jedenfalls wurden bei der letzten Ausschreibung im März 2022 – bei deutlicher Unterzeichnung – Gebote mit 12,8 bis 18 ct/kWh bezuschlagt, mit einem mengengewichteten Zuschlagswert von 15,75 ct/kWh.


    Sieht man sich die Spotmarktpreise der letzten Monate z.B. hier an, so lagen sie nahezu immer deutlich über diesem Wert. Je nach Vertragsgestaltung und betrieblichen Möglichkeiten dürften Biogas-Anlagen, die ihren Strom flexibel am Spotmarkt verkaufen konnten, jedenfalls in diesem Jahr Erträge weit oberhalb der Zuschlagswerte erzielt haben. Trotzdem halte ich es für möglich, dass z.B. für Februar 2022 (Durchschnittspreis ca. 12,5 ct/kWh) sogar noch Marktprämien vereinnahmt werden konnten.


    Die Einspeisevergütung nach KWKG richtet sich nach dem Erlös der Vermarktung. Zusätzlich erhält man feste Zuschläge nach § 7 KWKG, für die Leistung >250 kW z.B. 4,4 ct/kWh für eingespeisten und 1,5 ct/kWh für ggf. selbst verbrauchten Strom.

    #1: EEG oder KWK?!

    Meiner Meinung nach ist die Vergütung nach EEG attraktiver, weil man hier per Ausschreibung für die eigene Anlage einen Mindestpreis festschreiben kann und somit wirtschaftliche Sicherheit gewinnt. Beim KWKG gibt es das – mit Ausnahme der vergleichsweise niedrigen Zuschläge, die zudem auf 30.000 Vollbetriebsstunden beschränkt sind – nicht. Sinken die am Markt erzielbaren Preise unter diesen "anzulegenden Wert", so erhält man einen Ausgleich über die Marktprämie. Bei Marktpreisen, die (wie aktuell) höher sind als der anzulegende Wert, kann man dennoch – je nach Vertragsgestaltung – vom höheren Preisniveau profitieren.


    Für flexible Anlagen ist der Vorteil noch größer, weil man – wenn die Vertragsgestaltung das zulässt – Strom in Spitzenlast-Zeiten zu weit höheren Preisen verkaufen kann und womöglich – wegen niedrigerer Durchschnittspreise – in manchen Monaten trotzdem zusätzlich noch Marktprämien kassieren kann.


    Der Schlüssel dafür ist aber die Vertragsgestaltung bei der Vermarktung. Wer z.B. im 1. HJ 2021 (als der Spotmarkt im Schnitt um 5 ct/kWh lag) seinen Strom auf 2 Jahre fest für – sagen wir – 10 ct/kWh verkauft hat, bekommt zwar – je nach damals anzulegendem Preis – vielleicht 5 ct/kWh Marktprämie, aber profitiert vom aktuellen Preisniveau überhaupt nicht. Welche Vertragsgestaltungen für Anlagen dieser Art möglich bzw. üblich sind, und wie flexibel Biogas-Anlagen in der Praxis arbeiten können (die Flexibilität kostet ja auch was, z.B. weil man höhere Speicherkapazitäten für Gas und ggf. auch Wärme vorhalten muss), und ob sich sowas dann unterm Strich tatsächlich lohnt, bitte ich Dich selbst zu recherchieren.


    Gruß, Sailor

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 9,2 qm (brto.) Vakuumröhren (Vorgänger 14 qm Flachkollektoren 2004-2021, davor 8 qm 1979-2003)

    2 Mal editiert, zuletzt von sailor773 ()

  • Hallo Sailor,


    vielen vielen Dank für die umfassende Antwort! Das bringt mir sehr viel.

    Ich schaue mir die ganzen Links erstmal genau durch:)


    Echt klasse Deine Antwort! Danke:)

    Grüße,

    Philip

  • Energie_M.SC. mein AG hatte seit mittlerweile 4 Jahren ein hochflexibles Biogas BHKW mit nahwärmenetz ( alles unter x km ist kein Fernwärmenetz) in Nord/ West Deutschland geplant.


    Und wir stellen Steuerungen für die hochflexiblen BHKW Steuerungen her.


    Bei einen reinen Bio Methan Betrieb sage ich Mal einfach EEG


    Dann wenn man einen Warmwasser Speicher hat dessen Größe entsprechend ist gerne noch als Bonus die hochflexibl Zulage holen ( und natürlich die Spitzenpreise an der Börse)

    Remeha eLecta 300 (0,75kWel, 1,5kWth + Zusatzheizgerät 4,8 - 28,0kWth) (auch Senertec Dachs 0.8 genannt)