BHWK auf gemeinnütziger Ebene sinnvoll?

  • Hallo Zusammen,


    ich bin auf der Suche nach mehr Informationen bezgl. BHKW über eurer Forum gestolpert.


    Ich habe eine grundsätzliche Frage zum sinnvollen Einsatz von BHKW:


    In meinem Jugendzentrum um die Ecke steht die Heizungsanlage kurz vor einer dringenden Renovierung. Es steht jetzt die Frage im Raum, ob man etwas für die erneuerbaren Energien tun sollte bzw. ob dies wirtschaftlich umsetzbar ist.


    Vorweg: Ein paar Orte weiter gibt es einen befreundeten holzverarbeitenden Betrieb, der uns günstig Holzhackschnitzel zur Verfügung stellen könnte, so das wir über ein mit Hackschnitzel betriebenes BHKW nachgedacht haben.


    Benötigt wird Warmwasser und Heizung für ein paar Umkleiden für unserer Outdoor - Plätze (Fussball,Basketball,BMX-Strecke etc) sowie das Mietshaus mit Mietswohnungen und unseren Jugendräumen im EG, in denen wir untergebracht sind. Außerdem besteht Interesse eines benachbarten Reitsportklubs, dessen Reithalle den Winter über mit zu heizen.


    Mich würde interessieren, ob ein BHKW unter diesen Bedingungen wirtschaftlich betrieben werden kann. So wie ich es bisher verstanden habe, ist nur ein mit Vollast betriebenes BHKW wirtschaftlich. Hauptabnehmer für die Wärme wäre jedoch die Reithalle. Die benötigt die großen Energiemengen (etwa 2/3der Gesamtheizenergie aller Verbraucher im Jahresmittel) aber nur von September bis April, so dass die vom BHKW bereitgestellte Wärme nur im Winter abgeforderdert wird - also STARK SAISONAL! Meine Frage ist nun: Was geschieht mit dem BHKW den Rest des Jahres? Kann sich so etwas trotzdem lohnen? Kann man die Wärme im Sommer irgendwie anders nutzen/speichern??


    Vielen Dank im Voraus!!


    G.Werking
    aka Holzhacker

  • Hallo Holzhacker,
    mit Hackschnitzel betriebene BHKW gibt es nur mit Kessel und folgendem Dampfprozess, d.h. für relativ große Leistungen. In so einem Objekt, vergleichbar mit Mehrfamilienhaus, käme nur ein BHKW mit Gas, Heizöl, oder auch Rapsöl in Betrachtung. Bei fossil betriebenen BHKW hängt die Wirtschaftlichkeit hauptsächlich von der Möglichkeit ab, den erzeugten Strom selbst zu nutzen. Er bezahlt bei optimalen Verhältnissen den Brennstoff. Beim Betrieb mit Rapsöl kann man den Strom teurer, 20 Jahre lang, an den Netzbetreiber verkaufen (gem. EEG-Vergütung ca. 19ct./kWh), aber der Brennstoff sowie die Wartung sind z.Zt. noch teurer. Ein BHKW könnte sich also als Grundlastwärmeerzeuger lohnen, für die Reithalle ist dann aber ein Spitzenlastkessel (vielleicht der bestehende) erforderlich. Genauere Betrachtungen, insbesondere zur Wirtschaftlichkeit, kann man mit nur genauen Verbrauchsdaten anstellen. Auf dem letzten Forumstreffen waren auch Firmen, die so ein Projekt gerne begleiten würden.


    Viel Spass beim Dachsen!


    Hololoy

    Viele Grüße

    Hololoy


    Senertec Dachs HR 5,3 kW (2004), PV 1: 10 kWp (2008), PV 2: 5 kWp (2009), PV 3: 3,75 kWp mit Eigenstromnutzung (2013), PV 4: 7,5 kWp mit Eigenstromnutzung (2015), Speicherakku stationär: 24V, 10kWh brutto (2010), Zero SR: 13 kWh (mobiler Speicher, 2016), Opel Ampera: 16 kWh (mobiler Speicher mit Wärmeerzeuger, 2013)

  • Also ich würde es so lösen.
    Strombedarf über die nächsten Monate ermitteln, möglichst täglich!
    Auf diese Lasten dann das BHKW Stromseitig auslegen.
    Die Wärme müsste dann für Warmwasser und ein bischen Übergangsheizung reichen.


    Den Rest also die Spitzenlast für die Wärme, hier bitte auch Messungen für den bedarf vornehmen, dann über einen Holzkessel lösen.
    Da könnt ihr dann die Schnitzel im Winter ohne Ende verballern.


    Hat folgende Vorteile, das BHKW ist ganzjährig ausgelastet und durch den großen Pufferspeicher den der Holzkessel braucht,kann es Stromgeführt fahren.
    Merke, nur Strom den man selbst verbraucht ist Strom der viel Geld bringt!


    Dem Holzkessel ist es völlig wurst ob er im Sommer steht, den dort sind keine wartungsintensieven Motoren etc. vorhanden, einmal sauber machen je Heizsaison reicht da.
    Holzkessel gib es inzwischen günstig in vielen Leistungsklassen.


    Beim BHKW nur darauf achten das man jemnaden in der Nähe hat der sdie Wartungen machen kann, das gleiche gilt analog für den Holzkessel.


    Bernd

  • hallo,


    erstmal vielen Dank für eure Antworten. Scheint ja wirklich etwas komplexer zu sein das ganze.


    Die Idee bei uns war halt, möglichst komplett auf "fossile" Brennstoffe zu verzichten, da wir uns hauptsächlich finanziell einen mittelfristigen Vorteil von der Holzhackschnitzel-Variante erhoffen. Alle in Frage kommenden Verbraucher schlagen bisher jährlich mit mehr als 35T Eur zu Buche (Strom und Gas). Die Frage die sich stellt ist, ob sich bei Umstellung auf regenerative Brennstoffe ein e.V. wie unserer so etwas überhaupt wirtschaftlich leisten kann. Bei allem Idealismus haben wir leider kein Geld um mittelfristig bei den jährlichen Belastungen drauf zu legen. Die deutlich höhere Investitionssumme für ein BHKW (ja sicher sechsstellig) im Vergleich zu einer konventionellen Erneuerung der Heizanlage will ja auch irgendwann mal amortisiert sein (Darlehen sollte sich aus jährlichen Einsparungen finanzieren) - sonst streikt unsere Bank mit Sicherheit.


    Am Jahresende sollte also zwingend eine schwarze Null stehen!!


    hololoy : lohnt es sich wirklich nicht den Strom aus einem BHKW einzuspeisen? Dachte da gebe es recht gute festgeschriebene Vorgaben für die Einspeisung von Ökostrom.


    Da ich neu bin auf dem Gebiet kenne noch nicht so viele Firmen, die solche Projekte umsetzen. Könntest du mir da jemanden empfehlen?


    Bernd
    Wenn ich nur Spitzenlast (sehe ich das richtig, dass quasie die 2/3 Wärmeanteile der Reithalle als Spitzelast gelten würden) mit Schniztzeln mache, habe ich doch deutlich weniger Spareffekte, was die bisherigen Kosten für konventionelle Versorgung mit Strom und Gas betrifft, oder?


    Würde ja prinzipiell bedeuten, dass man die Reithalle fast isoliert vom Rest betrachten könnte. Sagt mir wenn ich jetzt irgendwo einen Denkfehler habe !


    Werde auf jeden Fall sofort die Verbrauchsmessung starten und mal schauen was da raus kommt.


    Nochmals Danke!!


    mfg
    holzhacker

  • Hallo Holzhacker,


    An BHKW´s mit Hackschnitzelfeuerung bin ich auch gerade dran und es ist halt noch nichts Marktreifes verfügbar.
    Ein weites Projekt ist von Mawera: http://www.mawera.at/stirling.0.html


    Die Vergütung von diesem Strom(Hackschnitzel BHKW) wäre um einiges höher als der von Öl/Gas BHWK´s.
    Vergütung müssten so 21,50 Cent/kWh sein.


    Eine interessante Zusammenfassung von Prof. Dr. -ing Thomas von der Hochschule Reutlingen:


    http://www.uni-saarland.de/fak…g%20BKW%20Thomas_izes.pdf


    Ich denke, dass ein Pellet/Hachschnitzel BHWK nur eine Frage der Zeit ist.


    Gruss Mario

  • Hallo Holzhacker,


    ich würde Dir auch raten, mal mit Eurem Steuerberater kontakt aufzunehmen. Thema der Besprechung sollte sein: Zweck des e. V., muss bei so viel Energieverkauf an den Reitstall nicht die Satzung geändert werden? Steht womöglich eine Gemeinnützigkeit auf dem Spiel?


    Grüße


    Bruno

    Ich bemühe mich, garantiere aber keine Vollständigkeit und Richtigkeit, Beiträge ersetzen keine Steuer- oder Rechtsberatung!
    Ich Unterstütze den gemeinnützigen Gedanken dieses Forums und dessen gemeinnützigen Verein, der sicher nix gegen eine Spende hat, wenn ihm hier geholfen wurde.

  • Bruno :


    Das Thema Gemeinnützigkeit war bei uns auch schon auf dem Tisch. Der Steuerfachmann des Reitstalls meint, dass können man über eine eigenständige "Betreibergesellschaft" in den Griff bekommen. Hätte also wirtschaftlich nichts mit dem e.V. zu tun. Die Gesellschaft würde dem e.V. dann Strom verkaufen. Klingt plausibel aus meiner Sicht!


    Axel : Danke für den Link! Hochinteressante Seite!


    mfg
    holzhacker

  • wenn es eine private Betreibergesellschaft ist, dann habt Ihr mit dem e. V. ja ohnehin nix mit zu tun und die Gesellschaft muss schauen dass Sie keine Miesen macht. Wer soll denn die gesellschaft betreiben?


    Grüße


    Bruno

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  • Hallo Bruno,


    naja - der Verein hängt schon mit drin, denn er soll die Gesellschaft gründen und die entsprechenden Sicherheiten gegenüber der Bank erbringen.


    Bei einer Pleite der Gesellschaft würde es dann den Verein treffen. Von daher sollte es schon alles sauber durchdacht sein, und langfristig finanziell stabil kalkuliert werden. Das ist genau der Punkt der mir Sorgen macht. Ich denke nicht, dass man momentan sagen kann, wie sich z.B. die Lage bei den Holzlieferungen in 15 Jahren darstellt.


    Wie gesagt - den Idealismus eines Privatmannes können wr uns im Prinzip nicht leisten. Von daher stellt sich die Frage ob eine Sache in so einer Größenordnung finanziell nicht doch etwas sehr wackelig ist, wenn man nicht in Zukunft zubuttern möchte und das Eigenkapital ohnehin begrenzt ist.


    mfg
    holzhacker

  • Hallo Holzhacker,


    ich weiß, das es für bestimmte Anwendungsfälle bei Solaranlagen eine besondere Förederung gibt, bei sog. Multiplikatoren (Kinderg. Schulen u. andere Einrichtungen im "öffentlichen Blickfeld", vieleicht gibt es das auch für die nutzung anderer reg. Energien!


    Gruß Dachsgärtner

  • Hallo,


    wir sind grade dabei eine Anlage mit Hackschnitzel-Heissgasturbine (Talbott UK) für ein Wärmenetz zu planen....vielleicht könnte man damit sogar den Pferdemist verheizen...100kWel, 200 kWth, 450 kWf. Könnte ganz gut passen, Anfang Februar schauen wir uns die erste ausgeführte Anlage auf dem Kontinent an.


    Gruss
    Horst Bernauer