BSZ oder WP oder Gas Hybrid als Nachfolger einer Öl-HZ?

  • Was empfiehlst du? 4

    1. Gas + Solar (3) 75%
    2. BSZ (1) 25%
    3. Gas Hybrid mit WP (0) 0%
    4. Pellets + Solar (0) 0%
    5. Erst Isolieren und dann entscheiden (0) 0%

    Hallo,

    bin zwar neu hier, aber aufgrund der angenehmen Gesprächsatmosphäre (nicht jeder Laie wird gleich ins Bockhorn gejagt) und der positiven Rückemeldung auf Menschen, die vor ähnlichen Fragen stehen, versuche ich mein Glück.

    Verbrauchsdaten

    Jährlicher Stromverbrauch: 4500 kWh

    Jährlicher Brennstoffverbrauch: 2500-3000 Liter Öl


    Derzeitige Heizung

    Energieträger der Heizung: Öl

    Alter und Typ der der Heiztechnik: 1996

    Ist bereits eine Solarthermie vorhanden: Nein

    Art der Warmwasserbereitung und Vorratsvolumen: Zentral, 160 Liter

    Gibt es ein besonderes Strom-/Wärmeverbrauchsverhalten: Hybridauto 1 steht in der Garage, Wallboxen werden aktuell angeschlossen. Bald kommt noch ein Smart EQ als Zweitauto hinzu und das Hybridauto wird in den nächsten Jahren wohl auch in ein E-Auto getauscht.

    Hydraulischer Abgleich durchgeführt: Nein

    Temperaturen der Heizkreise: 60 für die Radiatoren. 45 für die FBH

    Art der Heizkörper: Radiatoren und FBH, Kamin im Wohnzimmer. Die Heizungen werden in 4 Einrohrsystemen betrieben.

    Im kältesten Raum des Hauses (Kartoffelkeller) steht noch eine alte Wärmepumpe, die ich allerdings schon eine Weile aufgrund großer Bedenken an der Effizienz nicht mehr laufen lasse, die mich allerdings vor der kalten Dusche retten würde, wenn die HZ getauscht wird.


    Immobilie und Rahmendaten

    Beheizte Fläche, Anzahl Bewohner: 225 qm beheizt, davon 75 qm mit FBH. Insgesamt 5 Bewohner. Davon sind 55 qm Einliegerwohnung mit aktuellem einem Mieter

    Art und Baujahr der Immobilie: 1981; Fassaden-Isolierung mit 4 cm. Haus steht relativ genau mit Ost/West Dachseiten, aber Platz für PV oder Solar wäre mehr als genug vorhanden.

    Erfolgte Modernisierungen: Die Fensterscheiben wurden teilweise ausgetauscht.

    Weitere geplante Modernisierungen: offen, abhängig von der Heizung. Ich habe etwas Angst, dass ich durch eine neue Isolierung mir Schimmelprobleme ins Haus hole. Aktuell ist aber die Luftfeuchtigkeit im Winter eher zu niedrig als zu hoch und es laufen an den kalten Tagen mehrere Luftbefeuchter um auf mind. 40% zu kommen.


    Erdgasanschluss vorhanden: Seit letztem Jahr vorhanden. Gas wurde in der Straße verlegt und ich habe mir einen Anschluss ans Haus legen lassen. Die Kosten dafür müsste ich damit abschreiben, wenn ich nichts mit Gas machen sollte.


    Unser Haus liegt am Hang mit guten Abstand und Höhenunterschied zur Straße - was mich etwas skeptisch macht bzgl. Pellets.

    Aktuell sind die Öltanks noch zu 1/3 gefüllt und am liebsten würde ich nicht mehr nachtanken.


    Ich würde mich freuen, wenn ich hier ein paar Gedanken und Meinungen einsammeln könnte um mich wohler bei meiner Entscheidung zu fühlen.


    Bis letzte Woche war ich noch komplett von einer BSZ überzeugt und habe diesbezüglich auch mit verschiedenen Herstellern (Dachs, Viessmann) und HB Kontakt aufgenommen


    Grüße und Danke vorab


    Andy

  • Moin Andy,


    im Prinzip gehen bei Dir alle genannten Alternativen. Welche davon zu empfehlen ist, müsstest Du ausrechnen: Ich würde mir Angebote holen, dann für jede Alternative die Investition (abzüglich Förderung), die Brennstoffkosten (abzüglich allfälliger Vergütungen) und die Wartungskosten über 20 Jahre aufsummieren und vergleichen.


    Zu den einzelnen Lösungsansätzen lässt sich folgendes sagen:


    1) Eine Brennstoffzelle (Viessmann PT2 oder Senertec Dachs 0.8) wäre bei Dir vermutlich wirtschaftlich einsetzbar. Ich schätze, dass beide bei Dir auf 7000 Laufstunden im Jahr kommen könnten. Damit würden ca. 5.300 kWh Strom erzeugt, von denen Du (ohne Berücksichtigung der E-Autos) grob geschätzt vielleicht 3.300 kWh selbst verbrauchen könntest. Wie viel BZ-Strom zusätzlich in die E-Autos geht, hängt extrem von den voraussichtlichen Ladegewohnheiten ab, aber recht viel mehr als zusätzliche 1000 kWh im Jahr werden es in keinem Fall sein. Jedenfalls könntest Du Dir mal von einem Heizungsbauer Deiner Wahl ein Angebot für eine Brennstoffzelle machen lassen. Gefördert wird die BZ mit 9.400 EUR von der KfW, plus 1.800 EUR als Pauschalzahlung des KWK-Bonus vom Netzbetreiber. Eine zusätzliche Förderung (z.B.für den Austausch der alten Ölheizung) gibt es bei der Brennstoffzelle nicht. Eingespeister Strom bringt ca. 4 ct/kWh. Außerdem bekommst Du für das in der Brennstoffzelle (nicht in der eingebauten Zusatztherme!) verbrauchte Erdgas die Energiesteuer zurück: 5,5 EUR/MWh müssten bei Dir ca. 90 EUR/Jahr bringen.


    Vorteile: Bezugsstrom-Einsparung; bedingte Klimafreundlichkeit (Erdgasverstromung mit 90% Nutzungsgrad statt Kohlestrom mit 40% Nutzungsgrad).


    Nachteile: Hohe Investition und höhere Wartungskosten als für eine Gastherme; etwas schlechtere Wirtschaftlichkeit einer zusätzlichen PV-Anlage. Außerdem ist eine BZ kein Rundum-Sorglos-Paket. Man sollte sich schon darum kümmern: Nicht etwa selbst dran rumbasteln, aber zumindest regelmäßig die Werte beobachten (damit man schnell reagieren kann wenn mal was ist) und vielleicht auch das System durch geeignete Einstellungen (soweit zulässig) optimieren. Hinzu kommt, dass eine BZ auch im laufenden Betrieb bürokratischen Aufwand erfordert: Jährlich Umsatzsteuer-Erklärung und Anlage EÜR; jährlich Antrag auf Energiesteuer-Erstattung beim HZA; vierteljährliche Zählerablesungen. Wer das alles nicht auch ein wenig unter Hobby-Gesichtspunkten sieht, dem würde ich eine Brennstoffzelle nicht empfehlen.


    Effekt bei späterer Isolierung: Bei 50% weniger Heizwärmeverbrauch ca. 6% weniger BZ-Laufzeit/Stromerzeugung; deutlich niedrigerer Gasverbrauch in der Zusatztherme.


    2) Gas Hybrid mit WP könnte rein technisch auch Sinn machen. Vermutlich geht nur eine Luft-WP. Die Leistung der WP sollte dann m.E. so bemessen werden, dass sie den Wärmebedarf außerhalb des Wintertrimesters i.W. allein abdecken kann. Bei bivalent-alternativer (BA) Betriebsweise schaltet sich die WP unterhalb einer bestimmten Außentemperatur ab und die Gastherme übernimmt den Betrieb. Im bivalent-parallelen (BP) Betrieb läuft die WP auch bei niedriger AT neben der Gastherme weiter. BAFA-Förderung: 40% der Gesamtkosten. Wenn irgend möglich sollte zusätzlich eine große PV-Anlage installiert werden. In dem Fall dürfte die BA-Betriebsweise der WP günstiger sein als ein BP-Betrieb, weil man so einen hohen PV-Anteil erreicht und die schlechten Arbeitszahlen der WP in den vier Wintermonaten vermeidet.


    Vorteil: Mindestens 50% Erdgas-Einsparung; bedingte Klimafreundlichkeit durch WP, insbesondere bei Betrieb mit einer PV-Anlage


    Nachteile: Höhere Investition als für Gastherme; höherer Stromverbrauch (bei BA-Betrieb mit PV aber weitgehend klimaneutral)


    Effekt bei späterer Isolierung: Rückgang bei Gas- und Stromverbrauch; u.U. kann man den Umschaltpunkt beim BA-Betrieb absenken um mehr Erdgas zu sparen. Im Extremfall könnte die WP nach energetischer Sanierung den Wärmebedarf allein abdecken, dann bleibt die Gastherme als Reserve bei Störungen und für sehr kalte Tage stehen.


    3) Gas + Solarthermie würde ich nur empfehlen, wenn sich das (unter Einrechnung der verschiedenen Förderungen) wesentlich besser rechnen würde als die anderen Varianten. Als Hauptproblem sehe ich hier, dass der für die 40% Förderung erforderliche Mindestbeitrag von 25% zur Jahresheizlast nur mit einer sehr großen und entsprechend teuren ST-Anlage erreicht werden kann, die dann den ganzen Sommer über mangels Wärmebedarf ständig in Stagnation geht.


    Vorteil: Bedingte Klimafreundlichkeit (25% Erdgas-Einsparung)


    Nachteile: Hohe Investition für große ST-Anlage bei nur geringem Grenznutzen; ST-Anlage muss möglicherweise so groß werden, dass kein Platz für eine PV-Anlage bleibt.


    Effekt bei späterer Isolierung: Einsparung von Gaskosten.


    4) Pellets + Solarthermie halte ich dagegen für eine gute Kombination, weil hier die ST-Anlage deutlich kleiner ausgelegt werden kann. Es genügt, wenn die ST im Sommer den Warmwasserbedarf deckt, damit der Pelletkessel in dieser Zeit ruhen kann anstatt in einem ungesunden Teillast-Betrieb fahren zu müssen. Du brauchst ein Pellet-Lager, das bei Deinem Heizenergieverbrauch mindestens 10 m3 fassen sollte. Ob die Lage Deines Hauses für Pellet-Lieferungen ein Problem ist, solltest Du mit einem örtlichen Lieferanten besprechen. Gefördert würde diese Lösung m.W. mit 45% der förderfähigen Kosten.


    Vorteile: Niedrige Brennstoffkosten; nahezu vollständige Klimaneutralität (bei Pellets aus Abfallholz oder regionaler nachhaltiger Forstwirtschaft); höchster Fördersatz.


    Nachteile: Hohe Investition; relativ hohe Wartungskosten und m.E. etwas höhere Anfälligkeit für Störungen (Feststoff-Förderung!); höherer Stromverbrauch als für Gastherme; Raumbedarf für Pelletlager; und man muss weiter daran denken zum richtigen Zeitpunkt Brennstoff zu bestellen.


    Effekt bei späterer Isolierung: Ein Pelletkessel ist m.E. weniger für Teillastbetrieb geeignet als eine Gastherme. Deshalb könnte es sein, dass bei erheblich geringerem Wärmebedarf zwar der Pelletbedarf zurückgeht, aber Wirkungsgrad und Emissionswerte des Kessels ungünstiger werden und der Strombedarf wegen häufigerer Starts eher steigt.



    Eine PV-Anlage wäre grundsätzlich für alle Alternativen eine gute Ergänzung, vor allem wenn die E-Autos zumindest teilweise tagsüber geladen werden. Dabei kann die PV mit BZ (Lösung 1) eher sparsam ausgelegt werden, mit einer WP (Lösung 2) sollte sie dagegen möglichst groß sein. Bei Lösung 4 und noch mehr bei 3 wird die Größe durch die mit ST verbleibende Dachfläche limitiert. Ein Stromspeicher wäre derzeit wohl eher unwirtschaftlich, am ehesten könnte er sich vielleicht noch bei Lösung 2 rechnen.


    Gruß, Sailor

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • So, alles nochmal durchgelesen. Ich habe auch deine Excel in einem anderen Beitrag gefunden und werde sie befüllen, sobald ich Angebote habe. Aktuell tendiere ich eindeutig zu 1) oder 2). Gegen 3) spricht die große ST und gegen 4) Pellets zum einen die Zulieferung und die nicht vorhandene Flexibiliät was die zukünftige Isolierung angeht. Zu ein paar Dingen hätte ich noch Detailfragen:

    • Wie packen die 1) und 2) die unterschiedliche Vorlauftemperatur von Radiatioren und FBH?
    • BSZ plus PV wird mir wohl zu teuer und die Autos 2 Autos werden oft auch tagsüber an der Steckdose hängen können, meine Frau ist Lehrerin und ich arbeite viel von zuhause. Das spricht eher für die 2)

    Wahrscheinlich macht die zusätzliche Förderung von 10% durch den Austausch der Ölheizung Modell 2 ) wirtschaftlicher als BZ und ich verschiebe das Thema BZ noch einmal um 20 Jahre. Aber glauben heißt nicht wissen und ich hole mir jetzt erstmal die Angebote ein und dann sehen wir weiter. Mein Greta-Ich könnte mit beiden Lösungen leben.

  • Hey Sailor,

    Hammer!

    Kleiner Hinweis: Man kann für sowas dem verdienten Autor auch einen :thumbup:rechts unten im Beitrag anklicken.:hutab:

    Habe ich schon mehrfach versucht: "Du besitzt leider nicht die notwendigen Zugriffsrechte, um diese Aktion auszuführen." Ich bin wohl noch zu neu.. :/


    Mensch, jetzt sind meine Antworten noch deaktiviert und ich kann sie trotzdem nicht mehr anpassen..


    Ich hab gerade entdeckt, dass es Option 2) auch als Fertigprodukt gibt: ecoGAS Hybrid X 7.

    Was haltet ihr davon?

  • Wie packen die 1) und 2) die unterschiedliche Vorlauftemperatur von Radiatioren und FBH?

    Moderne Heizungsregelungen können zwei oder auch drei Heizkreise separat ansprechen. Du brauchst dann halt für Radiatoren und FBH jeweils einen separaten Heizkreis mit Mischer.


    Vor allem bei Lösung 2 (Wärmepumpe) ist das Problem dabei, dass die Kesseltemperatur sich nach der höheren Temperaturanforderung richten muss, in dem Fall also der VLT von max. 60°C. Das kostet bei der WP erheblich Wirkungsgrad, während das der Gastherme (und erst recht einer Brennstoffzelle) egal ist. Deswegen auch meine Empfehlung, bei Lösung 2 die bivalent-alternative Betriebsweise in Erwägung zu ziehen.


    Was Du probieren könntest ist im Rahmen des hydraulischen Abgleichs (der ohnedies Voraussetzung für jede Art der Förderung ist) die VLT für die Radiatoren deutlich abzusenken. Wenn die Radiatoren großzügig bemessen sind, könnte das klappen.


    Ich würde aber die Lösung mit der Wärmepumpe vor allem dann empfehlen, wenn Du eine energetische Sanierung in den nächsten Jahren einigermaßen fest vor hast: Wenn das Haus gedämmt ist, führt der dann niedrigere Wärmebedarf zu einer "Überdimensionierung" der Heizkörper. Und die erlaubt i.d.R. die Vorlauftemperatur ganz erheblich abzusenken. Das steigert vor allem bei kalten Außentemperaturen sowohl die Leistung als auch den Wirkungsgrad der WP.

    ecoGAS Hybrid X 7.

    Was haltet ihr davon?

    Zu ecoGAS kann ich nichts sagen. Du solltest die COP-Werte der Wärmepumpe aus der Website (wie häufig bei WP's nur für sehr niedrige Vorlauftemperaturen angegeben, damit's eindrucksvoller aussieht) mal mit denen gleich großer WP's führender Hersteller vergleichen, dann bekommst Du einen besseren Eindruck wie gut (oder schlecht) die Werte sind. Interessant wäre auch zu wissen ob ecoGAS die Komponenten (Gastherme und WP) selbst anfertigt oder von anderen Herstellern bezieht, im letzteren Fall von wem.


    Aber wichtig zum Verständnis solcher Angaben ist folgendes: ecoGAS gibt beispielsweise den COP bei A-7/35 mit 3,55 an. Die -7/35 entsprechen einer Temperaturdifferenz von 42 K. Die gleiche Temperaturdifferenz – und somit derselbe COP – würde sich beispielsweise auch bei einer VLT von 45°C und einer AT von +3°C ergeben, oder (bei der Warmwasserbereitung) bei einer VLT von 60°C und einer AT von 18°C. Anhand der monatlichen Durchschnittstemperaturen an Deinem Wohnort und der Heizkurven Deines Hauses kannst Du jetzt mal abschätzen, welche COP's bei Dir in der Praxis üblicherweise vorkommen werden.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Aber wichtig zum Verständnis solcher Angaben ist folgendes: ecoGAS gibt beispielsweise den COP bei A-7/35 mit 3,55 an. Die -7/35 entsprechen einer Temperaturdifferenz von 42 K. Die gleiche Temperaturdifferenz – und somit derselbe COP – würde sich beispielsweise auch bei einer VLT von 45°C und einer AT von +3°C ergeben,

    Ja, für mich machen WP in der Übergangszeit am meisten und eigentlich immer Sinn. Sie rechnen sich sehr-sehr gut, wenn der Strom dann nicht eingespeist werden muss. Da reicht ein COP von 2,x um ins Plus zu kommen. Der Vorlauf sollte immer möglichst niedrig gehalten werden, damit der Rücklauf entsprechend niedrig ausfällt. Der Rücklauf geht dann immer durch die Wärmepumpe. Wer den Strömungswiderstand optimieren will, muss halt umschalten, wenn die WP aus Eigenstrom was beitragen kann. Und diese Zeiten sind deutlich länger, als man vermutet, auch wenn da alte Heizkörper im Spiel sind. Gegebenenfalls kann auch nach der WP noch nachgeheizt werden, wenn die Steuerung das kann.


    Es macht auch ein kleiner Stromspeicher Sinn, um Vormittags bei 0°C den Eigenstrom-Überschuss zu "sammeln" und dann die WP Nachmittags bei 10°C laufen zu lassen. |__|:-)

    Lesen gefährdet die Dummheit! Denken gefährdet Vorurteile!
    Der geistige Horizont mancher Menschen hat einen Radius von NULL. Das nennen sie dann Standpunkt.

  • Alles richtig, aber damit das ganz klar rauskommt: Sehr viel hängt davon ab, ob und wie viel PV-Strom zur Verfügung steht. Damit meine ich folgendes:


    Angenommen Bezugsstrom für die WP kostet günstige 24 ct/KWh und Erdgas 6 ct/kWh, dann braucht man schon einen COP von (24/6=) 4 oder besser, damit die Wärmepumpe zu Grenzkosten wirtschaftlich betrieben werden kann. Bei der o.g. WP ist das beispielsweise der Fall, wenn die Temperaturdifferenz (VLT-AT=) 42 K oder weniger beträgt. Wenn der Radiatoren-Heizkreis bei Nenntemperatur (vermutlich -16°C) eine VLT von 60°C braucht, entspricht das einer Heizkurve von 1,3. Das bedeutet, dass das Delta T von 42 K irgendwo zwischen 0°C und +5°C liegt. In dem Fall wäre es sinnvoll, eine ausschließlich mit Bezugsstrom betriebene WP bei Temperaturen unter ca. 3°C komplett abzuschalten (bivalent-alternative Betriebsweise). Streng genommen geht es übrigens um die Differenz zwischen WP-Vorlauf und Außentemperatur, d.h. wenn eine WP mit geringer Leistung bei den genannten 3°C schon als Rücklauf-Vorwärmer arbeitet, ist ein wirtschaftlicher Betrieb noch bei etwas niedrigeren Außentemperaturen möglich. Aber so richtig fett macht das das Kraut nicht, und Warmwasser mit der WP zu machen ginge überhaupt nur im Sommer.


    PV-Strom ist dagegen mit der entgangenen EEG-Einspeisevergütung zu bewerten, d.h. aktuell mit 8,16 ct/kWh. Würde also ausschließlich überschüssiger PV-Strom zum Betrieb der WP verwendet, so liegt der kritische COP in dem Beispiel bei (8,16/6=) 1,36. Das würde es theoretisch wohl ermöglichen, die WP selbst bei -16°C noch wirtschaftlich zu betreiben. Nur ist es halt so, dass im Winter PV-Strom maximal acht Stunden am Tag zur Verfügung steht - mit ausreichender Leistung selbst bei strahlendem Sonnenschein und einer großen PV-Anlage wohl eher nur 5-6 Stunden am Tag. Man wird also in der Praxis mit einem Mischwert kalkulieren müssen, oder man schafft sich eine elektronische Mimik an, welche die WP nur freigibt, wenn ausreichend PV-Strom (entweder direkt oder aus einem Stromspeicher) zur Verfügung steht.

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  • Angenommen Bezugsstrom für die WP kostet günstige 24 ct/KWh und Erdgas 6 ct/kWh, dann braucht man schon einen COP von (24/6=) 4 oder besser, damit die Wärmepumpe zu Grenzkosten wirtschaftlich betrieben werden kann. Bei der o.g. WP ist das beispielsweise der Fall, wenn die Temperaturdifferenz (VLT-AT=) 42 K oder weniger beträgt.

    Ich muss zugeben, dass ich nicht groß recherchiert hatte, sondern nur bei einer ungenauen Google Suche darauf gestoßen bin, dass es Kompaktgeräte gibt, die beides in einem haben. Meine Frage zielte eher in die Richtung, was sinnvoller ist: WP und Gastherme getrennt oder alles in einem.

    Was bivalent-alternative Betriebsweise bedeutet habe ich nun verstanden, da werde ich bei den Angeboten darauf achten. Danke!

    Prinzipiell könnte ich das heute schon so handhaben (hab das glaube ich sogar im ersten Sommer sogar gemacht), aber wie gesagt, die WP aus dem 80er steht im kältesten Raum des Hauses und mir wird wohl nie klar werden, was die Idee dahinter war/ist.

  • die WP aus dem 80er steht im kältesten Raum des Hauses und mir wird wohl nie klar werden, was die Idee dahinter war/ist.

    Vielleicht hat der Vorbesitzer die WP als Weinkühler benutzt?:)

    Meine Frage zielte eher in die Richtung, was sinnvoller ist: WP und Gastherme getrennt oder alles in einem.

    Kann man so pauschal nicht sagen. Wenn das ecoGAS System von den Werten her zu Deinem Haus passt, und wenn Du den Eindruck hast, dass die Komponenten Qualitätsware sind und die genannten Werte der WP im Vergleich gut aussehen, kannst Du Dir schon mal ein Angebot machen lassen. Andererseits, so komplex ist die Kombination getrennter Komponenten nun auch wieder nicht. Eine gemeinsame Regelung ist m.E. nicht erforderlich, wenn man die Hydraulik richtig macht und die Temperaturfühler an die richtigen Stellen setzt. Ein fitter Heizungsbauer müsste das hinkriegen. Nachdem aber alles gleichzeitig eingebaut wird, halte ich es jedenfalls für vorteilhaft, auch bei getrennten Komponenten Gastherme und Wärmepumpe nach Möglichkeit vom gleichen Hersteller zu nehmen.

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  • Eine PV-Anlage wäre grundsätzlich für alle Alternativen eine gute Ergänzung, vor allem wenn die E-Autos zumindest teilweise tagsüber geladen werden. Dabei kann die PV mit BZ (Lösung 1) eher sparsam ausgelegt werden, mit einer WP (Lösung 2) sollte sie dagegen möglichst groß sein. Bei Lösung 4 und noch mehr bei 3 wird die Größe durch die mit ST verbleibende Dachfläche limitiert. Ein Stromspeicher wäre derzeit wohl eher unwirtschaftlich, am ehesten könnte er sich vielleicht noch bei Lösung 2 rechnen.

    Nur ein ganz ganz kleine Anmerkung am Rande, die Photovoltaik macht in jedem Fall Sinn, und zwar so groß als sinnvoll möglich.

    Eventuell auch Nordseiten, je nach Dachneigung. Strom ist wertvoll, und auch eine Einspeisung lohnt sich derzeit noch finanziell und

    trägt zur Finanzierung der Anlage bei.

    Ein Speicher dagegen kostet viel Geld und der ökonomische und ökologische Nutzen ist eher zweifelhaft.

    Wenn eine Lösung mit einer WP in Frage kommt, dann kann die PV den PV-Strom nutzen und das Gebäude steht als Speichermedium

    zur Verfügung. (bei PV Überschuss die Temperaturen leicht erhöhen, dann erfüllt die WP eine Speicherfunktion und kostet dich nicht

    mehr weil die WP ja ohnehin da ist.


    Mit einem Stromspeicher eine WP in der Nacht zu betreiben ist dagegen weniger sinnvoll.

    (wegen Speicherverlusten und wegen niedrigerer Temperatur / COP in der Nacht für eine Luft-WP)

    50kw elektrisch Erdgas BHKW von Yados

    Absorptionskältemaschine aus BHKW-Abwärme

    Photovoltaikanlage 99,9 kwp

  • Es macht auch ein kleiner Stromspeicher Sinn, um Vormittags bei 0°C den Eigenstrom-Überschuss zu "sammeln" und dann die WP Nachmittags bei 10°C laufen zu lassen. |__|:-)

    Aber der Stromspeicher hat auch einen nicht unerheblichen Speicherverlust, variiert wohl je nachdem welche Technik und Modell

    10-20% ???


    Am meisten Sinn würde es machen die WP nachmittags dann Vollgas laufen zu lassen, sogar mit einer Temperaturerhöhung um die Wärme

    in den Estrich zu bringen (wenn Fußbodenheizung vorhanden)

    Dann wäre der Estrich quasi der Speicher und das nahezu verlustfrei.

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  • Lauter gute Ideen hier - vielen lieben Dank!

    Ich werde mir wohl auch auf jeden Fall ein Angebot von einer WP+PV geben lassen. Ohne jetzt schon was in der Hand zu haben, bin ich aktuell skeptisch, ob ich die Einsparung durch das Abschalten der WP im Winter und den Betrieb der Gastherme die Mehrkosten für Gastherme inkl. Wartung plus Schornsteinfeger wieder reinhole.

    Zitat

    Am meisten Sinn würde es machen die WP nachmittags dann Vollgas laufen zu lassen, sogar mit einer Temperaturerhöhung um die Wärme

    in den Estrich zu bringen (wenn Fußbodenheizung vorhanden)

    Dann wäre der Estrich quasi der Speicher und das nahezu verlustfrei.

    FBH ist ja vorhanden, wenn auch nur für eine überschaubare Fläche (Wohnzimmer, Küche, Flur, Bad)

  • Wenn die Öl Heizung noch uneingeschränkt funktioniert, wäre es evtl. sinnvoll den Öler drin zu lassen und erstmal nur die

    WP dazuzunehmen. Dann bleibt der Öler als Backup stehen, kostet dich aber im Moment auch nichts, weil schon da.


    Wenn dann Erfahrungswerte mit WP Betrieb vorhanden sind, kannst du dich immer noch entscheiden den Öler drin zu lassen,

    gegen Gas-Therme zu tauschen, oder einen Elektro Heizstab als Backup zu verwenden.

    Der Heizstab macht aber wirklich nur wenige Tage im Jahr Sinn. Dann wärst du autark von fossilen und vom Schorni usw.


    Was ich immer bei "Altbauten" (entschuldige das Wort :saint:) empfehle, die paar Tausend Euro die du dann vorerst sparen würdest,

    (weil du keine Gastherme o.ä. anschaffst) in ein Isolier Projekt stecken das am meisten Sinn macht.

    Meistens sind das Dach/Dachfenster, normale Fenster, Kellerdecken. Fassade ist ja schonmal gemacht worden, die würde ich erstmal so lassen.

    Da kann man normalerweise (vielleicht auch in Eigenleistung) für wenig Geld viel erreichen.

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