Vitavalor PT2 bei Einrohrheizsystem sinnvoll?

  • Hallo liebe Forengmeinde,


    ich habe mir kürzlich hier in im Forum schon mal Rat geholt, ob ich eine Vitavalor PT2 anschaffen soll. Durch die ausgiebige und qualifizierte Beratung in diesem Forum habe ich mich dann für die PT2 entschieden und befinde mich jetzt im Stadium verschiedene Angebote einzuholen. Ich habe 4 HBs um ein Angebot gebeten. Es liegen nun 3 aussagefähige Angebote vor und die beteiligten HB sind meiner Meinung nach auch qualifiziert die Arbeiten entsprechend durchzuführen.


    Was mich aber verunsichert hat sind die Aussagen der HBs in Bezug auf die bei mir installierte Einrohrheizung (Baujahr 1978). 2 HBs sagen: kein Problem mit den Rücklauftemperaturen,1 HB sagt: bei Einrohrheizung ist die Rücklauftemperatur zu hoch und die BSZ wird häufig nicht oder gar nicht anspringen. 1 HB will aus diesem Grund kein Angebot abgeben.


    Ich wollte eigentlich eine innovative Heizung bin aber jetzt etwas verunsichert ob die Entscheidung pro PT2 angesichts der letzt genannten 2 Aussagen richtig ist.


    Hat hier jemand Erfahrung mit BSZ und Einrohrheizung? Stimmen die Bedenken der HBs? Für Eure Hilfsbereitschaft schon vorab vielen Dank.


    Gruß

    HB

  • OK, dann ist es schwierig aus der Ferne zu antworten.


    Wurde Dir eine PT2 oder PA2 angeboten? Welche Hydraulikschemas liegen den Angeboten zu Grunde? Sind die Angebote vergleichbar? Stell sie doch mal hier ein.


    Ich habe mich mal bei Tante Google über eine Einrohrheizung schlau gemacht und es scheint tatsächlich in Bezug der Rücklauftemperaturen problematisch zu sein.

    Auszug aus obigem Link:

    In Einrohrheizungen mit den bereits erwähnten Bypass-Schaltungen kommt es zudem zu folgendem Nachteil: Das Heizungswasser strömt auch hier stetig durch die Rohre. Ist ein Heizkörper nicht zugeschaltet, sprich: sein Ventil geschossen, so dass er kalt bleibt, kommt zu heißes Wasser als Rücklauf zurück. Im Fachjargon spricht man dann von einer zu geringen Temperaturspreizung (Vorlauf: heiß, Rücklauf: abgekühlt). ..... Moderne Komponenten, zum Beispiel Brennwertgeräte, kommen mit hohen Rücklauftemperaturen auch schlecht klar. Ebenso wenig wie Heizungspumpen, die sich selbst regulieren können: Da ein einfaches Einrohrsystem, das nicht optimal reguliert ist, durchgehend unter Hochdruck gefahren wird (maximale Pumpenleistung).


    Die unterschiedlichen Auffassungen der HB stört mich etwas.:/ Im besten Fall sollten alle HB zum gleichen Ergebnis kommen.:glaskugel:

    1 HB sagt: bei Einrohrheizung ist die Rücklauftemperatur zu hoch und die BSZ wird häufig nicht oder gar nicht anspringen.

    Diese Aussage stimmt nicht.

    Die BSZ startet nicht in Abhängigkeit der Rücklauftemperatur. Zu hohe Rücklauftemperatur schaltet sie ab. Der Start ist bei inaktivem Energiemanager ausschließlich abhängig von den Temperaturen des Brauchwasserspeichers. Sollte die Rücklauftemperatur aus dem Heizkreis nach dem Start zu hoch sein, dann wird "nur" der Speicher auf ca. 50 °C durch die BSZ geladen. Bringt in Summe aber nicht genügend Produktionsstunden.


    1 HB will aus diesem Grund kein Angebot abgeben.

    Wenn er kein Angebot legt, weil er sich vor Ort davon überzeugt hat, dass mit Deinem Heizkreis die erforderliche niedrige Rücklauftemperatur nicht erreichbar ist, dann ist das aus meiner Sicht in Ordnung.


    Bleiben also noch zwei HB, die Dir die BSZ einbauen würden. Frage diese HB mal, wieviel Produktionsstunden sie erwarten. Wenn sie dazu eine Aussage machen, dann sollte das mit im Auftrag festgeschrieben werden. Das werden Sie aber vermutlich nicht machen.

    Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Du vor Auftragsvergabe die Rücklauftemperatur mit einem externen Meßsystem erfasst oder am Besten von einem der angefragten HB machen lässt. Das wäre aus meiner Sicht die einzige verlässliche Methode, um zu einer vernüftigen Entscheidung zu kommen.


    Vielleicht gibt es auch noch die Möglichkeit ohne Komforteinbusen mit niedrigerer VL-Temperatur zu fahren. Ein weitere Möglichkeit wäre eine PA2 mit einem externen Pufferspeicher. Aber gerade diese Möglichkeiten sollten die HB draufhaben.


    Gruß

    Loule

  • Hallo Loule,


    vorerst mal vielen Dank für deine Ausführungen.


    Zitat

    Bleiben also noch zwei HB, die Dir die BSZ einbauen würden.

    Die beiden sagen, dass die Rücklauftemperatur geregelt werden kann. Selbst bei 60 Grad Vorlauftemperatur, wäre die max. Rücklauftemperatur 46 Grad, was unproblematisch wäre.


    Zitat

    Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Du vor Auftragsvergabe die Rücklauftemperatur mit einem externen Meßsystem erfasst oder am Besten von einem der angefragten HB machen lässt

    Das werde ich mal machen lassen.


    Zitat


    Ein weitere Möglichkeit wäre eine PA2 mit einem externen Pufferspeicher

    Kann ich mal fragen aber besteht dann nicht die gleiche Problematik? Was ist dann anders?


    Gruß

    HB

  • Hallo HB18,


    mach ich gerne.


    Das Viessmann-Forum ist voll von entäuschten BSZ-Besitzern, weil die sich zuvor zu wenig mit dem Thema auseinandergesetzt haben und sich dann hinterher wundern, dass die erwarteten Produktionsstunden nicht erreicht werden. Deshalb finde ich es gut, dass Du Dich hier zusätzlich schlau machst.

    Die beiden sagen, dass die Rücklauftemperatur geregelt werden kann. Selbst bei 60 Grad Vorlauftemperatur, wäre die max. Rücklauftemperatur 46 Grad, was unproblematisch wäre.

    Auch mit dieser Aussage bin ich nicht einverstanden. Bin zwar kein HB, aber soweit verstehe ich die Zusammenhänge. Die Rücklauftemperatur kann nicht geregelt werden, da sie sich in Abhängigkeit der Vorlauftemperatur und der Wärmeabnahme über die Heizkörper zwangsläufig einstellt.

    Desweiteren wäre die Frage, ob die Spreizung 60/46 ein theoretischer oder tatsächlicher Wert ist?

    Die VL-/RL-Temperatur wäre aus der statischen Betrachtung für die BSZ ok. Wie ich aber bereits im Post #6 aus http://www.energie-experten.org zitiert habe, wird es beim täglichen Betrieb wahrscheinlich mehrmals vorkommen, dass die Rücklauftemperatur 50 °C erreicht. Dann schaltet die BSZ ab und wenn der Speicher bei der PT2 durchgeschichtet ist und die WW-Entnahme nicht ausreichend gegeben ist kann es lange dauern bis die BSZ wieder startet. Diese Pausen sind oft ein Thema in der Viessmann-Community, deshalb gehe ich so ausführlich auf das Thema ein.

    Um Dir diese Überraschung zu ersparen, habe ich den der Vorschlag gemacht, die Rücklauftemperaturen bei möglichst niedrigeren Außentemperaturen über eine Woche aufzuzeichnen.


    Kann ich mal fragen aber besteht dann nicht die gleiche Problematik? Was ist dann anders?

    Der Pufferspeicher würde dafür sorgen, dass eine Erhöhung der Rücklauftemperatur durch geschlossene Heizkörperthermostate sich nicht unmittelbar auf die Rücklauftemperatur der BSZ auswirken.


    Gruß

    Loule

  • Die Rücklauftemperatur kann nicht geregelt werden, da sie sich in Abhängigkeit der Vorlauftemperatur und der Wärmeabnahme über die Heizkörper zwangsläufig einstellt.

    ... und Foerdermenge des Heizungswassers, welche regelbar ist, somit ist auch die Ruecklauftemperatur regelbar.


    Einrohrheizungen, wenn richtig gemacht, koennen sehr effizient sein und dann auch fuer Waermepumpen geeignet sein. Wenn du die Hydraulik so auslegst, dass die waermsten Raeume am naehsten zum Waermeerzeuger liegt, kommst du verdammt weit runter mit der Ruecklauftemperatur.


    Ich, an deiner Stelle, wuerde einmal alle Heizkoerper entlueften, dann wuerde mir ein paar Temperatursensoren mit Logger aussen an VL und RL im Heizungskeller kleben mit etwas Daemmungen drum (+-10cm entlang des Rohres, Sensor in der Mitte) und zunaechst erstmal schauen, ob deine Heizanlage ueberhaupt irgendwelche Temperaturen regelt. Ist das der Fall, wuerde ich alle 3 Tage die Heizkurve in 1 Grad Schritten absenken, bis sich spuerbar ein Unterschied (Bude kaelter als gewohnt) einstellt. Sollte jetzt die Spreizung groesser als 10 Grad sein, wuerde ich versuchen die Foerderleistung der Pumpe !etwas! zu erhoehen, sodass sich eine Spreizung von sagen wir mal 7 Grad einstellt. Dadurch wird es wieder etwas waermer. Natuerlich solltest du dabei keine Abstriche machen und stoerende Fliessgeraeusche in den Heizungskoerpern nicht akzeptieren.

    Und dann schaust du mal 2 Wochen lang ob das so geht, dann hast du ein paar praktisch ermittelte Temperaturen, die ganzen theoretisch ermittelten Werte, sind zwar schoen auf dem Papier, bilden aber ueberhaupt nicht euer individuelles Waermebeduerfnis ab.

  • Hallo,


    erst mal vielen Dank für eure Beiträge und Tipps. Ich werde den Tipp von jarekin befolgen und habe mir gerade ein paar Temperatursensoren bestellt und werde die Rücklauftemperatur die nächsten 2 Wochen beobachten und testen. Dann wird man weitersehen. Vielen Dank nochmal an alle.


    Gruß

    HB

  • Guten Abend HB18,


    ich hätte auch gut getan, vorher in einem Forum Erfahrungen zu sammeln.


    Um Deine Sorge etwas abzumildern, es gibt diese Foren und da sind gute Menschen mit Erfahrung. Loule hat mich dazu gebracht, dass meine Anlage jetzt wieder das macht, was sie soll.


    Was Du minimal erwarten kannst, ist bei ausgeschaltetem Energiemanager, dass die BSZ für die Aufheizung des 220 Liter Warmwasserspeichers genutzt wird. Das dauert bei richtiger Einstellung zwischen 8 und 10 Stunden nach letzter WW Nutzung. Wenn das WW auf 15 Grad im Speicher gesunken ist, heizt die BSZ wieder hoch. Wenn dann die Ausschaltkriterien erreicht sind, schaltet sie ab. Was ich damit sagen will, wenn morgens der Speiche einmal leer gemacht wird und gegen 17.00 Uhr wieder, läuft die BSZ und Du bekommst akzeptable Laufzeiten. Ist aber eigentlich nicht Sinn der Sache, funktioniert aber. Dann ist egal, wie die Heizung auf das System wirkt (ist aber nicht zielführend).


    Ansonsten scheint die PT sehr individuelle Einstellungen zu benötigen, Du brauchst dafür einen guten HB oder die Foren.


    Trotz aller Schwierigkeiten möchte ich die PT 2 nicht missen. Habe ich doch in der Corona Zeit echte Abwechslung und Herausforderung gehabt. Dafür kann man nicht genug bezahlen. Allerdings waren da auch die Stunden der Ratlosigkeit, schlechte Laune und Frustration. Im Kino bezahlt man ja auch für die Stunde dafür ...


    Falls Du sie einbauen lässt und das Teil nicht sofort mit Deinem Haus per Du ist, wird es Dir einige Stunden Beschäftigung garantieren. Ich hatte mir das auch anders vorgestellt.


    Resümee: Wenn die alte Heizanlage weg muss und Geld nicht unbedingt auf den Cent gedreht werden muss und Du technisch interessiert bist und Du Lust an Versuch und Irtum hast, dann solltest Du wirklich überlegen, ob Du eventuell irgendwann vielleicht optional zur PT 2 tendieren solltest. Ich würde es wieder tun.

    kgSm

  • Hallo kgSm,


    Danke für Deine beruhigenden Worte. Die Technik der BSZ-Heizung begeistert mich schon und ich bin auch experimentierfreudig.


    Was mich veranlasst hat diesen Beitrag zu eröffnen: habe ich denn bei einem Einrohrheizsystem aufgrund der höheren Rücklauftemperaturen überhaupt eine Chance zu experimentieren? Wenn dem so ist, habe ich schon damit gerechnet, dass ich mich durch die Materie "durchbeißen" muss, mache ich ja jetzt im Vorfeld schon und macht mir auch Spaß. Ich will halt nur vermeiden, dass das Einrohrsystem zu einem zu einem Total-Flopp führt.


    Gruß und schönen Sonntag

    HB

  • Hallo HB,

    gab es denn hierzu noch neue Erkenntnisse? Ich habe gerade auch die erste Absage für BZ erhalten, da ich ein Einrohrsystem habe.

    Was ist es denn bei dir am Ende geworden?

  • Hallo BraendleA,


    ich habe mir auf Anraten hier im Forum Temperaturfühler gekauft und die an die einzelnen Heizkreise geklebt und die Vor- und Rücklauftemperaturen beobachtet. Ich bin selbst bei sehr kalten Außentemperaturen von um die minus 10 Grad nicht mal in die Nähe der Rücklauftemperatur von 50 Grad gekommen. Die höchste Rücklauftemperatur war 42 Grad, also keine Gefahr, dass die BSZ abschaltet. Und selbst wenn es bei mal so kalt sein sollte, dass sie abschaltet, dann ist es auch kein Beinbruch, die Tage kann man im Jahr, wenn überhaupt, an einer Hand abzählen.


    Nachdem ich diesen Test durchgeführt habe, habe ich meine BSZ-Heizung bestellt, sie wird nächste Woche installiert.


    Gruß

    HB

  • Hallo, da hat sich die Messung auf jeden Fall gelohnt. :)

    Darf ich fragen, wie du es geschafft hast, den Vorlauf soweit runter zu bekommen, dass du den Rücklauf so niedrig bekommen hast? Du hattest geschrieben, dass du die HK getauscht hattest und das Dach und der Keller isoliert sind. Mein Haus ist 1981 und meine Öl Hz braucht leider 3000 Liter. Bei dir läuft ja noch die LWP..