Berechnung der selbst genutzten Wärme

  • Hallo zusammen,


    ich habe einer Frage zu der Umsatzsteuererklärung und der Berechnung der "selbst genutzten/etnommenen Wärme".

    Zu meinen Daten:

    Mikro-KWK-Anlage PT2 von Vissmann

    Thermische Nutzleistung: 1,1 kW (th)

    Elektrische Nutzleistung: 0,75 kW (el)


    Ich habe die abzuführende Umsatzsteuer für die entnommene Wärme nun wie folgt berechnet:


    Gasverbrauch
    Brennstoffzelle in m³

    Brennwert (Hs)
    Zustandszahl
    Ergebnis in Kwh
    910,82 X 10,286 X 0,93 = 8712,89







    kWh
    Fernwärmepreis in Cent/kWh
    Cent
    EUR
    8712,89 X 8,9 = 77544,72 = 775,45







    EUR
    90% Wirkungsgrad lt. Datenblatt
    Betrag für
    Entnommene Wärme

    Davon 19 % an
    Umsatzsteuer abzuführen
    775,45 X 0,9 = 697,91 € X 0,19 132,60 €


    Ist dieser Rechenweg korrekt?

    Brennwert und Zustandszahl habe ich von meinem Gaslieferanten.

    Den Gasverbrauch der Brennstoffzelle konnte ich an meiner KWK-Anlage ablesen.


    Ich freue mich über Rückmeldung bzw. Korrekturhinweise.

    Sollte dieses Thema in irgendeinem Forumeintrag bereits ausführlich erläutert worden, dann bitte ich das zu entschuldigen.

    Ich habe lange gesucht und keinen Eintrag gefunden, bei dem die Berechnung im Detail erklärt wurde.


    Viele Grüße,

    Martin

  • Moin Martin,

    Ist dieser Rechenweg korrekt?

    Nein, ist er nicht. Überhaupt nicht. Sorry.


    Zunächst mal: Der Gasverbrauch der Brennstoffzelle (in m3 oder kWh) bezieht sich auf die Herstellung von Strom plus Wärme. Um auf den Wärmeanteil allein zu kommen, musst Du den Anteil des Stromverbrauchs herausrechnen. Zweitens stimmt der von Dir angegebene Wirkungsgrad nicht: Das mir vorliegende Datenblatt für die PT2 gibt den Gesamtwirkungsgrad mit 92% an, aber bezogen auf den Heizwert (Hi). Bezogen auf den Brennwert (Hs, den Dir Dein Versorger angibt und den Du auch bezahlst) entspricht das nur ca. 83%.


    Wenn kein Wärmezähler für die Gesamtwärme vorhanden ist (siehe unten!), gibt es zwei sinnvolle Möglichkeiten, um die Wärmeabgabe aus der Brennstoffzelle zu errechnen:

    a) Sofern es einen Betriebsstundenzähler gibt, entspricht die Wärmeabgabe der BZ den Betriebsstunden mal der Wärmeleistung von 1,1 kWh/Bh.

    b) Genau genug ist m.E. auch, für die BZ-Wärme 50% des Gasverbrauchs der BZ anzusetzen. Das errechnet sich so: Erzeugt werden pro Betriebsstunde 1,1 kWh Wärme und 0,75 kWh Strom, zusammen 1,85 kWh Nutzenergie. Mit 92% Wirkungsgrad (Hi), geteilt durch 0,9 zur Umrechnung in Hs, ergibt das einen Gasverbrauch (Hs) von 2,23 kWh/Bh. Die Wärmeerzeugung ist 1,1 kWh/Bh, also 50% (für Erbsenzähler: 49,3%).


    Deine Betriebsstundenzahl kenne ich nicht, aber mit Methode b) und dem angegebenen Gasverbrauch (8.713 kWh) komme ich zu einer Wärmeabgabe aus der Brennstoffzelle von 4.356 kWh.


    Jetzt kommt aber noch ein wichtiger Punkt hinzu. Die PT2 ist ein Gerät mit integrierter Zusatztherme, und weil Du (nehme ich an) die Umsatzsteuer für das gesamte Gerät zurückbekommen hast, gehört auch die abgegebene Wärme aus der eingebauten Zusatztherme zur unentgeltlichen Wertabgabe. (Im Gegenzug kannst Du die USt aus dem gesamten Gasbezug sowie ggf. angefallene Wartungskosten – auch für die Therme – als Vorsteuer geltend machen, siehe unten.) Da die Zusatztherme moduliert, wäre deren Betriebsstundenzahl für die Wärmeberechnung sowieso unbrauchbar, und einen separaten Gaszähler hat sie nicht. Aus diesem Grund wäre es das beste, wenn die PT2 so wie mein Vitotwin einen eingebauten (Gesamt-)Wärmezähler hätte, dann könntest Du einfach den dort angezeigten Wert für die Gesamt-Wärmeabgabe in kWh aus BZ+Therme einsetzen und gut is'.


    Sofern kein Wärmezähler vorhanden ist, musst Du aus Deiner Zählerablesung den Gesamt-Gasverbrauch der PT2 lt. Zähler in kWh ermitteln (analog Schritt 1 Deiner Rechnung). Angenommen dabei kämen 20.000 kWh heraus, dann ginge es wie folgt weiter:


    20.000 kWh minus Gasverbrauch der BZ (8.713 kWh) gibt 11.287 kWh für den Gasverbrauch der Zusatztherme. Genau genommen muss man diesen Wert noch mit dem Wirkungsgrad der Gastherme multiplizieren, um deren Wärmeabgabe zu erhalten. Nur steht der leider nicht in den technischen Daten der PT2. Die Datenblätter der baugleichen Viessmann-Gasthermen geben aber 98% (Hs) an, und es spricht wohl nichts dagegen, diesen Wert auch für die Therme in der PT2 anzusetzen. Dann errechnet sich die von der Therme abgegebene Wärme in dem Beispiel mit (11.287*0,98=) 11.061 kWh.


    Die insgesamt von der PT 2 abgegebene Wärme wäre dann in dem Beispiel (11.061+4.356=) 15.417 kWh.


    Im zweiten Schritt kommt die Umrechnung mit dem Fernwärmepreis. Wo die 8,9 ct/kWh in Deiner Rechnung her sind, weiß ich nicht. Jedenfalls: Wenn Du jetzt die Umsatzsteuer für 2019 machst, kann für den Wärmewert der Fernwärmepreis lt. Energiedaten des BMWi des Vorjahres angesetzt werden, das wäre also für 2018. Ich finde dafür in den Energiedaten (Tabelle 26) für 2018 die Zahl 23,18. Die ist in der (jedenfalls für diesen Zweck) blödsinnigen Einheit EUR/GJ angegeben. Um den Fernwärmepreis in Cent/kWh zu erhalten, muss man den angegebenen Wert durch den Faktor 2,78 teilen. Das ergibt dann 8,3358 Cent/kWh. Jetzt ist dieser Wert aber einschließlich Umsatzsteuer angegeben. Als unentgeltliche Wertabgabe in der Umsatzsteuer-Erklärung ist jedoch der Nettobetrag einzusetzen, und das sind (8,3358/1,19=) 7,005 ct/kWh. In dem Beispiel errechnet sich damit eine unentgeltliche Wertabgabe (Wärme) von (15.417*0,07005=) EUR 1.080.


    Die von Dir zu zahlende Umsatzsteuer ist aber nicht (1.080*0,19=) EUR 205,20.


    Einerseits hast Du ja auch USt-pflichtige Einnahmen vom Netzbetreiber erhalten. Bei geschätzten 3.900 Betriebsstunden, daraus resultierenden 2.900 kWh Stromerzeugung und geschätzten 5 ct/kWh Einspeisevergütung müsste der Dir für die fiktive Volleinspeisung ca. EUR 145 netto (plus € 27,55 Umsatzsteuer) gezahlt haben. Die € 145 sind in Zeile 38 der USt-Erklärung anzugeben (Lieferungen zu 19%), die € 1.080 in Zeile 39 (Unentgeltliche Wertabgabe). Daraus errechnet ELSTER erst mal eine Steuer von ((1.080+145)*0,19=) 233 EUR.


    Andererseits hättest Du in dem Beispiel insgesamt 20.000 kWh Erdgas bezogen. Bei einem angenommenen Rechnungsbetrag von EUR 1.000 wären darin 160 EUR Umsatzsteuer enthalten. Diese Vorsteuer ist anrechenbar (Eintrag Zeile 122), so dass Du (wenn Du nicht noch USt auf weitere Lieferungen oder Leistungen für die PT2 anrechnen kannst) in dem Beispiel unterm Strich (233-160=) 73 EUR Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen müsstest.


    (Einmalvorgänge wie die Vorsteuer aus Kauf und Installation der PT2 sowie die USt auf die 1.800 EUR pauschale KWK-Zulage sind, nehme ich an, bereits abgearbeitet. Sonst müsste man das im 1. Jahr noch mit einrechnen.)


    (Die resultierende Umsatzsteuer musst Du in der Erklärung nicht selbst ausrechnen, das macht ELSTER. Übrigens musst Du auch die ganzen oben geschilderten Zahlen und Rechenvorgänge dem FA nicht vorlegen: Höchstens wenn die nachfragen. Das ist aber bei den in Rede stehenden Beträgen ziemlich unwahrscheinlich.)


    Alles klar?


    EDIT: Das in Beitrag #2 von Bernigo eingestellte Urteil bezieht sich – wenn ich das beim Querlesen richtig verstanden habe – auf die Bewertung der Wärme (aus einer Biogas-Anlage) bei der Einkommensteuer. Der BFH scheint da bei der (m.W. auch schon zuvor gültigen) Auffassung geblieben zu sein, dass die Wärmeabgabe aus BHKW's im gewerblichen Bereich zu Herstellkosten oder ggf. zum niedrigeren Marktpreis bewertet werden kann. Für BHKW's in privaten Wohnhäusern ist das aber seit der Neuregelung 2015 nicht mehr relevant, da hier zum Gewerbebereich nur mehr Einkünfte und (ggf. anteilige) Ausgaben aus Stromerzeugung und -Verkauf rechnen. Der Wärme-Anteil ist einkommensteuerlich seither unbeachtlich. Für die USt (um die es hier ja geht) gilt dagegen nach wie vor das BMF-Schreiben vom Sept. 2014, auf welches ich meine o.g. Ausführungen bezogen habe.


    Die Good News sind: Martin, Du brauchst Dir das Urteil nicht durchzulesen. Das was ich hier geschrieben habe, dürfte eh schon für ein ausreichendes Maß an Verwirrung gesorgt haben...*lesen*


    Gruß, Sailor

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

    Einmal editiert, zuletzt von sailor773 ()

  • Hallo Sailor773,


    erstmal vielen vielen Dank für deine ausführliche Antwort.


    Alles klar?

    Ich muss zugeben, dass ich etwas gebraucht habe um den Sachverhalt zu verstehen (dafür habe ich mir den gestrigen Sonntag Vormittag reserviert), aber dank deiner Ausführungen konnte ich den Sachverhalt nun final abhaken. Das Thema ist doch komplexer und verwirrender als angenommen.

    Übrigens lagst du mit deinen geschätzten Werten ziemlich nahe an meinen tatsächlichen Werten :)


    Viele Grüße,

    Martin