Neubau großes EFH mit Pool etc. - Lohnt sich eine Vitovalor?

  • Hallo zusammen,

    ich bin noch ein Neuling beim Thema BHKW, allerdings übt das Ganze eine ziemlich Faszination aus.


    Wir sind kurz davor ein EFH zu bauen mit ca. 400qm Wohnfläche (KfW 55 Standard.)


    Leider kann ich den zukünftigen Stromverbrauch nur schätzen, aber ich gehe davon aus, dass er sehr hoch wird:

    1. Zum einen haben wir schon jetzt einen relativ hohen Stromverbrauch (ca. 6000 KwH/Jahr), zum anderen kommen in dem neuen Haus

    noch weitere Stromverbraucher hinzu, die einen zusätzlichen sehr hohen Strombedarf erzeugen.

    2. Dazu gehört ein Außenpool, der allerdings nur von April-Oktober betrieben wird. Ich schätze weitere 5000-6000 Kwh/Jahr

    3. Ein Whirlpool, geschätzt weitere 2000-3000 kwh/Jahr

    4. Ein großes Meerwasser Aquarium (3000l), Stromkosten geschätzt 4000-5000 kwh Jahr


    Damit ich mich nicht dumm und dusselig zahle an Stromkosten überlege ich mir, ob es nicht Sinn macht, hier eine Brennstoffzelle wie den Vitovalor

    in Kombination mit PV einzusetzen. Die Baufirma will natürlich am liebsten eine WP verbauen.


    Der einzige Vorteil, der WP den ich sehe ist, dass ich die Poolheizung auch an die WP des Hauses anschließen könnte und keine separate WP bräuchte.

    Ich nehme an, mit der Vitovalor könnte ich den Pool nicht mitheizen oder doch?


    Was meinen denn die Experten hier, macht deine Vitovalor (oder ähnliches) Sinn in so einem Szenario?


    Danke schonmal,


    Michael

  • Moin Mike,

    Was meinen denn die Experten hier, macht deine Vitovalor (oder ähnliches) Sinn in so einem Szenario?

    Wenn ich das alles zusammenzähle, komme ich (obwohl das fast unglaublich ist) auf sage und schreibe 17.000-20.000 kWh Stromverbrauch im Jahr. Ich frage jetzt mal nicht, ob es da noch Einsparmöglichkeiten gibt.


    Aber wie dem auch sei: Bei Stromverbräuchen in so einer Größenordnung (selbst wenn man noch ein Drittel davon einsparen könnte) wäre eine Vitovalor völlig unterdimensioniert. Mein Vorschlag wäre daher, eine BlueGen Brennstoffzelle zu nehmen, die bringt immerhin 13.000 kWh Strom im Jahr. Und in diesem besonderen Fall halte ich eine Kombination BlueGen/PV-Anlage ausnahmsweise für sinnvoll, weil bei den genannten Stromverbräuchen (im Sommer höher als im Winter!) wahrscheinlich beide Anlagen mit Eigenverbrauch gut ausgelastet wären.

    Ich nehme an, mit der Vitovalor könnte ich den Pool nicht mitheizen oder doch?

    Das wäre grundsätzlich kein Problem, auch bei einer BlueGen. Aber die hat nur eine Wärmeleistung von 850 W, d.h. trotz Betrieb ganzjährig rund um die Uhr kommen da am Tag gerade mal 20,4 kWh Wärme bzw. 7.400 kWh Wärme im Jahr zusammen. Das reicht im Winter nicht mal für ein KfW 55 Haus, zumal bei 400 qm beheizter Fläche plus Warmwasser. Und auch im Sommer bleiben für den Pool (wenn der Wärmebedarf fürs Warmwasser gedeckt ist) wohl kaum mehr als 10 kWh/Tag BZ-Wärme übrig.


    Du brauchst also in jedem Fall neben der Brennstoffzelle noch einen weiteren Wärmeerzeuger. Wenn Du für den Pool eh eine WP einsetzen willst, könnte es durchaus Sinn machen, den gesamten Wärmebedarf des Gebäudes plus Pool (d.h. über die 7.400 kWh/a aus der BZ hinaus) mit einer Wärmepumpe zu decken: Im Winter fürs Haus, im Sommer für den Pool. Der Zusatzvorteil wäre, dass eine WP wenigstens zum Teil mit günstigem Strom aus PV-Anlage und Brennstoffzelle betrieben werden könnte. (Die Alternative wäre eine konventionelle Gastherme, denn einen Gasanschluss musst Du für die Brennstoffzelle sowieso installieren.)


    Gruß, Sailor

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Hallo Sailor, vielen Dank für Deine Einschätzung. Ja, die Befürchtung hatte ich auch, dass die Vitolator vielleicht sogar unterdimensioniert ist.


    Leider ist die Hausbaufirma bei dem komplexen Thema wohl überfordert.


    Hat jemand einen Tipp, wo ich mich für eine seriöse Beratung für das ganze Thema hinwenden kann? Am besten im Großraum München, aber online Beratung auch möglich.


    Abgesehen davon:

    Kann man eigentlich einen kombinierten Batteriespeicher für Brennstoffzelle und PV einsetzen oder ist das nicht möglich und/oder empfehlenswert?

  • Kann man eigentlich einen kombinierten Batteriespeicher für Brennstoffzelle und PV einsetzen oder ist das nicht möglich und/oder empfehlenswert?

    Kann man. Ein fitter Solarteur müsste die Schaltung auch so hinkriegen, dass bei Überschuss-Erzeugung vorrangig der Strom aus der Brennstoffzelle verbraucht bzw. gespeichert wird (weil dessen Einspeisung weniger bringt als bei der PV-Anlage). Aber wirtschaftlich ist das voraussichtlich nicht, weil Stromspeicher derzeit einfach noch zu teuer sind.


    In Deinem speziellen Fall wäre zunächst mal zu klären, wie viel Überschuss-Strom überhaupt zur Verfügung steht (und wann!), wie viel Strom andererseits bezogen wird (und wann!), und wie viel davon ggf. aus einem Speicher gedeckt werden kann. Bei den von Dir geschilderten sehr speziellen Verhältnissen nützen irgendwelche Pauschalannahmen (mit denen die Speicher-Anbieter sonst gerne arbeiten) überhaupt nichts. Da muss ein individuelles Konzept erarbeitet werden, am besten auf Basis von Messungen.

    Hat jemand einen Tipp, wo ich mich für eine seriöse Beratung für das ganze Thema hinwenden kann?

    Was die Brennstoffzelle betrifft, kommt m.E. wirklich nur die BlueGen in Frage. An Deiner Stelle würde ich deshalb SolidPower kontaktieren, z.B. hier, und nach einem BlueGen-kundigen Heizungsbauer in München fragen. Der wird natürlich, was die Bluegen betrifft, "voreingenommen" sein, aber bei den anderen Sachen kann er Dich bestimmt objektiv beraten. Und vermutlich weiß er auch einen guten Solarteur/Elektriker: Den brauchst Du nicht nur für die PV-Anlage, sondern auch für den elektrischen Anschluss der Brennstoffzelle.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

    Einmal editiert, zuletzt von sailor773 () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Bei einem solchen Verbrauch könnt e man auch anstatt einer BSZ über ein Klein BHKW nachdenken. Kommt naürlich auf die Gegebenheiten und die Heizlast an. Aber ein kleiner Dachs mit 2,9 kw el könnte sich da vielleicht wohlfühlen

  • Aber ein kleiner Dachs mit 2,9 kw el könnte sich da vielleicht wohlfühlen

    Vom Stromverbrauch her locker.


    Die Frage ist nur, wohin mit der Wärme. Der Dachs leistet lt. technischen Daten 7 kW thermisch. Ein KfW55-Haus dürfte selbst bei 400 m2 Wohnfläche fürs Heizen kaum mehr als 12.000 kWh Wärme im Jahr brauchen. Für TWW kommen (je nach Bewohnerzahl) vielleicht 4-5.000 kWh hinzu, damit würde man (sofern der Dachs monovalent gefahren werden kann – bei geschätzen 10 kW Heizlast plus TWW eher grenzwertig, aber mit Ofen-Unterstützung vielleicht machbar) gerade mal auf 2.400 Vollbetriebsstunden im Jahr kommen. Die Frage ist noch, wie viel Wärme zusätzlich (im Sommerhalbjahr) die Poolbeheizung aufnimmt. Aber um die gleiche Strommenge wie eine BlueGen zu erzeugen, müsste der Dachs auf fast 4.600 Vollbetriebsstunden kommen, was einem Wärmebedarf von über 32.000 kWh entspricht. Und das geht nur, wenn der Pool allein noch mal ebensoviel Wärme verbraucht wie das ganze Haus.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Noch eine Frage:

    Klar ist der Vitolator unterdimensioniert in dem Sinne dass man noch mehr Sparen könnte, wenn man ein Gerät mit mehr elektrischer Leistung verwenden würde. Aber unter den gegebeben Rahmenbedingungen ist ein Vitolator doch zumindest sehr gut ausgelastet, weil ich wahrscheinlich fast 100% des erzeugten Stroms selbst verbrauchen könnte.


    Zusatzfragen:

    1. Der Vitolator kann doch auch die Heizlast der Hauses zumindest mit der Zusatzheizung locker stemmen oder?

    2. Ist der eingebaute Warmwasserspeicher mit gerademal 220l nicht etwas knapp dimensioniert für 6 Personen? Kann man das irgendwie erweitern?


    Hintergrund ist, dass die Baufirma eigentlich nur Vissmann verbauen will, weil sie nur mit diesen Geräten Erfahrung hat und ich aus Gewährleistungsgründen eigentlich die Baufirma auch die Heizung bauen lassen will.


    Außerdem wird eine Kombination von Brennstoffzelle + Wärmepumpe von den Anschaffungskosten extrem teuer. Sowohl eine Wärmepumpe die Pool und Haus heizen kann als auch eine Brennstoffzelle sind beides keine Sonderangebote.

  • Bei der Valor ist der Wärmebedarf kein Problem - wegen des eingebauten Gas-Brennwertkessels mit bis zu 32 kw Leistung.

    220 l sollten auch für 6 Personen reichen - wenn da aber zB ne große Regendusche kommt, könnte es knapp werden. Ne Alternative wäre es, anstatt der PT2 auf die PA2 zu gehen, dann hat man alle einzeln.