Neue Heizung benötigt in Reihenhaus

  • Hallo,

    ich bin der Neue und habe mich schon durch diverse Themenblöcke gelesen, aber bislang leider niemanden mit einer ähnlichen Situation aufgefunden.


    Ich werde mit meiner Frau in ein Reihenmittelhaus Baujahr 1954, 120qm Wohnfläche ziehen. Dach hat eine Süd/West Ausrichtung, kein Schattenwurf. Es soll überall Fußbodenheizung verbaut werden. Kleiner Garten vorhanden.


    Dachgeschoss ausgebaut

    1. OG (50qm Wohnfläche)

    Erdgeschoss (50qm Wohnfläche)

    Kellergeschoss


    Das Haus wird von uns komplett renoviert/saniert werden. Zur Zeit ist im Flur(EG) unten eine kleine Gasheizung verbaut, mit einem kleinen Kamin (?) der senkrecht nach oben durchs Haus geht (Durchmesser 20x20), die das Haus beheizt. Von dort aus wird in fast alle Räume warme Luft geblasen, soweit man in dem jeweiligen Raum die entsprechende Klappe vom Kamin öffnet. Kurz und gut: Das Ding muss ersetzt werden.


    In unserer jetzigen Wohnung (70qm) verbrauchen wir pro Jahr 900kWh. Es sind zwar auch 2-3 Kinder in Planung - wie man sieht, Leben wir jedoch relativ sparsam. Jetzt habe ich in einigen Forenbeiträgen gelesen, dass sich eine Brennstoffzelle (die ich mir eigentlich in den Keller stellen wollte) erst ab ca. 4000kWh lohnt. Ich glaube, die werden wir im Leben nicht vollbekommen.



    Was würdet ihr an meiner Stelle in den Keller einbauen um zu Heizen und ggf. auch Strom zu erzeugen?



    Vielen Dank für Anregungen und Tipps aller Art!!


    Thomas

  • Moin Thomas,

    Das Haus wird von uns komplett renoviert/saniert werden.

    Heißt das auch energetische Sanierung nach aktueller EnEV?


    Wenn ja, dürfte der zukünftige Wärmebedarf für 120 qm weit unter 10.000 kWh liegen. Da kommt - wenn überhaupt - nur eine Brennstoffzelle in Frage. Aber

    habe ich in einigen Forenbeiträgen gelesen, dass sich eine Brennstoffzelle (die ich mir eigentlich in den Keller stellen wollte) erst ab ca. 4000kWh lohnt. Ich glaube, die werden wir im Leben nicht vollbekommen.

    Wenn das so ist, rate ich von einer BZ ab. Selbst die kleinste am Markt angebotene Sorte (Vitovalor oder vergleichbares Modell) lässt sich bei 3000 kWh oder gar weniger vermutlich nicht mehr wirtschaftlich betreiben.

    Was würdet ihr an meiner Stelle in den Keller einbauen um zu Heizen und ggf. auch Strom zu erzeugen?

    Bei einem normalen Anwesen würde ich für Heizung/Warmwasser zu einer Luft-Wärmepumpe raten. Mit Eurer speziellen Art der Luftheizung kenne ich mich allerdings nicht aus, da solltet Ihr zur Sicherheit einen Heizungsbauer konsultieren. Am Ende des Tages hängt alles davon ab, welche Temperatur die Luft (bzw. genauer: das Wasser in dem Wärmetauscher, über den vermutlich die Zuluft erwärmt wird) haben soll, und zwar nicht jetzt, sondern im sanierten Zustand (wo wesentlich weniger Wärme benötigt wird als aktuell). Sofern an den kältesten Tagen 50°C Wasser-(Vorlauf-) Temperatur – oder gar weniger – ausreichen, wäre die WP OK. Wenn aber höhere Temperaturen benötigt werden, leidet der Wirkungsgrad der WP. Dann sollte es wahrscheinlich besser wieder eine Gasheizung sein, oder ein Pellet-Kessel (falls es so etwas auch für sehr kleine Heizleistungen gibt).


    Um Strom zu erzeugen, würde ich auf alle Fälle eine PV-Anlage anschaffen. Ein unverschattetes SW-Dach ist dafür sehr gut geeignet. Wie groß sie wird ist v.a. eine wirtschaftliche Frage: Für die Eigenverbrauchs-Optimierung im Haushalt langen bei Euch wahrscheinlich 4 kW(peak). Ihr könnt aber ruhig mehr nehmen, insbesondere wenn eine Wärmepumpe ins Haus kommt - nur bleibt unbedingt unter 10 kW(peak), wegen der EEG-Umlage. Und weil Du fragst, was ich in den Keller einbauen würde: Natürlich den Wechselrichter (der mag's gerne kühl und trocken), aber keinen Stromspeicher (weil sich der wirtschaftlich im Zweifel nicht lohnt, jedenfalls nicht zu aktuellen Speicher- und Strompreisen).


    Gruß, Sailor

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Moin Sailor,


    vielen, vielen Dank für die ausführliche Schilderung!!


    1)

    Heißt das auch energetische Sanierung nach aktueller EnEV?


    Wenn ja, dürfte der zukünftige Wärmebedarf für 120 qm weit unter 10.000 kWh liegen. Da kommt - wenn überhaupt - nur eine Brennstoffzelle in Frage.

    da es sich um Reihenmittelhaus handelt, sind zwei Seiten schon mal relativ gut gewärmt (durch die Nachbarn). Eventuell dämmen wir noch das Dach. Das ist allerdings eine Frage des Geldes und in wieweit die jetzige Dämmung noch verbessert werden kann (die Dämmung wurde ca. 1980 eingebaut). Die wird sich in jedem Falle verbessern lassen - keine Frage. Kosten-Nutzen habe ich da nur im Hinterkopf.


    2)

    Ich glaube, ich werfe die kWh durcheinander. Ursprünglich war ich von elektrischer Energie ausgegangen. Es scheint mir jedoch bei deiner Schilderung mehr, als drehe es sich um kWh Gas. (Smiley: Affe mit Händen vor den Augen)


    Ich weiß, dass der Vorbesitzer, es gerne schön warm haben wollte und 14.000 kWh Gas (1452 Kubikmeter) verbraucht hat. Jetzt vermute ich, dass ich in den ganzen Forenbeiträgen kWh für Gas und Strom durcheinander geworfen habe?!


    Die von mir oben genannten 900kWh bezogen sich auf elektrischen Strom / Jahr.



    Kommt dann doch die Brennstoffzelle in Betracht?


    Vielen Dank für weitere hilfreiche Antworten!

  • ch glaube, ich werfe die kWh durcheinander. Ursprünglich war ich von elektrischer Energie ausgegangen. Es scheint mir jedoch bei deiner Schilderung mehr, als drehe es sich um kWh Gas. (Smiley: Affe mit Händen vor den Augen)

    Nein, passt schon. Wahrscheinlich habe ich mich missverständlich ausgedrückt. :pfeifen:

    Jedenfalls, um alle Missverständnisse auszuschließen:


    Ein Wärmeverbrauch von ca. 10.000 kWh im Jahr oder höher würde den Einbau einer Brennstoffzelle zulassen. Kritisch wird es m.E. erst bei Wärmeverbräuchen um oder unter 6.000 kWh (d.h. mit 120 m2 bei KfW100 oder besser), weil dann selbst die geringe Wärmeleistung einer Vitovalor in der Heizperiode nicht mehr rund um die Uhr abgenommen wird. Dann wird auch die Stromproduktion weniger, aber bei 10.000 kWh Wärme (oder mehr) sollte das kein Problem sein.


    Ein Stromverbrauch von deutlich unter 4.000 kWh erlaubt hingegen in der Regel keinen wirtschaftlichen Betrieb einer Brennstoffzelle, weil der Treiber bei der Wirtschaftlichkeit die eingesparten Bezugsstrom-Kosten sind. Und bei an sich schon wenig Stromverbrauch ergibt das halt nicht genug Einsparung, um die (immer gleichen) Investitions- und Wartungskosten eine BZ zu decken.


    Alles klar?

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Moinsen,


    es sind mir nun mehrere Punkte klar geworden. Super erklärt!

    Auf der von dir beschriebenen Grundlage entfällt dann ja jeder Sinn, bei unseren Verbräuchen eine BZ ins Haus zu bauen.


    1) Luftheizungs-Ding

    Nur nochmal zur Verdeutlichung: Diese Gas-Luftheizungsanlage wird komplett rauskommen. Statt dieser komischen Anlage wollen wir überall Fußbodenheizung verbauen.


    2) Was wird neues reingebaut: Heizung

    Wenn ich dich richtig verstehe, tendierst du dazu, eine Luft/Wärmepumpe einzubauen. Alternativ dazu eine klassische Gasheizung.


    3) Was wird neues reingebaut: Strom

    a) PV-Anlage mit ca. 4kW (nicht über 10kW wegen EEG).

    b) Nen Wechselrichter in den Keller. Bzgl. Wechselrichter: Das Gerät ist ja für die Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom verantwortlich. Ich werde ja nie genau 4kW erzeugen und parallel auch verbrauchen. Kann man dann den Rest Strom automatisch ins Netz einspeisen oder ist das komplizierter als gedacht?



    Danke für deine Mühe!

  • Kann man dann den Rest Strom automatisch ins Netz einspeisen oder ist das komplizierter als gedacht?

    Ja die Überschusseinspeisung ist Standard und das klappt automatisch. Falls du die Anlage selbst bauen willst könnte ich dir günstig Material besorgen. Beim WR musst du dann noch auf die 70% abregelung achten, der kann also ggf. etwas kleiner ausfallen, wobei das bei 4 kW nicht so die Rolle spielt. Nur eher etwas kleiner als viel zu groß!

  • Statt dieser komischen Anlage wollen wir überall Fußbodenheizung verbauen.


    2) Was wird neues reingebaut: Heizung

    Wenn ich dich richtig verstehe, tendierst du dazu, eine Luft/Wärmepumpe einzubauen.

    So isses. Wenn Ihr tatsächlich überall FBH einbaut, sorgt das für sehr niedrige Vorlauftemperaturen im Heizkreis. Und das – zusammen mit einem überschaubaren Wärmebedarf – sind für eine Luft-Wärmepumpe ideale Bedingungen.

    PV-Anlage mit ca. 4kW

    Wenn klar ist, dass es eine Wärmepumpe wird, halte ich 4 kWp für zu wenig. Sofern das SW-Dach 9,99 kWp trägt, solltest Du das auch nutzen. Dann kannst Du jedenfalls im Sommer und in der Übergangszeit den Wärmebedarf über die WP aus der PV-Anlage decken (vorausgesetzt Du hast einen Wärmespeicher, der 1-2 Tagesverbräuche abdeckt). Die WP muss dafür so geschaltet werden, dass sie möglichst nur tagsüber läuft. Im Winter geht das natürlich nicht, aber übers Jahr gerechnet könnten m.E. durchaus 40% des WP-Stroms aus der PV-Anlage gedeckt werden. Überschüssiger PV-Strom geht automatisch ins Netz. Dafür bekommst Du etwa 9 ct/kWh EEG-Vergütung.


    Lass' Dir mal von Solarteuren in Deiner Region zwei oder drei Angebote machen, aber lass' Dir keinen Stromspeicher aufschwatzen. Der kostet i.allg. mehr Geld als man in 20 Jahren damit sparen kann. Was Du höchstens machen kannst ist jetzt schon die Anschlüsse für den späteren Einbau eines Speichers vorzusehen, für den Fall dass sich eine Nachrüstung (vielleicht in zehn Jahren) einmal lohnt.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)