Szenariorahmen 2021-2035 der Übertragungsnetzbetreiber

  • Hallo,


    bis zum Freitag, 2020-02-14, lädt die BNetzA noch zur Kommentierung des ÜNB-Szenariorahmens durch die Öffentlichkeit ein. Wollen wir dazu auch unseren Senf abgeben?


    Ich sage nur: Flexoptionen im Verteilnetz können das Übertragungsnetz entlasten, der ökonomische Wert liegt dabei bei rund 100 € pro kW und Jahr. Ausserdem wird heute (vgl. BDEW Studie, S. 11) ca. 45% der Wohnungen durch eine Gasheizung versorgt, etwa 25% deckt Heizöl ab, Fenrwärme 14%, Elektroheizung (WP+Nachtspeicher) 5%, Rest sind Holz, Kohle, etc. Alleine in die Wärmepumpe zu investieren, wird wie in Frankreich zu einer hohen Temperaturabhängigkeit des elektrischen Systems führen, der zu Lastspitzen bei Kältewellen führt.


    Gruß,

    Gunnar

  • In dem Szenariorahmen 2021-2035, den es zu kommentieren gilt, steht auf Seite 80 in dem Absatz zu Erdgaskraftwerkskapazitäten "Der Ersatz erfolgt grundsätzlich als Blockheizkraftwerk (BHKW) mit dem Energieträger Erdgas und einer Stromkennzahl von 0,5."


    Zum einen gibt es bei den größeren KWK-Anlagen vor allem GuD-Kraftwerke, die z.B. wie der Block Fortuna in Düsseldorf Lausward etwa 55% elektrischen Wirkungsgrad entwickelt bei etwa 30% Wärmeauskopplung. Damit ist die Stromkennzahl knapp unter 2.


    Bei industrieller KWK nutzt man bei Prozesswärme gerne Gasturbinen mit einem elektrischem Wirkungsgrad von 30%-40%, somit ist bei angenommenem Gesamtwirkungsgrad von 80% die Stromkennzahl zwischen 0,6 bis 1,0. Sofern keine Prozesswärme jenseits von 120°C benötigt wird, und man mit der Motorabwärme und Abgaswärme zurechtkommt, sind große Motor-BHKWs schon ab 1 MW mit 45% elektrischem Wirkungsgrad anzusetzen, die ebenfalls auf eine Strommkennzahl von 1 kommen.


    Kleinere Motor-BHKWs ab 50 kW haben 35%, d.h. hier wäre eine Stromkennzahl von 0,5 korrkt. Bei der Mini-KWK unter 50 kW haben wir aber den technologischen Trend der Brennstoffzelle, der sogar im Nano-BHKW-Segment fürs Ein- und Zweifamilienhaus Wirkungsgrade von knapp 40% (PEM) und 55% (SOFC) schafft. Und das ist heute realisierte Technik ohne Visionen wie sich diese in den nächsten 10-15 Jahren weiterentwickelt. Somit kann auch in dem ganz kleinem Segment - das für allem für die 15 Mio Einfamilienhäuser relevant ist - eine hohe Stromkennzahl von knapp 1 bis 1,5 begründet werden.


    Gruß,

    Gunnar

  • Moin, Moin,


    weiterhin heisst es in Kapitel 5.3.3 Power-to-Heat (S. 46ff), dass 4-9 Mio Wärmepumpen zu je 5 kWel angenommen werden. "Eine relevante Kennzahl bei Haushaltswärmepumpen ist die Gleichzeitigkeit der Stromnachfrage" somit ist die Lastspitze durch stromverbrauchende Heizungen 20-45 GW.


    Um nicht wie in Frankreich einen sehr hohen Temperaturgradienten der Netzlast zu entwickeln, der bei einer Kältewelle zu erheblichen Schwierigkeiten führt (ca 2,4 GW/°C) empfiehlt es sich, die KWK als stromerzeugende Heizungen in allen Größenordnungen im selben Maße auszubauen, so dass sich ein Ausgleich von außentemperaturabhängiger Erzeugung und Verbrauch elektrischer Energie einstellt. Das betrifft also weniger die Industrie-KWK, sondern eher die Anlagen zur Versorgung mit Raumwärme. Heutzutage hat die Fernwärme rund 15% am Fernwärmemarkt, knapp 50% sind Gaskessel.


    Genauso wie man Gasnetze von L- auf H-Gas umstellen kann und genau wie die Umstellung im elektrischen Netz von fossil-atomar erzeugtem Strom auf regenerativen Strom im Gange ist, lässt sich das Gasnetz auch auf regenerative Gase umstellen. Damit ist eine langfristige Weiternutzung dieser Infrastruktur auch in Zukunft möglich und sinnvoll. Heute macht man das noch nicht, weil die EE-Mengen erstmal dazu verwendet werden, Braun- und Steinkohlestrom zu verdrängen und es noch nicht sinnvoll ist, die Wasserstoff- und Power-to-X-Route zu aktivieren.


    Gruß,

    Gunnar

  • Wie 2,4 GW/K bei einer Kältewelle aussehen, habe ich hier gefunden:


    https://energytransition.org/w…ploads/2017/01/craig1.png


    Anteil von Heizungen am elektrischen Energieverbrauch in Frankreich

    Mittlere tägliche Leistung, September 2011 bis August 2012, RTE

    Blau: Verbrauch ohne Heizungen, Rot: Heizungen


    Der Peak lag in FR am 08.02.2012 um 19:00 bei 102 GW (ca 60 Mio Einwohner), in DE lag die Verbrauchsspitze während der Kältewelle zu selben Zeit bei 82 GW (ca 80 Mio Einwohner), vgl. mit den ENTSOE-Statistikdaten für 2012, S. 12.