BHKW für 3 Häuser

  • Wenn Heizstab vorhanden ist ja erstmal gut, aber geregelt wäre natürlich schöner. So kannst ja nur ein/aus schalten, was aber grundsätzlich auch geht, wenn man die UVR mittels Leistungsmesser am Bezugspunkt informiert. Oder macht die UVR auch eine Leistungsregelung bei so viel KW?

    Wenn ich den Heizstab zum Strom verbrennen nutzen müsste dann würde ich umrüsten: https://www.ta.co.at/aton/

    Eigentlich geht es mir gegen den Strich. Die BHKW-Betreiber sollten doch den Stromüberschuss für die WP-Betreiber liefern.X/

    Aber unser Staat wird´s schon in die richtige Richtung lenken.:P


    Planungshandbuch habe ich bereits. Was mich Interessiert ist die Bedienung vom MSR3 und die Anbindung an die UVR-Regler z.B. über Modbus.

  • Hallo Christian,

    Ich habe 3 Gebäude zu Heizen und mich interessiert auch die Heizungstechnik im allgemeinen die ich auch selber einbaue. Wichtig ist mir auch dass ich einen Beitrag gegen unser Klima-Problem gebe.

    willkommen im Klub. Die CO2-Emissionen kann man grob mit der Differenz-Methode abschätzen (das ist zwar thermodynamischer Quatsch, aber reicht für einen simplen Vorher-Nachher-Vergleich). Ich nehme mal an, dass bei Dir Flüssiggas gesetzt ist und Du nicht mittlerweile auch auf eine Erdgasleitung vor dem Haus zugreifen könntest. Flüssiggas hat 230 g CO2-Emissionen pro kWh Energieinhalt, etwa 15% mehr als Erdgas - es sind schlicht längere Kohlenstoffketten mit mehr C pro H.


    Wenn nun statt deiner Gastherme ein BHKW die gleiche Wärmemenge produziert, dann braucht man natürlich etwas mehr Gas (es gilt der Energieerhaltungssatz), um die zusätzliche elektrische Energie zu erzeugen. Wenn man aber ein gutes BHKW mit Brennwerttauscher nutzt, das vom Gesamtwirkungsgrad genauso aussschaut wie die Therme (realistischer Ansatz 90%), dann kann man mit der Differenzmethode sagen: die zusätzlichen Mengen an Gas werden mit 90% in zusätzliche Mengen Elektroenergie gewandelt. Somit könnte man der elektrischen Ernte aus dem BHKW, welches die Wärmesenke von den drei Häusern nutzt, einen CO2-Emissionswert von 230/0,9 = 255 g/kWh zuweisen. Mit dieser Kilowattstunde verdrängst Du nun den Strombezug aus dem Netz, bzw. speist die Überschüsse ein, welche das letzte Kraftwerk aus der Einsatzreihenfolge (sortiert nach variablen Kosten) das notwendig ist, die nationale Stromnachfrage zu decken, nun ein bischen weniger stark auslastet.


    Das ist das sogenannte Grenzkraftwerk. In der Regel ist es ein Mittel- bis Spitzenlastkraftwerk; also wird ein Mix aus Kohle- und Gaskraftwerken verdrängt. Wie du schon sicherlich gehört hast, sind die Gaskraftwerke seit einigen Jahren etwas unterbeschäftigt (z.B. Irsching) und haben mit wenig Laufzeiten und fehlender Wirtschaftlichkeit zu kämpfen, weil relativ oft bei Wind und Solareinspeisungen keine Spitzenlast mehr benötigt wird. Daher verdängt dezentraler KWK-Strom aus stromerzeugenden Heizungen hier und heute überwiegend Kohlestrom. Der wird bei modernen Kohlekraftwerken mit hohem Wirkungsgrad (46%) mit rund 750g/kWh bilanziert, ältere Kohlekraftwerke haben höhere Emissionswerte. Kohle hat einen Emissionsfaktor von 340g/kWh, bei 40% Wirkungsgrad wären das dann 850 g/kWh elektrische Energie. Aber wie gesagt, manchmal werden auch Gaskraftwerke verdrängt und wenn besonders viel Wind weht und auch Braunkohlekraftwerke bei niedrigem Preis gedrosselt werden, vgl. Sturmtief Sabine, dann verdränkt KWK-Strom sogar Braunkohle.


    In Summe ergibt die vorher-nachher Betrachtung eine CO2-Emission für den KWK-Strom von rund 250 g/kWh, verdrängt werden 750 g/kWh macht eine Einsparung im Gesamtsystem von 500 g/kWh für jede erzeugte kWh elektrische Energie. Gehen wir von einem 2 kW-BHKW mit einer Stromkennzahl von 0,5 aus, welches die Wärmegrund- und Mittellast liefert, dann sind bei angenommenen 6000 h Betriebsstunden zur Warmwasserbereitung der 3 Häuser und zur Heizungsunterstützung 12000 kWh elektrische und 24000 kWh thermische Energie zu erwarten. Damit wird gemäß dieser Überschlagsrechnung in den kommenden 15 bis 18 Jahren solange der Kohleausstieg noch dauert, pro Jahr 6 Tonnen CO2 eingespart. Weiterhin hilft auch das Mini-BHKW dabei mit, die kalte Dunkelflaute mit gesicherter Leistung zu überstehen.


    In Wirklichkeit sind die Zuordnungen etwas komplexer, so kann man bei der KWK-Wärme aus einem Mini-BHKW von einem PEF (Primärenergiefaktor der Wärmeversorgung) von rund 0,5 ausgehen, d.h. das entspricht einem Wirkungsgrad der Wärmeerzeugung von 200% - ähnlich einer guten Gaswärmepumpe. Somit hat auch die KWK-Wärme gegenüber der Wärme der Gastherme einen Vorteil von 230/2 = 115 g/kWh; der Strom sieht dann nicht mehr ganz so gut aus, aber auf Gesamtsystemebene macht das keinen Unterschied. Wichtig ist aber das Verständnis, dass jeder Kessel den Brennstoff (hohe Exergie) in NT-Wärme (niedrige Exergie) wandelt, was hohe Verluste bzgl. des Arbeitswerts der Energie mit sich bringt. Daher sollte der Kessel nicht so häufig laufen, was insbesondere eine Frage der Wärmespeicherauslegung und Speicherbewirtschaftung ist. Insbesondere wenn das BHKW noch nicht rund um die Uhr im Einsatz ist, darf man das Heizungssystem kritisieren, wenn der Gaskessel ab und zu anspringt, was dann bedeutet, dass der Kessel dem BHKW die Arbeit abnimmt und die Laufzeiten unnötigerweise verkürzt.


    Gruß, Gunnar