Welche Heizung für 3-Familienhaus?

  • Hallo zusammen,


    vorab mal ein großes Kompliment für das tolle Forum.


    Wir sind derzeit auf der Suche nach einer neuen Heizung, da unsere Immobilie im Zuge des KFW-Sanierungs-Programm saniert werden soll.

    Im Moment ist mir nicht klar, welchen Weg wir hier verfolgen sollen.


    Bisher haben wir über folgende Arten der Heizung nachgedacht, wissen aber nicht, was für uns a passendsten wäre:

    - Pelletheizung (Problem ist hier der Lagerraum)

    - Hybridheizung (Gas / Wärmepumpe)

    - Brennstoffzelle mit Spitzenlastbrenner

    - BHKW


    Da wir auf Grund des KFW-Programms eine Heizungsart brauchen, welche wenig Primärenergieverbraucht, entfällt z.B. eine reine Gasheizung.


    Es wäre echt toll, wenn ihr mit hier eure Anmerkungen dazu geben könntet. Ich habe einige Angaben bereits unten mit angehängt.


    Vielen Dank schon im Voraus und viele Grüße!


    Bachl



    Verbrauchsdaten

    Jährlicher Stromverbrauch: ca. 7.500 kWh

    Jährlicher Brennstoffverbrauch: 30.000 kWh


    Derzeitige Heizung

    Energieträger der Heizung: Erdgas

    Alter und Typ der der Heiztechnik: Brennwertkessel 2001

    Ist bereits eine Solarthermie vorhanden: nein

    Vorhandener Heizungspufferspeicher und Größe: nicht vorhanden

    Art der Warmwasserbereitung und Vorratsvolumen: Gasheizung 300l

    Gibt es ein besonderes Strom-/Wärmeverbrauchsverhalten: nein

    Hydraulischer Abgleich durchgeführt: nein

    Temperaturen der Heizkreise: derzeit ca. 40°C

    Art der Heizkörper: Fußbodenheizung


    Immobilie und Rahmendaten

    Beheizte Fläche, Anzahl Bewohner: 350 m²; 8 Bewohner

    Art und Baujahr der Immobilie: 3-Familienhaus (eine Wohnung je Stockwerk)

    Erfolgte Modernisierungen: Fenster aus 1999

    Weitere geplante Modernisierungen: geplante KFW70-Sanierung

    Zweiter Abgasstrang für BHKW frei: ja

    Erdgasanschluss vorhanden oder möglich: vorhanden

    Zusammenschluss von Nachbarhäusern möglich: nein

  • Jährlicher Stromverbrauch: ca. 7.500 kWh

    Jährlicher Brennstoffverbrauch: 30.000 kWh

    Ist für ein BHKW recht knapp BSZ müsste gut passen.

    Wie sieht es denn mit Dachflächen für ST und PV aus?

    Problem das ich bei dir sehe ist die aktuell noch gültige Regelung zur EEG Umlage, deshalb die Frage wer die Bewohner sind und wie mit ihnen Abgerechnet wird. Ist der angegebene Stromverbrauch für alle Wohnungen gemeint? Hast du nähere Angaben zur Grundlast?

    Temperaturen der Heizkreise: derzeit ca. 40°C

    Was bedeute derzeit? Ich kenne deine aktuelle Außentemperatur ja nicht, kannst du vielleicht die VL und noch wichtiger RL Temperaturen bei +15 und -10 Grad AT machen?

    Mit 40 bis 45 Grad bei -10 Grad z. B. wäre eine WP auch ohne Gasunterstützung gut geeignet, WW wäre dann über ST praktisch.

    2005 Dachs HR 5.3 mit Kondenser 51.000 Betriebsstunden

    2007 Dachs RS 5.0 mit Kondenser 32.000 Betriebsstunden

    2008 PV 12,9 kWp Süd 30° Volleinspeisung

    2019 BYD 13,8 kW und 3 x Multiplus II-48 3000 35-32

    2019 PV 9,8 kWp Ost West 10° Überschusseinspeisung

  • Ich lese das so, dass der Brennstoffverbrauch (derzeit 30.000 kWh) noch zurückgehen wird. Ein KfW70-Haus mit 350 m2 sollte m.E. weniger als 16.000 kWh Heizwärmebedarf haben. Wenn für Warmwasser noch mal geschätzte 6.000 kWh drauf kommen, landet man bei einem Gesamtwärmebedarf um 22.000 kWh. Das ist für ein normales BHKW jedenfalls zu wenig. Sinnvoll könnte eine Brennstoffzelle plus Spitzenlasttherme sein.


    Mit 7.500 kWh Stromverbrauch wäre eine Vitovalor unterdimensioniert. Mit einer BlueGen (plus Spitzenlasttherme) können von den erzeugten 13.000 kWh vielleicht 6.500 kWh selbst verbraucht werden. Bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung für eine BlueGen ist die (auf den an die Mieter gelieferten Strom abzuführende) EEG-Umlage zu berücksichtigen, ggf. gemildert durch einen Zuschuss nach Mieterstromgesetz.


    Wenn die Vorlauftemperatur wirklich so niedrig ist, käme alternativ auch eine Wärmepumpe in Frage. In dem Fall würde ich prüfen, ob auf dem Dach Platz für eine Solarthermie und eine PV-Anlage ist (letztere weniger für die WP sondern um generell einen Teil des Stroms selbst zu erzeugen). Auch in diesem Fall wäre aber auf an die Mieter gelieferten PV-SAtrom die volle EEG-Umlage fällig.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung für eine BlueGen ist die (auf den an die Mieter gelieferten Strom abzuführende) EEG-Umlage zu berücksichtigen, ggf. gemildert durch einen Zuschuss nach Mieterstromgesetz.

    Genau, hier musst du dich intensiv mit beschäftigen. Oder abwarten und hoffen das die EEG Umlage dann bald mal abgeschafft wird!

    Bei der PV ist die EEG Umlage zwar relevant, aber nicht ausschlaggebend, ca 10 ct Einspeisevergütung durch EV ersetzen bedeutet schlimmstenfalls mit EEG Umlage den Strom für 16 ct an die Mieter verkaufen. Jeder ct. mehr den man von den Mietern verlangen kann erhöht die wirtschaftlichkeit. PV schreibst du über 20 Jahre ab, das wären bei 1000 € pro kWP im Musterfall ca. 5ct. AfA pro kWh. Das bedeutet pro kW das eigespeist wird 5ct Gewinn, pro kWh das du für 26ct an Mieter verkaufst 15ct Gewinn.


    Bei BSZ (Bluegen) sieht das mit laufenden kosten für Wartung und Gas schon anders aus wenn dann noch EEG Umlage drauf kommt. Gas ca. 6ct EEG ca. 6ct Wartung je nach Vertrag ca. 4,6 ct. Da wirds schnell unwirtschaftlich, vor allem wenn der EV wie bei dir um die 50% liegt. Nun kostet dich die kWh also ca. 4,6 ct Wartung und 7,6 ct Gas bei Verkauf an Mieter musst du noch 6,8 ct Umlage draufrechnen. AfA sollte je nach Installtionskosten bei etwa 7,7ct liegen. Würdest du also 100 % an die Mieter abgeben können musst du das für mindestens 27 ct tun um noch etwas Gewinn zu machen. Problem ist das du voraussichtlich etwa die Hälfte für ca 4 ct ins Netz einspeist. Hier machst du dann 16 ct verlust die du auf der anderen Seite wieder draufschlagen müsstest. Für 43 ct werden die Mieter dir aber den Strom nicht abnehmen... (Diese Berechnung ist nur Grob und unter vielen variablen Annahmen wie z. B. Gaspreis, Installationskosten und vor allem der Annahme dass, das Verhältniss EV Einspeisung bei 50/50 liegt!)


    Man kann also sagen BSZ geht nur bei nahe 100 % EV oder eben ohne EEG Umlage. Oder natürlich wenn die ökologischen Gründe höher bewertet werden als die wirtschaftlichen.

    2005 Dachs HR 5.3 mit Kondenser 51.000 Betriebsstunden

    2007 Dachs RS 5.0 mit Kondenser 32.000 Betriebsstunden

    2008 PV 12,9 kWp Süd 30° Volleinspeisung

    2019 BYD 13,8 kW und 3 x Multiplus II-48 3000 35-32

    2019 PV 9,8 kWp Ost West 10° Überschusseinspeisung

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für die Antworten und die Einschätzung. Habe leider komplett vergessen mich hierfür kurz zu bedanken.

    Derzeit warte ich noch immer auf einen Vorschlag meines Heizungsbauers.


    Viele Grüße!


    p.s.: In der Berechnung meines Energieberaters sind folgende Werte angegeben: Jahresheizwärmebedarf Qh 20039 [kWh/a] + Trinkwassererwärmung QW 5960 [kWh/a]

    Ich gehe aber davon aus, dass wir eher etwas mehr benötigen, daher die angenommennen 30.000 kWh/a


    Bachl

  • Jahresheizwärmebedarf Qh 20039 [kWh/a] + Trinkwassererwärmung QW 5960 [kWh/a]

    Alles klar, also zusammen 26.000 kWh im Jahr. Der TWW-Verbrauch entspricht ca. 16 kWh pro Tag.


    Damit bleibe ich aus technischer Sicht (also vorbehaltlich des weiter unten Gesagten) bei meiner Empfehlung, eine BlueGen Brennstoffzelle (plus Spitzenlast-Therme) zu nehmen. Der WW-Verbrauch ist im Sommer hoch genug, um die von der BZ in 24h erzeugte Wärme weitgehend zu nutzen.


    Eine PV-Anlage zusätzlich zu installieren macht in dem Fall wenig Sinn, weil die BZ schon allein ganzjährig einen großen Teil des Stromverbrauchs abdeckt. Eine PV-Anlage würde fast nur ins Netz einspeisen, das lohnt sich wohl kaum.


    Unter rechtlich/wirtschaftlichen Gesichtspunkten möchte ich aber noch eine Korrektur zu meinem Beitrag #3 anbringen: Vergiss das mit dem Mieterstrom-Gesetz. Die Förderung ist zum einen so mickrig dass sie den bürokratischen Aufwand nicht lohnt. Noch wichtiger: Für KWK-Strom gilt das Gesetz überhaupt nicht (sondern nur für Strom aus PV). Es bleibt hingegen dabei, dass auf den Mieterstrom die volle EEG-Umlage abgedrückt werden muss (derzeit 6,756 ct/kWh). Um diesen Betrag mindert sich der Rohgewinn aus dem Stromverkauf an Deine Mieter. Wenn Du diesen Betrag aber auf den Strom-Verkaufspreis aufschlagen möchtest, musst Du 8,04 ct/kWh mehr verlangen, weil die Umsatzsteuer noch hinzu kommt. Da dürfte für die Wirtschaftlichkeit nicht viel übrig bleiben – weder für Dich noch für Deine Mieter.


    Die Gesetzgebung der GroKo hat offensichtlich das Ziel, Mieterstrom-Modelle grundsätzlich zu verhindern. Warum das so ist, darüber kann man spekulieren. Aber so lange das so bleibt, kann man eigentlich nur raten, keine KWK- oder PV-Anlagen für Mehrfamilienhäuser zu installieren.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Hallo Bachl, auch wenn es etwas spät ist:

    Sie meinen wohl das neue BAFA-Förderprogramm, das bei Einbau eines regenerative Energie nutzenden Wärmeerzeugers mit bis zu 35%, bzw. bei Ölkesseltausch mit bis zu 45% bezuschusst wird?

    Leider finden sich keine Angaben über das Gebäude wie Standort, Baualter, Zustand Wände, Fenster Kellerdecke ,Dach- der energetisch Kostenwirksame Sanierungsaufwand für KfW-70 beim Primärenergiebedarf und Ht' ist abhängig vom momentanen Gebäudezustand!

    Eine richtig eingestellte Erdgas-Heizung von 2001 (Gasbrennwert) auszutauschen, bringt ja keine Heizkostenersparnis und schont das Klima nur maximal. wenn auf Holzpellets umgereüstet wird (Primärenergiefaktor Erdgas = 1,1; Primärenergiefaktor BHKW = ca. 0,6; Primärenergiefaktor Wärmepumpe bei JAZ von 3,0 = ca. 0,6; Primärenergiefaktor Holzpellets = 0,2!)

    Man kann "fast" alles schönrechnen- aber meine Erfahrung und die aus meinem Bekanntenkreis ergeben höhere Stromgestehungskosten mit BHKWs jeglicher Ausführung als mit derzeit installierter PV, wobei "die Sonne keine Rechnung schickt", der Gaslieferant und das Wartungsunternehmen sehr wohl!

    MfG heizerhermann