B.KWK Kongress 2019

  • Die Fernsteuerbarkeit ist nur bei großen Anlagen ein Thema, und die haben die Politiker ja leider noch primär im Fokus. Bei kleineren Anlagen, die wir so im Koffer haben, wird der Strom ja im Objekt oder in der Umgebung verbraucht.


    Wenn wir nen 20er neoTower installieren, wird keiner sich Gedanken machen müssen, wie man denn die 6 kW Einspeisung nach Bayern transportiert kriegt. Wenn der neoTower brummt, brummt die PV wohl eher weniger und umgekehrt.


    Die viel gepriesenen Nahwärmenetze sind aus meiner Erfahrung (auch, wenn ich bislang nur mit kleineren zu tun hatte) mehrfach tot, bevor sie überhaupt auf die Welt gekommen sind. Vor drei Jahren war ich mal an der Entstehung eines solchen NWN in der Nähe von Düsseldorf involviert.


    Es wurden 26 EFH gebaut, niedrigster Standard, 130m² mit Heizkörpern (!) für Leute, die im Monat 1200 Euro flüssig haben, 1300 Euro Hauskredit abzahlen müssen (100% Finanzierung, 0 Euro Eigenkapital) und von den fehlenden 100 Euro in den Aldi fahren.


    Der Bauträger hat die gesamte Wärmeversorgung an den örtlichen Energieversorger vergeben, der als Contractor die Anlage erstellen lassen wollte. Damit nix in die Hose geht, wurde ein "Fach"planer ins Boot geholt, der die Anlage konzipiert hat.


    Heizlast je Bude so 5 kW mit WW auf dem Papier, also in Summe dann 130 kW. Also neoTower 20 und ne 90 kW-Wandtherme.


    Mein Einwand, dass man sicher besser nen 130-kW-Kessel nehmen sollte, hat man noch akzeptiert. Dann wurde mir eröffnet, dass die Häuser mit Wohnungsstationen versorgt werden sollen, die im Durchlaufprinzip das WW erwärmen.


    Dumm nur: Da müssen dann JETZT 20 kW anliegen, damit das mit dem Duschen halbwegs funktioniert. Nimmt man dann die 60%ige Gleichzeitigkeit, hat man als Peak >300 kW. Gut wäre auch, wenn man nicht nur den Wärmeerzeuger danach auslegt, sondern auch die Rohrdimension des Nahwärmenetzes. Und die Pumpe. Und die Anbindung Leitung-->Haus.


    Dann habe ich mal nachgefragt, was denn die Leute so als Wärmepreis bezahlen. Es gab einen kryptischen Vertrag, den selbst Fachleute nur beim dritten Lesen verstehen, bestehend aus Leistungspreis, Wärmepreis, Messpreis, xyPreis und 4711-Preis.


    Ich bin dann einfach mal her gegangen und habe mal unterstellt, dass jede der Buden 12.000 kWh Wärme für Hzg und WW pro Jahr verbraucht, habe die Werte dann mal in den Vertrag eingesetzt, die Summe gebildet und dann durch die 12.000 kWh geteilt und es kamen immerhin 18,2 Cent je kWh Wärme raus. Man muss ja auch bedenken, dass die Käufer keine eigene Heizung kaufen mussten...


    Sind dann mal überschlagen 1500 Euro mehr als mit ner billigen Gasheizung, die dann zusammen mit ner sinnfreien, aber die ENEV erfüllenden Thermieanlage sicher 10 Mille gekostet hätte. Und eben diese 10 Mille mussten die Leute nicht in die ohnehin schon leere Hand nehmen.


    Ich bin dann ausgestiegen, weil man nicht gewillt war, die Anlage so zu bauen, wie wir denn meinten (zu teuer).


    Es ist also so, dass dieses Nahwärmenetz nicht funktionieren wird und die Leute finanziell über den Tisch gezogen werden. Die technischen Defizite fallen aber erst dann auf, wenn man 10 oder 12 Hütten bezogen sind und der Winter kommt.... Genau das müsste jetzt anstehen...


    Technisch ist es aber auch so, dass 24/7, auch im Hochsommer, wenigstens 70° durch das Netz gejagt werden müssen, waren insgesamt 800 Meter.... Es kann ja sein, dass Herr Schmitz oder Frau Schulz duschen wollen, da muss ja Wärme anliegen.


    Ob es vor diesem Hintergrund dann klimafreundlich ist, die ganze Mimik auf doof laufen zu lassen, wenn draußen 30° sind, muss jeder selber wissen.

  • Die Fernsteuerbarkeit ist nur bei großen Anlagen ein Thema, und die haben die Politiker ja leider noch primär im Fokus. Bei kleineren Anlagen, die wir so im Koffer haben, wird der Strom ja im Objekt oder in der Umgebung verbraucht.


    Wenn wir nen 20er neoTower installieren, wird keiner sich Gedanken machen müssen, wie man denn die 6 kW Einspeisung nach Bayern transportiert kriegt. Wenn der neoTower brummt, brummt die PV wohl eher weniger und umgekehrt.

    Es geht (zumindest mir) darum das KWK dann nicht nur dort eingebaut werden muss wo der Strom auch verbraucht wird sonder auch dort wo die Wärme abgenommen wird, das erhöht die Zahl der KWK Anlagen. Natürlich wird der Strom dann nicht quer durch D geleitet sondern bevorzugt regionale Anlagen angefordert das ist ja logisch.

  • Zunächst müsste mal mit dem Unsinn aufgehört werden für jede regenerativ erzeugte kWh je nach Erzeugungsart unterschiedliche Einspeisevergütungen zu erstatten. Bei uns werden z.B. ca. 80.000 m³ Biogas ( ca. 480.000 kWh) sinnlos über eine Notfackel zu CO-2 verbrannt da das EVU auf eine Zahlerkaskade ( 7 geeichte Stromzähler) besteht um zwischen PV-Strom und KWK-Strom zu unterscheiden. Da die Kosten für den Meßstellenbetrieb den Erlös aus dem eingespeisten Strom überschreitet wird abgefackelt.

  • Ich träume ja noch immer von der total einfachen Idee:


    Einer hat in seiner Firma ein BHKW, dieses produziert im Jahr 80.000 kWh Strom. Davon verbraucht er 50.000 selber und speist 30.000 ein.


    Außerdem bezieht er noch 70.000 kWh aus dem Netz.

    Er kriegt nullkommanix an Vergütung, muss aber nur 40.000 kWh bezahlen und fertig ist die Susi. Die Energiesteuer kriegt er auch nicht wieder, ist eben so....


    Man kann nicht auf der einen Seite Bürokratieabbau fordern, aber auf der anderen Seite auf Vergütungen bestehen, die diese Bürokratie bedingen.


    Es müssen auch keine 93 Zähler installiert werden, wenn er dann noch ne PV-Anlage hat oder zubauen will. Die PV macht dann meinetwegen nochmal 30.000 kWh, von denen er 10.000 selber verbraucht und 20.000 einspeist.


    Dann muss er, obwohl er 60.000 kWh bezieht, nur noch 10.000 bezahlen.


    Sein Handwerker muss die Kiste beim Versorger anmelden, der Versorger macht dann den Rest.


    Wieso geht das nicht?

  • Also ganz so einfach ist das mit der Fernsteuerung nicht, aber ich stimme zu, dass das kein echtes Problem technischer Natur ist. Das Problem ist der Rahmen.

    Der Hans_Dampf-Vorschlag ist zwar schön einfach, aber irgendwie muss man das Netz und die Stabilisierung schon finanzieren. Da gibt es 1000 Möglichkeiten, aber die Umlage, wie sie heute ist, ist annähernd das bescheuertste (der Herr kann in dem Fall ausnahmsweise gar nichts dafür :-) was man sich ausdenken kann.

    Nach meinem Denken wäre das, was „Schwarm-Strom“ mal werden wollte, der richtige Ansatz. Die BHKW verhalten sich als Schwarm netzstabilisierend mit gigantischem Potential. Das dann überlagert mit dem Vergütungskonzept von Hans_Dampf und einer vernünftigen Regelung, wer wieviel für die Regelleistung und das Netz bezahlen muss bzw. bekommt.

    Aber stattdessen wird jetzt wieder ein großes Kraftwerk gebaut, das nur im „Notfall“ läuft, die Wärme verbläst und von den Umlagen finanziert wird. Und andernorts werden Leute dafür bezahlt, Wasserspeicher mit großen Heizspiralen dafür vorzuhalten, überschüssigen Strom zu verschleudern, der gegebenenfalls noch aus Kohle kommt.

  • Der Hans_Dampf-Vorschlag ist zwar schön einfach, aber irgendwie muss man das Netz und die Stabilisierung schon finanzieren

    Das finanzieren die Betreiber mit ihrem Reststrombezug und die sehr sehr wenigen Menschen, denen wir noch kein BHKW verkauft haben.


    Es müsste vielmehr so sein, dass diejenigen, die nur Strom beziehen, aber keinen produzieren, höhere NN zahlen sollten als Betreiber von BHKW oder PV-Anlagen.;):)

  • War ja auch nicht ganz ernst gemeint... Ich denke aber, dass, wenn mein Vorschlag umgesetzt würde, die Versorger noch genug Geld kriegen, um die Netz auf Stand zu halten