Teilnahmeaufruf: epetition Bundestag - zur Zusammensetzung der wissenschaftlichen Beiräte...

  • ...vermutlich werden die allermeisten von Euch dieser Petition zustimmen, daher ein Apell an Dein Handeln :thumbup::


    https://epetitionen.bundestag.…_99084.%24%24%24.a.u.html


    Text der Petition

    Der Bundestag möge beschließen, die Zusammensetzung der wissenschaftlichen Beiräte des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) sowie des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Sachverständigenrat) gemäß dem "Stand der Wissenschaft" zu reformieren.



    Begründung

    Die Behandlung von Problemen durch Wissenschaft geschieht heute idealerweise in einem interdisziplinären und transdisziplinären Rahmen.

    Sinn davon ist es, zum Verständnis und der Lösung von Problemen durch einen von Methodenvielfalt und Multiperspektivität geprägten Prozess beizutragen.

    Die Förderung von Forschungsvorhaben trägt dem inzwischen häufig Rechnung und verlangt ein entsprechendes Forschungsdesign. Dieses bezeichnen wir als "Stand der Wissenschaft".

    Dafür ist die Vielfalt innerhalb der Wirtschaftswissenschaften abzubilden.

    Im akademischen ökonomischen Diskurs kann seit Jahrzehnten eine monopolartige Vorherrschaft des neoklassischen Denkens beobachtet werden, welche weltweit eine scheinbar alternativlose Wirtschaftspolitik zur Folge hatte.

    Diese Vorherrschaft ist nicht auf erkenntnistheoretischen Grundlagen gebaut, sondern beruht auf vorwissenschaftlichen, normativen Annahmen.

    In den Wirtschaftswissenschaften ist es nicht so, dass man, wie etwa in der Physik (z.B. Thermodynamik) von gesicherten Erkenntnissen ausgehen kann. Die mit jeder Theorie zwangsläufig verbundene normative Komponente kann nicht ohne vorwissenschaftliche Grundannahmen, bzw. „Werte“ rational begründet werden und ist damit eben keine „science“, sondern bedarf immer wieder neu ausgehandelter Begründungen auf Basis gemeinsamer zivilisatorischer Werte.


    Die Zusammensetzung der wissenschaftlichen Beiräte trägt diesem Stand der Wissenschaft nur in unzureichender Art und Weise Rechnung.


    Erforderlich wäre die (weitere) Bestellung von Vertreter*Innen z.B. von:


    Commons

    Evolutionsökonomik

    Feministische Ökonomik

    Integrative Wirtschaftsethik

    Neue Institutionenökonomik

    Ökologische Ökonomik

    Postwachstumsgesellschaft („degrowth“)


    Im Sinne eines aufgeklärten, wissenschaftlichen Diskurses wäre aus unserer Sicht eine interdisziplinäre Diversifizierung der Beiräte etwa wie folgt angeraten:


    Bildungswissenschaften, Erziehungswissenschaften

    Gesundheits- und Pflegewissenschaften

    Soziologie

    Wirtschaftsgeographie

    Wissenschaftsethik und Wirtschaftsethik

  • Also das Anliegen ist für mich nachvollziehbar.

    Dass die Empirie eindeutig zu kurz kommt und dass die Ökonomie-"Wissenschaften" sehr stark von feudalen Machtverhältnissen geprägt sind ist wohl ein Faktum. (Neoklassik ist ja nichts anderes als Neofeudalismus).

    Aber die Schlussfolgerungen bzw. die vorgeschlagenen klingen für mich eher abgefahren.

    Vor allem "feministische Ökonomik" und "Evolutionsökonomik" sind doch eher Weltanschauung.

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  • Klar kann man die wissenschaftlichen Grundlagen der klassischen Ökonomie in Frage stellen. Ich bezweifle auch nicht, dass die Wirtschaftswissenschaften ideologisch geprägt sind. Allerdings, bernhardy , würde mich interessieren, welche der von dir vorgeschlagenen Wissenschaftszweige denn wohl deiner Meinung nach fundierter und weniger ideologisch ausgerichtet sind und auf besser begründeten "erkenntnistheoretischen Annahmen" fußen? Diejenigen Wissenschaften, für die das zweifellos zutrifft (Mathematik, Naturwissenschaften, Ingeneurwissenschaften, Philosphie fallen mir ein, ein paar mehr gibt es sicherlich noch) vermisse ich eigenartigerweise in deiner Liste.


    Bei aller berechtigten Kritik an einseitig gepolten BWLern und VWLern, ihre Methodik ist solider als das meiste, was ich aus Soziologie und Pädagogik kenne. Von Ideologie wollen wir bei diesen beiden Disziplinen lieber gar nicht reden. Viele Soziologen sind offen bekennende Linke und machen keinen Hehl daraus, dass ihre politische Einstellung auch in ihren wissenschaftlichen Fragestellungen und Methoden widerspiegelt. Man mag das mit gewissem Recht als Gegenpol zur liberal-konservativ geprägten Ökonomie verstehen. Diese Gegenpole in einem wissenschaftlichen Beirat für das Wirtschafts- und das Finanzministerium zu integrieren kommt mir aber wenig sinnvoll vor. Es ist auch nicht wirklich notwendig, denn die entsprechenden Personen und Verbände verschaffen sich in der Öffentlichkeit ja auch so durchaus erfolgreich Gehör.

  • Sehe ich auch so, hätte es aber nicht annähernd so gut formulieren können.:thumbup:

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