Vitotwin 300-W für Übergangszeit optimieren?

  • Werte Forumsmitglieder,


    die Übergangszeit zur Heizperiode naht oder steht eigentlich schon vor der Türe, der Brummkreisel im Keller wird demnächst also wieder mehr zu tun haben als nur für warmes Wasser zu sorgen.


    Bei meiner Konfiguration/ Konstellation ergibt sich für diese Übergangszeit (also im Frühjahr und Herbst) dann immer folgendes Bild: mäandert die Aussentemperatur um die 18° C - dort liegt die Heizgrenze - springt der Stirling (Zusatzbrenner ist gesperrt) gerne 5, 6 mal und öfter pro Tag an. Das Ergebnis ist in Ordnung, keiner muss frieren, überheizt sind die Räume auch nicht.


    Ich frage mich allerdings, ob dieses permanente Starten / Stoppen gut für den Stirling ist.


    Da die Kiste allen Ernstes nach 3 Jahren die vergangene Heizsaison das erste mal ohne größere Probleme durchlief, werde ich langsam etwas mutiger und möchte mich an sinnvollen Optimierungen probieren. So habe ich z.B. mithilfe dieses Forums hier die Trinkwassererwärmungszeiten optimiert, dafür vielen Dank von meiner Seite. Hält man sich an die Betriebsanleitung, funktioniert das nämlich nicht.


    Also: seht Ihr aufgrund Eurer Erfahrungen überhaupt die Notwendigkeit, eine Optimierung für die Übergangszeit durchzuführen, oder soll man den Stirling halt so oft starten lassen, wie das System es für notwendig erachtet?


    Vielen Dank schon vorab für Eure Hilfe,


    Gruß Elwood

  • Moin Elwood,


    weniger Starts sind sicher besser für den Stirling. Außerdem braucht er ja pro Start mindestens 5 Minuten bevor er auf 80% Leistung kommt und eher 10 Minuten bis volle Leistung ansteht. Also sorgen längere Laufzeiten pro Start auch für eine höhere Stromausbeute.


    Was man machen kann, um weniger Starts zu bekommen, ist zum einen bei der TWW-Bereitung die Schaltdifferenz (Code 5024 in F2) zu erhöhen. Wir fahren z.B. eine TWW-Nenntemperatur von 58°C (Reduziertzeit 55°C) mit einer Schaltdifferenz von 10 K. Das führt dazu, dass der Brenner 1 sich – unabhängig von der Puffertemperatur für den Heizkreis – einschaltet, sobald die TWW-Temperatur unter die halbe Schaltdifferenz sinkt, bei uns also 53°C (Reduziertzeit 50°C) und dann so lange läuft bis die jeweils gültige Nenntemperatur erreicht ist ("Opt"-Funktion"). Wenn man beim TWW-Ladevorrang (Code 1630 in F2) "Gleitend" eingestellt hat, kann das bei Außentemperaturen wie jetzt (12-14°C) mehrere Stunden Laufzeit pro Start bringen.


    Was wir weiter gemacht haben ist, die Differenztemperatur (Code 830 in F2) von 8 auf 10 K hochzustellen. Dann läuft er im reinen Heizbetrieb pro Start auch länger.


    Eine dritte Methode ist das Einstellen fester Zwangs-Laufzeiten über das Zeitprogramm 5 (Code 600 ff. in E). Wir lassen ihn z.B. in der Heizperiode morgens zwischen 05:00h und 07:30 (Sa/So 07:00h-09:30h) und abends zwischen 17:00h und 22:30h zwangsweise laufen, weil da bei uns der höchste Strombedarf ist. Dabei zeigte sich außerdem folgender Effekt: Sofern während einer solchen Zwangslaufzeit die TWW-Temperatur mehr als ca. 1 K unter die Nenntemperatur absinkt, fällt er in den "Opt"-Modus und läuft dann (auch nach Ende der Zwangsladungszeit) so lange weiter bis die TWW-Nenntemperatur erreicht ist.


    Mit der Kombination dieser Maßnahmen kamen wir in den letzten Jahren auf ca. 800 Starts pro Jahr bzw. im Jahresmittel 5 Stunden Laufzeit pro Start. Das Minimum lag in den Sommer- und Übergangsmonaten der letzten Jahre immer um 30-60 Minuten pro Start. Ohne Solarthermie könnte man Letzteres wahrscheinlich locker auf 1-2 Stunden pro Start verdoppeln.


    Achtung: Wir haben die Anlagenkonfiguration 1 (750l-Schichtspeicher). Bei anderen Konfigurationen kann ich die Auswirkungen dieser Tipps nicht beurteilen.


    Gruß, Sailor

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Hallo Sailor,


    vielen Dank dafür, dass Du Deine Erfahrungen teilst - wie immer eine fundierte Antwort, mit für mich sehr interessanten 3 Methoden. Mit den ersten beiden habe ich schon etwas rumgespielt, allerdings wohl nicht in aller Konsequenz, da mir schlichtweg das Detailwissen für die ganzen Parameter fehlt.


    Der 750l Speicher steht bei mir ebenfalls im Keller, insofern bin ich auf die Auswirkungen der beschriebenen Methoden gespannt. Ich werde Schritt für Schritt vorgehen und wieder berichten.


    Vielen Dank nochmals,


    Gruß Elwood