Vitovalor vs. Bluegen

  • Hallo zusammen,

    ich habe schon einige Beiträge durchgelesen, aber zu meiner Entscheidungsfindung noch nicht das Richtige gefunden.

    Wir (4 Personen-Haushalt) wohnen in einer Doppelhaushälfte mit 180m² beheizter Wohnfläche. Unser halbrundes Dach ist nach Norden ausgerichtet, für Photovoltaik also eher nicht geeignet. Das Haus ist Baujahr 1997, gedämmt und wird aus einer Kombination von Wandheizung, Fußbodenheizung, zwei Heizkörpern in den Badezimmern (so Handtuchreinhängheizkörper) und drei "normalen" Heizkörpern im Keller beheizt.


    Die bestehende Gasheizung (Brennwertkessel) muss erneuert werden. Da wir dann gerne auch möglichst ökologisch erneuern wollen sind wie bei der Brennstoffzellenheizung gelandet. Dabei gibt es dann auch die Überlegung, unseren Benziner-Golf gegen ein Elektroauto auszutauschen. Das würde ich nicht in Erwägung ziehen, wenn ich das e-Auto mit Strom vom Stromanbieter betanken müsste (ist beim derzeitigen Strommix ja nicht wirklich ökologisch). Wenn wir den Strom aber selbst produzieren ist das aber natürlich eine sinnvolle Sache. Wir hatten auch schon Informationsgespräche mit drei möglichen Installateuren, deren Aussagen waren jedoch teilweise recht unterschiedlich. Ein weiterer Handwerker meinte auch, dass eine Brennstoffzellenheizung eigentlich nur im Neubau Sinn machen würde, da die niedrigere Heizleistung im Neubau auch im Winter ausreichen dürfte, so dass der Brenner nur ganz selten zugeschaltet werden muss.


    Es gibt nun zwei Überlegungen:

    Die Vitovalor als einfaches Komplettpaket und mit Viessmann als großem Unternehmen im Hintergrund. Allerdings haben wir von den Installateuren unterschiedliche Aussagen bekommen, ob sich damit auch sinnvoll ein Elektroauto betreiben lässt. Zwei Installateure haben das verneint, einer meinte, das sei kein Problem. Aber das "Betanken" des Elektroautos dauert ja recht lange (teilweise über Nacht), so dass ich bezweifle, dass ich dafür den Strom der Vitovalor nutzen könnte. Im Winter könnte man das ja vielleicht über einen Stromspeicher hinbekommen (wenn die produzierte Strommenge ausreicht, aber im Sommer kann der Strom dann doch eigentlich gar nicht reichen, oder sehe ich das falsch? Wer hat damit schon Erfahrungen gesammelt und kann dazu etwas sagen?


    Bei diesen Zweifeln springt einen dann geradezu die Bluegen an, die durchläuft und damit konstant Strom erzeugt. Dafür verbraucht sie dann aber ja auch im Sommer Gas - nicht nur zur Erzeugung von warmem Wasser. Muss ich davon ausgehen, dass unser Gasverbrauch mit der Bluegen steigen würde und eine mögliche Einsparung alleine aus der hohen Stromproduktion kommt? Hier habe ich Zweifel, ob das für unseren Haushalt effizient sein kann. Eigentlich ja nur, wenn wir den Stromverbrauch deutlich erhöhen würden (was vor dem Hintergrund einer angestrebten ökologisch sinnvollen Lösung irgendwie suspekt klingt).


    Da wir noch kein Elektroauto haben, kann ich in meine Berechnung aber nicht berücksichtigen, wie viel mehr Strom wir dafür verbrauchen würden, so dass ein direkter Vergleich nicht wirklich möglich ist. Hat jemand dazu vielleicht Erfahrungswerte? Ich schätze mal, dass wir mit dem Elektroauto etwa 15 000 km im Jahr fahren würden.


    Unsere Verbrauchsdaten im letzten Jahr (ohne Elektroauto):

    Strom: 4573 kWh

    Gas: 23476 kWh


    Vielen Dank schon einmal für eure Rückmeldungen!

  • Moin und willkommen im BHKW-Forum.


    Dass man ein ausgewachsenes E-Auto nicht sinnvoll mit der Leistung einer Brennstoffzelle laden kann, wurde hier im Forum schon häufiger thematisiert. Das Problem ist, dass ein E-Auto eine gewisse Ladeleistung hat. In der Regel wird selbst mit dem kleinsten Notladekabel mit ca. 3 kW geladen. Eine Vitovalor mit rund 0,7 kW oder ein BlueGen mit 1,5 kW können da nur einen Bruchteil der kleinsten Ladeleistung bereitstellen. unabhängig davon, ist die Effizienz bei der Ladung eines E-Autos abhängig von der Ladeleistung. Lädt man superlangsam können - je nach Auto - auch schnell mal 50 Prozent der Energie verlustig gehen. wie hoch eine sinnvolle Ladeleistung sein muss, hängt vom jeweiligen E-Auto bzw. dessen Ladegeräten ab.


    Hinsichtlich der beiden genannten Brennstoffzellen ist die Panasonic eine langzeitstabile PEM-Zelle, bei der man 10 Jahre Laufzeit erwarten kann. Die BlueGen hingegen eine hochtemperatur-SOFC mit entsprechender Degradation - die Zelle ist also hier ein Verschleißteil, das alle paar Jahre gewechselt werden muss. Das ist in den Wartungsverträgen entsprechend eingepreist.


    Der nächste Punkt ist der Wärme- und Strombedarf. Im Sommer wird die BlueGen bei Euch die Energie abgesehen vom Warmwasserbedarf durch den Schornstein schieben (die muss laufen, auch wenn Ihr keine Wärme braucht). Die Vitovalor passt da schon eher... Aber auch hier die E-Auto-Problematik.


    Wenn E-Auto, dann besser Motor-BHKW oder größere PV, wenn das Auto zur Mittagszeit ei gesteckt werden kann...

  • Vielen Dank für die schnelle Rückmeldung! Das war mit so nicht ganz klar. Könnte ich das Problem mit einem Stromspeicher umgehen? Oder kann der auch nicht mehr Ladeleistung bereitstellen? Sorry für die vielleicht dummen Fragen, ich habe mich vorher noch nie mit so etwas auseinandergesetzt... :/

  • Hinsichtlich der beiden genannten Brennstoffzellen ist die Panasonic eine langzeitstabile PEM-Zelle, bei der man 10 Jahre Laufzeit erwarten kann. Die BlueGen hingegen eine hochtemperatur-SOFC mit entsprechender Degradation - die Zelle ist also hier ein Verschleißteil, das alle paar Jahre gewechselt werden muss. Das ist in den Wartungsverträgen entsprechend eingepreist.


    Der nächste Punkt ist der Wärme- und Strombedarf. Im Sommer wird die BlueGen bei Euch die Energie abgesehen vom Warmwasserbedarf durch den Schornstein schieben (die muss laufen, auch wenn Ihr keine Wärme braucht). Die Vitovalor passt da schon eher... Aber auch hier die E-Auto-Problematik.


    Wenn E-Auto, dann besser Motor-BHKW oder größere PV, wenn das Auto zur Mittagszeit ei gesteckt werden kann...

    Also, der neue BlueGen 15 hat etwa 0,85 kW thermisch... und schiebt echt wenig Wärme zum Teufel... Wenn er 365 Tage/24 Stunden alle Wärme zum Teufel schickt, wären dies dann 8760h * 0,85 kW = 7.450 kWh. Die sind es aber nicht, denn man braucht ja auch jeden Tag Warmwasser... Und dafür sind 850 Watt ein gutes Zubrot.


    Es drückt auch keine auf den Knopf, schaltet den Winter aus und den Sommer ein... und dann den Sommer wieder aus.


    Ich hatte hier mal berechnet, wie sich die Sache aus ökologischer Sicht, wenn die ganze Wärme des BlueGEN zum Teufel geht, verhält verglichen mit dem aktuellen deutschen Strommix. Es ist dann immernoch erheblich klimafreundlicher, mit dem BlueGEN Strom zu produzieren als der Deutsche Strommix eben ist. Hierbei ist es auch wurscht, ob man bei einem Ökostromanbieter ist, denn der Strommix ist ja der Strommix.


    Und man kann eben doch ein E-Auto mit einem BlueGEN laden... klar hat man dann Verluste (echt schlimm), die Alternative ist aber, dass man


    a) den Wagen mit Netzstrom lädt

    b) den Wagen mit Netzstrom lädt, weil das hier aus Unkenntnis des Sachverhalts und der Praxis empfohlene BHKW steht

    c) weiter Benziner fahren. Dann hat man das Problem mit den "bis zu 50% Verlusten" (die nicht mal im Ansatz stimmen, aber auch nicht gelogen sind, denn: 10% Verluste sind ja auch bis zu 50%) nicht. Von den 10 kWh Strom, die die Produktion von einem Liter Benzin frisst, weiß man ja nix... Das sind doch mal Verluste, oder?


    Man kann die ganze Sache recht einfach zusammenfassen:


    Wenn die jetzige Heizung erneuert werden muss, soll das neue xy ja wieder lange Jahre Bestand haben. Wer sich hier nur um Heizung kümmert und sich statt Energiewende, Klimawandel und seinem individuellen Beitrag lieber für die anstehende Hochzeit von Heidi Klum und Bill Kaulitz interessiert (bin auch schon ganz aufgeregt), nimmt halt wieder ne Brennwerttherme.


    Der Rest macht sich halt schlau und definiert am besten, was ihm denn wichtig ist.


    Wenn es um Amortisation geht, kannst Du alles, was Dir vorgeschlagen wird, vergessen, denn alles on top zu dem Brennwertkessel wird länger brauchen, um sich zu rechnen.


    Wenn Dir das egal ist, Du der Meinung bist, dass Du einen Beitrag leisten willst und kannst ("Klar muss man was gegen den Klimawandel tun und die Energiewende unterstützen, aber die sollen doch erstmal...."), gibt es nix, was besser geeignet ist als der BlueGEN.


    Wieso?

    a) Macht eben 13.000 kWh Strom, die Du sehr gut gebrauchen kannst, wenn der Benziner weg kommt

    b) Förderung ist dramatisch höher als beim Viessmann

    c) KWK-Sofortzuschlag ist dramatisch höher als beim Viessmann


    Wie gut Viessman, diese sehr große Firma denn im Thema Kraft-Wärme-Kopplung unterwegs ist und war, kannst Du ermitteln, indem Du mal "Vitowin" in der Suchfunktion eingibst


    Ein BHKW in einem Haus mit 11 kW Heizleistung ist eine Schnapsidee hoch zehn.

  • Hallo BHKW-Freunde,

    ich kann mich den Ausführungen der Vorredner prinzipiell anschließen. Bei BZ-BHKW mit relativ kleinen Leistungen wird es bei hoher Last immer so sein, dass Netzbezug entsteht. Wichtig ist, dass ein großer Teil meines elektrischen Energieverbrauchs abgedeckt wird und es nicht groß zur Einspeisung kommt. Die Kilowattstunden Bezug werden halt weniger, noch ist es egal wie genau und wann. Zum Elektroauto und der Leistung zum Laden ist es entscheidend wieviel km ich fahren will oder muss und welche Zeit ich um Laden habe. Beim Laden mit kleiner Leistung mag der Wirkungsgrad etwas schlechter sein, aber die Batterie wird geschont. Meinen Opel Ampera PHV kann ich z.B. mit 6 A Netzstrom (1380 W) laden, damit kann man in 1,5 Stunden ca. 10 km "nachtanken ". Wenn es schneller gehen muss, steigt entsprechend der Netzbezug, aber entscheidend bleibt, am Jahresende, die Bilanz der Kilowattstunden.

    Mila : Gibt es auf dem Grindstück keine Garage oder Carport, welches unterstützend mit einer PV belegt werden könnte. Bei den heutigen Preisen ist eine Südausrichtung gar mehr so entscheidend.

    Viele Grüße

    Hololoy


    Senertec Dachs HR 5,3 kW (2004), PV 1: 10 kWp (2008), PV 2: 5 kWp (2009), PV 3: 3,75 kWp mit Eigenstromnutzung (2013), PV 4: 7,5 kWp mit Eigenstromnutzung (2015), Speicherakku stationär: 24V, 10kWh brutto (2010), Zero SR: 13 kWh (mobiler Speicher, 2016), Opel Ampera: 16 kWh (mobiler Speicher mit Wärmeerzeuger, 2013)

  • Ein weiterer Handwerker meinte auch, dass eine Brennstoffzellenheizung eigentlich nur im Neubau Sinn machen würde, da die niedrigere Heizleistung im Neubau auch im Winter ausreichen dürfte, so dass der Brenner nur ganz selten zugeschaltet werden muss.

    Und diese Aussage, die der "Kollege" gemacht hat, hatte ich leider überlesen. Was macht derjenige, der das gesagt hat, denn hauptberuflich? Eine solche Aussage zeigt, dass hier nicht mal ein ganz leises Grundverständnis für die Thematik vorhanden ist.

    Wichtig ist, dass ein großer Teil meines elektrischen Energieverbrauchs abgedeckt wird und es nicht groß zur Einspeisung kommt.

    Und das stimmt so auch nicht mehr...


    Mila hat sich ja hier angemeldet, weil er sich nicht sicher ist, was er denn machen soll. Noch 3 oder 4 Postings und die Brennwerttherme hängt sicher an der Wand und das Thema ist erledigt

  • Könnte ich das Problem mit einem Stromspeicher umgehen? Oder kann der auch nicht mehr Ladeleistung bereitstellen? Sorry für die vielleicht dummen Fragen, ich habe mich vorher noch nie mit so etwas auseinandergesetzt... :/

    Es gibt keine dummen Fragen, höchstens unpassende Antworten. ;) Ein Stromspeicher kostet auch wieder Geld und Ressourcen. Grundsätzlich bin ich ein Freund davon erst zu schauen, wie eine Erzeugungsanlage läuft und wie viel Netzstrom - und wann - noch aus dem Netz bezogen wird. Dann kann man sehen, was man an Stromspeicher sinnvoll gebrauchen kann.

    Wichtig ist, dass ein großer Teil meines elektrischen Energieverbrauchs abgedeckt wird [...] Beim Laden mit kleiner Leistung mag der Wirkungsgrad etwas schlechter sein, aber die Batterie wird geschont. Meinen Opel Ampera PHV kann ich z.B. mit 6 A Netzstrom (1380 W) laden, damit kann man in 1,5 Stunden ca. 10 km "nachtanken ". Wenn es schneller gehen muss, steigt entsprechend der Netzbezug, aber entscheidend bleibt, am Jahresende, die Bilanz der Kilowattstunden.

    Mila : Gibt es auf dem Grindstück keine Garage oder Carport, welches unterstützend mit einer PV belegt werden könnte. Bei den heutigen Preisen ist eine Südausrichtung gar mehr so entscheidend.

    Das sehe ich auch so. Unsere Prius PHV können auch ausgezeichnet mit 2 kW laden. Passt perfekt. Hat man einen Tesla oder eine Zoe, sieht das ganz anders aus. Die brauchen Leistung - sonst Stromvernichtung ohne Ende. Neben einem BHKW ist wie schon gesagt die Frage, ob auch PV geht und ob das E-Auto zu den Sonnenscheinstunden geladen werden kann. Das ist dann nämlich perfekt: Brennstoffzelle und PV zusammen können gute Ladeleistungen bereitstellen.

    gibt es nix, was besser geeignet ist als der BlueGEN

    Ja, wir wissen inzwischen alle, das der BlueGEN, den Du verkaufen möchtest, immer und überall perfekt passt :popcorn:

    Mila hat sich ja hier angemeldet, weil er sich nicht sicher ist, was er denn machen soll. Noch 3 oder 4 Postings und die Brennwerttherme hängt sicher an der Wand und das Thema ist erledigt

    Wenn das perfekt zu den Wünschen des Fragestellers passt, dann soll das so sein. Wir sind hier ja nicht der Bundesverband der BHKW-Industrie. :pfeifen:


    Mila Wenn Ihr jetzt eine neue Heizung braucht, wäre das Vitovalor Komplettpaket eine prüfenswerte Option, da alles aus einer Hand, passend zu den aktuellen Verbräuchen inkl. neuer Brennwerttherme, Warmwasserbereitung und und und. Den BlueGen solltet Ihr natürlich auch alternativ rechnen insbesondere mit Blick auf ein E-mobil (wobei das dann auch effizient langsam laden können sollte...) - aber dann eben auch eine neue Brennwerttherme, Hocheffizienzpumpen, hydraulischen Abgleich usw. mit einpreisen. Bei beiden Varianten unbedingt auch auf die Kosten der Wartungen über 10 Jahre schauen. Anschaffungskosten sind nicht alles! Und darüber hinaus auch schauen, was an PV auf die Dachflächen oder ein neues Carport passt.

    |__|:-)

  • Thema Ladeleistung EAuto.
    Wie Hololoy schon schrieb man kan je nach Fahrzeug auf 6A runter in der Ladeleistung, man mss sich dabei aber klar sein das die Ladeelektronik dabei immer an ist und ihren Betriebsanteil der Ladeleistung wegnimmt.
    Je kürzer die ALdezeit um so weniger Anteil Ladegerät und Steuerung hat man.

    Dann gibt es Fahrzeuge die nicht mit geringer Ladeleistung klar kommen.
    Renault Zoe ist so ein Auto, einphasig unter 10A geht garnichts, und der Wirkungsgrad sinkt auf fast 60%.
    Erst 3-phasig mit 16A wird es erträglich bei <85%
    Liegt am Chameleonlader, der ist extrem ineffizient bei kleinen Ladeleistungen.

    Ich kann auch nur eine zuätzliche PV empfehlen, sofern man oft Tagsüber zu Hause ist,
    Wallboxen können über einen Impulsausgang des PV Stromzählers gut die Ladeleistung an die aktl. Erzeugungsleistung oder eine Netzübergangsnullpunktregelung anpassen.

    Akku ist ein NicetoHave, aber kein Goldesel.

  • Stimme vor allem Neundorfer zu, auf eine Doppelgarage passen ca. 5kWP PV damit kommt man schon einigermaßen gut aufs zum Auto Laden, es sei denn es ist ein ZOE, wobei dessen wirtschaftlichkeit wegen der Batteriemiete sowieso fraglich ist.


    Wenn ihr die Wärme im Sommer einigermaßen gut genutzt bekommt ist die Bluegen auch eine überlegung wert. Beim langsam Laden mit z. B. 2 kW würde man hier ja nur etwa 700 Watt zukaufen, vorausgesetzt man läd nachts wenn keine anderen großen Verbraucher an sind. Es ist ja grundsätzlich sinnvoll, Waschmaschine, Spülmaschine und Auto laden nacheinander zu machen...


    Nur weil ein Produkt einer Firma eine Pannenkiste war muss das nicht für alle gelten, also sollte man vor allem nach Erfahrungen mit dem gewünschten Produkt und nicht nur nach dem Hersteller gucken.


    Ich vermute auch das bei dir eine Batterie wenig Sinn macht, vielleicht gibt es auch bald Autos deren Batterie man für den Haushalt mitnutzen kann. Auf jeden Fall hätte man hier ja auch wieder die Lade und Entladeverluste der Hausbatterie, die zu denen des Autoladegerätes dazukommen, ob das dann günstiger ist als Schnarchladen muss für den einzelfall gerechnet werden.


    Also ohne konkretere Infos bzgl. des Autos kann man hier lieder keine eindeutigere Empfehlung geben. Ladegerät, Laufleistung pro Woche / Tag, sowie mögliche Zeiträume zum laden zwischen den Fahrten sind einfach noch zu viele Variablen.

  • Moin Mila ,

    Da wir noch kein Elektroauto haben, kann ich in meine Berechnung aber nicht berücksichtigen, wie viel mehr Strom wir dafür verbrauchen würden, so dass ein direkter Vergleich nicht wirklich möglich ist. Hat jemand dazu vielleicht Erfahrungswerte? Ich schätze mal, dass wir mit dem Elektroauto etwa 15 000 km im Jahr fahren würden.

    Gängige E-Autos verbrauchen je nach Modell und Fahrweise 15-20 kWh pro 100 km. Bei Dir wären das dann 2250-3000 kWh im Jahr. Ladeverluste (Größenordnung wohl 10-20%) kommen noch dazu. Natürlich gibt es auch Oberklassen-Modelle wie den großen Audi E-tron, die im Test bis 30 kWh/100 km verbrauchen.


    Aber diese Zahlen kannst Du nicht 1:1 in Deine Kalkulation übernehmen. Zum Einen fallen natürlich die kWh weg, die Du ggf. unterwegs laden musst. Aber auch wenn es sich um ein reines Pendler-Auto handelt, ist es oft so, dass man kostenlos beim Arbeitgeber laden kann. Wäre das der Fall, bleibt für das Laden zu Hause nicht viel Bedarf übrig. Wenn Du diese Faktoren aus heutiger Sicht noch nicht absehen kannst, würde ich das E-Auto bei den Berechnungen erstmal außen vor lassen.


    Wie schon von meinen Vorrednern gesagt, etwas anderes als eine Brennstoffzelle kommt bei dem (relativ geringen) Wärmebedarf nicht in Frage.


    Was die BZ-Laufzeiten im Sommer betrifft: Der Warmwasserverbrauch pro Person wird mit 40-80 l/Tag (40°C) angesetzt. (Für den Reality Check: 40 Liter sind ca. 5 Minuten Duschen). Das entspricht 1,4-2,8 kWh/Person oder bei vier Personen 5,6-11,2 kWh/Tag. Speicherverluste kommen noch hinzu. Wenn Ihr nicht gerade Kaltduscher seid, würde ich eher mit dem höheren Wert rechnen, also 11 kWh/Tag. Bei der Vitovalor (1,1 kWth) würde das außerhalb der Heizperiode etwa zehn Stunden Laufzeit pro Tag entsprechen. Bei der BlueGen (0,85 kWth) würde das bedeuten, dass im Sommer 9,4 kWh/Tag Wärme (in vier Monaten also ca. 1150 kWh) ungenutzt bleiben.


    Die BlueGen läuft ganzjährig durch und erzeugt 13.050 kWh Strom sowie 7.400 kWh Wärme, von denen bei Dir ca. 6.250 kWh genutzt werden können. Bei 1,5 kW Leistung und 4.600 kWh Stromverbrauch nehme ich an, dass mindestens 90-95% des Stromverbrauchs (ohne E-Auto) aus der BZ gedeckt werden können - sagen wir 4.300 kWh/a. Der Rest wird eingespeist.


    Die Vitovalor läuft in der Heizperiode ebenfalls durch (genauer: 45,5 von jeweils 48 Stunden, wegen Regenerationszeiten). In acht Monaten kommt sie auf ca. 5.550 Bh. Im Sommer kommen noch mal ca. 1.220 Bh dazu, macht ca. 6.770 Betriebsstunden. Die Stromerzeugung ist dann 5.080 kWh, die Wärmeerzeugung 7.450 kWh. Die Wärme wird voll genutzt. Beim Strom schätze ich, dass ca. 3.000 kWh direkt verbraucht werden können.


    Insgesamt könnte das dann so aussehen wie in der angehängten Tabelle (Tab. "BlueGen-Vitovalor", die andere war für einen anderen Fragesteller). Der Vorteil (gerechnet über eine hypothetische Lebensdauer von 15 Jahren) ist bei der BlueGen etwas größer, muss aber den höheren Investitionskosten (bei der BlueGen auch für eine neue Gastherme, bei der Vitovalor ist diese eingebaut) – abzüglich höherer Förderung – gegenüber gestellt werden. Die Kosten für den VoWa bei der Vitovalor sind geschätzt (€ 450 netto), bitte ggf. korrigieren. Neue Heizpumpe und hydraulischer Abgleich gehören immer dazu, letzterer ist Voraussetzung für die KfW-Förderung. Die Investitionskosten einschl. hydraulischem und elektrischem Anschluss bitte ich aus den Angeboten zu entnehmen, da ist mir eine Schätzung zu unsicher.


    Gruß, Sailor


    PS – Anmerkung für diejenigen, die die erste Tabelle schon aus dem anderen Thread kennen: Ich habe jetzt nicht nur bei den Ersparnissen, sondern auch bei den Ausgaben die Preise brutto angesetzt. Bei den Ausgaben ersetzt das in erster Näherung die Umsatzsteuer, die man sonst auf selbst verbrauchten Strom & Wärme zahlen müsste, und stimmt genau, wenn man ab dem 6. KJ auf die KUR geht. Bei der Gegenüberstellung sollte die Investition in die KWK-Geräte einschl. Einbau weiterhin netto angesetzt werden, eine evtl. separat anzuschaffende Gastherme dagegen brutto, weil die nicht zum "Unternehmen" gehört.

    Dateien

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Vielen Dank für die vielen informativen Beiträge und vor allem an Sailor für die Berechnung! Das hat uns wirklich gut weitergeholfen. Wir haben uns für die Vitovalor entschieden, da das Elektroauto eigentlich erst in einigen Jahren anstehen wird und wer weiß, was bis dahin ist... Gerade holen wir noch Angebote ein und bis zum Winter sollte das Ding dann stehen!