BHKW oder BSZ oder Gasbrennwerttherme?

  • Hallo zusammen.


    wir haben ein Haus gekauft, in dem eine Gasheizung von 1993 werkelt. Genaue Angaben zur Heizung kann ich gerade nicht machen, außer dass sie von Viessmann und von 1993 ist. Einzugstermin ist erst Anfang 2020, daher hab ich noch nicht alle Daten 100%ig zur Hand.


    Verbrauch soll laut Energieausweis bei ca 18000kwh/Jahr liegen, wurde anhand der Verbrauchsdaten der letzten Jahre erstellt. Passt auch gut zu dem Verbrauch zu unserem Mietshaus, das ungefähr gleich groß ist und eine ähnlich alte Heizung hat.


    Stromverbrauch lag bisher bei uns bei ca 3000kwh/Jahr, da wir 2 heranwachsende Kinder haben, wird es aber von Jahr zu Jahr mehr, würde daher für das nächste Jahr mal von ca. 3500kwh/Jahr ausgehen.


    Nun spiele ich mit dem Gedanken, eine Brennstoffzelle oder ein Blockheizkraftwerk zeitnah einzubauen. Die Heizung müsste in den nächsten Jahren möglicherweise eh komplett getauscht werden. Wir hatten hier im Haus schon 3 Wasserschäden wovon einer von einem durchgerostetem Heizkessel kam, daher will ich lieber kein Risiko eingehen.


    Ich habe auch mit den Gedanken gespielt, eine PV-Anlage oder Solarthermie auf das Dach zu packen. Es ist ein O/W-Dach und es würden locker 7kwp auf das Dach passen und auch noch Platz für 2-4 Solarthermie-Module zusätzlich sein (alternativ mehr PV).


    Was ich bisher so gesehen habe, lohnt sich ein BHKW eher nicht bei dem geringen Stromverbrauch. Dort wurde dann meist eher auf eine BSZ verwiesen. BHKW und BSZ lohnen sich eher nicht mit Solarthermie. Daher bleiben eigentlich nur folgende Kombis am Ende übrig:

    - BHKW mit oder ohne PV

    - BSZ mit oder ohne PV

    - Gasbrennwerttherme mit oder ohne Solarthermie mit oder ohne PV


    Wir bekommen noch ein Elektroauto als Firmenwagen im Herbst, haben allerdings Ladekarte und können auf Arbeit laden, würde also eher nur im absoluten Notfall zuhause laden. Es soll allerdings für die heißen Sommermonate noch eine Klimaanlage hinzukommen, die ich mit dem PV-Strom betreiben wollte. Eventuell wollten wir uns noch einen beheizbaren Außenpool zulegen, aber auch das ist eher noch Zukunftsmusik und wird möglicherweise noch eine Weile dauern oder nie kommen.


    Das Obergeschoss hat normale Heizkörper, das EG hat eine Fußbodenheizung. Im EG ist zusätzlich noch ein Holzkachelofen.


    Lohnt sich für dieses Szenario überhaupt BHKW oder BSZ?


    Danke schonmal und viele Grüße


    Samuel

  • Moin Rangarid ,


    bei dem geringen Wärmeverbrauch lohnt sich – wenn überhaupt! – nur eine Brennstoffzelle: Die am Markt erhältlichen BHKW's hätten eine viel zu geringe Laufzeit. Weil auch der Stromverbrauch nicht gerade groß ist, würde ich in dem Fall höchstens eine Viessmann-Vitovalor Brennstoffzelle (oder ein bei der BZ baugleiches Gerät wie den Dachs 0,8) einsetzen. Da ist eine Brennwerttherme mit eingebaut, was in dem Fall besonders Sinn macht, weil die alte sowieso ausgewechselt werden muss. Dass sich das aber rechnet, halte ich bei 3000 kWh Stromverbrauch für ausgeschlossen. Bei 4.000 kWh wäre es immerhin möglich. Das müsstest Du aber – auf Basis eines seriösen Angebotes – mal mit spitzem Bleistift rechnen. Grob geschätzt würde ich dabei folgende Werte einsetzen:


    Laufstunden der BZ: 6.770 Bh/a, Stromerzeugung 5.080 kWh, Wärmeerzeugung 7.450 kWh

    Erdgasverbrauch BZ: 14.900 kWh, plus Verbrauch der Zusatztherme 11.000 kWh

    Strom-Eigenverbrauch: 3000 kWh, Strombezug - ohne PV - dann noch 1000 kWh.


    Die Daten zur Förderung findest Du auf den Seiten der Hersteller oder in diesem Forum über die Suchfunktion, z.B. "Vitovalor".


    Eine PV-Anlage kann unter Umwelt-Gesichtspunkten eine brauchbare Ergänzung sein, weil die Vitovalor im Sommer nur für den TWW-Bedarf arbeitet und dann wohl höchstens zehn Stunden pro Tag läuft. Dann könnte die PV-Anlage den Strombedarf tagsüber abdecken, und die BZ käme abends und nachts dazu. Während der Heizperiode würde die BZ dagegen Tag und Nacht durchlaufen. Da der günstigere BZ-Strom stets vorrangig verbraucht wird, ist bei einem solchen Betrieb der Anteil des selbst verbrauchten Stroms aus der PV deutlich geringer als normal - und damit auch die Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage.


    Eine Solarthermie darf parallel zu dieser Art Brennstoffzelle nicht betrieben werden. Sie würde sich abgesehen davon auch nicht lohnen.


    Mit Klimaanlage steigt die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage natürlich gewaltig. Bei der BZ wird man davon weniger merken, weil die beiden Geräte wohl nur in tropischen Sommernächten gleichzeitig laufen werden.


    Ich würde an Deiner Stelle als erstes die Alternativen "Brennstoffzelle" und "normale Gastherme" vergleichen. Falls es auf eine Gastherme hinausläuft, lassen sich danach ST (über das eingesparte Erdgas) und PV (über die Einspeisevergütung und den eingesparten Bezugsstrom) vergleichsweise einfach rechnen. Wenn Du eine BZ anschaffst, geht ST von vornherein nicht. Eine PV-Anlage wird sich wie oben erklärt schlechter rechnen (muss aber deswegen nicht verkehrt sein, insbesondere mit Klimaanlage).


    Gruß, Sailor

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Vergiss BHKW und BSZ. Mach das Dach voll mit Photovoltaik, und hol dir eine gute Gastherme.

    Wirtschaftlich viel sinnvoller.


    Gruß

    Thomas

    Kubota D722 mit Sincro FB4-48/100
    48V 775AH (C5) Bater, 2 Victron Multigrid
    9,9 KWp PV u. 2,7 KWp PV

    WP Panasonic Aquarea 9KW

  • Wirtschaftlich ja, falls man aber zusätzlich was für die Energiewende tun mag, und es nicht drauf ankommt ob man etwas verlust macht wäre ne BSZ schon toll, und die Verluste würden sich in Grenzen halten...

    Wenn man die PV günstig bekommt kann inzwischen ja sogar eine Volleinspeisung zumindest ohne Verlust realisiert werden. Meine würde sich nach 10 Jahren gerechnet haben, Reparaturen und Zählergebühr nicht berücksichtigt. Allerdings mach ich bis auf Inbetriebnahme alles selbst.

  • Gibt es irgendwo eine Liste zu baugleichen Dach BZ?

    Ich kenne in dieser Größenordnung nur die Viessmann Vitovalor PT2 und den Dachs 0,8. Die eingebaute Brennstoffzelle mit 0,75 kW(el) und 1,1 kW(th) kommt in beiden Fällen von Panasonic.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Danke für die Infos, dann lass ich mir mal ein Angebot zukommen für die beiden und kuck dann mal weiter wie es am Ende aussieht. Der Dachs kommt ja erst im Oktober. Gibt es sonst verlässliche Angaben in welchem Preisrahmen das ganze liegen sollte? Die Vitovalor wird ja schon eine Weile verbaut, von der Dachs BZ gibt es vermutlich noch keinen Preisrahmen oder?

  • Im Internet fangen die Priese für die Vitovalor bei 24.000 EUR (brutto) an. Die Einbaukosten (hydraulischer und elektrischer Anschluss) richten sich nach den örtlichen Gegebenheiten, aber einige tausend EUR sind da schnell weg.


    Die KfW-Förderung beträgt 9.300 EUR. Außerdem kann man wie bei der PV auf Umsatzsteuerpflicht optieren und bekommt dann vom Bruttopreis einschl. Einbau (der dürfte so um die 30.000 EUR liegen) ca. 4.800 EUR Umsatzsteuer erstattet. (Zu den steuerlichen Fragen siehe ansonsten das einschlägige Unterforum.) Zum Dritten kann man sich die KWK-Zulage in Höhe von 1.800 EUR vorab auszahlen lassen. Ob sich Letzteres lohnt, hängt vom voraussichtlichen Eigenverbrauchsanteil ab sowie davon, ob der örtliche Netzbetreiber den eingebauten Erzeugungs-Stromzähler akzeptiert. Außerdem kriegt man die Energiesteuer auf das in der Brennstoffzelle (ohne Zusatztherme!) verbrauchte Erdgas zurück, bei Dir also ca. 80 EUR/Jahr. Alles dieses ist vermutlich beim Dachs 0,8 auch so.


    Besonders wichtig bei den Angeboten ist der Betrag für die Wartungskosten. Normalerweise ist bei den Brennstoffzellen ein zehnjähriger Vollwartungsvertrag dabei, der jährlich bezahlt werden muss. Die Frage ist auch, ob die Wartung der Zusatztherme hier inbegriffen ist, bzw. ob und welche Kosten hierfür ggf. noch dazukommen.


    Bei lediglich 3.500-4000 kWh Stromverbrauch wird die Sache aber m.E. in jedem Fall grenzwertig. Wenn Du es weniger komplex haben möchtest, würde ich mich dem Rat von Thomas in Beitrag #4 anschließen:

    Mach das Dach voll mit Photovoltaik, und hol dir eine gute Gastherme.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Bei deinem Verbrauch würde ich nicht lange überlegen. 10KWp PV aufs Dach, wenn dann noch Platz ist würde ich 2 Jahre später noch weiter bauen. Die 10 KWp bringen dir je nach Standort 10000 KW/h Strom, davon wirst du ca 2000-2500 selbst verbrauchen. Für den Rest bekommst du derzeit 10,64 Cent, also rund 850€ im Jahr. Die selbstverbrauchten 2000KW/h ersparen dir ca. 520€ Stromkosten.


    Die PV wird ca. 12000-13000 Euro kosten, im Normalfall gibt es keinerlei Wartungskosten. Die Vergütung gibt es 20 Jahre. Wechselrichter halten je nach Fabrikat ca 12-15 Jahre. Meist bieten die Hersteller Tauschgeräte zum günstigen Preis.

    Kubota D722 mit Sincro FB4-48/100
    48V 775AH (C5) Bater, 2 Victron Multigrid
    9,9 KWp PV u. 2,7 KWp PV

    WP Panasonic Aquarea 9KW

  • Die 10 KWp bringen dir je nach Standort 10000 KW/h Strom, davon wirst du ca 2000-2500 selbst verbrauchen.

    2000-2500 kWh halte ich bei einem Gesamtverbrauch von 3-3500 kWh für sehr ehrgeizig. Zum Vergleich: Wir haben in den Jahren 2010-2012 (vor IBN des BHKW) mit einem normalen Haushaltsprofil im Durchschnitt 8200 kWh Strom verbraucht und hatten davon gerade mal 2400 kWh (30%) Eigenverbrauch aus der PV. Die PV-Stromerzeugung lag um 8000 kWh/Jahr.


    Also mit mehr als 40% Eigenverbrauchsanteil am normalen Haushaltsverbrauch würde ich nicht rechnen, das wären dann 1.200-1.400 kWh/Jahr. Der Verbrauch der Klimaanlage (wie hoch immer der ist) käme natürlich fast 1:1 hinzu.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Ok ich merk schon, aktuell sind einfach auch noch zuviele Unbekannte in der Gleichung. Wir ziehen im Frühjahr ein und am sinnvollsten ist es vermutlich sich schonmal zu informieren, aber solange die Heizung noch geht laufen zu lassen und die neuen Verbräuche zu ermitteln.


    Vielleicht verbrauchen wir ja dann auch mehr Strom als wo wir jetzt wohnen oder heizen mehr. Mit den neuen Verbräuchen dürfte dann eine genauere Analyse besser gehen.


    Danke für die Antworten bisher.

  • Die 10 KWp bringen dir je nach Standort 10000 KW/h Strom, davon wirst du ca 2000-2500 selbst verbrauchen.

    2000-2500 kWh halte ich bei einem Gesamtverbrauch von 3-3500 kWh für sehr ehrgeizig. Zum Vergleich: Wir haben in den Jahren 2010-2012 (vor IBN des BHKW) mit einem normalen Haushaltsprofil im Durchschnitt 8200 kWh Strom verbraucht und hatten davon gerade mal 2400 kWh (30%) Eigenverbrauch aus der PV. Die PV-Stromerzeugung lag um 8000 kWh/Jahr.


    Also mit mehr als 40% Eigenverbrauchsanteil am normalen Haushaltsverbrauch würde ich nicht rechnen, das wären dann 1.200-1.400 kWh/Jahr. Der Verbrauch der Klimaanlage (wie hoch immer der ist) käme natürlich fast 1:1 hinzu.

    Das hängt aber ganz stark vom Verbrauchsverhalten ab. Wenn man Großverbraucher wie Waschmaschine, Geschirspüler Wäschetrockner und Kochen auf die Sonnenstunden verlegen kann, dann sind da problemlos 50% und mehr drin. Ich habe Mitte 2014 mit PV angefangen, 2015 hatte ich einen Verbrauch von ca. 5500Kw/h (Warmwasser Durchlauferhitzer). Davon habe ich 2646 mit PV abgedeckt. Wenn man die ca. 750KW/h Warmwasser abrechnet, die beim Duschen abends angefallen sind, dann habe ich von 4750KW/h 2646 mit PV abgedeckt. Sind also auch locker über 50%.

    Kubota D722 mit Sincro FB4-48/100
    48V 775AH (C5) Bater, 2 Victron Multigrid
    9,9 KWp PV u. 2,7 KWp PV

    WP Panasonic Aquarea 9KW

  • Nee Thomas, er zieht ja die 750 kWh für den DLE vom Gesamtverbrauch ab, weil die gerade nicht aus der PV kommen können. Insoweit passt das schon.


    Trotzdem bleibe ich dabei, dass Autarkiequoten über 40% (ohne Speicher) ehrgeizig und für den Normalverbraucher schwer erreichbar sind - auch wenn die PV-Anlage im Vergleich zum Verbrauch sehr groß ist. Waschmaschine, Geschirrspüler und Trockner kann man in der Realität nicht immer nur bei Sonne laufen lassen, weil sonst die Hausfrau rebelliert. Und Kochen findet bei den meisten Leuten nun mal abends statt und nicht mittags. Wenn das einer trotzdem schafft, ziehe ich die Mütze. Aber wenn wie hier ein Newcomer die Anschaffung einer PV-Anlage überlegt und das rechnen will, bin ich dafür, beim Eigenverbrauch erstmal konservative Zahlen einzusetzen.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • 9,9 kWp und ein Durchlauferhitzer? Na dann....


    Technisch zwar unmöglich, aber man kann es ja mal schreiben...

    Lesen und verstehen funktioniert bei dir nicht wirklich oder?


    PV ist ja keine Insel, der Rest Strom kommt ja vom Netz, deshalb hatte ich ja alleine für den Durchlauferhitzer ca. 750KW/h Netzbezug.

    Mittlerweile habe ich dafür eine BWWP, die macht Warmwasser bei Sonnenschein.

    Kubota D722 mit Sincro FB4-48/100
    48V 775AH (C5) Bater, 2 Victron Multigrid
    9,9 KWp PV u. 2,7 KWp PV

    WP Panasonic Aquarea 9KW