BHKW neuerdings 40 Jahre förderfähig?

  • Eben habe ich mir einen Dachs angeschaut. Der Fachmann war vorher bei uns zuhause und hat sich erst einmal die aktuelle Situation angeschaut. Eine Frage konnte er nicht adhoc beantworten zum Thema Abgas: darf der Dachs, notfalls mit Verrigelung, sein Abgas in den gleichen Kaminzug pusten, an dem auch das aktuelle Brennwertgerät angeschlossen ist? Am 2. Zug hängen schon 2 Kaminöfen.


    Viel interessanter ist für mich aber der folgende Sachverhalt: Bisher hatte ich verstanden, dass die Förderung nur für eine feste Anzahl von Jahren gilt. Eben habe ich verstanden, dass beim Dachs die ersten 60000Bh gefördert werden, auch wenn ich dafür 40 Jahre oder länger brauche. Das habe ich extra nochmal nachgefragt und wurde nach meinem Verständnis auch noch einmal bestätigt.


    Geht die Einspeisevergütung/Förderung von BHKW tatsächlich nach Bh? Das würde es in meinem Fall mit der 12kWp PV und Solarthermie interessanter machen, den stromgeführt zu betreiben. Auch die Wartungen gehen strikt nach Bh. Gibt es dann überhaupt Kosten/Nutzen/Vergünstigungen die nach Kalenderjahren gehen?

  • Betreiber von BHKW erhalten für 60.000 Bh den KWK-Zuschlag. Wenn das BHKW pro Jahr 6.000 Stunden läuft, sind das 10 Jahre.


    Wenn das BHKW 3.000 Stunden läuft, sind das 20 Jahre.


    Wenn das BHKW 1.000 Stunden läuft, sind das 60 Jahre.


    Ein BHKW, welches pro Jahr weniger als 3.500 Stunden läuft, wird die 60.000 Stunden aber sicher nur mit dem 4. oder 5. Motor sehen, denn es taktet sich zu Tode.


    Wir jedenfalls bauen keine Anlagen unter 3.500 Bh/a und bei den "Wenigläufern" machen wir die Wartung früher.... Wer z. B. die Wartung blind nach Jahren macht, hat keine Ahnung. Das Taktet killt die Maschinen absehbar.


    Man kann es auch anders formulieren: Nimm doch ein BHKW mit 20 kW elektrischer Leistung, das läuft dann 1000 Stunden.... Du hast dann 60 Jahre Förderung und nur alle 6 Jahre ne Wartung, toll, oder?


    Und wenn der "Kollege" nicht weiß, ob er das BHKW zusammen mit dem bestehenden Brennwertkessel anschließen darf, bist Du in jedem Fall in den besten Händen.


    Gute Reise!

  • 40 Jahre war einfach ein Wert aus der Luft gegriffen, aber der Dachs 2,9 würde bei unserem Wärmebedarf im Winterhalbjahr im Jahr ca. 15-24 Stunden pro Tag laufen um den Wärmebedarf von ca. 25500 kWh Wärme zu decken. Ab welcher Taktung wäre es zu viel Verschleiß? Würden ca. 4200h p/a schon überdurchschnittlich viel Taktung bedeuten? In 10 Jahren bekomme ich die 60000Bh nicht durch.

    Ich dachte bisher, die Förderung gäbe es nur die ersten 10 Jahre. Da sind 60000Bh für mich schon eine gute Nachricht. Sollte ein BHKW immer so ausgelegt werden, dass in 10 Jahren die 60000Bh durch sind?

  • Die 10 Jahre sind total egal. Es gibt eine imaginäre Grenze, bei der das BHKW "gesund" läuft oder eben nicht.


    Wenn Mutti immer nur 2 KM zum Edeka fährt und dann nach Hause, wird das Auto die 100.000 KM wohl nicht sehen, ohne, dass es in der Werkstatt teuer wird.


    Laut Deiner Aussage lag der Gasverbrauch bei 25.000 kWh, dies wäre dann bei 100% Nutzungsgrad der Wärmebedarf (Chance=0!). Der Dachs hat 7,5 kW thermisch. Wenn dieser jetzt 4,200 Stunden läuft, produziert er 31.500 kWh Wärme.


    Dies ist aber Unsinn.


    Du kannst daran sehen, dass die Prognose 4.200 Stunden viel zu hoch ist, eben mit den entsprechenden Konsequenzen. Die Maschine wird keine 3.000 Stunden laufen

  • Ich hab nen RS, 11 Jahre alt, bisher keine Probleme wegen Taktung. Motor musste zwar mal getauscht werden aber das lag an der Wasserqualität. Jedoch ist er wegen Solarthermie im Sommer eigentlich immer aus und wird nur einmal im Monat von Hand gestartet. Ich komme auf ca. 2700 Stunden p/a. In den ersten Jahren, (bis die Installationsfehler beseititgt waren) war das Verhältniss h/S über 1/1 inzwischen ist es insgesemmt bei 6/1. Man kann also auch mit einer schlechten Installation viel Schaden anrichten. Passende Speichergröße und richtige Installation sind eben sehr wichtig.

  • Letztes Jahr hat der Bewohner der 2. Wohnung des Hauses noch gearbeitet, er ist aber mittlerweile in Rente. Daher habe ich beim Wärmebedarf noch mal mit grober Schätzung etwas draufgelegt, als ich 4200h geschätzt habe. Jetzt verstehe ich eine Aussage das weniger als 3500h Stunden unwirtschaftlich sind und eine andere das auch 2700h unproblematisch zu sein scheint. Ich bin verwirrt.

  • Ich bin verwirrt.

    Kein Wunder, hier ist von (mindestens) zwei verschiedenen Sachen die Rede.


    1) Kurze Jahreslaufzeiten: Diese entstehen, wenn die thermische Leistung des BHKW (zu) hoch ist im Vergleich zum Wärmebedarf. Dadurch steht vor allem in der Übergangszeit und im Sommer seltener Strom aus dem BHKW zur Verfügung. Weil der Strombedarf i. allg. nicht an die Laufzeiten des BHKW angepasst werden kann (Stromspeicher sind fast immer unwirtschaftlich), geht bei kürzeren Laufzeiten der durch das BHKW deckbare Eigenbedarf tendenziell zurück. Und der ist nun mal der wichtigste Faktor für die Wirtschaftlichkeit eines BHKW. Wo genau im Einzelfall die Grenze liegt, hängt von mehreren Faktoren ab. Aber als Faustregel für Normalverbraucher finde ich 3.500 Bh/a als kritische Zone für die Wirtschaftlichkeit nicht verkehrt.


    2) Die zweite Frage betrifft die Wartungskosten, ein wesentlicher Kostenfaktor bei jedem BHKW. Werden diese nach Zeitraum (z.B. pro Kalenderjahr) abgerechnet, steigen die Kosten pro kWh mit kürzerer Jahreslaufzeit an. Werden sie dagegen nach Betriebsstunden abgerechnet, so bleiben sie theoretisch pro erzeugter kWh gleich. In wie weit das auch praktisch der Fall ist, richtet sich nicht in erster Linie nach der Betriebsstundenzahl pro Jahr, sondern nach der Belastung des BHKW-Motors, insbesondere nach der Zahl der Starts pro Betriebsstunde ("Takten"). Die Zahl der Starts hängt zwar auch von der thermischen Leistung des BHKW (im Verhältnis zum Wärmebedarf) ab, aber mehr noch von Größe und Regelung des Pufferspeichers. Und wenn ein BHKW im Sommer 90 Tage lang steht, weil in dieser Zeit die Wärme von einer Solarthermie erzeugt wird, so entfallen schon mal mindestens 90 Starts pro Jahr. An einer bestimmten Zahl von Betriebsstunden pro Jahr kann man das kaum fest machen: Dass mit einer guten Speicherregelung auch 2.700 Bh/a in dieser Hinsicht unproblematisch sein können, halte ich durchaus für möglich. Aber klar ist natürlich auch, dass ein BHKW mit 1000 Bh/a nicht sechsmal so viele Kalenderjahre halten wird wie ein BHKW, das 6000 Stunden im Jahr läuft.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

    Einmal editiert, zuletzt von sailor773 () aus folgendem Grund: Präzisierung

  • Da hilft nur eins: rechnen

    Und danach bewerten, ob man mit der Amortisation zufrieden ist. Es soll aber auch Liebhaber geben, die einfach nur den Energiekonzernen eine lange Nase drehen wollen.

    Übrigens: mein BHKW arbeitet im Sommer nur jeden zweiten Tag und dann für 10 bis 14 Stunden ohne Unterbrechung. Danach sind meine Second Hand Batterien (Blei) und mein Pufferspeicher voll und ich kann wieder zwei Tage davon zehren. Es gibt durchaus Konfigurationen, die bei knapp 3.000 Vollaststunden im Jahr wirtschaftlich sind und sich nicht zu Tode takten. Zugegebenermaßen fließen sind die vielen, selbst erbrachten Stunden an der Anlage als Hobby mit einem Stundensatz von 0€ in die „Wirtschaftlichkeitsbetrachtung„ ein. Ich will das einfach so und deshalb mache ich es so. Das muss dann letztlich jeder für sich selbst entscheiden...

  • Mein thermischer Speicher ist der bereits vorhandene 1000l Stackspeicher, der ist, soweit ich verstanden habe größer als die meisten BHKW-Lieferanten selbst empfehlen. Der vorhandene elektrische Speicher hat 14kWh (Lithium). Diese beiden Speicher sollten doch ausreichen, um die Anzahl der Taktungen eher unterdurchschnittlich zu halten, oder nicht?

    Danke für den Richtwert von 3500Bh/a, das hilft mir sehr, zur Abschätzung welche BHKW-Leistung zu uns passt.

  • Diese beiden Speicher sollten doch ausreichen, um die Anzahl der Taktungen eher unterdurchschnittlich zu halten, oder nicht?

    Ein Stromspeicher hat keinen Einfluss auf die Taktung, nicht mal bei "stromgeführtem" Betrieb: Auch dann muss ja die (Ab-)Wärme irgendwo hin, und die ist hier der limitierende Faktor. Der Stromspeicher hat nur einen Nutzen, nämlich den, dass Erzeugung und Verbrauch nicht mehr gleichzeitig erfolgen müssen - wenn auch um den Preis von ca. 20% Speicherverlusten. Dadurch wird der Einfluss einer kurzen BHKW-Laufzeit auf den Eigenverbrauch deutlich geringer.


    Ein Wärmespeicher mit 1000 l ist bei einer thermischen BHKW-Leistung von 7,5 kW schon ganz ordentlich, wenn auch nicht übertrieben groß. Nimmt man für den Heizkreis eine (niedrige) RLT von 30°C an und eine (hohe) maximale Speichertemperatur von 80°C (ich weiß nicht welche RLT ein Dachs verträgt), so würden da ca. 58 kWh reinpassen. Daran würde dann der Dachs knapp acht Stunden arbeiten. De facto wird man den Speicher (insbesondere die Warmwasserzone) aber nicht ganz entladen können. Deshalb halte ich in der Realität Laufzeiten von maximal 5-6 Stunden für erreichbar, plus den laufenden Verbrauch für die Heizung. Um das "Takten" in der Übergangszeit zu minimieren, sollte das ausreichen.


    Trotzdem verstehe ich nach wie vor nicht, welchen Vorteil Du Dir bei dem relativ geringen Wärmebedarf von einem so großen BHKW versprichst. Aber so lange wir nichts über den Stromverbrauch (einschl. Eigenverbrauch aus der PV) wissen, ist es nicht möglich, hier eine seriöse Empfehlung abzugeben.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

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  • Ja, dann ist Takten wohl doch kein Problem...

    Das habe ich nicht gesagt, und beim RS mit Kondenser ca. 12 kW thermisch 2000 Liter Heizungsspeicher 300 L Warmwasser bin ich mit durchschnittlich 6 - 8 Std. Laufzeit pro Start zufrieden.


    Es ging mir darum das man ein BHKW auch mit weniger Betriebsstunden pro Jahr gut betreiben kann wenn die restliche Installation dazu passt. Beim (alten) Dachs sollte man mindestens alle 2 Jahre eine Wartung machen. Wenn man innerhalb dieser Zeit die Betriebaatunden zwischen den Wartungen voll bekommt (früher 3500 Std.) sollte es Kosten und Lebensdauer seitig keine großen Einschränkungn geben.


    Wenn die Batterie eh schon vorhanden ist steigt über den Eigenverbrauchsanteil auch die Wirtschaftlichkeit, wie Sailor schon schrieb ist vermutlich die Wärmeabnahme das begrenzende Fakt. Man sollte wegen den Ladeverlusten dennoch versuchen das System so zu steuern das größere Verbräuche paralell zum BHKW laufen.

  • sailor : Danke für die thermischen Kalkulationen.

    Bei 25.500 kWh thermischen Energiebedarfs im Wintehalbjahr (ca. 180 Tage) wären das durchschnittlich ca. 140 kWh/d oder 2 Starts täglich. Sind da die BHKW für ausgelegt, oder sind das schon überdurchschnittlich viele Starts?

    @Der Dachs: bei deinem großen Speicher kommst du da auf mehr wie 1 Start/Tag durchschnittlich?

    Hmm, der Dachs kommt mir bezüglich der Thermischen Leistung fast zu groß vor.
    Der kleine neoTower liefert 3,8-5,2 kW thermisch, der müsste es schaffen können durchzulaufen. Der käme dann wohl eher auf über 3500 Bh jährlich.


    Sorry wenn's bei mir länger dauert. Ähnlich Gedankengänge sind sicher schon 1000fach besprochen worden. Die Lernkurve ist wohl nicht so super, ich habe aber das Gefühl, dass ich ne Menge dazulernen. Danke für eure Geduld.

  • 2 Starts sind doch super! Selbst wenn er durchläuft startet er nach 24 Stunden neu, also 1 Start pro Tag ist min.


    Das mit den Starts geht kommt ja auch drauf an wie schnell man den Speicher leer bekommt. Da kein 2. Heizsystem verbaut ist muss der Dachs auch am Kältesten Tag ausreichen. Damit werden 2 Häuser geheizt, eines davon ungedämmt mit 220 qm das gedämmte mit 150 qm. Wegen dem ungedämten Haus ist die Vorlauftemperatur (also auch die Starttemperatur des Dachs) recht hoch. Bei -10 Grad AT ist VL wenn ich mich recht erinnere bei 60 Grad. Hab grad die Eingestellten werte nicht zur Hand.

  • Hmm, der Dachs kommt mir bezüglich der Thermischen Leistung fast zu groß vor.

    Sach' ich doch, aber mir glaubt ja keiner...


    Nochmal zur Frage der thermischen Berechnungen: Der Wärmebedarf ist (außer für Warmwasser) natürlich nicht gleichmäßig übers Jahr verteilt. Für unser Haus mit einem Jahresbedarf von 30.000 kWh (plus 5.000 aus der Solarthermie) und einem vergleichbaren Heizsystem (siehe Signatur) sieht das über mehrere Jahre gemittelt wie in dem angehängten Bild aus. Wenn der Erdgasbedarf bei Euch im Mittel der letzten Jahre so um die 25.000 kWh lag, kann der Wärmebedarf in den drei Wintermonaten locker 5000 kWh pro Monat erreichen, in einem kalten Januar wie 2017 vielleicht auch 6000. Die Heizlast in unserem Haus (bezogen auf AT -16°C) wurde mit 14 kW errechnet. Daraus abgeleitet dürfte sie bei Euch nicht viel unter 12 kW liegen. Der Warmwasserbedarf (im Winter ohne solare Abdeckung) kommt da noch hinzu.


    Ohne zweites Heizsystem müsste das BHKW also 12+X kW thermische Leistung haben (wie der große Dachs mit 5,5 kW(el) und 12 kW(th)) und würde dann nur 2000 Stunden im Jahr laufen. Selbst in einem durchschnittlichen Januar mit 5000 kWh Wärmebedarf käme man damit gerade mal auf 400 Stunden Laufzeit (13 Stunden pro Tag). Die nächste Frage wäre, was macht man dann mit den über 70 kWh pro Tag Strom, die so ein Bolide in 13 Stunden erzeugt? Dein Stromspeicher ist nach zweieinhalb Stunden geladen. Für 5 ct/kWh netto einspeisen, was gerade mal die anteiligen Erdgaskosten deckt? Oder in einem Heizstab verballern, mit der Folge, dass dann die BHKW-Laufzeit nochmals weniger wird?


    Also ich würde ein BHKW thermisch mit einem Drittel bis maximal der Hälfte der Heizlast auslegen. In Eurem Fall wäre das eine thermische Leistung von 4-6 kW, also tatsächlich genau der Bereich vom NeoTower. Zum Vergleich: Unser BHKW hat eine thermische Leistung von ca. 5,9 kW, d.h. 42% der Heizlast. Damit deckt es in der Praxis 85-90% des nach Solarthermie verbleibenden Wärmebedarfs und läuft trotz Solarthermie über 4000 Stunden im Jahr. Zwischen Mitte November und Ende Februar läuft es i.allg. durch (1-2 Starts pro Tag). Dafür läuft es wegen der Solarthermie im Juni bis August so gut wie gar nicht, aber dafür haben wir ja die PV-Anlage.


    Als zweites Heizsystem würde ich einfach die existierende Gastherme weiter betreiben.