Brennstoffzelle ökologisch sinnvoll für Altbau?

  • Kasparow


    Wenn die Zahlen echt so sind, Hut ab... Ich kenne halt hunderte vergleichbare Objekte, bei denen die Verbräuche gewaltig anders sind, deshalb die Aussage von mir, wollte Dir nicht auf die Füße treten.


    Wenn ich Du wäre, würde ich den Ölkessel rauswerfen und ne Gas-Brennwertheizung einbauen lassen und wäre dann mit dem Thema durch.


    Bei den Verbräuchen, gerade beim Strom, musst Du schon gewaltige ideele Komponenten an den Start bringen, rechnen wird sich egal was on top zum Brennwertkessel nie. Der Gas-BW-Kessel rechnet sich, denn Gas ist billiger, der braucht weniger, denn er ist Stand der Technik heute, kann modulieren etc.


    Außerdem wirst Du den Gestank im Haus los, hast den Raum, wo der Tank steht und und und...


    Sparen kann man immer nur das, was man ansonsten ausgegeben hätte...

  • Moin Kasparow ,

    Trotzdem würde ich nochmals gerne zum eigentlichen Thema zurückkommen

    Sorry für die OT-Diskussion, manche Sachen müssen einfach mal 'raus...

    Also zurück zum Thema.

    Wir wohnen in dem Haus seit ca. 3.5 Jahren. Grobüberschlagen haben wir in dieser Zeit ca. 7000 L Heizöl verbraucht. (...)


    wirklich bewohnt und regelmäßig beheizt sind wohl eher 150 m2. (...) Wir verfeuern bis zu 2 Ster Holz über den Winter und heizen damit einen großen Teil des EG.

    Zwei Ster Hartholz liefern ca. 3,4 bis 4 MWh Wärme. Der Wirkungsgrad des Kachelofens wird auch nicht gerade 100% sein, dann entspricht das vielleicht 3.000 kWh Nutzwärme pro Heizperiode. Der tatsächliche Heizölverbrauch lag bei 2000 l bzw. 20.000 kWh pro Heizperiode. Wenn der alte Ölkessel ein sehr guter ist und einen erstklassigen Brenner hat (so wie weiland unser Viessmann Vitola Baujahr 1979 mit MAN Blaubrenner), halte ich einen mittleren Wirkungsgrad von 80-90% (Hi) für durchaus möglich. Der Wärmebedarf des Anwesens würde dann in der Größenordnung von 20.000 kWh pro Jahr liegen. Bezogen auf tatsächlich beheizte 150 m2 wären das gut 130 kWh/m2. Das ist für ein ordentlich gebautes (1956, nicht 1966!) und teilsaniertes Haus m.E. nicht unrealistisch - insbesondere in einer warmen Gegend und mit (trotz gelegentlicher Ausreißer, z.B. Januar 2017) insgesamt eher warmen Wintern.


    Als erstaunlich haben wir nicht den Wärme-, sondern den von Dir angegebenen Stromverbrauch von 2.000 kWh für vier Personen empfunden. Deshalb die vielen ungläubigen Nachfragen. Nach Angaben unseres Stromversorgers (Quelle: Amtliche Begründung zum EnWG vom 26.07.2014) gilt für vier Personen ein Stromverbrauch bis 2.964 kWh als "gut" und ein solcher bis 1.482 kWh als "fantastisch". Letzteres habt Ihr also noch nicht ganz geschafft (liegt zweifellos an den "steinalten Küchengeräten"), aber nichtsdestoweniger ziehe ich hiermit vor Euren Stromverbrauchswerten den virtuellen Hut.:hutab:

    da ich da noch ein paar Fragen hätte

    Dann her damit.


    Ansonsten schließe ich mich meinem Vorredner an und rate Dir, die Ölheizung einfach durch eine Gastherme zu ersetzen. Bei der Gelegenheit spart Ihr vielleicht auch noch mal 200 kWh/Jahr Strom durch eine moderne Hochleistungs-Heizpumpe. Außerdem könntest Du prüfen, ob Du einen Teil des (durch die Nicht-Anschaffung einer Brennstoffzelle gesparten) Geldes in eine ST- und/oder eine PV-Anlage stecken solltest.


    Gruß, Sailor

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

    Einmal editiert, zuletzt von sailor773 () aus folgendem Grund: Nachtrag Heizpumpe

  • Außerdem wirst Du den Gestank im Haus los, hast den Raum, wo der Tank steht und und und...

    ...für mich auch ganz wichtig: die Geräuschkulisse die die alte Ölheizung macht! Da freu ich mich schon auf himmlische Ruhe :-)


    Andererseits - das wurde oben auch schon angesprochen - gibt der Öltank natürlich eine gewisse Sicherheit (was man hat, das hat man). Die Stadt (oder Russland) kann mir von heute auf morgen den Gashahn zudrehen. Da fällt mir ein: Ich muss die Holzvorräte mal wieder auffüllen...

  • Andererseits - das wurde oben auch schon angesprochen - gibt der Öltank natürlich eine gewisse Sicherheit (was man hat, das hat man). Die Stadt (oder Russland) kann mir von heute auf morgen den Gashahn zudrehen.

    Wie man's nimmt.


    Die Stadt wird Dir den Gashahn zudrehen, wenn Du Deine Gasrechnung nicht bezahlst. Einen anderen Grund, außer mal für ein paar Stunden bei Wartungsarbeiten, kann ich mir nicht vorstellen. Das hast Du also weitgehend selbst in der Hand.


    Dass uns Russland den Gashahn zudreht oder auch nur damit droht, habe ich noch nie erlebt: Auch nicht beispielsweise während der Afghanistan-Krise 1980. Die Begründung war (und ist) einfach, dass Russland unser Geld mindestens ebenso dringend braucht wie wir deren Gas.


    Öl-Embargos habe ich dagegen schon zweimal erlebt: "Autofreie Sonntage" nach dem Yom-Kippur-Krieg 1973/74, und dann nochmal 1978 im Zuge der Iran-Krise. Frieren musste damals nach meiner Erinnerung auch keiner, aber für meinen Vater war das 1979 immerhin der Anlass, unseren Steinzeit-Ölkessel von 1961 durch besagten Viessmann-Kessel zu ersetzen und so den Verbrauch von 6.000 Litern/Jahr (für ein Haus mit 140 m2 Wohnfläche) auf 3.000 l/a zu senken. Auch Krisen haben ihr Gutes. Jedenfalls: Was die Versorgungssicherheit angeht, würde ich allemal eher auf Russland setzen als auf den Nahen/Mittleren Osten. (Übrigens kommt auch ca. 40% unseres Öls aus Russland.)


    Was aus meiner Sicht zählt ist, dass einschl. Vorkette bei Heizöl ca. 300 Gramm CO2 pro kWh (Hs) freigesetzt werden, bei Erdgas dagegen ca. 250 Gramm. Allein die Wahl des Energieträgers Gas spart also schon mal gut 15% an Klimagasen. Und in einer wirklichen Energiekrise ist ein Kachelofen (und im Sommerhalbjahr eine Solarthermie, falls es tagsüber noch Strom gibt) so oder so das einzige, was hilft.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Mal wieder "autofreie Sonntage" - das wär doch was! Sollen die Grünen mal vorschlagen... Wäre wieder der Aufreger der Nation.


    Ansonsten schließe ich mich meinem Vorredner an und rate Dir, die Ölheizung einfach durch eine Gastherme zu ersetzen. Außerdem könntest Du prüfen, ob Du einen Teil des (durch die Nicht-Anschaffung einer Brennstoffzelle gesparten) Geldes in eine ST- und/oder eine PV-Anlage stecken solltest.

    Genau das wäre jetzt mein Plan.


    Weiter oben wurden mal die Produkte der Firma Solvis erwähnt (SolvisBen oder SolvisMax). Diese können anscheinend sehr gut mit ST oder PV kombiniert werden. Kann man da was falsch machen?


    Da mir das Thema BSZ aber doch sehr ans Herz gewachsen ist nochmals eine letzte Frage dazu:

    Gibt es denn wirklich keine kleineren (und günstigeren) Anlagen als z.B. die Vitovalor oder den Dachs 0.8?


    Und übrigens danke allerseits für den gezollten Respekt bzgl. unseres Stromverbrauchs: Es waren laut letzter Rechnung genau 2063 kWh zwischen Okt 2017 und Okt 2018. Ich hoffe ich habe den ein oder anderen etwas "angefixt" - Ihr dürft mich gerne unterbieten ;-)

  • (SolvisBen oder SolvisMax). Diese können anscheinend sehr gut mit ST oder PV kombiniert werden. Kann man da was falsch machen?

    Das sind doch integrierte Kessel, mit einem Plattenwärmetauscher fürs WW, richtig? Der Vorteil ist anscheinend, dass man mit einem solchen Gerät (anders als z.B. mit einer wandhängenden Gastherme) keinen separaten TWW-Speicher braucht.


    Dass bzw. auf welche Weise diese Geräte gut mit Solarthermie zusammen arbeiten sollen, leuchtet mir nicht ganz ein. Jedenfalls bräuchtest Du für die ST in jedem Fall einen separaten Schichtspeicher, dann wäre doch der Hauptvorteil des Solvis weg. (Mit PV arbeiten alle Kessel gut zusammen, weil es keine Schnittstelle zwischen den Systemen gibt - außer man will mit PV-Strom Heißwasser machen, was aber in den meisten Fällen Quatsch ist.)


    Auch noch anzumerken ist, dass mir mit einem Plattenwärmetauscher für TWW nur dann wohl wäre, wenn entweder das Wasser sehr weich ist oder man eine leistungsfähige Enthärtungsanlage vorschaltet. Für eine Solarthermie ist das allerdings auch zu empfehlen, weil man im Sommer ja doch häufig Temperaturen von 80-90°C im Speicher bekommt. Da setzt sich auch das Wellrohr im Hygienespeicher schnell zu.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Lieber "Kasparow"
    ich entnehme Deinem Profil, dass DU in Baden-Württemberg lebst.

    Daher meine konkrete Nachfrage:
    Wieviel Prozent Deiner Wohnfläche wird denn von Deinem Kachelofen beheizt? Und wie häufig wird der Kachelofen betrieben?

    Denn wenn nicht mindestens 30% Deiner Wohnfläche ganzjährig überwiegend (also zu mehr als 50%) mit dem Kachelofen beheizt wird, darfst Du nach dem EWärmeG gar keine Erdgas-Brennwerttherme einbauen. Zumindest reicht dies alleine nicht aus, um die gesetzlichen Bestimmungen zu erfüllen.

    Ggf. klappt es zusammen mit einer PV- oder Solarthermie-Anlage.


    Zum Thema CO2-Ersparnis

    Warum man in Baden-Württemberg angesichts einer Strom-Erzeugungsstruktur von rund 30% Atomkraft und 30% Steinkohle mit den Emissionen von Braunkohle-Kraftwerke vergleichen soll, weiss ich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Wie soll denn physikalisch ein nennenswerter Braunkohle-Stromanteil nach Baden-Württemberg gelangen, den ich dann verdrängen kann?!?

  • Hallo Markus,

    tatsächlich gehe ich nicht davon aus, dass ich den Kachelofen bzgl. EWärmeG "anrechnen" lassen kann. Der ist nämlich nur 4-5 Monate im Betrieb. Die ST und/oder PV werde ich dann aber nächstes Jahr angehen wenn das Dach gemacht werden soll - ich glaube ich habe 18 Monate Zeit dafür, oder? Ansonsten würde ich bei meinem Gasanbieter halt den notwendigen Anteil an Biogas bestellen.

    Grüße, Christian

  • Der Solvis hat nen Platten-WT, das stimmt. Aber er kann auch bei hartem Wasser eingesetzt werden, da am Heizwassereintrittzum PWT ein Begrenzungsmischventil verbaut ist.

    Ich kenne das System seit 20 Jahren, Probleme mit dem PWT hatte ich noch nie.

  • Jedenfalls bräuchtest Du für die ST in jedem Fall einen separaten Schichtspeicher, dann wäre doch der Hauptvorteil des Solvis weg.

    Ich weiss nicht, ob Du dich mit dem Solvis auskennst? Jedenfalls hat er meines Wissens einen 3-Schichtenspeicher.


    Auch noch anzumerken ist, dass mir mit einem Plattenwärmetauscher für TWW nur dann wohl wäre, wenn entweder das Wasser sehr weich ist oder man eine leistungsfähige Enthärtungsanlage vorschaltet

    Ich habe ein Angebot für den Solvis Max erhalten und darin ist auch eine "Entmineralisierung" enthalten (ich nehme an in das Gerät integriert).


    Ich kenne das System seit 20 Jahren

    Kennst Du auch die aktuellen Preise? Mein Angebot für die Installation eines Solvis Max bewegt sich fast im Bereich einer BSZ (z.B. Vitovalor nach der Förderung!). Da ich damit ja kein mW Strom erzeuge sollte sich diese Investition ja noch viel weniger rechnen wie eine BSZ. Oder sehe ich da was falsch?

  • Ich weiss nicht, ob Du dich mit dem Solvis auskennst? Jedenfalls hat er meines Wissens einen 3-Schichtenspeicher.

    Schon, aber ist da auch ein Wärmetauscher für eine Solarthermie eingebaut bzw. nachrüstbar? Und ist das Speichervolumen für eine ST ausreichend? So 700 Liter sollten das für eine Familie schon sein, damit man auch mal 1-2 Regentage im Sommer überbrücken kann.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Wer ansatzweise das Geld (meinetwegen nach Förderung) für Solarthermie oder Solvis-Wundertüten ausgibt, das eine BSZ kosten würde, die Strom produziert, der dann in drei Jahren 35 Cent kostet, dem ist nicht mehr zu helfen.


    Und die Diskussion "unser Puffer ist aber besser, weil..." hat mich schon vor 10 Jahren gelangweilt. Bei Pufferspeichern gibt es im Preis Ranges von 400%! Ohne, dass sich aus dem Wucherpreis ein nennenswerter Vorteil ergibt.


    Es gibt in D übrigens 3 oder 4 echte Produzenten von Speichern. Alle anderen Hersteller kaufen da...

  • Wer ansatzweise das Geld (meinetwegen nach Förderung) für Solarthermie oder Solvis-Wundertüten ausgibt, das eine BSZ kosten würde, die Strom produziert, der dann in drei Jahren 35 Cent kostet, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Wenn ich Dich richtig verstanden habe wäre deine Empfehlung für unser 50er Jahre Häuschen mit dem geringen Wärme und Strom-Verbrauch:


    Entweder

    a) nur eine Gastherme und sonst nichts, oder

    b) gleich eine BSZ - dann aber keine Viessmann, richtig? Was dann?


    Danke schon mal für deine Erläuterung für den "Energielaien".

  • Kasparow


    Genau das ist meine Empfehlung. Es geht ja immer um den konkreten Einzelfall, oder?


    Öl raus, am besten gestern und auf Gas umstellen, keine Scheininnovationen kaufen, sondern ne normale Gastherme für Heizung und WW.


    Sonst nix...


    Sicher könntest Du auch, oder Du könntest, oder Du solltest oder Du musst aber... und wie die Gesetzte in Baden Württemberg aussehen, weiß ich auch nicht, denn da sind wir nicht unterwegs.


    Wenn Du also nicht nur auf Gas umsteigen darfst, sondern auch noch was anderes machen musst, würde ich mir (falls das denn zulässig ist) PV aufs Dach nageln lassen.


    Solarthermie ist absoluter Blödsinn und ne BSZ lohnt sich bei Deinem Stromverbrauch auch nicht

  • Nun ja, je nach Umfang liegt Solvis auch bei 18-25 tsd€. Man kann Solvis auch schlecht mit den anderen Produzenten vergleichen. Solvis bieten eben ein gut abgestimmtes System mit versch. Vorteilen.

    ZB

    -die Brennkammer direkt im Puffer (keine zus. Pumpe, lange Brennerlaufzeiten)

    -hygienische TW Erwärmung

    -EIN Regler für alles

    Wenn du in BaWü eben regenerative Energie einbinden musst, ist das ein guter Weg. und er funktioniert.


    Wenn man allerdings den Preis im Vergleich zur BSZ sieht, bringt die Investition in die BSZ vermutlich "mehr", was aber ist mit dem geforderten regenerativen Anteil?