Brennstoffzellenheizung im Baudenkmal Bj. 1929

  • Sorry, ohne das Angebot zu sehen, kann man da wenig zu sagen. "Angebot" kann alles oder nichts bedeuten. Kannst ja um die persönlichen Daten und die Daten des anbieten Betriebes geschwärzt mal einstellen...

  • so hier mal das Angebot mit der Wirtschaftlichkeitsrechnung

    Jetzt mal bitte eure Meinung dazu


    LG Fridold

  • Moin,


    bevor ich mich mit diesem Angebot im Einzelnen auseinandersetze, hätte ich eine Frage. Im Eingangsbeitrag steht

    Jährlicher Stromverbrauch: ca. 3.500 kWh

    In dem Angebot ist jetzt aber von 7000 kWh Eigen-Stromverbrauch die Rede. Der Gesamt-Stromverbrauch wäre demnach noch höher. Was stimmt denn nun? Und wo sind die Zahlen in dem Angebot her?


    Ob eine BlueGen überhaupt Sinn macht, und ob die im Angebot gemachten Angaben und Annahmen sinnvoll oder hanebüchen sind (im Kapitel "Steuern" trifft überwiegend Letzteres zu, so viel vorweg), hängt sehr stark davon ab ob Ihr nun plant 3.500 kWh oder doch deutlich mehr als 7.000 kWh Stromverbrauch zu haben. Letzteres wäre selbst für eine 4-5köpfige Familie allerdings schon üppig, oder habt Ihr auch die Anschaffung eines Koi-Teichs o. dgl. vor?


    Gruß, Sailor

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

  • Wie viele Heizkörper gibt es denn? 5? 11? 133? Oder 8? Und der Nachweis Abgleich erfolgt wie?


    Ich würde versuchen, den auf diesen Festpreis zu nageln. Bin mal gespannt, was dann passiert.

  • Hmmm,

    Da sind schon ein paar Ungereihmheiten,

    Wenn ich das richtig sehe rechnet er mit einem wirkungsgrad von 100% bei elektrisch.

    Ausserdem kann der Bluegen die Stromspitzen von Backofen u Herd nicht abfangen, da muss ich auf alle Fälle Strom zukaufen. In seiner Aufstellung geht er von 0 zukauf auf.


    Nun oben drüber steht doch Festpreis??

  • OK, aber die Erstattung der Mwst würde ich mal nicht ansetzen. Die Steuerersparnis macht mich jedesmal noch irrer, als ich eh schon bin, wenn ich das sehen...


    Der Rest hat halt alles so seine Range.... Ein Abgasanschluss eines BlueGEN durch die Außenwand ist deutlichst billiger als durch den Schornstein, erst Recht, wenn dies zusammen mit dem vorhandenen Kessel installiert werden soll.


    Ich verstehe halt die Kalkulation nicht, aber Du hast Recht, da steht ja Festpreis. Insofern kann Dir nix passieren

  • Moin Fridold,

    und nein, der tatsächliche Strombedarf sind um die 7000kwh/Jahr

    Upps, da hatte ich noch das falsche Objekt im Kopf. Mit 7000 kWh Jahresverbrauch macht es zweifellos Sinn, über eine BlueGen nachzudenken.


    Aber was das Angebot betrifft: Ein paar Schwachstellen sind Dir ja selbst schon aufgefallen. Bei genauerem Hinsehen gewinnt man den Eindruck, das Angebot hat in dem Betrieb der jüngste Lehrling zusammengestellt und danach hat keiner mehr drauf geschaut. :rolleyes:


    Also der Reihe nach:

    Ausserdem kann der Bluegen die Stromspitzen von Backofen u Herd nicht abfangen, da muss ich auf alle Fälle Strom zukaufen. In seiner Aufstellung geht er von 0 zukauf auf.

    Stimmt. Die BlueGen produziert pro Tag ca. 36 kWh Strom. Der Verbrauch liegt bei 19,2 kWh/Tag, das Verhältnis E/V somit bei knapp 1,9. Bei einem normalen Haushalts-Verbrauchsprofil (also ohne Tesla und Koi-Teich) würde ich unter diesen Umständen eine Abdeckung von immerhin 90% erwarten, aber mehr als 6.300 kWh/a Eigenverbrauch sind m.E. nicht drin. Das scheint mir aber in den Angebotsrechnungen noch das geringste Problem zu sein.

    Wenn ich das richtig sehe rechnet er mit einem wirkungsgrad von 100% bei elektrisch.

    Also das hab' ich so nicht gefunden, aber unabhängig davon sind die Angaben auf Seite 5 zum Teil völlig unsinnig. ;-_


    Eine BlueGen läuft das ganze Jahr über 24/7 durch, kommt also auf 8.760 Betriebsstunden. In dieser Zeit erzeugt sie lt. technischen Daten mit 1,5 kW(el) nicht wie angegeben 8.760 kWh, sondern 13.140 kWh Strom, sowie (nicht wie angegeben 3.504, sondern) 5.256 kWh Wärme. Vielleicht ist es wegen einer kurzen Wartungspause etwas weniger, aber bei angenommenen 6.300 kWh Strom-Eigenverbrauch (s.o.) würde ich mit 6.800 kWh Strom-Einspeisung rechnen und nicht 1.760 kWh. Dafür liegt der Erdgasverbrauch der Brennstoffzelle auch nicht wie angegeben bei 17.520 kWh sondern (mit 2,5 kWh/Bh) bei ca. 21.900 kWh im Jahr.


    Zum Wirkungsgrad der bestehenden Gasheizung ist nichts bekannt, aber bei 100% (Hs) liegt er sicher nicht. Angenommen er liegt bei 95% Hs, dann wäre der Wärmebedarf 33.250 kWh. Wenn die BlueGen davon 5.250 kWh abdeckt, bleiben 28.000 kWh für die Gastherme. Mit den geschätzten 95% (Hs) Wirkungsgrad landet man dann bei einem Erdgasbedarf um 29.500 kWh für die Erdgasheizung.


    Noch zwei weitere Punkte in dem Angebot stimmen nicht zusammen:

    • Auf Seite 2 wird unter "Förderung" eine Einmalzahlung KWK-Zuschlag 3.600 EUR angesetzt. Das kann man machen (siehe jedoch unten), aber dann darf man nicht auf Seite 5 nochmals jährliche Einnahmen aus KWK-Zuschlag in Höhe von 421 EUR ansetzen.
    • Auf Seite 2 werden weiter unter "Förderung" EUR 963,60 Energiesteuer-Rückerstattung (verteilt über zehn Jahre) angegeben. Davon ab, dass die Zahl nicht stimmt (pro Jahr gibt es 21,9 MWh*5,5 €/MWh = 120,45 €) ist es natürlich völlig unzulässig, diese Förderung vom Investitionsbetrag abzuziehen, da man sie nun mal (anders als im Fall des KWK-Zuschlags) nicht vorab in einer Summe bekommen kann. Die Investition nach Förderung liegt also um den genannten Betrag höher.

    Damit müssten die Angaben in dem Kasten "Nach Installation der BZ" auf Seite 5 korrigiert wie folgt aussehen:


    Strombezug 700 kWh

    Erdgasbezug Therme 29.500 kWh

    Erdgasbezug Brennstoffzelle 21.900 kWh

    Stromkosten Bezugsstrom (angesetzt 28 ct/kWh brutto) 196 €

    Erdgaskosten Therme (angesetzt 5 ct/kWh brutto) 1.475 €

    Erdgaskosten Brennstoffzelle (angesetzt 5 ct/kWh brutto) 1.095 €

    Wartungskosten Brennstoffzelle 715 € plus 19% USt = 851 €

    abzüglich Erlös Stromeinspeisung (5 ct/kWh netto) 340 €

    abzüglich KWK-Zuschlag 0 (in Worten Null!) €

    abzüglich Energiesteuer-Erstattung 120 €.


    Achtung: Finanzierungskosten fehlen! Ich setze die mal mit Null an, weil ich die angebotene Finanzierung sowieso für unattraktiv halte. Die Kosten dafür sind mit 3,8% p.a. hoch, steuerlich nicht berücksichtigungsfähig (siehe unten) und führen bei der Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch zu Nachteilen. Wenn Ihr Euch das Eigenkapital für eine Brennstoffzelle nicht leisten könnt, solltet Ihr das Projekt m.E. besser bleiben lassen.


    Die (hier ebenfalls vergessene) Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch ist sehr kompliziert zu berechnen, aber unterm Strich ist der Einfluss wegen der Anrechnung von Vorsteuern marginal. Daher ist es m.E. zulässig, dieses Thema hier außen vor zu lassen.


    Als Summe ergeben sich so jedenfalls Kosten von 3.157 € im Jahr, nicht 2.566 € im Jahr.


    Die "Einkommensteuer-Einsparung" in Höhe von 592 € kannst Du vergessen. Man KANN (außer ggf. im Investitionsjahr) mit einer Brennstoffzelle keine Steuern sparen. Die "Einnahme-Überschuss-Rechnung" auf Seite 8 des Angebotes ist kompletter Unsinn, da sie zahlreiche falsche Angaben enthält und darüber hinaus die geltende Rechtslage zur steuerlichen Behandlung von BHKW's vollkommen außer Acht lässt. Aber selbst wenn sie stimmen würde, hätte dies lediglich zur Folge, dass das Finanzamt die Aktivität als Liebhaberei erkennt. Nachhaltige Verluste werden keinesfalls anerkannt, also gibt es auch keine Ersparnis von Einkommensteuer.


    Unterm Strich ist der Vorteil durch die Brennstoffzelle also nach den notwendigen Korrekturen mit ca. (3.710 ./. 3.157 =) 553 € anzusetzen. Dies muss bezogen werden auf eine Investition von ca. 14.900 EUR nach Förderung und Erstattung der Umsatzsteuer, womit die Amortisation jedenfalls länger geht als die Laufzeit des Vollwartungsvertrages.


    Wenn das mein Projekt wäre, würde ich auf die Pauschalzahlung der KWK-Zulage (3.600 €) verzichten und lieber die jährliche Auszahlung wählen. Dann gibt es pro Jahr zusätzlich (6.300*0,04 + 6.800*0,08 =) 796 €. In 6,85 Jahren (dann sind die 60.000 Bh Förderung vorbei) wären das 5.450 € statt 3.600 €. Aber weil nach knapp sieben Jahren damit Schluss ist, liegt die Amortisation auch dann noch über 20 Jahren.


    Rechnet man wie im Angebot mit 3% jährlicher Steigerung beim Strom- und Erdgaspreis, so sieht die Sache wahrscheinlich besser aus (ich hab's nicht nachgerechnet). Diese Art der Rechnung führt aber auch leicht dazu, dass man sich selbst in die Tasche lügt.


    Fazit: Bei den Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit strotzt das Angebot von Fehlern, und die Berechnung zur Steuer ist (wenn möglich) noch schlimmer. Das muss nicht unbedingt ein Hinweis auch auf mangelnde Zuverlässigkeit der anbietenden Firma bei der technischen Ausführung sein. Ob das Angebot als solches günstig oder ungünstig ist, kann Hans_Dampf zweifellos besser beurteilen als ich. Aber wenn das mein Projekt wäre, würde ich nach einer Firma suchen, die ihre Seriosität durch eine glaubwürdige Rechnung unter Beweis stellt – anstatt das Projekt durch Doppelanrechnungen und fragwürdige Aussagen zur Einkommensteuer schön zu rechnen und sich dabei durch grobe Fehler (z.B. Angaben zur Stromerzeugung) auch noch selbst in den Fuß zu schießen.


    Gruß, Sailor

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

    4 Mal editiert, zuletzt von sailor773 () aus folgendem Grund: Rechenfehler

  • Hallo Sailor,

    Vielen Dank für deine Einschätzung. Das mit den Steuern ist schon merkwürdig, wo lässt sich das nachlesen? Damit ich dem Installateur , er kommt am dienstag, seine Rechnung widerlegen kann?

    In der Tat habe ich keine Oelheizung, sondern eine Brennwerttherme mit Gasanschluss, diese ist keine 2 Jahre alt.

    Lg Fridold

  • sailor773


    Die Anlage ist wie im Angebot dargelegt mit Installation, Abgleich, Elektro für den Preis schlichtweg nicht zu bauen, jedenfalls dann nicht, wenn Leute die Anlage bauen, die den Job gelernt haben. Außerdem ist der Leistungsumfang nicht definiert, da steht immer "falls nötig, falls erforderlich" etc....


    Hier ist dann Theater vorprogrammiert. Und zur Wirtschaftlichkeitsberechnung kann ich nur sagen, dass sich, wenn man nur über Geld redet, eine BSZ so gut wie nie rechnet, wenn man ein EFH hat.


    Die Kaufmotive sind hier andere: Klimaschutz, Unabhängigkeit, Spaß an der Sache....


    Aber einem eine Rentabilität zu verkaufen, die nicht existent ist, und hierfür in die Trickkiste zu greifen ("Sie sparen auch noch Steuern") ist Unfug