BHKW oder Brennstoffzelle wirtschaftlich?

  • Verbrauchsdaten

    Jährlicher Stromverbrauch: 3300 kWh

    Jährlicher Brennstoffverbrauch: 29000 kWh


    Derzeitige Heizung

    Energieträger der Heizung: Gas

    Alter und Typ der der Heiztechnik: von 2005, Buderus S 125U 21 kW mit Brenner Gulliver BS1 911

    Ist bereits eine Solarthermie vorhanden: nein

    Vorhandener Heizungspufferspeicher und Größe: Ich denke das läuft über die Logalux?

    Art der Warmwasserbereitung und Vorratsvolumen: Über Buderustherme, Logalux L 200 L

    Gibt es ein besonderes Strom-/Wärmeverbrauchsverhalten: siehe unten

    Hydraulischer Abgleich durchgeführt: nein

    Temperaturen der Heizkreise: je nach Außentemperatur 50-75 °C Vorlauf

    Art der Heizkörper: normale Heizkörper, 2016 ausgetauscht


    Immobilie und Rahmendaten

    Beheizte Fläche, Anzahl Bewohner: 180 m², 4

    Art und Baujahr der Immobilie: EFH, 1936

    Erfolgte Modernisierungen: Dach gedämmt, Dreifachverglasung, sonst nichts

    Weitere geplante Modernisierungen: -

    Zweiter Abgasstrang für BHKW frei: ?

    Erdgasanschluss vorhanden oder möglich: ja

    Zusammenschluss von Nachbarhäusern möglich: evt. ja, Nachbar ist interessiert, aber Abrechung usw. sicher nicht ganz einfach


    Hallo zusammen, ich möchte mich über alternative Heizanlage informieren. Ich habe vor knapp 3 Jahren ein Haus gekauft und überlege die Heizung umzustellen, bzw. möchte mich informieren, damit ich wenn die derzeitige Heizungsanlage streikt nicht unvorbereitet bin.

    Die Infos stehen oben. Ich hatte schon immer mal an eine Solaranlage bzw. Solarthermie gedacht, nur habe ich Richtung Süden nur sehr wenig geeignete Fläche und das Dach meines Hauses ist wohl noch aus dem Baujahr und soweit gut in Schuss, da möchte ich ungern ran.

    Ich hatte mich vor einem Jahr mal grob mit BHKW, hatte das aber nicht weiter verfolgt. Mein Nachbar hat mich nun aber auf die Brennstoffzellen aufmerksam gemacht und ich habe mich ein bisschen durch die Foren gelesen. Theoretisch würde mein Nachbar wohl auch mitmachen, nur denke ich die Abrechnung usw. wird schwierig wenn mehrere Haushalte beteiligt sind.

    Zu den Verbrauchswerten: Ich schreibe regelmäßig meine Verbrauchswerte auf, deshalb kann ich ganz gut sagen wann ich wieviel verbrauche:

    Strom ~ 9 kWh pro Tag, dabei auch 4-4,5 kWh wenn ich nicht zu Hause bin.

    Gas: Jun-Sep ~ 1-1,5 m³ , Apr, Mai, Okt ~ 4-5 m³ und Nov-Mar ~ 13 m³ pro Tag

    Faktor für kWh ist laut meinem Gasversorger ~ 10,66

    Ich habe derzeit die Heizung in der Woche von 5-8 und 15-22 Uhr laufen. Wahrscheinlich könnte man die Vorlauftemperatur etwas niedriger ansetzen wenn man tagsüber durchgängig heizen würde (auch wenn da keiner da ist).


    Ich freue mich auf Eure Vorschläge. :)

  • Ehrlich gesagt fürchte ich, dass der Stromverbrauch mit 3.300 kWh für den wirtschaftlichen Betrieb selbst einer Vitovalor zu niedrig ist, erst recht für irgendein anderes BHKW, das derzeit am Markt ist. Der Zusammenschluss mit dem Nachbarn ist aufwändig (geht eigentlich nur, wenn es sich um ein Doppel- oder Reihenhaus handelt) und wird von unserem Gesetzgeber – in seinem unerforschlichen Ratschluss:evil: – zusätzlich dadurch behindert, dass auf den an den Nachbarn gelieferten Strom die volle EEG-Umlage abgeführt werden müsste. Also ich würde das zumindest so lange außer Betracht lassen bis sich hier die Bedingungen ändern.


    Die hohe Heizkreistemperatur ist übrigens auch für den Betrieb einer Brennwerttherme (die hier in jedem Fall mindestens zwei Drittel der Wärme erzeugen müsste) alles andere als optimal. Wenn die Heizkörper erst 2016 ausgetauscht wurden (dass bei dieser Gelegenheit kein hydraulischer Abgleich gemacht wurde, vermag ich fast nicht zu glauben!), hat man hier entweder eine Chance vertan oder es war halt architektonisch nicht möglich, leistungsfähigere Heizkörper einzubauen und so die Heizkreistemperatur signifikant abzusenken. Wie dem auch sei: Das Kind ist im Brunnen, und aus dem gleichen Grund käme auch eine Wärmepumpe als Heizungs-Alternative hier nicht in Frage.


    Bei den Überlegungen zu einer PV-Anlage solltest Du berücksichtigen, dass dafür auch Ost/West-Dächer durchaus geeignet sind - es braucht kein reines Süddach. Wichtiger wäre, dass möglichst keine Verschattung vorliegt. Dem Dach schadet eine PV überhaupt nicht, da werden nur einige Ziegel gegen ziegelförmige Trägerbleche ausgetauscht. Bei einer Solarthermie sollte die Dachneigung dagegen schon besser nach Süden (plusminus 45°) ausgerichtet sein, und der Eingriff in das Dach ist stärker, weil die Kollektoren (anders als PV-Module) vorzugsweise im Dach – also an Stelle der Dachziegel – verlegt werden. Dafür ist hier eine zeitweise bzw. Teil-Verschattung z.B. durch Dachgauben weniger problematisch.


    Davon ab würde ich in dem Fall tatsächlich dazu raten, die bisherige Heizung erstmal weiter zu betreiben und abzuwarten, ob Brennstoffzellen zukünftig preisgünstiger werden oder sich die gesetzlichen Bedingungen für Mieter- und Nachbarschaftsstrom fundamental ändern.


    Gruß, Sailor

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

    Einmal editiert, zuletzt von sailor773 () aus folgendem Grund: noch was eingefallen

  • Vielen Dank für die Infos. Wenn ich den überschüssigen Strom einspeise und die 8 cent kassiere lohnt sich das nicht so sehr wie wenn ich ihn selbst verbrauche, das ist klar.


    Die Heizkörper sind eigentlich recht groß dimensioniert, d.h. wahrscheinlich könnte man die Temperatur niedriger machen, ich werde es mal testen. Ich hatte das nur so eingestellt, weil 1. meine Frau es gern schnell warm hat und 2. die Heizungspumpe alt ist, 75 W verbraucht und so brummt, dass man es auch im EG noch hört. Ja ich weiß man könnte auch nur die Heizungspumpe erneuern ;)


    Ist denn so eine alte Gasheizung auch effizienter wenn sie mit niedriger Temperatur betrieben wird? Was ist die optimale Temperatur?

  • Ist denn so eine alte Gasheizung auch effizienter wenn sie mit niedriger Temperatur betrieben wird? Was ist die optimale Temperatur?

    Der Effekt ist unabhängig vom Alter besonders groß, wenn es sich um einen Brennwertkessel handelt. Für den Wirkungsgrad einer Brennwertheizung ist die Rücklauftemperatur des Heizkreises entscheidend. 30°C oder weniger wären ideal. Bei höheren Temperaturen geht der Wirkungsgrad zurück, bis der Brennwert-Effekt bei etwa 58°C nahezu vollkommen weg ist (d.h. es kondensiert kaum noch Wasser aus dem Abgas, daher wird keine Kondensationswärme mehr abgegeben). Das bedeutet im Vergleich zu 30°C RLT einen Wirkungsgradverlust von ca. 10%. Man sollte also bei einem Brennwertkessel versuchen, die RLT möglichst niedrig zu halten.


    Bei einem Nicht-Brennwertkessel ist die Rücklauftemperatur egal, da gehen nur bei niedrigeren Kesseltemperaturen die Abstrahlverluste zurück. Die sind allerdings für eine gegebene Temperatur bei einem älteren Kessel oft größer, wegen der schlechteren Isolierung.

    2. die Heizungspumpe alt ist, 75 W verbraucht ... Ja ich weiß man könnte auch nur die Heizungspumpe erneuern ;)

    Und worauf wartest Du noch? Wenn dieses alte Möhrchen 5000 Stunden im Jahr läuft, verbraucht es 375 kWh. Eine moderne Hochleistungspumpe von Wilo oder Grundfoss würde maximal 75 kWh im Jahr verbrauchen. Bei angenommen 28 ct/kWh Bezugsstrompreis kostet Dich dieser Spaß also 84 EUR/Jahr. Die neue Pumpe kostet mit Einbau vielleicht 300 EUR und wird auch noch gefördert, dann hast Du Dein Geld in drei Jahren zurück. Versuch' das mal mit einem BHKW...


    Übrigens würde genau so eine Pumpe auch zusammen mit einer Vitovalor eingebaut werden. Euer Stromverbrauch wäre dadurch von Haus aus noch mal 10% niedriger, mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des BHKW.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

    Einmal editiert, zuletzt von sailor773 ()

  • Was wäre dir denn ein kwk System an Invest wert?


    Eine Kwk Anlage wird natürlich in deinem Gebäude kaum den invest wieder ganz rein fahren, das macht dein heizkessel ja aber auch nicht.



    Ein kleineres BHKW kommt in deinem Objekt dennoch auf mindestens 4000h Laufzeit pro Jahr, damit lässt sich dann schon was anfangen.


    Und wenn man es sinnvoll umsetzt, brauchst in deinem Gebäude nichtmal einen zusätzlichen spitzenlastkessel.


    Ich hab ähnliche Gebäudedaten und fahre mit bhkw und habe zusätzlich noch als sicherheit einen Heizstab im Pufferspeicher. Falls doch mal Probleme auftreten sollten.


    Heizkörper fahre ich 50°C Vorlauf bei 0° Aussentemp. Da kommen mit 15K Spreizung ca. 35 °C am Rücklauf an. Mit Warmwassermodul komme ich dann auf um die 30°C Rücklauf zum BHKW. Damit funktioniert auch die Brennwertrückgewinnung...;)

  • Übrigens würde genau so eine Pumpe auch zusammen mit einer Vitovalor eingebaut werden. Euer Stromverbrauch wäre dadurch von Haus aus noch mal 10% niedriger, mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des BHKW.

    Ich zögere ja auch noch damit eine neue Pumpe zu kaufen, weil ich denke bei einer neuen Heizungsanlage wäre die ohnehin dabei.


    Ich habe nochmal grob gerechnet. Dadurch, dass ich recht viel Wärme benötige und die Zelle von Herbst bis Frühling durchlaufen könnte, käme ich auf etwa 7000 Betriebsstunden im Jahr. Grob gerechnet würde ich ~500-700 € pro Jahr sparen, was sich natürlich trotzdem nicht wirklich rechnet.


    Gibt es denn eigentlich neben der Vissmann und der Buderus Brennstoffzelle noch andere Alternativen?

  • Ich zögere ja auch noch damit eine neue Pumpe zu kaufen, weil ich denke bei einer neuen Heizungsanlage wäre die ohnehin dabei.

    Anlässlich der Installation einer neuen Heizungsanlage würde natürlich eine alte Pumpe gegen eine Hochleistungspumpe ausgewechselt. Aber wenn schon eine Hochleistungspumpe vorhanden ist, bleibt die eben drin. Wenn Du also nicht schon fest entschlossen bist, dieses Jahr sowieso einen neuen Heizkessel (oder eine Vitovalor oder was immer) anzuschaffen, solltest Du das Auswechseln der Pumpe vorziehen.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)