7. Stuttgarter KWK-Fachtagung 2017: Die Rolle der KWK im zukünftigen Strommarkt

  • Meine Nutzersignatur hat nichts mit der Veranstaltung zu tun. Die steht unter jedem Beitrag. Der "Joke" ist vielschichtig. Einerseits ist ein BHKW keine kerntechnische Anlage - oder sollte es nicht sein. Damals hat man aber in der Tat die Auskopplung von Wärme beim Bau der letzten AKW angedacht. KWK ist halt "flexibel". Andererseits muss man sich als BHKW-Betreiber mit abstrus vielen Paragraphen herumschlagen - ausgerechnet für einen Baufehler bei einem AKW gibt es einen speziellen Paragraphen - und dann noch für die bloße fehlerhafte Herstellung. Wäre für nicht-nukleare Anlagen vielleicht auch mal ein Weg die Qualität zu heben, wenn Konstruktions- und Baufehler direkt mit dem Strafrecht behandelt werden (Ironie!). Und man kann es einfach als Statement sehen: BHKW statt AKW. Schließlich habe ich die Signatur seit 2009 - damals gab es mehrere Kernergieausstiegsdebatten.


    Am Vortrag und Konzept der EWS kann ich jetzt wenig Kritikwürdiges finden. Dort wird versucht möglichst viel Abwärme aus Industrieprozessen zu nutzen und ein möglichst effizientes Netz zu betreiben. Die Frage ist dann, wie viel Spitzenlast man braucht bzw. auf welche Vollbenutzungsstunden eine Anlage kommt - und ob das Netz da den Anschluss her gibt. Gas-BHKW sind ja neben den Biomassekesseln auch im Netz. Natürlich ist Holzgas die Königsklasse - aber eben auch sehr wartungsintensiv, risikoreich und vielleicht daher schlecht im Masterplan unterzubringen. Wer weiß - müsste man den Netzbetreiber mal fragen. Für mich klingt der Plan der EWS danach, dass man Umweltverträglichkeit, Energiepreise mit einem gut diversifizierten Erzeugungspool durch mehrere Anlagen im Netz verteilt (dezentral) umsetzen wollte. Da noch eine große Holzvergasung zu bauen ergibt vielleicht wirtschaftlich und auch ökologisch keinen Sinn?! Wie gesagt: Müsste man mit dem Herren der EWS mal sprechen. Einfach nur zu sagen: Die hätten mehr KWK machen müssen und die (experimentelle) Holzgasanlage von XYZ ist aber noch toller, greift meiner Meinung nach etwas zu kurz.

  • Neuendorfer

    101% Zustimmung!


    Bislang hat mir noch keiner ein wie auch immer geartetes Holz- Pellet oder Hühnermist-BHKW gezeigt, was dauerhaft funktioniert hat und dessen Servicekosten auch nur halbwegs im Rahmen waren.


    Zweitens ist es Unfug zu denken, man könne mit Holz nennenswert Strom erzeugen, um den Umstieg von Atom/Kohle zu leisten. Wie soll das bitte quantitativ gehen?

  • Wir müssen alle umdenken wenn es keine AKW, KKW, keinen nennenswerten Wind, im Winter nur noch wenig Sonne gibt und Gas und ÖL und Diesel verboten sind.

    Vorsicht, Ironie!!

    Dann bauen wir uns eine Dampfmaschine, die wir mit Holz aus dem Wald beheizen, schließen über einen Lederriemen einen Generator an und haben dann Wärme und Strom. Zur Not gibt es auch noch Kerzen und einen Bollerofen, den wir ebenfalls mit Holz heizen. Ende der Ironie!!

  • Ich wollte Holzgas-BHKW keinesfalls als verteufelt darstellen. Das ist eine interessante Technik, die bei lokalem Holzangebot in einem Bioenergiedorf durchaus ihren Sinn haben kann, wenn man die Kosten für Bedienung, Wartung und Reparaturen realistisch ansetzt. Einen Wärmenetzbetreiber zu kritisieren, der auf Biomassekessel und bewährte Gas-BHKW zu setzt, weil er kein Holzgas-BHKW hat, fand ich nur nicht nachvollziehbar.


    Zu Holzgas hatten wir auch schonmal einen Vortrag aus Sicht eines Holzgas-BHKW-Herstellers:


  • Man kann das Thema wie immer aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Für Hans-Dampf steht im Vordergrund, was man bzw. was er heute verkaufen kann. Was mich betrifft, so sehe ich das aus einem anderen Blickwinkel.


    Wir wissen alle, dass in Winterzeiten große Lücken bei der Versorgung mit Regenerativen Energien bestehen und noch für lange Zeit bestehen werden. Nun kann man darauf spekulieren, dass die Lücken mit Gas geschlossen werden können, dazu müsste man aber auch die Gaskraftwerke bauen und nicht abschalten, wie das aktuell in Bayern angestrebt wird. Nebenbei ist das auch keine tolle Lösung. Von weiteren Abhängigkeiten bei der Versorgung ganz zu schweigen.


    Solange diese Lücken nicht geschlossen sind, werden wir in Deutschland Kohle für die Stromerzeugung verheizen, Ausstiegsbeschluss hin oder her. Natürlich kann Holz das nicht alles auffangen, aber im Gegensatz zu Biogas, das de Facto ganzjährig produziert werden muss, könnte eine Holzverstromung sich auf die kritischen Zeiten fokussieren.


    Das ist auch nicht auf Bioenergiedörfer oder lokale Angebote zu beschränken. In Bayern werden jährlich über 5Mio Festmeter Holz verheizt. Wenn ich mich jetzt nicht um die eine oder andere Null verrechne, dann sind das 10 TWh Heizleistung. Da könnte ein Holzvergaser 2TWh Strom generieren. (Ja, ich weiß, dass man nicht jeden Holzofen durch einen Holzvergaser ersetzen kann)


    Deshalb sind in meinen Augen die Holzvergaser eine zu Unrecht vernachlässigte Chance. Da hat die deutsche Politik einfach ein strategisches Loch (auch bei den Grünen).


    Gruß bluwi