Energievernichtungspolitik

  • Die einzige Energieart, die sich problemlos und praktisch verlustlos und dazu auch praktisch kostenlos verschieben lässt, ist die elektrische. Gleich, an welchem Ort, man kann sie unmittelbar nutzen und Überschüsse kontinentweit verteilen.


    Ausgerechnet diese Energieart ist aber mit den schärfsten Wegelagerergebühren und Monopolrechten belegt, die jeden Austausch außerhalb des kleinen eigenen Bereichs verhindert. Wie ich das sehe, so vollständig, dass Strom in großem Stile in Energievernichtungsanlagen, wir wissen alle, wovon ich spreche, vernichtet wird.


    Eine Regierung, die solche Politik betreibt und das Gegenteil, das Ersetzen konventioneller, umweltbelastender Energie durch alternative, umweltfreundliche verspricht, ist nicht wert, von uns akzeptiert und dann auch noch gewählt zu werden.


    Diese Mikrokraftwerkerei ist eine Sackgasse, so sehe ich die Auswirkungen der gegenwärtigen EEG- und KWK-Gesetzgebung. Es haben physikalische und technische Möglichkeiten genutzt zu werden und nicht die Gewinnmaximierung der Atom- und Kohlekraftwerksbetreiber erzwungen zu werden.


    Nein, ich habe beschlossen, da nicht mitzumachen und verzichte auf die Förderung einer Politik, die ich nicht will, auf Kosten der Stromkunden.
    Ich bin mir sicher, ich stehe nicht alleine mit meiner Ansicht und warte darauf, dass die BHKW-Technik frei von Monopolzwängen angewandt werden kann.
    Immerhin wurden erste Ansätze bei der nicht grundstückübergreifeneden Anbindung von Nachbarn gemacht...


    Ich denke weiter: Die kommunalen Stromnetze sollten allen Bürger für den freien Energieaustausch zur Verfügung stehen. Umweltauflagen sind dabei einzuhalten, die alternativ erzeugten Strommengen, dazu auch BHKW-Strom, haben genau wie heute selbstverbrauchter und erzeugter Strom behandelt zu werden.
    Das dezentrale Netz ist unser Ziel und hat eigenen Regularien unterworfen zu werden, die Energievernichtung vermeiden und Angebot und Nachfrage ausgleichen.


    Packen wir es an!


    Es soll Computersimulationsprogramme geben, mittels denen wir uns in elektrischer Netzwerktechnik einüben können. Ist hier jemand informiert, wo man solche Programme und Bücher dazu findet?


    Selbstverständlich werden die kommunalen Gemeinschaften weiterhin Kunden unserer großen Energieerzeuger bleiben, die aber die Netzhoheit im kommunalen Bereich verlieren.


    Noch werden beim Handel mit Netzen im Wesentlichen Monopolrechte verkauft. Dieses Raubrittertum hat aufzuhören und es dürfen nur noch reine Erstellungs- und Materialkosten in Ansatz gebracht werden können.

  • Die einzige Energieart, die sich problemlos und praktisch verlustlos und dazu auch praktisch kostenlos verschieben lässt, ist die elektrische. Gleich, an welchem Ort, man kann sie unmittelbar nutzen und Überschüsse kontinentweit verteilen.


    Energievernichtung gibt's nicht, ausser Du wiederlegst den Energieerhaltungssatz. Energie wird gewandelt und weder vernichtet noch gezeugt. Was Du vielleicht meinst, ist die Entropieerhöhungspolitik. Da die wenigsten Bundespolitiker Physiker sind, wissen die mit dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik wahrscheinlich wenig anzufangen.


    Praktisch verlustlos ist falsch, sonst würden in Norwegen und Russland unsere Gaskraftwerke stehen und wir würden nicht Erdgas per Hochdruckleitung importieren, sondern per HGÜ. Energietransport über große Distanzen macht man in der Regel per Öltanker, Gaspipeline oder Kohlefrachter, weil die Transportkosten bzw. der Energiebedarf auf diese Weise minimiert werden kann.


    Kostenlos verschieben klappt auch nicht, weil Leitungen Geld kosten. Vielleicht wird irgendwann mal der Funkstrom erfunden, aber dann kosten Sender und Empfänger auch etwas.


    Die kontinentweite Verschiebung an jeden Ort würde klappen, wenn man das Netz zur Kupferplatte ausbauen könnte. Bis dahin müssen wir uns mit Netzrestriktionen abfinden und Engpässe so gut es geht nutzen.


    Gruß,
    Gunnar

  • Du meinst also, wenn ich meinen Elektroofen auf die Straße stelle und dort auf vollen Touren heize, ist das keine Energievernichtung? Oder wenn ich einen Goldklumpen auf den Müll werfe, ist das keine Recourcenvernichtung? Zweifellos, der bleibt der Erde ja erhalten.
    Das beste, was man machen kann, ist demnach, alles Brennbare anzuzünden, denn dann bleibt uns ja die Energie für immer erhalten?
    Also, ich unterscheide schon, wo ich Sprache wie verwende, und dafür gibt es allgemeinverständliche Konventionen.
    Gut, "Stromvernichtung" in Nachtspeicheröfen und Heizstäben, die wird ebenso behandelt wie sinnvoll genutzter Strom. Das ist zwar Geldvernichtung, aber wen stört es , wenn ein geringerer Teil davon nur in unsere eigene Tasche wandert?
    Energie darf nicht verschwendet werden und da spreche ich sehr wohl von Vernichtungspolitik.
    Wir sind bei diesem Thema nicht in der Physikstunde.
    Wir sprechen hier selbstverständlich nur von dezentral erzeugten Strom und der hat es so nah zum Verbraucher, dass dabei praktisch keine Verluste auftreten.
    Von Verlusten spreche ich erst, wenn dieser Strom , der nicht in das verlustarme Nahnetz eingespeist werden darf und stattdessen in Batterien zwischengespeichert werden soll, die wir dann auch noch bezahlen sollen.
    Oder, wenn wir teuer erwirtschafteten Solarstrom über Tausende km lange Leitungen zur Aluminiumgewinnung missbrauchen, die die kWh tatsächlich nur mit 4 Cent bezahlen kann.


    Nein, nein, mir ist überhaupt nicht egal, was die Bundesregierung da treibt.

  • Du meinst also, wenn ich meinen Elektroofen auf die Straße stelle und dort auf vollen Touren heize, ist das keine Energievernichtung?


    Geeeenau.


    Das ist keine Energievernichtung, weil elektrische Energie in thermische Energie umgewandelt ist. Energievernichtung gibt's nicht. Soviel Sorgfalt bei der sprachlichen Ausdrucksweise darf schon sein, wenn Du nicht nur bei Geschwätz unter Dusche nach dem Fußballtraining erst genommen werden willst, sondern auch beim Stammtisch ein paar Stunden später, wo eventuell auch ein Diplomingenieur oder Naturwissenschaftler anwesend ist, dem die Grundlagen der Physik wie der 1. Hauptsatz der Thermodynamik nicht unbekannt ist.


    Zitat

    Wir sind bei diesem Thema nicht in der Physikstunde.


    Es würde bei manchen Überlegungen aber gut tun, die grundlegenden naturwissenschaftlichen Zusammenhänge - und dazu zählen auch physikalische Gesetze - nicht zu ignorieren. Das ist insbesondere bei energiewirtschaftlichen oder energiepolitischen Entscheidungen von belang. Leider ist der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, das Entropie-Gesetz, noch unbekannter als der erste Hauptsatz.


    Hier wird aber das beschrieben, was Du meinst: keine Entropie-, sondern Exergievernichtung.
    Soviel Mühle sollte man sich schon machen, den korrekten Begriff zu benutzen und dann zu erläutern, was Exergie ist: der (entropiearme) Anteil der Energie, mit dem man noch nützliche Arbeit verrichten kann.


    Ohne den Exergieinhalt der Energie läuft in unserer industriellen Wirtschaft nichts. Erst über die arbeitsverrichtende Eigenschaft der Energie werden Rohstoffe gefördert, zu Werkstoffen und Halbfertigprodukten umgewandelt, zu Investitions- und Konsumgütern gefertigt und u.a. quer über den Globus zum Endnutzer transportiert. Daher finde ich die Idee ganz passend, eine Wirtschaftsleistung nicht anhand des BIPs in Geld zu quantifizieren, sondern die umgesetzte Energie bzw. Exergie zu messen.
    Olaf Schilgen: Energy as the Numéraire of any Given Economy, 2013


    Gruß,
    Gunnar

  • Insofern hast Du ja recht, denn jeder hier versteht, wenn wir hier von Exergie sprechen. Bei Herrn Altmaier bin ich mir nicht so sicher, mit dem ich am liebsten ein Hühnchen rupfen würde.
    Ich fürchte, das Wort "Exergie" ist ebenso unverständlich für die meisten Bundesbürger wie "Entropie" und "Anergie", auch wenn der Tank in meinem Auto nicht weg ist, sondern nur "umgewandelt".
    Ja, wir sind hier schließlich eine Exergie in Anergie-Umwandlungs-Verhinderungsgesellschaft.

  • Zitat

    Nein, ich habe beschlossen, da nicht mitzumachen und verzichte auf die Förderung einer Politik, die ich nicht will, auf Kosten der Stromkunden.


    Aha... und was tust Du nun stattdessen?!

  • Es ist sicher enorm wichtig auf die Wortwahl aufzupassen und eben nicht von Energievernichtung zu reden. Verschleuderung von Energie trifft es besser.


    Aber zum Kernthema:
    Eine Option den Strom zu speichern ist Power to Gas. Man macht aus dem Strom zunächst Wasserstoff durch Elektrolyse, dann kann man mit CO2 aus einer Biogasanlage daraus synthetisches Erdgas erzeugen. Das lässt sich hervorragend speichern.
    Nun muss man die 5,3 Cent EEG Umlage aber für jede kWh bezahlen. Nimmt man 3 kWh Windenergie die ansonsten durch Abschalten der Windenergieanlage vermieden werden muss, so sind das 15,9 Cent. Nach dem P2G Prozess kann man aus dem Erdgas wieder mit einer Brennstoffzelle Strom machen. Man erhält 1 kWh, immerhin etwas, besser als weggeworfen. Diese kWh wurde aber vom Staat mit 15,9 Cent EEG Umlage besteuert. Pech gehabt. Die m.E. beste Idee um Stromüberschüsse zu speichern ist wegen der "Umweltfreundlichkeit" unserer Regierung zum Mißerfolg verdammt.


    Derzeit wird die HGÜ Leitung nach Norwegen gebaut. Eine kWh die von uns nach dort geschickt wird kann entsprechend viel Wasser in den Speicherseen lassen, bis der Strom gebraucht wird. (Norwegen hat nur ein Pumpspeicherkraftwerk) Die Norweger kaufen den Strom von uns und erzeugen ihn nicht selber. Ist in Deutschland Strommangel, beziehen wir einfach Strom aus Norwegen, die haben ja jetzt eine größere Menge Wasser in ihren Seen. Schön und gut. Der hingeschickte Strom kostet 5,3 Cent EEG Umlage, plus Vergütung PV oder Windenergie. In Norwegen kostet aber der Strom frei Haus für den Endkunden nur etwa 8 ct/kWh. Da klafft finanziell also ein Loch. Wir werden es trotzdem machen, denn der Umweltschutz ist uns jeden Preis wert.


    Das sind die Fußangeln des Konzeptes.

  • Was ich vorhabe?
    Malkwin, BHKW ohne Förderung, sprich, Inselanlage, die ich eigentlich nicht will. Stromverbrauch durch zusätzliche , geregelte Wärmepumpe. Doppelte Kosten, aber kein Schaden für die Gemeinschaft.


    Schwedenpeter,
    Das glaube ich nicht, dass Norwegen nicht genug Wasserkraft hat. Die gespeicherte Energie landet wieder bei uns. Mit Verlusten. Im Sommer sinnvoll, im Winter gibt es weit bessere Lösungen.


    Ja, Vergeudung trifft es besser. Andererseits, von der Exergie ist aber auch überhaupt nichts übrig, wenn wir mit Heizstäben heizen. dann ist der Nutzen, die Exergie, völlig vernichtet. "Vergeudung" ist mir da zu schwach.
    Ich halte Exergie auch für eine Energieart. Das allgemein gebräuchliche Wort heißt "Energie".
    "Ich habe keine Energie mehr" heißt ja auch nicht, dass die Energie physikalisch weg ist. Ich schwitze, bin außer Puste und die Umwelt ist energiereicher geworden.
    Wenn ich sage, ich habe elektrische Energie zum Heizen verwendet, dann habe ich zwar nur umgewandelt, aber der Verlust wird dabei nicht deutlich.
    "Ich habe die Entropie vermehrt" mag zwar physikalisch richtig sein, aber kein Schwanz versteht dann, was ich sagen will.
    Wenn der Tank leer ist, ist der Inhalt weg. Auch, wenn man nur das, was darin enthalten war, umgewandelt hat.
    Es gibt unterschiedliche Sprachbereiche, auch da sollte man unterscheiden. Ich weigere mich einfach, nicht mehr von Verlusten zu sprechen. Verlust heißt, es ist weg.


    Manche Leute lieben es, Sprachbereiche zu vermischen, wenn sie persönlichen Frust abreagieren wollen.


  • Nun muss man die 5,3 Cent EEG Umlage aber für jede kWh bezahlen. Nimmt man 3 kWh Windenergie die ansonsten durch Abschalten der Windenergieanlage vermieden werden muss, so sind das 15,9 Cent. Nach dem P2G Prozess kann man aus dem Erdgas wieder mit einer Brennstoffzelle Strom machen. Man erhält 1 kWh, immerhin etwas, besser als weggeworfen. Diese kWh wurde aber vom Staat mit 15,9 Cent EEG Umlage besteuert. Pech gehabt. Die m.E. beste Idee um Stromüberschüsse zu speichern ist wegen der "Umweltfreundlichkeit" unserer Regierung zum Mißerfolg verdammt.


    Die EEG-Umlage ist keine Steuer, sondern eine Abgabe die nicht der Staat einsammelt, sondern der Stromhändler beim Endkunden. Die schiebt er dann auf das sogenannte EEG-Konto, das von den ÜNBs geführt wird. Power to Gas hat übrigends in der Kette von der Stromvergasung über die Gasspeicherung zurück zur Gasverstromung einen bescheidenen Wirkungsgrad von ~40%. Das ist aber nicht das Problem, wenn man etwas saisonal speichern möchte. Das Problem sind die Anlagenkosten für die Anfangsinvestition: Du stellst Dir keine chemische Fabrik hin, wenn du nur 300 h im Jahr Betrieb machen kannst, weil nur dann der Strom im Überschuss vorhanden ist.


    [Speicherkabel nach NO] Der hingeschickte Strom kostet 5,3 Cent EEG Umlage, plus Vergütung PV oder Windenergie. In Norwegen kostet aber der Strom frei Haus für den Endkunden nur etwa 8 ct/kWh. Da klafft finanziell also ein Loch. Wir werden es trotzdem machen, denn der Umweltschutz ist uns jeden Preis wert.


    Nein, die EEG-Umlage wird fällig, wenn ein deutscher Letzverbraucher von einem Stromhändler elektrische Energie bezieht.
    Keine EEG-Umlage wird fällig, wenn Strom ins Ausland verkauft wird, oder wenn ein Nicht-Letztverbraucher Wirkstrom verbrät. Das kann zum Beispiel ein Netzbetreiber sein, der Strom zur Deckung der Netzverluste braucht, oder ein Energieversorgungsunternehmen, das einen E-Heizer betreibt. Es ist kein Letztverbraucher, sondern es wandelt Strom in eine andere Energieform und verkauft Wärme. Der Wärmeverkauf ist EEG-umlagefrei. Auch könnte ein EVU Strom in Gas wandeln und als Nicht-Letztverbraucher Gas an Letztverbraucher verkaufen.


    Prinzipiell muss man sich schon fragen (auch wenn das der KWK-Branche weh tun würde) warum die Energiewende nur durch eine Umlage auf den Strom refinanziert wird. Warum gibt's nicht einen großen Fonds (EEG-Konto), in dem mit einem geringeren Satz (30%-50% der Stromumlage) auch das Erdgas belastet wird. Nationaler Stromverbrauch ist ca 500 TWh, nationaler Gasverbrauch ca 1000 TWh.


    Gruß,
    Gunnar

  • http://www.zsw-bw.de/infoporta…im-megawatt-massstab.html


    die hier.
    Ich werde gleich nochmal eine konkrete Anfrage stellen.


    In dem Moment wo du Strom entnimmst um daraus egal was machst, bist du EEG Umlage pflichtig.
    Die Grünen wollten dies sogar fütr selbst genutzten BHKW Strom fordern. Hab deshalb dort mal fest aufm Tisch gekloppt, seitdem ist damit Ruhe.

  • Zitat

    Prinzipiell muss man sich schon fragen (auch wenn das der KWK-Branche weh tun würde) warum die Energiewende nur durch eine Umlage auf den Strom refinanziert wird. Warum gibt's nicht einen großen Fonds (EEG-Konto), in dem mit einem geringeren Satz (30%-50% der Stromumlage) auch das Erdgas belastet wird. Nationaler Stromverbrauch ist ca 500 TWh, nationaler Gasverbrauch ca 1000 TWh.


    nee nee nee,
    wenn schon, dann vielleicht Verdopplung der Energiesteuer auf Erdgas (meinetwegen für EE-Projekte)
    unter beibehaltung der Energiesteuerbefreiung für hocheffiziente Anlagen, z.B. KWK und wenige(!) Industriekunden


  • Die Grünen wollten dies sogar für selbst genutzten BHKW Strom fordern. Hab deshalb dort mal fest aufm Tisch gekloppt, seitdem ist damit Ruhe.


    Genau! Entweder man beteiligt sich an der Energiewende über die EEG-Umlage. Dann werden irgendwo in der Republik damit Einspeiseanlagen finanziert. Oder man stetzt die Energiewende vor und hinter der eigenen Haustür um. Dann investiert man in kapitalintensive Anlagentechnik. Es ist doch im Sinne des Erfinders, dass der Anreiz zur Umsetzung der Energiewende im Kleinen bestehen bleibt. Und dies ist halt zum großen Teil die Vermeidung von externen Abgaben für den eigenerzeugten und selbstverbrauchten Strom.


    Gruß,
    Gunnar