Jahresdauerlinie aus Gasverbrauch (kW)

  • Hallo,


    ich bin momentan bei der Recherche zu meiner Bachelorarbeit. Dabei werde ich den Einsatz von BHKW in der Industrie analysieren.


    Mir liegen stündliche Gasververbrauchswerte in kW vor.Ich habe bis dato gedacht, ich könnte zur Erstellung der Jahresdauerlinie einfach die mir vorliegenden Daten (kW) benutzen (Sortiert, x-Achse: 0-8760h).


    Jedoch habe ich auch gelesen, dass die Außentemperatur, Anteil an Prozesswärme (vorhanden bei Industrie) und Warmwasserbereitung eine entscheidende Rolle spielen (Wärmebedarf, durchschnit. Wärmeleistungsbedarf etc).


    Quelle: http://www.hamburg.de/contentb…ta/bhkwcheck-handbuch.pdf [abgerufen am 13.02.2013]


    Frage: Kann ich die Außentemperatur, etc. außer Acht lassen (weil die schon in der Gasverbräuchen mit eingeflossen sind)? Werden die Verbräuche von kW erst in kWh (Hu), danach in Ho (Faktor: 1,1) umgerechnet und mit dem Kesselwirkungsgrad multipliziert, um den Nutzwärmebedarf zu erhalten?


    Ich bin bisschen verwirrt, da verschiedene Aussagen in der Literatur (Internet) getroffen werden.


    Ich würde mich sehr freuen, wenn ich ein bisschen Aufklärung erhalte.


    Vielen Dank im Voraus!


    Gruß

  • Guten Abend,


    vielen Dank für deine Antwort.
    Und die Einheit kW kann ich so belassen?
    In vielen Graphen und/oder sehe ich immer die Einheit: kWh.


    Die Umrechnung von Brennwert (Hu) in Heizwert (Ho) erfolgt auch nicht mehr?


    Vielen Dank im Voraus.


    Gruß

  • Wie Du geschrieben hast, liegen deine stündlichen Gasverbrauchswerte in kW vor.
    Das müssten demnach kW-Werte für den Brennwert sein, da in der Gaswirtschaft ausschließlich mit Brennwerten gearbeitet wird.


    Um dieses in die jeweilige Wärmeleistung umzurechnen, musst du diese Leistungswerte durch 1,11 (Verhältnis Brennwert zu Heizwert) teilen und mit dem Nutzungsgrad des Kessels multiplizieren. Ggf. liegt auch eine genaue Umrechnung Brennwert zu Heizwert in der Erdgasrechnung vor, da sich dieser je nach eingesetztem Erdgasqualität ein wenig unterscheidet.
    Bei einem Kesselnutzungsgrad von 90% wird demnach aus 1 kW Erdgasleistung --> 0,81 kW Wärmebedarf


    Natürlich ist nicht jedes Jahr in Bezug auf die Witterung sowie in der Industrie in Bezug auf die Produktion gleich. Daher sollte man idealer Weise schon eine Lastgangmessung über mehrere Jahre haben.

  • Hallo nun habe ich angefangen die Jahresdauerlinien zu erstellen.
    Jetzt habe ich aber andere Fragen, an denen ich verzweifele, ich hoffe ihr könnt mir bisschen weiter helfen.


    Es gibt bei BHKW 3 verschiedene Parameter: Volllaststunden, Vollbenutzungsstunden und Betriebsstunden (inkl. Teillast).
    Nehmen wir an ich habe ein Modul ausgewählt, was ca. 500 kW thermisch Leistung hast. Ich lege das Rechteck genau bei y: 500 kW und ziehe diesen Rechteck bis zum Schneidepunkt mit der Jahresdauerlinie. Dann lese ich die Volllastunden ab.


    Was mache ich mit den anderen Parametern?: Vollbenutzungsstunden = 75% der thermischen Leistung BHKW?, Betriebsstunden = 50 %?


    Wenn ich dann die bereitgestellte Wärmemenge in kWh rechnen will, muss ich nur die Volllaststunden nehmen?


    also zb: 500kW * 6000 h = 3000 MWh?


    Vielen Dank im Voraus!


    Schönen Abend.

  • Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und versuche zu antworten, ohne Gewähr ;)


    Volllaststunde = Vollbenutzungsstunde = Stunden die das BHKW mit Nennleistung läuft, in deinem Bsp. 500kW


    Betriebsstunden ist die "Gesamtheit der Laufzeit", bei modulierenden BHKW Volllast+Teillast, bei NICHT modulierenden BHKW sind die Betriebsstunden = den Vollebnutzungsstunden = Volllaststunden.


    Und ja, an der y-Achse die kW suchen und finden, nach rechts bis zum Schnittpunkt mit gJDL, nach unten loten, Laufzeit ablesen. Laufzeit * Leistung = erzeugte Energie (Strom oder Wärme).


    tschau

  • Hallo,
    Volllaststunden = Anzahl der Stunden in denen das BHKW bei Nennlast läuft
    Vollbenutzungsstunden= Erzeugte Jahresenergie geteilt durch Nennleistung
    Betriebsstunden= Gesamtlaufzeit
    LG
    Klärer55

  • Super Vielen Dank! ;)


    Eine weitere Frage:
    Wenn ich den Wärmeverbrauch in kWh mit dem bestehenden Kessel errechnen will, muss ich doch nur die Heizwerte (Hu) aufsummieren (Gasrechnung kW, stündliche Werte)?
    Wenn ich dann weiß, wie viele Volllaststunden das BHKW mit definierter thermischer Leistung läuft, rechne ich: thermische Leistung BHKW [kW] * Volllaststunden [h] = kWh


    Diese 2 Werte kann ich dann vergleichen, und schauen, wie viel durch das BHKW substituiert werden, oder?


    Danke nochmals!!

  • Guten Abend,


    mittlerweile bin ich mit meiner Arbeit weiter. Vielen Dank für Eure Hilfe nochmal.
    Jedoch habe ich ein Problem bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung eines Biogas BHKW's.
    Ich habe für ein Erdgas BHKW eine Wirtschaftlichkeitsanalyse aufgestellt und auch eine relativ kurze Amortisationsdauer erhalten. Nun möchte das mit einem typenähnlichen Biogas BHKW auch errechnen. Die technischen Daten des BHKW liegen mir vor und sind sehr ähnlich zum Erdgas BHKW.
    Ich habe auch die Menge des Biogases schon bestimmt. Meine Frage ist, was genau ändert sich bei der Rechnung. Muss ich die Brennstoffkosten einfach streichen?


    Hat jemand ein paar Tipps für mich parat?


    Danke vielmals im Voraus


    gruß

  • Moin,

    Muss ich die Brennstoffkosten einfach streichen?

    schön wärs, leider ist es anders. Kosten pro kWh Biomethan 8-10Cent, Einnahmen pro kWh elt. laut EEG2012 um die 20Cent ( abhängig von Gaserzeuger und Degression ).
    Biogas BHKW laufen in der Regel in Volleinspeisung, die limitierende Größe ist also nur der Wärmebedarf.


    mfg

  • Guten Morgen,


    danke erstmal für deine Antwort.
    Ähnliche Angabe habe ich auch auf http://www.biogasportal.info/daten-und-fakten/faustzahlen/ gefunden (7,8-8,4 ct/kWh).
    Meine Frage nun: Kann ich auch diese "Brennstoffkosten" auf die Investitionskosten verschieben.
    Das heißt: ich gehe von einer höheren Investition, aber von keinen "Brennstoffkosten" aus.
    Das Biogas wird wie erwähnt aus Abfällen (Molkeprodukte, Backwaren, Fette) der Produktion hergestellt.
    Der Brennstoff würden ja praktisch nichts kosten, da diese eh anfallen, und man sogar Abfallkosten dadurch spart.
    Als EEG-Förderung sind 16 ct/kWh ausgewählt ("Vergütung für Vergärung von Bioabfällen").
    Die Investitionssumme 330 kW(el) Biogas-BHKW = 700.000, Biogasanalge = 1,4 Mio. €, Gesamtinvest. (mit Planung, Einbindung etc) = ca. 2,3 Mio. €
    Wenn ich so eine Investitionssumme annehme, kann ich doch dann die "Brennstoffkosten" auf "0 ct/kWh" setzen, oder?
    Mit dieser Investitionsrechnung komme ich auf ca. 3,8 a Amortisationszeit. Mit einem Erdgas-BHKW wären es ca. 2,8 a. Anscheinend lohnt sich ein Biogas-BHKW nur in den seltenen Fällen.


    Vielen Dank im Voraus
    Gruß