Neufassung ENEV und EnEG

  • Hallo miteinander,


    wie einige sichelrich mitbekommen haben,
    oll die ENEV neugefasst werden.


    ...Die ENEV2012, die urspünglich längst kommen sollte
    nun eher 2013 kommen könnte
    und im Gesetzgebungsverfahren immer weiter verwässert wurde.



    Ein aus meiner Sicht extrem ärgerlicher Punkt,
    dass auch die Primärenergiefaktoren "aktualisiert werden"
    Sicherlich ist eine regelmäßige Anpassung sinnvoll, dann doch aber bitte auf wissenschaftlicher Grundlagen.


    Aber weit gefehlt
    Hier sollen die Primärenergiefaktoren für Strom ziemlich WILLKÜRLICH deutlich abgesenkt werden.
    Anbei mal eine Stellungnahme der Bundesingenierkammer
    (Seite 9 unten ist dazu spannend)
    BIngK_Stellungnahme EnEV.pdf


    Da muss dringend eingeschritten werden.
    Ich bitte Euch entsprechende Gremien/Interessengruppen dafür zu aktiveren.

  • Es wird wohl eher eine EnEV 2014 werden...


    Die Kritik am neuen Primärenergiefaktor für Strom kann ich nicht ganz nachvollziehen -
    angesichts von jetzt bereits 25% EE-Strom im Netz weiss ich nicht, wie man einen PE von 2,8 begründen sollte...


    Aber über einen höheren Verdrängungsmix sollte man nachdenken - denn EE-Strom wird durch KWK-Strom sicherlich nicht verdrängt...

  • Naja,


    es ist aber auch eine zwei-komma-Null vorgesehen
    und ab 2016 schon eine 1,8.


    Natürlich sinkt bei steigenden EE und KWK-Anteil der Faktor, jedoch geht auch Kernkraft(glücklicherweise) zurück
    Die CO2-Last ist aktuell nicht wirklich auf dem Sinkflug
    und da erscheitn mir kurzfristig eine 2,0 selbst im Bezugsmix doch etwas zu optimistisch.


    Verdrängungmix muss mindestens bleiben, m.E. sollte
    -Ich hab ja schon erwähnt, dass es neue Erkenntnisse Dank des FFE gibt-
    der Faktor sogar erhöht werden.

  • Zitat

    Die Kritik am neuen Primärenergiefaktor für Strom kann ich nicht ganz nachvollziehen -
    angesichts von jetzt bereits 25% EE-Strom im Netz weiss ich nicht, wie man einen PE von 2,8 begründen sollte...


    Aber über einen höheren Verdrängungsmix sollte man nachdenken - denn EE-Strom wird durch KWK-Strom sicherlich nicht verdrängt...


    Den aktuellen EnEV-Entwurf von Mitte Oktober findet man hier [1].


    Schon vor einigen Jahren hat die Forschungsstelle für Energiewirtschaft ein differenziertes Verfahren entwickelt, welches das "Was wäre wenn"-Prinzip ansetzt. Was wäre wenn eine zusätzliche Kilowattstunde erzeugt werden würde? Anhand des überwiegend wärmegetriebenen Einspeiseprofils von KWK-Anlagen konnte nachgewiesen werden, dass überwiegend Mittellastkraftwerke (Steinkohle) verdrängt werden [2]. Aufgrund des Einspeisevorrangs im EEG und den geringen variablen Erzeugungskosten von Windparks und PV-Anlagen muss nicht damit gerechnet werden, dass die KWK erneuerbare Stromerzeuger verdrängt. Der Verdrängungmix wird sich in den kommenden Jahren somit trotz EEG-Erzeugung kaum ändern, sondern das hängt im wesentlichen von der Struktur des konventionellen Kraftwerksparks ab, das die Mittellast erzeugt (KWK-Strom mit einigen tausend Vbh/a ist Mittellast). Daher kann man davon ausgehen, dass sich der PE-Faktor nicht groß von den 2,8-2,9 wegbewegen wird, die die FfE in [3], Tab. 3+4 gemessen hat.


    Gleichermaßen kann man das "Was wäre wenn"-Prinzip auf stromverbrauchende Heizungen, also Nachtspeicheröfen und die effizienteren Wärmepumpen anwenden. Das Verbrauchsprofil ist ebenso wie das Einspeiseprofil der KWK wärmegeführt, d.h. außentemperaturabhängig. Der Strom für Elektroheizungen wird somit dem KWK-Verdrängungsmix ähneln. Kein Windpark wird generell angedrosselt betrieben, um das Zuschalten weiterer Verbraucher kompensieren zu können. Der Strom für zusätzliche Elektroheizungen wird aus disponiblen Kraftwerken kommen, die man bedarfsgerecht hochfahren kann. Eine verursachergerechte Zuordnung von Heizstrom sollte also auf einen ähnlichen PE-Faktor wie KWK-Strom kommen.


    Angesichts der Diskussionen um Kapazitätsmechanismen im Strommarkt drängt sich mir der Eindruck auf, dass wir eher zusätzliche Erzeugungskapazitäten benötigen als zusätzliche Stromverbraucher. Im vergangenen Februar wurde eine kritische Lastsituation herbeigeführt, weil der Stromverbrauch nicht nur bei uns, sondern insbesondere bei unseren französischen Nachbarn in der Kälteperiode überproportional wuchs.


    Gruß,
    Gunnar



    [1] N.N.: Verordnung zur Änderung der Energieeinsparverordnung, Entwurf vom 15. Oktober 2012. http://www.bmvbs.de/cae/servle…rgieeinsparverordnung.pdf


    [2] Serafin von Roon, Michael Beer: Rückwirkungen der KWK-Erzeugung auf den Kraftwerkspark, EuroHeat & Power, Nr. 5, 2008. http://www.ffe.de/download/Ver…/2008_EHP5_vRoon_Beer.pdf


    [3] Philipp Pfeifroth, Michael Beer: Primärenergetische Bewertung von Fernwärme aus KWK, Endbericht der Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V., München, 2009.
    http://www.ffe.de/download/lan…-Bewertung_FW_aus_KWK.pdf

  • Zitat

    Gleichermaßen kann man das "Was wäre wenn"-Prinzip auf stromverbrauchende Heizungen, also Nachtspeicheröfen und die effizienteren Wärmepumpen anwenden. Das Verbrauchsprofil ist ebenso wie das Einspeiseprofil der KWK wärmegeführt, d.h. außentemperaturabhängig. Der Strom für Elektroheizungen wird somit dem KWK-Verdrängungsmix ähneln. Kein Windpark wird generell angedrosselt betrieben, um das Zuschalten weiterer Verbraucher kompensieren zu können. Der Strom für zusätzliche Elektroheizungen wird aus disponiblen Kraftwerken kommen, die man bedarfsgerecht hochfahren kann. Eine verursachergerechte Zuordnung von Heizstrom sollte also auf einen ähnlichen PE-Faktor wie KWK-Strom kommen.


    Sehr gut Gunnar
    auch ich habe erst gestern die Sinnhaftigkeit eines Bezugsstrommixes an anderer Stelle in Frage gestellt

    Zitat

    ...oder anders ausgedrückt: Jede kwh die in einer Heizung landet kommt aus einem konventionellen Erzeuger,
    da der grüne Anteil alternativ nicht weggeregelt würde, sondern anderswo im Netz Verwendung fände.


    und Danke,
    dass Du so schön die Quellen zu den Studien benannt hast.

  • und die Kritik kommt auch von einer anderen Stelle
    https://www.geea.info/fileadmi…nEV_Referentenentwurf.pdf

    Zitat

    5. Primärenergiefaktoren Strom (Anlage 1 Nummer 2)
    - Methodik, Grundlagen und Hintergründe der Anpassung des Primärenergiefaktors für elektrischen Strom von bisher 2,6 auf 2,0 (und ab dem Jahr 2016 auf 1,8 ) sind nach dem jetzigen Kenntnisstand fachlich nicht nachvollziehbar, da entsprechende Studien nicht vorliegen.
    - Eine solche Änderung hat jedoch weitreichendere Auswirkungen. So werden etwa stromgetriebenen Heizungen und Warmwasserbereitungssystemen beim Neubau von Wohn- und Nichtwohngebäuden zukünftig besser gestellt. Dies kann dann zukünftig insgesamt zu einem höheren Stromverbrauch füh-
    Positionspapier geea EnEV 2012 Seite 6 von 9
    ren. In der Konsequenz könnte die angenommene Verbesserung des Primärenergiefaktors erst später als erwartet eintreten. Es ist zudem unersichtlich, warum nicht auch bei anderen Energieträgern zu-künftige erneuerbare Anteile mit berücksichtigt werden.
    - Aus diesen Gründen lehnt die geea zum jetzigen Zeitpunkt die Anpassung des Primärenergiefaktors für Strom ab und empfiehlt stattdessen eine fachlich fundierte und methodisch einheitliche Überprü-fung aller Primärenergiefakt