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  • Selbst Deutschland ist eine viel zu kleine Zelle für diese Art von Energiemanagement, das kann nur gesamteuropäisch wirksam gelöst werden.

    Selbst gesamteuropäisch funktioniert das nicht wirklich perfekt, einfach weil die Wetterphänomene, um die wir bei Wind- und Sonnenenergie reden, zu großräumig sind. Von der Sonne ist stets der halbe Globus betroffen, d.h. man bräuchte Austauschleitungen mit Australien. Und auch bei einem Tiefdruckgebiet, das üblicherweise für hohe Winderträge verantwortlich ist, hat man Dimensionen, die halb Kontinentaleuropa umfassen. Damit kann man vielleicht Polen mit Portugal kompensieren, aber wenn in Nordfrankreich eine gute Brise weht, dann meist in Norddeutschland auch.


    Angesichts der Tatsache, dass heute im Durchschnitt die übliche Transportentfernung bei grob 100 km liegt (Quelle-Senken-Distanz), ist es illusorisch zu erwarten, dass man mit Sonne von der Iberischen Halbinsel, Italien und Griechenland ganz Skandinavien versorgen kann. Das heisst nicht, dass man das Transportnetz nicht erweitern sollte, aber man darf sich davon keine Wunder erwarten. Insbesonders bedeutet eine Ausweitung der Transportentfernung auf das Doppelte bei gleichbleibender Menge eine Verdopplung der Netzkapazität und damit auch der Kosten.


    Gruß,

    Gunnar

    Ist die Wärme kraftgekoppelt, wird die Energie gedoppelt. (Ulli Brosziewski)

  • Heute sagte bei einer Podiumsdiskussion Frau Nestle, dass es bei einem Windüberschuss in S-H wenig Sinn mache, in Bayern Elektroheizer hochzufahren, und bei viel Sonne in Bayern die Elektroautos in Norddeutschland zu laden. Man muss also stets die lokale bzw. regionale Komponente beachten. Und Smart Grid ist ein gewaltiges IT-Monster.


    Gruß,

    Gunnar

    netzentlaster.de

    soll ja auch "nur" eine Orientierung bieten.


    Richtigerweise -und das ist auch das Ziel meines Einsatzes-

    sollte durch eine geänderte NetzEntgeltVerordnung die Netzentgelte nicht mehr stur nach Jahresnutzungsstunden und Höchstlast ermittelt werden,

    sonder Lastvariabel mit Ziel der Nivellierung.


    Diese gelten dann -so wie heute auch- nachtürlich immer für das konkrete regionale Verteilnetz.

    Damit werden die regionalen unterschiede schon berücksichtigt und sogar eine Allokationswirkung im Zubau erzielt.


    und zum IT-Monster,


    so Pi x Daumen vor 15 Jarhen war ich ab und an bei der CDU BT-Fraktion geladen,

    dort u.a. einen der Hauptverantwortlichen der Telekom fürs Modellprojekt Bodenseeregion (war recht groß aufgestellt) gesprochen.


    Der schüttelte damals schon den Kopf.


    Eigentlich war ihm zu Lachen zu Mute,

    andererseits tottraurig, mit was für Bedenken die Netzbetreiber und big4 dort aufkamen.

    Absolut lächerlich.

    Als Mobilfunkbetreiber ist man wesentlich, ganz ganz wesentlich üppigere Daten gewohnt.


    Das wäre echt kein Ding.

    Unglaublich, dass man dies heutzutage immernoch als Vorwand anführt.


    Müsst ja nicht gleich smartgrid sein.

    Gebt den Leuten variable Tarife und 1/4h Leistungsmessung ist seit jahrzehnten Standard.

    Zumindest bei den RLM-Kunden, könnt man SOFORT und ohne jeglichen Aufwand starten.


    Hier würde Stromampel wie Netzentlaster (vom jeweiligen Netzbetreiber 1-2mal täglich zu aktualisieren) völlig ausreichen.

    ...aber wahrscheinlich ist das schon vollkommen undenkbar,

    eine dynamsiche (gilt wohl als solche, wenn 2mal am Tag aktualisiert) website, ist natürlich nicht zu leisten.

  • Hier würde Stromampel wie Netzentlaster (vom jeweiligen Netzbetreiber 1-2mal täglich zu aktualisieren) völlig ausreichen.

    ...aber wahrscheinlich ist das schon vollkommen undenkbar,

    eine dynamsiche (gilt wohl als solche, wenn 2mal am Tag aktualisiert) website, ist natürlich nicht zu leisten.

    Im Prinzip stimme ich Dir zu, bei der Ausführung aber nicht. Wenn variable Tarife eine breite Wirkung entfalten sollen, so müsste nicht nur der Anreiz höher sein als aktuell (was man durch variable Netzgebühren ohne Weiteres erreichen könnte), sondern auch das Verfahren entweder vereinfacht oder automatisiert werden. Dein "Netzentlaster" ist super, verlangt aber, dass man – bevor man beispielsweise Waschmaschine oder Geschirrspüler einschaltet – jedes Mal vorher den Rechner oder das Smartphone anwirft, die Seite heraussucht und draufschaut. Das werden die meisten schlicht und einfach nicht tun.


    Das Verfahren zu vereinfachen würde bedeuten, dass man wie bisher feste Zeiten für HT und NT vorgibt (schon einen "gelben" Mitteltarif wie im "Netzentlaster" hielte ich für zu kompliziert), nur dass die Zeiten besser an die tatsächlichen Gegebenheiten angepasst wären als jetzt. Das aktuelle System mit NT-Tarif werktags 22:00-06:00, Samstags ab 13:00h und Sonntags ganztägig stammt aus den 1980er Jahren und bildet die aktuelle Netzwirklichkeit nicht mehr ab. Aber man könnte beispielsweise von März bis Oktober eine zusätzliche NT-Zeit von 10:00h bis 16:00h einführen, um den in dieser Zeit fast immer hohen Anteil von PV-Strom abzubilden. Im Gegenzug wäre es wahrscheinlich sinnvoll, ganzjährig die nächtliche NT-Zeit auf 23:00h-05:00h zu verkürzen und auch Samstags und Sonntags von 17:00h-23:00h eine HT-Zeit einzuführen. Das könnte sich jeder merken und ohne Website und Elektronik sein Verbrauchsverhalten – soweit es geht – darauf einstellen. Der Nachteil eines solchen sehr einfachen Verfahrens ist, dass unregelmäßige Ereignisse wie z.B. ein hohes Stromangebot während eines Sturmtiefs (oder eine Dunkelflaute im Oktober) davon nicht abgebildet werden können.


    Technisch besser wäre das Ganze zu automatisieren, aber das geht nur mit "Smart"-Geräten bzw. "smarten" Stromanschlüssen und genug Leuten, die sich darauf einlassen. Dann könnten bestimmte Geräte oder Stromanschlüsse je nach Einstellung – egal zu welcher Tages- und Nachtzeit – freigegeben werden, wenn günstiger Strom vorhanden ist. Der Nachteil dieses Verfahrens ist, dass es sehr starke Anpassungen im Tagesablauf verlangt, zu denen die meisten nicht bereit sein werden. Natürlich könnte man morgens die Waschmaschine beladen und danach zur Arbeit gehen (oder abends beladen und dann ins Bett gehen), und acht Stunden später ist die Wäsche fertig. Aber schon wenn die Wäsche anschließend von Hand in den Trockner geladen werden soll, muss man entweder den Prozess auf zwei Niedertarifzeiten verteilen (schlag' das mal Deiner Frau vor) oder halt doch wieder dann waschen bzw. trocknen wenn es passt, egal ob es dann teuer ist oder nicht. Natürlich könnte man das dadurch etwas erleichtern, dass die fraglichen Zeiten wie im "Netzentlaster" 12 Stunden vorher auf einer Website des VNB bekanntgegeben werden. Aber die meisten Menschen, die ich kenne, sind nicht bereit oder z.B. aus beruflichen Gründen auch gar nicht in der Lage, jeden Tag aufs neue ihren hauswirtschaftlichen Tagesablauf entsprechend den Stromtarifen zu planen.


    Fazit ist, dass ich mir von der Einführung variabler Tarife keine Wunder verspreche. Natürlich sollte man es trotzdem machen und auch die Anreize erhöhen, aber der Effekt in der Praxis dürfte gering bleiben. Am ehesten könnte sich das noch beim Laden von E-Autos auswirken, weil man a) den Ladevorgang dort sehr einfach automatisieren kann und es b) mittelfristig um wirklich relevante Strommengen geht.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 9,2 qm (brto.) Vakuumröhren (Vorgänger 14 qm Flachkollektoren 2004-2021, davor 8 qm 1979-2003)

  • Nun ja,


    ich denke, dass in heutigen digitalen Zeiten es sehr einfach und schnell gehen würde.


    Ne App aufs Handy,

    wo man es gleich sieht...

    vielleicht ein Vernetzen via Router auf den die Geräte drauf schauen

    oder was es immer noch so für Spielereien gibt.


    Wenn es Tarife gibt,

    dass werden sich auch sehr schnell technologische Lösungen präsentieren.


    aber sei's drum,

    erstmal brauchen wir entsprechende Tarife.

    Im Grunde haben wir die zum Teil auch schon, aber Lastganggemessenen Kunden ist gar nicht bewusst,

    dass die individuelle Preiskalkulation ihres konkreten Angebotes schon auf das Lastverhalten der Vergangenheit schaut.


    Wir brauchne hier einfach Transparenz

  • Es ist klar, dass die Telekomiker sich nur kopfschüttelnd über die Energiewirtschaft äußern. Zum einen sind da die Unterschiede in der Anlagenlebensdauer, was auch Auswirkungen auf die Kompatibilitätsanfordernen hat. Kraftwerke laufen rund 40+ Jahre, dezentrale Anlagen 20+ Jahre. Netze halten ca. 80 Jahre für Freileitungen und Kabel, und 40 Jahre in der Primärtechnik bei den Umspannwerken (stromfließende Bauteile wie Trafos) sowie ~20 in der Sekundärtechnik (Mess- + Regelungstechnik). Das bedeutet dass das Zeug, das ich heute installiere, mit 20-40 Jahre altem Equipment harmonisieren muss und auch in 20-40 a mit der dann aktuellen Hardware zusammenarbeiten muss.


    Italien hat ja bekanntlich als einer der ersten Länder mit dem Smart Meter Rollout begonnen. Die wievielte Generation von elektronischen Zählern ist heute schon in Betrieb gegangen?


    Zum anderen gibt es unterschiedliche Erwartungen bzgl. der Verfügbarkeit. 15 min Stromausfall im Durchschnitt bedeutet 8759,75 h / 8760 h = 99,997% . In dem Zusammenhang will ich gerne aus einem Kommentar zitieren, den ein BSI-Mitarbeiter 2011 zur Normungsroadmap Netzintegration Elektromobilität abgegeben hat. An der grundlegenden Aussage hat sich imho nicht viel geändert.


    Zitat von STD_1911.5_2011-0009
    Soweit Elektromobilität in einem Umfang etabliert werden soll, das sie lokal (im einzelnen Strang und im "Ortsnetz") bis hin zum Gesamtnetz für die Netzstabilität von Bedeutung ist, sollten damit verbundene Aspekte bzgl. der Netzstabilität und Versorgungssicherheit ggf. deutlicher herausgehoben werden. Von der Energieversorgung wird bzgl. ihrer Kernfunktionen allgemein wird im hohen Maße Robustheit und Resilienz gefordert, insbesondere wird für die Stromversorgung faktisch eine derart hohe Verfügbarkeit erwartet, wie sie im klassischen IKT-Umfeld nicht wirtschaftliche garantiert werden kann. Wichtig wäre m.E.n. dann insbesondere auch die Feststellung, dass Elektromobilität nicht zum Risiko für die Versorgungssicherheit werden darf. Dies bedeutet ggf. aber auch, dass Elektromobilität selbst in (allgemeinen oder IKT-)Krisenlagen die Energieversorgung nicht gefährden darf.

    Somit sollten die Zusatzinformationen aus dem Smart Grid stets "nice to have" sein, aber nicht unverzichtbar für den Betrieb eines zukünftigen elektrischen Energiesystems. Die grundlegenden Funktionen (Spannung muss anliegen an der Steckdose, auch wenn man das dahinterliegende System nicht zu 100% optimiert und ausgereizt hat) müssen auch verfügbar sein selbst wenn die IT streikt oder kompomitiert wurde. Daher - so der Kommentar - sollte primär auf gute Netzanschlussbedingungen geachtet werden, welche ein netzdienliches Verhalten auch ohne digitale Datenkommunikation auf Basis physikalischer Grundlagen ermöglicht. Ich verweise hierzu auf das simple Design eines Thermostatventils und den darauf aufbauenden Regelkreis.


    Zitat von STD_1911.5_2011-0009
    Ein möglicher konkreter Beitrag dazu, potentielle Gefährdungen der Elektromobilität und Gefährdungen der Elektrizitätsversorgung allgemein durch Elektromobilität auf ein handhabbar(eres) Maß zu begrenzen, könnten Überlegungen sein, für Elektromobilität geeignete Netzanschlussbedingungen zu formulieren. [..] Wenn jede elektrische Komponente, die an der Elektromobilität teilnimmt, aus übergeordneten Systemen stammende Steuerbefehle nicht blind ausführt, sondern deren "elektrische Durchführbarkeit" anhand lokal messbare Größen (insbesondere Kerngrößen wie Spannung, Frequenz, Phase) validiert, und Befehle nur ausführt, wenn dies nicht in Richtung der Überschreitung tolerabler Grenzwerte führt, wäre zum Beispiel die potentielle Schadwirkung von Schwarmeffekten, die ggf. durch Angriffe auf Preisanreizsysteme ausgelöst werden können, noch beherrschbar (vgl. dazu ggf. auch Positionspapier Abschnitt 2.4, insbesondere im hinteren Teil). Im Besten Fall könnte so sogar eine dezentrale Unterstützung eines Netzwiederaufbaus / Schwarzstart der Elektrizitätsversorgung denkbar sein. Wäre es ggf. sinnvoll, die Rolle geeigneter Anschlussbedingungen im überarbeiten Positionspapier deutlicher hervorzuheben?

    Diese Anmerkungen haben bei mir mit zur Überzeugung beigetragen, dass ein robustes und resilientes Energieversorgungssystem sich vor allem auf lokale Regelkreise stützen sollten und dass übergeordnete Funktionen nur der Optimierung und der besseren Auslastung dienen, aber nicht unverzichtbar sein dürfen für die Grundfunktionalitäten. Das wäre so ähnlich, als wenn die Großhirnrinde zuständig für die Atembewegung wäre: bei einem Ohnmachtsanfall würden wir innerhalb kürzester Zeit ersticken.


    Gruß,

    Gunnar


    Dein "Netzentlaster" ist super, verlangt aber, dass man – bevor man beispielsweise Waschmaschine oder Geschirrspüler einschaltet – jedes Mal vorher den Rechner oder das Smartphone anwirft, die Seite heraussucht und draufschaut. Das werden die meisten schlicht und einfach nicht tun. [..]

    Technisch besser wäre das Ganze zu automatisieren, aber das geht nur mit "Smart"-Geräten bzw. "smarten" Stromanschlüssen und genug Leuten, die sich darauf einlassen. Dann könnten bestimmte Geräte oder Stromanschlüsse je nach Einstellung – egal zu welcher Tages- und Nachtzeit – freigegeben werden, wenn günstiger Strom vorhanden ist.

    Bei meinen Eltern funktioniert das so, dass die einen Blick aus dem Fenster werfen: Bei sonnigem Wetter werden Großgeräte wie Wasch- oder Spülmaschine angeschmissen, ansonsten wartet man noch einen halben Tag. Ich glaube nicht, dass man manuell im Internet egal ob mit Smartphone App oder sonst einer User-Interaktion man großes Nutzerinteresse generieren wird. Kann sich noch jemand daran erinnern, wie nach der Liberalisierung des Telekommunikiationsmarktes die Listen mit Billigvorwahlen Konjunktur hatten. Das gibt es ja nach wie vor noch, aber benutzt die noch jemand wirklich?


    Zum Thema der einfachen Automatisierung verweise ich auf das Ohmsche Gesetz: der Spannungsabfall entlang einer Leitung hängt von dem Widerstandsbelag und der Stromstärke zusammen. "Herzstück von FLAIR sind weitestgehend autonom arbeitende Steuerboxen in Privathaushalten. Sie können dort angeschlossene steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Ladeboxen oder Wärmepumpen ansteuern. Indikator dabei ist vor allem die Spannung vor Ort im Niederspannungsnetz. Die Spannung steigt an, wenn Strom aus dezentralen Erzeugungsanlagen, in der Regel Photovoltaikanlagen, in entsprechenden Leitungsabschnitt des Ortsnetzes eingespeist wird." (FLAIR-Projekt der Lechwerke) Das funktioniert auch weiter mit fluktuierenden Erzeugungsanlagen in der Mittelspannung über den Ortsnetztrafo und auch bzgl. der HS-Ebene, indem man am HS/MS-Leistungstrafo mit dem Laststufenschalter die Spannungshöhe leicht nach oben und unten verstellt (der sog. Dimmer-Ansatz, mit dem man schon vor Jahren einen ganzen Kronleuchter von spannungsabhängigen Verbrauchern über die Modulation der effektiven Versorgungsspannung fernsteuern konnte).


    "Wann werden E-Autos endlich so intelligent wie Glühbirnen?" fragte Tomi Engel.


    Gruß,

    Gunnar

    Ist die Wärme kraftgekoppelt, wird die Energie gedoppelt. (Ulli Brosziewski)

    2 Mal editiert, zuletzt von gunnar.kaestle () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von gunnar.kaestle mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Bei meinen Eltern funktioniert das so, dass die einen Blick aus dem Fenster werfen: Bei sonnigem Wetter werden Großgeräte wie Wasch- oder Spülmaschine angeschmissen, ansonsten wartet man noch einen halben Tag. Ich glaube nicht, dass man manuell im Internet egal ob mit Smartphone App oder sonst einer User-Interaktion man großes Nutzerinteresse generieren wird

    Schaue ich mir die Verbrauchszahlen/Netzlasten an,

    gucken wohl nicht genug Leute aus dem Fenster.


    Und das Nutzerinteresse könnte mit einem Preissignal durchaus gesteigert werden.


    übrigens -hab ich nicht geprüft-

    hab ich gehört, dass in Spanien die Stromampel die meist-genutzte (geladene?) App zwischenzeitlich war.

    Interesse scheint wohl durchaus zu generieren sein.

  • Immer nicht. Wenn es darum geht Verhaltensweisen zu ändern (z.B. zu anderen Zeiten die Wasch- oder Spülmaschine einzuschalten als das bequem wäre), dann muss die Belohnung wenigstens halbwegs attraktiv sein. Beispiel:


    Im Jahr 2004 war im Doppeltarif unseres Grundversorgers der Arbeitspreis im Niedertarif (NT) 9 ct/kWh brutto, im Hochtarif (HT) 19 ct/kWh. Damals konnte man mit einem HT/NT-Tarif durch das Verlagern von Verbrauch in die NT-Zeit (z.B. Waschmaschine) 58% des Arbeitspreises sparen. Dafür zahlte man eine etwas höhere Grundgebühr, aber trotzdem war das richtig attraktiv.


    Mitte 2021, also vor dem aktuellen Preischaos, verlangte unser Grundversorger 31,8 ct/kWh für HT und 25,8 ct/kWh für NT. Der Preisvorteil für in die NT-Zeit verlagerten Verbrauch war mit 6 ct/kWh sogar absolut um 4 ct/kWh niedriger als 2004 und machte relativ nur noch 19% des HT-Tarifs aus.


    Ein aktuell bei uns verfügbarer HT/NT Tarif (man findet übrigens am Markt kaum noch welche) hat einen Arbeitspreis von 38 ct/kWh für HT und 34,3 ct/kWh für NT. Die Differenz ist also absolut nochmals geringer geworden und macht relativ nicht mal mehr 10% aus. Damit lockst Du keinen Hund mehr hinterm Ofen hervor. Hinzu kommt, dass das HT Preisniveau bei allen mir bekannten Anbietern deutlich über dem Niveau von Eintarifstrom liegt, so dass man mittlerweile mehr als drei Viertel seines Stromverbrauchs in die NT-Zeiten legen müsste bevor man überhaupt anfängt mit so einem Tarif Geld zu sparen.


    Und bislang habe ich noch nirgends einen Zweitarif-Anbieter gefunden, der von dem starren und völlig obsoleten "Nachts billig, tagsüber teuer"-Schema abweicht. Gleichzeitig liegen selbst an der Strombörse die tageszeitlichen Schwankungen zwischen den Morgen- und Abendspitzen und den dazwischen liegenden Mittags- und Nacht-Tälern mittlerweile fast jeden Tag in der Größenordnung von 8-10 ct/kWh.


    Ich kann daraus nur schließen, dass es heutzutage (anders als anscheinend vor 20-40 Jahren) seitens der Stromversorger absolut kein Interesse mehr gibt, Kunden über zeitvariable Tarife zu netzdienlicherem Verbrauchsverhalten zu bringen. Woran das liegt weiß ich nicht: Die Stromanbieter machen das sicher nicht um uns zu ärgern, sondern aus handfesten betriebswirtschaftlichen Gründen – und das trotz der mittlerweile gewaltigen Unterschiede zwischen "HT" und "NT" an der Strombörse. So lang es sich offenbar für die Anbieter nicht mal lohnt, diese ziemlich regelmäßigen Schwankungen an die Kunden weiterzugeben, brauchen wir uns – glaube ich – über zusätzliche Preissignale wie variable Netzgebühren wenig Gedanken zu machen.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

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    Einmal editiert, zuletzt von sailor773 ()

  • Ich kann daraus nur schließen, dass es heutzutage (anders als anscheinend vor 20-40 Jahren) seitens der Stromversorger absolut kein Interesse mehr gibt,

    Seither gab es auch massive Verschiebungen. Billige Nachttarife kamen mit der Kernkraft. Da konnte man "Nachtspeicheröfen" billig aufladen. Dem gegenüber haben wir heute PV, die Nachts garnichts beiträgt.

    Lesen gefährdet die Dummheit! Denken gefährdet Vorurteile!
    Der geistige Horizont mancher Menschen hat einen Radius von NULL. Das nennen sie dann Standpunkt.

  • Dass es massive Verschiebungen gab ist richtig. Aber wenn man sich die Diagramme von Agora oder ISE ansieht, so zeigt sich, dass sich am Verbrauchsprofil kaum was geändert hat. Die massive Verschiebung betrifft nur die Erzeugungsseite. Und hier habe ich den Eindruck, dass der Wegfall der Kernkraft nicht auch zu einem Wegfall der "Nachtsenke" geführt hat: Die ist (wohl wegen des Braunkohlestroms, aber auch wegen neu hinzugekommener völlig unelastischer "Grundlast"-Produktion aus Biomasse) immer noch da, aber durch die PV ist – außerhalb der Wintermonate – zusätzlich eine "Tagsenke" hinzu gekommen, die es z.B. in 2010 noch kaum gegeben hat.


    Schaut man sich auch die Börsenpreise an, so sieht man, dass die absolute Preisdifferenz in EUR/MWh zwischen Senke und Spitze sich seit 2010 gerade in der Nacht (trotz Wegfall von 10 GW KKW-Leistung) mindestens verdoppelt hat. Dementsprechend sollte sich eigentlich auch der Anreiz verdoppelt haben, den Kunden in dieser Zeit günstige Preise anzubieten. Stattdessen haben die Stromanbieter den Anreiz in ct/kWh halbiert, und die meisten bieten überhaupt keine Doppeltarife mehr an. Das kann nicht an der Kernkraft liegen, und der Verbrauch in "Nachtspeichern" sollte in den letzten zehn Jahren eher gesunken als gestiegen sein.


    Ich kann mir dieses mangelnde Interesse der Stromanbieter nur so erklären, dass es für sie lukrativer ist den Mittags- und Nachtstrom günstig einzukaufen und zu hohen Einheitspreisen zu verkaufen als durch zeitabhängige Tarife einen Ausgleich zu schaffen.

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  • 1. gibt es mittlerweile erste Anbieter, die auch Spot-Tarife für Private Haushalte anbieten


    2. ist die genannte Lastverschiebung der letzten Jahre durchaus sichtbar...in der Erzeugung.

    aber früher gab es auch Stromversorger ala Stadtwerk, die Handel und Netz in einer Hand hatten.

    Heute unbundling, und Netz von Stromhandel getrennt (oftmals aber noch deutlich verstrickt)


    Das eine

    ist der Strom und hier reicht(e!) die Differenz von wenigen ct. nicht für echte Verhaltensänderung.


    Das andere

    sind die Netzentgelte und die werden noch immer wie vor 50Jahren nach Höchstlast und Jahresnutzungsdauer berechnet.

    Das ging früher mehr recht als schlecht mit den recht starren Last/Erzeuger verläufen, aber heutzutage wäre hier deutliches Potential.


    Drum ja

    der Ansatz die Netzentgelte zu flexibilisieren.

    Damit bekäme man -zusätzlich zum Strompreis- noch einen Preishub bei den Netzentgelten.

    Dann wirds eher attraktiv und vor allem vollkommen aufkommensneutral.