Wirtschaflichkeit, BHKW im Mehrfamilienhaus

  • Hallo,


    ich habe etwas Schwierigkeiten, die Wirtschaftlichkeit eines BHKW für ein 5WE-MfH zu bestimmen.
    Geplant ist ein ecopower, meine Probleme sind aber eher allgemein. Die jetzige Heizungsanlage (Gas mit WW, Heizlast ca. 27kW) soll in nächster Zeit ersetzt werden. Entweder durch eine Gas-Brennwert-Therme oder durch BHKW mit Spitzenlasttherme. Das BHKW scheint mir ungefähr € 20000 netto mehr zu kosten. Weiterhin habe ich jährliche Mehr-Wartungskosten von € 550 angenommen und nach 5 Jahren einen neuen Motor von € 3500 angesetzt (alles netto). Dann bin ich bei 10-jähriger Betrachtung bei jährlichen Mehrkosten von € 2900, die das BHKW durch den Stromverbrauch decken müsste. Ich habe weiterhin angenommen, dass die Wärmekosten von BHKW und Brennwerttherme vergleichbar sind.
    Meine Rechnungen ergaben Mehrkosten für Gas von 4,86 ct/kWhel, einen "Gewinn" von (6,3+5,11-4,86) ct/KWh bei Verkauf an den Netzbetreiber und einen "Gewinn" von (14,03+5,11-4,86) ct/KWh bei Verkauf an die Mieter des Hauses.
    Wenn das soweit richtig ist, müsste ich über 44000 kWh an den Netzbetreiber oder über 20000 kWh an die Mieter verkaufen. Das erscheint mir beides völlig unrealistisch. Nicht betrachtet ist dabei noch das Risiko weiterer Reparaturen, der Verwaltungsaufwand und evtl. uneinsichtige Mieter. Dazu wird in den nächsten Jahren die Heizlast eher sinken, da noch ein paar Sanierungen anstehen.
    Könnte mir jemand helfen, was an den Annahmen falsch ist oder ob die Wirtschaftlichkeit einfach nicht zu erreichen ist?


    Gruß


    Guido

  • Schon mal gut zu hören, dass es etwas mit Modulation sein soll. Das bringt einen großen Vorteil bei der Wirtschaftlichkeit.
    Ich hab im Anhang das Berechnungstool für den Ecopower. Schau dir dort mal das genauer an und spiel ein wenig mit den Werten und stell deine Erkenntnisse doch hier zu weiteren Diskussion.

  • Hallo,


    das Tool kenne ich. Leider ist das Ergebnis stark von der Gebäudeart abhängig und nicht getrennt nach Ersparnis bei der Wärmeversorgung und der Vergütung für die Stromverkäufe. Ich brauche für mich etwas nachvollziehbares bei einer Investition in der Größenordnung. Wenn ich die Anlage einbauen lasse und erst nach dem ersten Jahr weiß, dass ich von der Wirtschaftlichkeit weit entfernt bin, habe ich ein Problem.


    Gruß
    Guido

  • Ich brauche für mich etwas nachvollziehbares


    Schick mir mal die letzten Jahresabrechnungen für Strom und Gas. Dann mach ich dir eine Wirtschaftlichkeitsberechnung so wie ich diese seit 12 Jahre mache. Kostet Dir erst mal nix. 8o
    Email an eh-perdok@t-online.de genügt.

    Rechnen hilft. Bleistift, Stück Papier und ein Taschenrechner und man wird sich über einige Ergebnisse wundern. ?(
    http://perdok.info/
    Oscar Perdok GmbH
    Gildeweg 14, 46562 Voerde
    Beratung, Planung und Installation von: KWK-Anlagen, PV-Anlagen, Stromspeicher mit Notstromfunktion, Eigene Herstellung von Ladestationen für E-Mobile, Energie-Effizienz incl. Kosten/Nutzen-Betrachtung, Ladestation für E-Mobile (kostenlos)

  • Hallo GuidoS,


    bei einem Parallel-Thread bin ich mehr oder weniger zu dem gleichen Ergebnis gekommen, dass man das bei Mini-MFH die Nano/Micro-BHKWs vergessen kann. Es kommt einfach kein Plus für irgendjemand heraus. Wie sich die Dinger auch noch in 1-2Familienhäusern, für die sie ja beworben werden, rechen sollen ist mir ein Rätsel.
    Die Technik ist einfach viel zu teuer, das Betreiberrisiko ganz erheblich. Würde man ein paar Milliarden mal von der Photovoltaikförderung abzweigen und hier mal einen Markt anschieben, vielleicht hätten wir nach Halbierung der Systempreise eine Aussicht auf Entwicklung.


    Gruß co2senke

  • Für eine Berechnung des BHKW werden der Jahresverbrauch des Gebäudes an Gas kWh und Strom kWh benötigt.
    Die Wirtschaftlichkeit bei Eigenverbrauch und Verkauf an Mieter der erzeugten kWh elektischer Energie ergibt sich aus der Bedarfsmenge und der Verkaufsmenge in das Stromnetz. Förderung der erzeugten el. kWh 5,11 Cent wird vom Netzbetreiber gezahlt. Stromliefervertrag an Mieter Preis leicht unter dem Versorgungspreis des örtlichen Anbieters. Verkaufspreis in das Stromnetz verniedenes Netzentgeld des Netzbetreibers + EEX Preis der Leipziger Strombörse. Der Wärmepreis der gelieferten Wärme wird nach der Heizkostenverortnug berchnet.

  • Wie sich die Dinger auch noch in 1-2Familienhäusern, für die sie ja beworben werden, rechen sollen ist mir ein Rätsel.


    Wenn man einen Tunnelblick hat, ist das nicht verwunderlich. Bitte die Sache nicht persönlich nehmen, aber ich sehe hier nur, dass man sich auf das Detail "BHKW" stürzt und das Wesentliche vergist. :whistling:
    Es gibt eine Energieeinsparverordnung (EnEV), die dazu dienen soll den Energieverbrauch zu senken. Man kann sich über vielles in der EnEV aufregen und für falsch oder nicht ganz richtig halten. Die Basis, den Energieverbrauch zu reduzieren, halte ich für den richtigen Ansatz. jeder Euro, der die EU verlässt um Öl zu kaufen, ist falsch ausgegeben. ;(
    Egal, man muss die EnEV so nehmen wie sie ist. D.h. ein gewisser Anteil der Energieversorgung eines Hauses soll aus einer regenerative Quelle stammen. Damit ist eine Heizungsanlage nicht mehr für wenige tausend Euro zu errichten. Als Ersatz für eine regenerative Quelle kann man ein BHKW einbauen. Das ergibt oft sogar eine höhere CO2-Einsparung als durch die regenerative Erzeugung. Wesentlich teurer wird das BHKW auch nicht und dann sieht die Rechnung ganz anders aus. Man muss die Invest- und Betriebskosten der verschiedene Systeme miteinander vergleichen. In den meisten Fällen geht dann die Rechnung zu gunsten des BHKWs aus. *lesen*

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  • Wenn man einen Tunnelblick hat, ist das nicht verwunderlich. Bitte die Sache nicht persönlich nehmen, aber ich sehe hier nur, dass man sich auf das Detail "BHKW" stürzt und das Wesentliche vergist. :whistling: ...
    Wesentlich teurer wird das BHKW auch nicht und dann sieht die Rechnung ganz anders aus. Man muss die Invest- und Betriebskosten der verschiedene Systeme miteinander vergleichen. In den meisten Fällen geht dann die Rechnung zu gunsten des BHKWs aus. *lesen*

    Umwelt EnEV, alles schön und gut, aber ich muss es meinen Mietern verkaufen und dafür gerade stehen wenn es schiefgeht. Wenn sich in (m)einem 7 Haushalte MFH ein BHKW nicht rechnet dann mach ich es auch nicht.
    Einfacher und rentabler ist es eine Photovoltaikanlage aufs Dach zu schnallen und die Mieter Deutschlands über die Stromrechnung zu beteiligen. Das nennt sich ökologisch und ist sehr ökonomisch, bloß haben die Mieter außer den gigantischen Kosten nichts davon.


    Gruß co2senke.

  • Umwelt EnEV, alles schön und gut, aber ich muss es meinen Mietern verkaufen


    Den Mietern muss man erst mal gar nix verkaufen. Man muss bei mehr als 2 WE die EnEV erfüllen. Ob das alles sinnvoll ist, sei mal dahin gesellt. Der BGH hat kürzlich entschieden, bei Maßnahmen gem. EnEV kommt es nicht auf die Wirtschaftlichkeit an sondern die EnEV ist zu erfüllen und die Mieter haben die Kosten zu tragen. "Basta" :rtfm:;(


    Empfehlung: Die EnEV downloaden und lesen *lesen*

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  • Den Mietern muss man erst mal gar nix verkaufen. Man muss bei mehr als 2 WE die EnEV erfüllen. Ob das alles sinnvoll ist, sei mal dahin gesellt. Der BGH hat kürzlich entschieden, bei Maßnahmen gem. EnEV kommt es nicht auf die Wirtschaftlichkeit an sondern die EnEV ist zu erfüllen und die Mieter haben die Kosten zu tragen. "Basta" :rtfm: ;(


    Empfehlung: Die EnEV downloaden und lesen *lesen*


    Na gut. Dann erfüllen wir die EnEV und lassen die Wirtschaftlichkeit über Bord gehen. Bloß wenn nicht mal ich einen Vorteil aus dem ganzen habe, dann lass ich es 2 mal bleiben und mach lieber Photovoltaik.


    Gruß co2senke

  • Ich kann aus meiner Erfahrung (12-WE-MFH) da nur dazu beitragen:
    Ich verkaufe etwa 22.000 kWh an die Mieter (wovon allerdings noch ca. 40% Fremdbezug drin sind !) und ca. 8.000 kWh an den NB - und es rechnet sich...
    Ich vermisse bei deinem 1. Beitrag die Eingangsgrößen Strom- und Wärmebedarf p.a., ohne die kann keine Aussage getroffen werden !

  • mach lieber Photovoltaik.


    Damit erfüllst Du die EnEV bestimmt nicht. Du hast es noch nicht verstanden, dass es in der EnEV Vorschriften gibt, die man als Vermieter erfüllen muss. Wenn nur ein Mieter quer schießt und Du die EnEV nicht erfüllt hast, ziehst Du vor Gericht den Kürzeren. Der kürzt die Miete und Du musst die Maßnahme trotzdem erfüllen. Dann kann es aber für dich als Vermieter heftig teuer werden. In ein bis zwei Jahren werden die Anwälte es raus haben, wie sie Dir als Vermieter ein Beinchen stellen können um eine eventuelle Klage zu gewinnen. Jetzt handeln ist die preiswertere Lösung.


    Nicht warten bis Du die :protest: bekommst dann hilft :sos: auch nicht mehr.

    Rechnen hilft. Bleistift, Stück Papier und ein Taschenrechner und man wird sich über einige Ergebnisse wundern. ?(
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  • Vielen Dank für die bisherigen Einschätzungen und Anmerkungen. Für die Einhaltung der ENEV ist die Kraft-Wärme-Kopplung natürlich eines der interessanten Systeme. Allerdings ist diese im Bestand nur bei größeren Erweiterungen/Sanierungen nötig. Dahin werden wir eventuell auch noch in den nächsten Jahren kommen. Allerdings würde dadurch die Heizlast soweit sinken, dass dieses BHKW dann sicher nicht mehr wirtschaftlich ist.


    pamiru48: Mit 12WE ist der Strom-/Wärmebedarf natürlich um einiges höher. Du kommst also auf eine Versorgerquote von 60%. Das ist für mich schon mal ein guter Anhaltspunkt. Wenn ich mit deinen KWh und meinen Kosten von oben rechne, komme ich auf für den Stromverkauf auf einen Ertrag von ca. € 2400 bei dir. Kannst du sagen, ob das korrekt ist und du damit die Mehrkosten des BHKW decken kannst?


    Gruß
    Guido

  • okay, da waren meine Angaben etwas dürftig. Ich habe 60% von deinen 22000 kWh und die 8000 kWh genommen und mit den "Gewinnfaktoren" aus meinem ersten Beitrag (14,28 ct/kWh Mieter und 6,55 ct/kWh Netzbetreiber) ergeben sich ungefähr € 2400 aus dem Stromverkauf. Dabei ist der zusätzliche Gasverbrauch schon abgerechnet.
    Meine Annahmen zu den Mehrkosten für den Betrieb eines BHKW habe ich auch im ersten Beitrag aus den höheren Investitions- und Wartungskosten auf € 2900/a berechnet.
    Wenn meine Annahmen realistisch sind, was ich mit diesem Thread gerne herausfinden möchte, würde ich vermutlich jedes Jahr des Betriebes mit dem BHKW 4 stellig drauflegen.
    Aber vielleicht liege ich ja auch falsch, und ich würde mit BHKW zumindest keinen großen Verlust machen. Daher wäre ich für eine kritische Prüfung meiner Annahmen dankbar.