BHKW Entscheidung - Wirtschaftlichkeit

  • Hallo,



    mein Vater plant in seinem neu angebauten Gewerbebetrieb ein BHKW zu installieren. In der alten Halle wurden ca. 50000kWh Wärme / Jahr und 27000 kWh Strom / jahr verbraucht. Da die neue Halle nicht komplett beheizt wird schätzen wir den jährlichen Wärmebedarf auf 70.000 kWh und ca. 30000 kWh Strom. In der alten Halle lief ein Deckkenheizer mit 20 kW im Winter an sehr kalten Tagen während des Arbeitsbetriebs ( ca. 10 h am Tag) rund um die Uhr. Zusätzlich läuft eine Teilewaschmaschine die in der Spitze - Aufheizvorgang auch ca. 20 kW benötigt. Dazu kommen kleinere Dekcnstrahler in der neuen Halle.


    Zur Auswahl stehen zwei verschiedene BHKWs:


    Ein gebrauchtes größeres der Firma Kirsch - Bj. 2000 --> keine Einspeisevergütung mehr möglich. Betrieb mit Gas, thermische Leistung: 105 kW, elektrische Leistung: 53 kW, Brennstoffleistung 180 kW, Wartungskosten unbekannt - eher hoch, Anschaffungspreis ca. 3000 - 4000 € mit Regelung, Installation müsste selbst erfolgen, ohne Pufferspeicher


    Dachs G 5,5 thermische Leistung 12,5 kW, elektrische Leistung 5,5 kW, Brennstoffleistung 22,5 kW (stimmt doch oder?), Anschaffungspreis - ich denke so um die 17.000 € Ohne Pufferspeicher ? mit Zusatzbrenner 20 kW


    Ich hab die Sache mal grob durchgerechnet, leider fehlt mir der Überblick über alle Fördermöglichkeiten, z.B. hab ich irgendwo gelesen das die Energiesteuer nur bei einer Nutzung von > 70% im jahr rückerstattet wird.


    Geht man von einer Nutzung von ca. 15 - 20 Jahren aus, welches BHKW ist sinnvoller. Beim Dachs stelle ich mir beispielsweise die Frage kann er die erforderliche Wärme in der Spitze überhaupt abdecken. Vorteil beim Dachs wäre aber sicher das er nicht sooft gewartet werden müsste und länger/ konstanter laufen würde.


    Würde mich freuen wenn ihr mir mal eure EInschätzung mitteilen könnt.Mir fehlt einfach der komplette Überblick über alle Fördermöglichkeiten und alle Kosten / Nutzen.



    Vielen Dank schonmal

  • Problematisch ist ein wenig die hohe elektrische Spitzenlast. Gibt es auch eine Grundlast? Wäre es möglich die Waschmaschine mit Warmwasser aus dem BHKW zu betreiben statt Kaltwasser mit einem Heizstab zu erwärmen? Große WaMa haben meist eine SPS. Wenn die SPS mitteilen kann, wie warm der nächste Waschgang ist, könnte ein Thermostat das Wasser in der passenden Temperatur bereitstellen. Gas ist viel billiger als Strom ;)

  • Entschuldigung für die späte Antwort, ich war im Urlaub.
    Die Waschmaschine kann natürlich über einen Wärmetauscher betrieben werden. Dies ist dann bei Einsatz eines BHKWs auch vorgesehen. Die thermische Grundlast ist schwer einzuschätzen. An kalten Tagen im Winter läuft die 20kW Deckenheizung eigentlich rund um die Uhr ca. 10 h am Tag. Die Waschmaschine wird durchgehend geheizt, so dass das Wasser ca. 60 -70°C hat.
    Die elektrische Grundlast ist bei Betrieb der Waschmaschine mit Wärmetauscher eher gering und wird denk ich in jedem Fall abgedeckt.
    Wie ist das mit der Rückerstattung der Energiesteuer, habe gelesen die bekommt man nur wenn das BHKW > 70% im Jahr genutzt wird stimmt das?


  • Wie ist das mit der Rückerstattung der Energiesteuer, habe gelesen die bekommt man nur wenn das BHKW > 70% im Jahr genutzt wird stimmt das?

    Das stimmt so nicht ganz der Jahreswirkungsgrad muß über 70% sein
    nicht der Jahresnutzungsgrad


    Theoretisches Beispiel


    1 Stunde im Winterbetrieb Gesamtwirkungsgrad 90 %
    1 Stunde im Sommerbetrieb Gesamtwirkungsgrad 55%


    ergibt einen Jahreswirkungsgrad von 72,5%


    man könnte also auch für die Zweibetriebsstunden den Bürokratischen Aufwand
    pflegen, allein das Porto wäre nicht bezahlt |__|:-)

  • Hallo,


    bin erst jetz über den Beitrag gestolpert.


    Fangen wir doch mal ganz von vorne an,

    Zitat

    Ein gebrauchtes größeres der Firma Kirsch - Bj. 2000 --> keine Einspeisevergütung mehr möglich. Betrieb mit Gas, thermische Leistung: 105 kW, elektrische Leistung: 53 kW, Brennstoffleistung 180 kW, Wartungskosten unbekannt - eher hoch, Anschaffungspreis ca. 3000 - 4000 € mit Regelung, Installation müsste selbst erfolgen, ohne Pufferspeicher


    Dachs G 5,5 thermische Leistung 12,5 kW, elektrische Leistung 5,5 kW, Brennstoffleistung 22,5 kW (stimmt doch oder?), Anschaffungspreis - ich denke so um die 17.000 € Ohne Pufferspeicher ? mit Zusatzbrenner 20 kW


    Das erste Teil fürfte etwas groß für Euch sein,
    wo will mann denn mit 105kw in der Halle hin?
    Das Teil würde also wohl recht selten laufen bzw. takten


    Der Dacsh wiederum
    wäre recht gut ausgelastet, aber kann nach bisheriger Datenlage nur einen kleinen Teil zu Eurem Strombedarf leisten.
    Nebenbei: mir erscheinen die 17tsd äußerst optimistisch angesetzt ;)



    --------


    vielleicht verbessern wir erstmal die Datenlage,
    Ich könnt mir gut vorstellen, dass ihr evt. eine Leistungsmessung habt???
    Falls ja, besorg mal von Deinem Versorger die Lastgänge. Hier könn wir mal schaun, was die eigentliche elektrische Grundlast ist.
    Dann kann man überlegen (die WW-Geschichte für Waschmaschine haben wir ja schon) wie man die noch etwas umstricken könnte, z.B. wäre ein Austausch des Deckenstrahlers durch schwarzlichstrahler, die sind auch recht nett...oder sogar ein Heizregister denkbar?

  • Hallo danke erstmal für die Antworten:


    Wie wird den der Wirkungsgrad berechnet bzw. nachgeprüft, es bekommt doch niemand mit wenn ich von den 105kW nur die Hälfte nutze oder?
    Das mit dem Jahreswirkungsgrad leuchtet mir nicht ein.
    Was spricht den grundsätzlich gegen ein größeres BHKW (wenn der Anschaffungspreis gleich ist) ? Damit lassen sich die Spitzenlasten doch leichter abdecken. Gibt es irgendwelche wirtschaftlichen Nachteile eines größeren BHKWs die ich jetzt nicht bedenke?
    Letztendlich ist es doch egal ob ich den Strom und die Wärme in 1h oder in 10 h erzeuge oder? Mal abgesehen von extremem Takten.

  • Ich beschränk mich mal auf den zweiteren Teil der Frage


    Was spricht den grundsätzlich gegen ein größeres BHKW (wenn der Anschaffungspreis gleich ist) ? Damit lassen sich die Spitzenlasten doch leichter abdecken. Gibt es irgendwelche wirtschaftlichen Nachteile eines größeren BHKWs die ich jetzt nicht bedenke?
    Letztendlich ist es doch egal ob ich den Strom und die Wärme in 1h oder in 10 h erzeuge oder? Mal abgesehen von extremem Takten.


    Grunsätzlich,
    hast Du natürlich recht...es spricht nichts dagegen....
    aber irgendwie schon, denn DAS entscheidenste Kriterium für die Wirtschaftlichkeit ist die Stromeigennutzung.


    Wenn Du nun meinetwegen 2 mal am tag eine 50KW Spitze für eine Stunde hast, dann ist durchaus ein dickes Aggregat, was genau zu der Zeit läuft sinnvoll
    Praktisch ist es im absolut überwiegenden Fall so, dass man eine Grundlast hat -als Bsp. 3kw- und dann halt zu unterschiedlichen Zeiten Verbräuche die darüber, z.T. auch deutlich drüber liegen.
    Wenn man nun ein "dickes" Aggregat hat, dann mag das zwar die Spitzen abfangen, dafür steht es dann auch 9/10tel der Zeit und die Grundlast läuft wie bisher über Deinen Strombezugszähler.
    Drum -mit ganz seltenen Ausnahmen- versucht man ein BHKW eher an der elektrischen Grundlast auszulegen...selbstverständlich auch in thermischer Sicht, denn ein wegwerfen der Wärme ist nicht gestattet, noch wirtschaftlich vertretbar.

  • Ok das leuchtet mir natürlich ein das ein großes BHKW da nicht sinnvoll ist.
    Die elktrische Grundlast ist nicht sehr hoch, ich schätze 3-4kWh.
    Die thermische Grundlast liegt bei ca. 20kWH Waschmaschine läuft rund um die Uhr am Tag also 10h. Nachts kühlt diese von 65 °C auf 40°C ab. Hinzu kommt die Deckenheizung die 30kWH benötigt und an sehr kalten Tagen auch 8h am Tag läuft.
    Dann kommt die Anbauhalle dazu, dort sollen 1-2 Arbeitsplätze punktuell und je nach Bedarf geheizt werden.
    Ich gehe im Moment davon aus, dass ein Dachs auch mit Zusatzbrenner hierfür zu klein ist - wegen der hohen thermischen Grundlast. Was ich nicht einschätzen kann wieviel die Wärmebevorratung über Nscht mit Pufferspeicher ausmacht. Was ist eure Einschätzung dazu?

  • Zitat

    Ich gehe im Moment davon aus, dass ein Dachs auch mit Zusatzbrenner hierfür zu klein ist - wegen der hohen thermischen Grundlast. Was ich nicht einschätzen kann wieviel die Wärmebevorratung über Nscht mit Pufferspeicher ausmacht. Was ist eure Einschätzung dazu?


    Ein Pufferspeicher kann bei einem NT-Heizsystem, d.h. niedriger Rücklauftemperatur und damit einer hohen Spreizung im Puffer rund 50 kWh_th pro m³ Wasser einlagern. Der Dachs mit Zusatzbrenner kann die Heizleistung sehr wohl darstellen, das hängt natürlich von der Größe des Spitzenbrenners ab. Wenn ihr euch bei einem Gesamtwärmeverbrauch von 120.000 kWh für einen Wandtherme zu 60 kW entscheidet, sollte das reichen. Die Wärmeleistung zwischen Grundlastaggregat BHKW und Spitzenaggregat Kessel wäre dann im Verhältnis 1:4.


    Gruß,
    Gunnar