Erfahrung mit mikro-KWK-Anlagen mit 1-phasiger Einspeisung bei 3-phasigem Stromnetz

  • Sehr geehrte Formsteilnehmer,


    wer hat Erfahrungen (z.B. mit Pilotenlagen) von mikro-KWK Anlagen (1-phasig, 230 V) bei einer Einspeisung in ein 3-phasiges (400 V) Stromnetz.
    Nach meinem Kenntnisstand soll es zum teil große Unterschiede geben, ob ein elektronischer Stromzähler oder ein Ferraris Zähler montiert ist.


    Meine Frage wird vielleicht durch folgende Hinweis verdeutlicht:
    Elektrische Einbindung einer mikro-KWK Anlage:


    Der elektrische
    Anschluss von Mini-BHKW erfolgt in der Regel 3-phasig auf der 400-V-Ebene. Nur
    bei Mikro-BHKW mit einer Leistung um 1 kWel ist aus Kostengründen der
    1-phasige Anschluss mit 230 V vorgesehen. Bei einem 1-phasigen Anschluss ist es von
    entscheidender Bedeutung, welche Phase der Hausinstallation gewählt wird
    .
    Man sollte die Phase mit der höchsten zu erwartenden Last wählen, um möglichst
    wenig Strom einspeisen zu müssen und möglichst viel Strom selbst nutzen oder
    verkaufen zu können.




    Die Frage ist, ob dieser Hinweis
    korrekt ist „Bei einem 1-phasigen
    Anschluss ist es von entscheidender Bedeutung, welche Phase der Hausinstallation
    gewählt wird
    „ oder ob ein elektronischer Stromzähler bei einem 3-phasigen
    Stromzähler (wie bei einem Ferraris Zähler) als Summenzähler arbeitet. Sodass es
    egal ist, welche Phase für den Anschluss an eine Mikro-KWK-Anlage gewählt
    wird.



    Ich würde mich sehr freuen wenn hier jemand Erfahrungen zu hätte.



    Danke im Voraus:hutab::hutab:


    Markus W.

  • Hallo!


    Erfahrungen hab ich keine, es sollte aber egal sein welche Phase du wählst, da auch die elektr. Zähler alle Phasen summieren "sollten". Das Problem liegt aber bei "sollten", denn das hängt von der Programmierung des Zählers ab. Deshalb mußt du überprüfen ob die Phasen einzeln ausgewertet werden. Wenn ja, dann beim NB reklamieren und den Zähler austauschen lassen. Besser noch du stellst die Zähler für Erzeugung und Einspeisung selbst, dann kann da nix schieflaufen.



    Viele Grüße
    Joachim, mit eigenen Zählern für Erzeugung und Einspeisung

  • Dachstreiber hat das genau richtig erklärt.


    Das Problem mit dem "Erbsenzähler" ist vor allem, dass diese elektronischen Zähler frei programmierbar sind und einige Netzbetreiber, wie meiner, keine phasensaldierende Programmierung einsetzen. Das bedeutet du erzeugst z.B. 1,83kWh pro Phase (5,5kWh) und hast einen einphasigen Verbraucher mit 5,5kWh laufen. Theoretisch sollte der Zähler jetzt stehen, in der Realität misst der jetzt 3,66 kWh Einspeisung (ca 4 Cent) und 3,66kWh (ca. 21 cent) Bezug. Das ist in meinen Augen Betrug... dem kann man nur entgegnen, wenn das EVU von sich aus keinen korrekt zählenden Zähler installiert, man einen Messtellenbetreiber beauftragt oder selbst misst. Das Recht des Messens und Wiegens obliegt dem Verkäufer, er muss nur geeichte Werkzeuge dafür nutzten: (vgl. BGH Az VIII ZR 107/93). Wenn Du jetzt nur einphasig einspeist, ist dieses Problem natürlich noch prekärer als bei dreiphasiger Erzeugung.

  • Hallo,


    Zitat

    dem kann man nur entgegnen, wenn das EVU von sich aus einen korrekt
    zählenden Zähler installiert, man einen Messtellenbetreiber beauftragt
    oder selbst misst.

    Zitat

    Erfahrungen hab ich keine, es sollte aber egal sein welche Phase du
    wählst, da auch die elektr. Zähler alle Phasen summieren "sollten".

    so ist es und wenn sich das EVU quer stellt einen Messstellenbetreiber beauftragen, der baut dann den passenden Zähler ein ;)



    Grüße
    Tom

  • Erstmal vielen Dank für die guten Antworten!


    Das Thema (programmierbare) elektronische Stromzähler scheint ja ein spannendes Thema zu werden gerade in Bezug auf die Markteinführung der Mikro-KWK-Anlagen. Dies scheint mir eine recht große Fehlerquelle zu werden wenn dies nicht schon bei der Inbetriebnahme, oder sogar bei der Beantragung des Zweirichtungszählers, beachtet wird.
    Zwei neue Fragen fallen mir zu diesem Thema noch ein:
    1. Gibt es überhaupt eine Grundlage / Anrecht auf eine „phasensaldierende Programmierung“
    2. Darf so einfach ein Messstellenbetreiber (mit einem eigenen geeichten Zähler?) selbst benannt werden? Dies kann ich mir gar nicht
    vorstellen das der zuständige Strom-Netzbetreiber hier einen anderen Zähler zulässt.


    Danke im Voraus


    Markus W.

  • Hallo!


    Wie ich bereitss geschrieben habe kannst du das Problem mit eigenen Zählern für "Erzeugung" und "Einspeisung" umgehen. Der VNB hat dann nur den bisherigen Zähler evtl. gegen einen mit Rücklaufsperre zu tauschen. Ein Zweirichtungszähler kommt dann gar nicht zum Einsatz, allerdings hast du dann drei Zähler im Zählerschrank.


    Viele Grüße
    Joachim


  • Das Thema (programmierbare) elektronische Stromzähler scheint ja ein spannendes Thema zu werden gerade in Bezug auf die Markteinführung der Mikro-KWK-Anlagen. Dies scheint mir eine recht große Fehlerquelle zu werden wenn dies nicht schon bei der Inbetriebnahme, oder sogar bei der Beantragung des Zweirichtungszählers, beachtet wird.


    Das Problem zeigt sich auch bei der PV mit Eigenstromnutzung, dass manchmal ungeeignete elektronische Zähler eingesetzt werden:
    Eigenstrom und Fremdstrombezug
    Modusfrage Zweirichtungszähler


    Der einphasige Netzanschluss ist bis 4,6 kW (20 A * 230 V) erlaubt, da liegen viele Mini-BHKW schon darüber. Nur bei kleineren Leistungen (lion, aber auch das auf 4,6 kW gedrosselte AISIN-BHKW) war eine einphasige Einspeisung möglich. Oft wird dreiphasig angeschlossen, aber nur einphasig eingespeist. Der dreiphasige Anschluss vereinfacht die Inselnetzerkennung - bei einphasiger Einspeisung reicht offenbar die dreiphasige Spannungs- und Frequenzüberwachung.


    Das kann man im Detail in der Niederspannungsrichtlinie (Entwurf) nachlesen.


    Gruß,
    Gunnar