BHKW mit Photovoltaikanlage kombinieren -> Schaltung Zähler?


  • vielen Dank für die Informationen hier im Forum zu diesem Thema. Bei uns wurde im März 2012 zu einem bestehenden BHKW(Gas-Dachs) eine kleine PV-Anlage mit 2.88 kWp installiert. Wir haben einen Eigenstromanteil von ca 60%. Nun erwarte ich in den nächsten Tagen die erste Abrechnung meinen EVU.


    Hat schon jemand Erfahrung bezüglich der bilanziellen Durchleitung durch die Kundenanlage zum Letztverbraucher gemäß KWKG §4(3b) und EEG §33(1) bzw. (2)?


    Mein EVU würde für diesen Fall eine Lastgangmessung verlangen. Ist dies korrekt?


    a) Die bilanzille Durchleitung betrifft im EEG üblicherweise die Durchleitung von der Anlage durch eine Kundenlange (z.B. ein größeres Gewerbeobjekt) ins Netz der öffentlichen Versorgung zur Volleinspeisung (siehe EEG 8(3)). Im KWKG 4(3b) geht es um die Versorgung von Letztverbrauchern mit Netzstrom durch dritte Stromlieferanten. Der nur mit dem Marktwert zu vergütende PV-Anteil (-> entweder Vermarktung über das Netz, Eigenverbrauch, oder Einspeisung) wird gemäß Anlage 4, Absatz 2.4. "Referenzmarktwert bei Strom aus solarer Strahlungsenergie nach den §§ 32 und 33" berechnet. Das betrifft aber kleinste PV-Anlagen bis 10 kW nicht, da diese von dieser 90% Energiemengenregelung nicht betroffen sind.


    b) Im Energiewirtschaftsgesetz findet sich zum Zählerwesen bzgl. der virtuellen Durchleitung in §21 ebenfalls eine Klausel, die nach dem Vorbild des KWKG 4(3b) geschaffen wurde. Dies Bestimmung ist IMHO noch wichtiger (das EnWG gilt als "Grundgesetz" der Elektriziätswirtschaft).

    Zitat

    (1d) Der Betreiber des Energieversorgungsnetzes, an das eine Kundenanlage oder Kundenanlage zur betrieblichen Eigenversorgung angeschlossen ist, hat die erforderlichen Zählpunkte zu stellen. Bei der Belieferung der Letztverbraucher durch Dritte findet erforderlichenfalls eine Verrechnung der Zählwerte über Unterzähler statt.


    Damit ist also klargestellt, dass eine Kundenanlage (bzw. Kundenanlage zur betrieblichen Eigenversorgung) in Summe mit einem Hauptzählpunkt erfasst werden darf und dass Letztverbraucher innerhalb dieser Kundenanlage über Unterzähler, d.h. virtuelle Zählpunkte und kaufmännisch-bilanzieller Durchleitung zu erfassen sind.


    Das ist also ein Zählpunkt wie jeder andere auch. Wenn der einzelne Abnehmer bzw. Letztverbraucher unter 100.000 kWh pro Jahr bezieht und einem Standardlastprofil z.B. dem H0 der Haushaltskunden zuzuordnen ist, dann kann man das durchaus mit einfacher Arbeitszählung so machen. Eine Lastgangmessung ist erst dann notwendig, wenn mehr als 100.000 kWh p.a. über den Zählpunkt gehen.


    Gruß,
    Gunnar

  • Ich überlege gerade, einen Mieter in ein bisher komplett privat genutztes Gebäude zu nehmen. Wenn ich es richtig verstanden habe, könnte ich also über einen Summenzählpunkt analog dem Vortrag von Herr Stahl bei den 6. BHKW-Info-Tagen 2010 (https://www.youtube.com/watch?…M&feature=player_embedded) einen Mieter sowohl mit BHKW-Strom als auch mit Strom aus einer PV-Solaranlage beliefern also auch mit Strom von einem EVU. Der Eigenstromanteil würde also hoch bleiben. Der Mieter bezahlt seinen Strom gemäß seines Verbrauches dann bei einem Energieversorger seiner Wahl. Wie würde sich eine solche Abrechnung auf meine bishere Abrechnung auswirken?


    Mit freundlichen grüßen


    Neudachser 2008

  • einen Mieter sowohl mit BHKW-Strom als auch mit Strom aus einer PV-Solaranlage beliefern also auch mit Strom von einem EVU. Der Eigenstromanteil würde also hoch bleiben. Der Mieter bezahlt seinen Strom gemäß seines Verbrauches dann bei einem Energieversorger seiner Wahl. Wie würde sich eine solche Abrechnung auf meine bishere Abrechnung auswirken?


    Nein, du willst den Mieter nicht mit Strom beliefern (Ware gegen Geld), weil dann aufgrund der Lieferung an Letztverbraucher die EEG-Umlage abgeführt werden muss. Am simpelsten schließt man einen Mietvertrag ab, bei dem wie im Studentenwohnheim eine Warmmiete vereinbart wird, die nicht nur Wasser und Heizung, sondern auch die Stromversorgung mit einbeschließt.


    Das kann man auch so flexibel gestalten, dass die Pauschale für den Strom regelmäßig (jährlich oder quartalsweise) anpassbar ist, wenn der Verbrauch stark nach oben oder unten wegläuft. Allerdings sollte man aufpassen, dass kein Letztverbraucher in der Kundenanlage gefangen ist, d.h. die Option, dass jemand sagt: nein ich will lieber bei EVU XYZ Kunde werden und meinen eigenen Strom von da beziehen muss offen bleiben. In der Regel ist die überzeugung nicht allzu schwer, durch eine attraktive Gestaltung der Pauschale den Mieter bei der Stange zu halten.


    In München wurde ein solches All-Inclusive-Haus bspw. schon realisiert. Das spart insbesondere bei der Heizkostenerfassung (Verhältnis des Messaufwands zum Energieverbrauch in Niedrigenergiehäusern) auch viel Geld durch eine schlanke Abrechnung mit wenig Overhead - schaut mal die Kosten von Techem und Co an, wenn da nur 2€ Nebenkosten p.a. und m² verteilt werden müssen und nicht 10-20 Euro.


    Gruß,
    Gunnar

  • Ich habe mich nicht ganz eindeutig ausgedrückt. Wie würde sich die bilanzielle Durchleitung, wenn der Mieter sich für die Versorgung durch einen Dritten entscheiden sollte, auf meine Abrechnung auswirken? Wenn ich den folgenden Beitrag richtig verstanden habe, würde sich die bezogene Strommenge vom EVU am 4-Quadrantenzähler um die Strommenge des Mieter reduzieren.


    BHKW mit Photovoltaikanlage kombinieren -> Schaltung Zähler?


    Mich interessiert vorallem die Option, dass jemand sagt: nein ich will lieber bei EVU XYZ Kunde werden und meinen eigenen Strom von da beziehen. Und ich möchte dann nicht bei einem Mieterwechsel die Verdrahtungen ändern müssen. Dies scheint mir rechtlich/technisch möglich, aber wie sich dies abrechnungstechnisch auswirkt, ist mir noch nicht 100% klar.


    Mit freundlichen Grüßen


    Neudachser 2008

  • aber wie sich dies abrechnungstechnisch auswirkt, ist mir noch nicht 100% klar.


    Der Bezug des Mieters wird von Deinem Bezug abgezogen.


    Ist Dein Bezug höher so bleibt für Dich ein kleinerer Bezug. Beispiel: Dein Bezug 10.000 kWh am Übergabezähler, der Mieter hat 4000 kWh, bleibt für Dich noch 6000 kWh.


    Ist Dein Bezug niedriger so Deine Einspeißung entsprechend erhöht. Beispiel: Dein Bezug 2000 kWh am Übergabezähler, der Mieter hat 4000 kWh, bleibt für Dich noch 0 kWh Bezug und eine Erhöhung Deiner Einspeißung um 2000 kWh.

    Rechnen hilft. Bleistift, Stück Papier und ein Taschenrechner und man wird sich über einige Ergebnisse wundern. ?(
    http://perdok.info/
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