Wie viele Verluste darf eine Nahwärmeleitung (5 - 30 m) haben?

  • Liebe Forumleser!


    Wir besitzen seit 2005 ein Gas-BHKW (Dachs Senertec) und versorgen damit sechs Doppelhaushälften (702 qm). Die Häuser sind mit einer Nahwärmeleitung miteinander verbunden. In den ersten Jahren konnten keine genauen Auswertungen gemacht werden, da jedes Jahr ein Haus dazukam und die sogenannte Aufheizphase/Trockenphase zu berücksichtigen war. Im letzten Jahr sind uns die enorm hohen Gasverbräuche aufgefallen und wir fingen an zu rechnen und vergleichen. Die Mieter heizen mit einer Flatrate, weil uns vom Heizungsbauer dies so vorgerechnet wurde und es uns auch passend erschien. Wir haben in jedem Haus Wärmezähler eingebaut (Pewo-Übergabestation). Der Jahresverbrauch der Mieter beträgt nach den Wärmezählern insgesamt ca. 60.000 KWh. Der Dachs hat aber in einem Jahr schon über 80.000 KWh Wärme produziert zuzüglich Spitzenlastkessel. Nach dem Gasverbrauch (15.250 cbm) und Verbrauch des "Dachs" (5.997 h x 20,5 KW/h) hätte der Dachs ca. 123.000 KW verbraucht. Die restlichen KW müßten demnach von der Gastherme verbraucht worden sein. Aber nach allem hin- und herrechnen (15 % Verluste lt. Heizungsbauer) fehlen uns immer noch rund 30.000 KWh. Wo sind sie geblieben?


    Liebe Grüße


    Minz und Maunz

  • Hallo Minz und Maunz,


    mh hab ihr von dem verbauten Rohrmaterial noch eine Produktbeschrteibung, dort steht der Isolierwert drinn und hat man Daten zum rechnen.
    Die Verluste erscheinen auf den ersten Blick doch recht hoch.

    Mit Energie geladenen Grüßen aus dem Teufelsmoor.
    Nicht nur privat bin ich von hocheffizienten BHKW überzeugt.
    Vom Hobby zum Beruf gekommen bin ich seit einigen Jahren auch Angestellter der MWB AG und seit Februar 2014 bei RMB Energie GmbH

  • Uih,
    das würde mich auch brennend Interessieren. Plane ca .38 Meter Nahwärmeleistung.
    Bei den Verlusten...würde ich dann aber davon absehen |:-(
    Mal gerechnet:


    15250 cbm mal 11,25 (Gasdichte)(nach Gebieten unterschiedlich)= 171562 kwh
    5997 std Dachs x 20,5 kwh Gas = 122938 kwh
    -----------------------------------------------------------------
    Ergibt für den SpitzenlasterSpitzenlaster = 48623 kwh
    Wärme Dachs 80000 kwh
    Zusammen ca 128600 kwh


    wenn dann bei den Mietern nur 60000 kwh ankommen..............sprechen wir über 50 % Verlust
    Das find ich dann etwas heftig. :negativ:


    Frank

  • Hier mal ein paar Daten von Kunstoff-Doppelrohren für Nahwärme:


    Wärmeverlust für ein Doppelrohr q (W/m)

    mittl. Betriebstemperatur TB (°C )



    Typ K-Wert 40° 50° 60° 70° 80° 90°


    2x25/90 0,2233 6,70 8,93 11,17 13,40 15,63 17,86


    2x32/110 0,2438 7,31 9,75 12,19 14,63 17,07 19,50


    2x40/125 0,2740 8,22 10,96 13,71 16,44 19,18 21,92


    2x50/160 0,2561 7,68 10,24 12,81 15,37 17,93 20,49


    2x63/180 0,3049 9,15 12,20 15,25 18,30 21,35 24,36


    Man könnte also die Verluste einer Doppelleitung in einer Größenordnung von 10 .. 15 Watt pro Meter angeben. Je nachdem wie lang die Leitung ist und ob die Leitung ständig in Betrieb ist, kann man sich leicht die Verluste ausrechnen. - Sie liegen aber bestimmt nicht bei 30 MWh !!


    Bei diesen Verlusten lohnt sich aber auch der finanzielle Aufwand für den Einsatz einer Wärmebildkamera um den Wärmelecks auf die Schliche zu kommen. - Dafür ist jetzt gerade die richtige Zeit!



    Denkmaler



    p.s. Die Formatierung als Tabelle hat nicht so richtig geklappt, aber ich hoffe man kann die ursprünglichen Spalten noch erkennen. (Der Editor eliminiert einfach mehrere Leerzeichen und fügt Leerzeilen ein.)

  • Die Bau- und Betriebsart sind an den Wärmevrlusten beteiligt. Genaues kann aber nur bei einer vor Ort Begutachtung ermittelt werden. Nur soviel die geringsten Verluste entstehen wenn die Vorlauftemperatur dem Wärmebedarf angepasst wird, heute im Nullgrad Außentemperaturbereich genügen ca.45 Grad und von Unterwegsverlusten wird es keine Rede mehr geben.

  • ° Was ist aber wenn ein Haushalt schon 60 ° Vorlauftemperatur bei 0 Grad braucht.
    Und Brauchwasser müssen die Kunden auch haben. Unde 10 ° Überhöhung braucht man um 50 ° Brauchwasser in einer akzeptablen Ladezeit zu bekommen.


    45 ° Nahwärme Temperatur werden nie reichen.


    Matzi

  • Moin,


    fakt ist, je größer das delta zwischen Umgebungs- und Medientemperatur ist umso größer auch die Wärmeverluste. Insofern geht natürlich bei 60°C Vorlauf mehr Energie "verloren" als bei 45°C.
    Aber ganz klar ist auch das der Vorlauf auf die Gegebenheiten abgestimmt sein muß und nicht einfach brachial auf 45C gestellt werden darf. sonst viel Spaß mit den Kunden :tomate:


    Wie wird denn das Warmwasser bereitet ?? Mit WW Speichern bei jeder Abnahmestelle oder im Durchlaufprinzip in der Hausstation??


    mfg


    Möglicherweise gibt es ja die erhöhten Verluste nicht auf der Strecke (denn das Rohr sollte ja einen genormten Verlusst haben) sondern in unzugänglichen Ecken und Winkeln wo der heizi nicht korrekt Isoliert hat???

  • Kurz zum Thema Temperaturen die benötigt werden.
    Als Heilmittel kann man bei entsprechender Planung folgendes machen.
    Alle Abnehmer müssen an eine zentrale Steuerung angebunden werden.
    Wird bei einem Abnehmer Warmwasser gefordert wird die Vl-temp angehoben, gleichzeitig werden alle anderen WW-Puffer der anderen Abnehmer wieder auf Temp gebracht.
    Vorteil, längere Phasen in denen eine niedrigere Temperatur für den HeizungsVL gefahren werden kann.
    Wenn WW gefordert wird wird durch die Aufladung aller die Möglichkeit längerer Phasen für nur Heizung geschaffen.


    Ist natürlich nur möglich solange für die Heizung eine niedrigere VL als für WW möglich ist.


    Die Regelung ist einfach zu realisieren.
    Daher immer meine Empfehlung grundsätzlich ein Lerrohr mit zu verbuddeln, da man nie weiß was die Zukunft bringt.


  • Ich behaupte mal ihr habt keinen Wärmemengenzähler in der Heizzentrale direkt hinter den Wärmeerzeugern (HKA und Kessel).


    Die Abgelesene Thermische Leistung in der Regelung ist ein errechneter Wert bei 100% Brennwertnutzung ohne Anlauf und Aufheizzeiten.



    Ist die Anlage per Fernüberwachung erreichbar ?


    Sind die Bivalenzumschaltzeiten gross genug um den Kessel nicht unnötig Anlaufen zu lassen?


    Gibt es ein Schaltschema der Anlage?






    Gruss

  • Hallo Forumleser!
    Erstmals vielen Dank für Euer reges Interesse an meinen Problemen. Hier noch einige Details zu meiner Anlage:
    Nahwärmeleitung ist von Uponor Ecoflex (Thermotwin D50) mit allen originalen T- Stücken etc.
    Wärmemenge wurde beim Dachs abgelesen; Wärmemengenzähler befinden sich in den Übergabestationen der einzelnen Häuser.
    Die Anlage besitzt einen Abgaskondenser. Anlage kann fernüberwacht weden. Hinter dem 750 ltr. Pufferspeicher sitzt eine schwere
    Umwälzpumpe. Kleine Pumpen sitzen in den Übergabestationen, welche mittels Plattentauscher warmes Wasser bei "Bedarf" produzieren.
    Fragen zu Schaltschemen etc. kann ich nicht beantworten. Der Dachs läuft fast immer (Winter) 24 h durch. Soll den Speicher immer auf Temperatur halten, um alle Häuser ausreichend mit Wärme zu versorgen. (Laut Heizungsbauer)
    Viele Grüsse Minz und Maunz