Frage zum Gesamtnutzungsgrad von GTK BHKW

  • Hallo an alle!


    Ich sollte mich vielleicht kurz vorstellen, damit man verstehen kann warum, wenn es eine dumme Frage ist... :-)


    Also wie man an meinem Namen erkennen kann bin ich ein Student der Betriebswissenschaft und hab daher von Technik nicht unbedingt das Fachwissen. Zurzeit soll ich eine Arbeit über die Wirtschaftlichkeit eines BHKWs erstellen. Objekt ist eine Sporthalle und bin auch schon en bisschen weiter gekommen. Jetzt wollt ich mit der VDI 2067 die Wirtschaftlichkeit mit Hilfe der Annuitätenmethode, weil ich es mit anderen Konzepten vergleichen will, durchgehen.


    Meine Frage is die, kann ich von einem Gesamtnutzungsgrad von ca. 85% ausgehen? Laut BMU und anderen Quellen liegen die so zwischen 80 und 90%. Wenn ich diese 85% zu Grunde leg und den Bedarf hab, angenommen 100.000 kWh, kann ich dann einfach den Bedarf durch den Nutzungsgrad teilen?


    Sprich: 100.000 / 0,85 = 117.647 Und das ist dann mein Verbrauch?


    Vielen Dank schon mal im Voraus
    Philipp

  • Lieber BWLler,


    willkommen im Forum.


    Beim Nutzungsgrad muß man beachten, daß das BHKW ja sowohl thermischen, als auch elektrischen Output macht. Deswegen ist der Nutzungsgrad bei BHKWs ja besonders hoch.


    Wenn Deine Sporthalle aber mit 100.000 kWh Bedarf angegeben ist, dann würde ich mich doch arg täuschen, wenn es da nicht um den reinen Wärmebedarf ginge.


    Daher ist es bissl schwierig, die Frage so wie sie gestellt wurde, zu beantworten.


    Ich versuche es trotzdem, am Beispiel des Senertec Dachs (Gas): Laut Hersteller hat er eine "Brennstoffnutzung" von 88%, ohne Berücksichtigung eines eventuell vorhandenen Kondensers (der würde den Wert noch höher treiben, ist aber nicht im Prospekt zu finden). Bei meiner Messung über das letzte Quartal (und ich habe einen Kondenser) kam ich auf folgende Werte: Gasverbrauch = 32.408 kWh, erzeugte thermische Leistung = 20.255 kWh, erzeugte elektrische Leistung = 8.017 kWh, ergibt zusammen 28.272 kWh und damit einen Brennstoffnutzungsgrad in Höhe von 87,55 %, also genau die Prospektangabe. Da die Werte alle aus dem MSR2 (das ist die Steuereinhait der Anlage) stammen, kann es aber sein, daß dort einfach die Stundenzahl mit bestimmten Werten multipliziert wurde, um die therm. und elektrische Leistung anzugeben, ich weiß es nicht. Daher kann es sein, daß der Kondenser auch hier nicht berücksichtigt ist.


    Zurück zu Deiner Frage: Nimm also die 88% Gesamtnutzungsgrad, und für die thermische Betrachtung die 61% als Nutzungsgrad (aus dem Prospekt), oder gemessene 62,5 % (siehe oben).


    Bei 100.000 kWh Soll-Wärmelast benötigst Du also etwa 100.000 / 0.62 = 161.290 kWh Erdgas. Dabei bekommst Du als "Abfallprodukt" noch 39.899 kWh Strom aus der Anlage, bei diesen genannten Werten.


    Grüße vom Minister ... der vor 18 Jahren die VDI 2067-Berechnung schonmal unter MS-DOS programmiert hat und sich wundert, daß die immer noch aktuell ist.

  • Hi minister,


    erst mal dankeschön für die schnelle antwort.
    also die 100.000 waren reiner Wärmebedarf , den erzeugten strom der wird in netz eingespeist.


    wenn ich deine antwort richitg interpretiere, dann muss ich den thermischen nutzungsgrad, z.b. im prospekt, nachlesen und diesen dann als quotient für meine rechnung benutzen. (Problem was wenn der nich angegeben is? Kann ich dann Gesamtnutzungsgrad - elektr. Wirkunsgrad machen? )


    das würde ja dann bedeuten dass erheblich mehr gas benötigt würde und diese kosten die einspeisung vermutlich bei weitem übersteigen würden. aber um hundertprozentig sicher zu sein nochmal en beispiel:


    Wärmebedarf: 100.000 kWh
    elektrischer wirkungsgrad bei 100% auslastung 33,78 %
    thermisch 53,38 %
    Gesamt 87,16 %


    Ist dann der Brennstoffeinsatz wirklich bei 100.000 / 53,38 = 187336 ?


    Bei einem Brennwertkessel würde der Einsatz ja nur bei etwa 104.000 liegen. Die Einsparungen beim Brennstoff sind um einiges höher als die vergütung!


    Und ja die VDI 2067 ist noch aktuell! Die alten Schinken sind manchmal die besten....


    Gruß
    Philipp

  • Es stimmt in der Tat, die Kennzahl für den thermischen Nutzungsgrad brauchst Du schon irgendwo her, sonst macht die Berechnung wenig Sinn.


    Selbstverständlich benötigt ein BHKW wesentlich mehr Gas als eine vergleichbare Therme, die keinen Strom produziert. Und unter der Voraussetzung, daß die Sporthalle keinen Strom verbraucht, hast Du auch Recht, daß sich das BHKW ganz sicher nicht rechnet. Sobald aber dort ein paar Neonröhren installiert werden, um auch in der Dämmerung eine Nutzung zu ermöglichen, würde ich nochmal nachrechnen, ob das BHKW so ganz von der Hand zu weisen ist.


    Bei einem thermischen Wirkungsgrad von 53% (wo hast Du denn diese Zahl her ? Gibts dermaßen schlechte BHKWs ?) benötigst Du in der Tat knapp die doppelte Menge kWh an Gas, wie der Nenn-Wärmebedarf der Hütte angegeben ist.

  • Hi Minister,


    und nochmal danke.


    Is mir jetzt eigentlich alles klar dank der Erklärung. Hab ich aber eigentlich im Vorfeld nicht gedacht.


    Bei dem BHKW handelt es sich um GTK50 von Kuntschar Schlüter. Vllt können die es nicht besser oder es liegt an der Größe. Elektrische Leistung 50 kW und thermisch 79kW. Aber ich bin in der Materie nicht so drin. Hab aber auch andere da liegt der thermische Wirkungsgrad bei 70%. Denk mal des is als Schnitt realistischer zu sehen. Werd jetzt mal mit 70% rechnen.


    Also vielen Dank nochmal, hast mich gerettet. Bin wie jeder Student mal wieder spät dran und muss des Ding bald abgeben. Und wenn da so en gravierender Fehler drin gewesen wär, hätte es bestimmt keine positiven Auswirkungen...


    Gruß
    Philipp

  • Hi Minister,


    Bei dem BHKW handelt es sich um GTK50 von Kuntschar Schlüter. Vllt können die es nicht besser oder es liegt an der Größe. Elektrische Leistung 50 kW und thermisch 79kW. Aber ich bin in der Materie nicht so drin. Hab aber auch andere da liegt der thermische Wirkungsgrad bei 70%. Denk mal des is als Schnitt realistischer zu sehen. Werd jetzt mal mit 70% rechnen.


    Oha, so ein Riesen-Oschi. Klar, so ein Teil holt wesentlich mehr Strom aus dem Brennstoff raus, dann geht im gleichen Zug natürlich der thermische Nutzungsgrad runter (mehr als 100% kann man eben nicht rausholen )))) )


    Bei einem Jahresbedarf von 100.000 kWh thermisch hätte ich so ein 130 kW - Kraftwerk eher für überdimensioniert gehalten ... ich habe etwa 80.000 kWh Jahresbedarf thermisch, und komme mit meinem 20 kW-Dachs einigermaßen über die Runden. Der Schlüter kostet ja auch sicher ein Vermögen ....

  • Und ein letztes mal...


    Die 100.000 waren nur für mich als Beispiel gedacht, der Jahresbedarf liegt bei ca. 700.000. Das Problem ist nur der Lastgang, die Leistung ist im Sommer sehr gering. Daher wird es kritisch, aber alles weitere muss ich auch erst noch rechnen.


    Gruß
    philipp