Dialog mit einem Leser (Pöl-BHKW)

  • Moin Moin,


    da ich in der Traderszene aktiv bin, stieß ich auf diesen Dialog, welcher hier sicherlich besser platziert ist.
    Vielleicht kann ja jemand helfen:


    12.11.2007 12:46
    Dialog mit einem Leser


    von Michael Vaupel


    Heute möchte ich Ihnen mal einen kleinen Dialog wiedergeben, den ich mit einem Trader´s Daily-Leser hatte.


    Dieser betreibt ein Blockheizkraftwerk (BHKW), welches mit Pflanzenöl betrieben wird. Ich hatte mich bei ihm informiert, denn in Zeiten eines Ölpreises, der Richtung 100 Dollar geht, sind Alternativen zur Ölheizung attraktiver geworden. (Und wir müssen doch sowieso weg von den fossilen Brennstoffen!) Na, und ein mit Pflanzenöl betriebenes BHKW erzielt einen energetischen Nutzungsgrad, der wesentlich höher ist als z.B. die Verbrennung im Automotor.


    Also, Blockheizkraftwerk, welches mit Pflanzenöl betrieben wird – aus mehreren Gründen eine super Sache. Weg von den fossilen Brennstoffen, vergleichsweise hoher Wirkungsgrad, energiepolitische Unabhängigkeit, sehr schön das alles. Doch ach, dem Trader´s Daily-Leser geht es mit seiner Anlage gar nicht gut. Hier unser Dialog:


    Trader´s Daily-Leser Andreas D.:


    „Leider hat man es als kleiner Kraftwerksbetreiber in Deutschland auch nicht leicht. Ich betreibe ein Blockheizkraftwerk, das mit Pflanzenöl betrieben wird (180 kW/el - 160 kW th)- Strom für ca. 400 Haushalte. Leider treiben einen die gestiegenen Pflanzenölpreise in den Bankrott - da die Einspeisetarife fixiert sind. Ich bin beileibe kein Einzelfall. Hier werden bald zig - Millionen Investitionen ungenutzt rumstehen und stattdessen munter weiter fossile Brennstoffe verballert. Ich weiß nicht, ob Sie damit was anfangen können, aber ich bin einfach nur noch frustriert.“


    Meine Antwort:


    Ach, das betrübt mich, was Sie geschrieben haben. Ich dachte, die Einspeisetarife ermöglichen einen wirtschaftlichen Betrieb? Welche Entwicklung - außer fallenden Pflanzenölpreisen - könnte Ihnen denn helfen?


    Andreas D.:


    “Das Problem bei den Einspeitarifen für Strom ist halt, dass die auf 20 Jahre fixiert sind - Teuerungen von 60% innerhalb eines Jahre bei Palmöl , aber auch bei Raps - haben die bei der Planung der Anlage noch vorhandene Marge leider so stark schmelzen lassen, dass ich die Anlage Ende Mai abgeschaltet habe, weil der Betrieb unwirtschaftlich geworden ist. Helfen könnte eigentlich nur eine politische Lösung- (Anhebung der Tarife, Zulassung anderer biogener Brennstoffe wie z. B. Altfette zum Nawaro - Bonus nach Biomasse Verordnung) oder Gott. Bei mir kommt natürlich noch erschwerend hinzu, dass ich die Anlage von Österreich aus betreibe, was den ganzen Verwaltungsaufwand aufbläht - aber ich wollt halt was fürs Klima machen - und in Österreich wars schon damals bei der Planung (2005) unwirtschaftlich. Zur Zeit versuche ich die Anlage zu verkaufen, wenn es nicht klappt muss ich im November Konkurs anmelden.“


    Meine Antwort:


    “Können Sie mir noch etwas mehr Information dazu geben? Z.B. ist als Input nur Raps- oder Palmöl möglich, etc.....“


    Andreas D.:


    „Bei der Eignung als Brennstoff muss man einerseits die rechtlichen Vorgaben nach Erneuerbaren Energie Gesetz einhalten - dabei gibt es für bestimmte Stoffe noch einen Zuschlag - den NAWARO (Nachwachsende Rohstoffe) - Bonus. Die Biomasseverordnung regelt welche Materialien diesen erhalten. Das sind im Wesentlichen reine oder raffinierte Pflanzenöle. Nicht aber zum Beispiel recycliertes Pflanzenöl (Frittenfett). Vom technischen Gesichtspunkt muss auf die Spezifikation der Öle geachtet werden und die entsprechenden Herstellervorgaben müssen eingehalten werden. Neben Palm und Rapsöl gibt es kaum einen Pflanzenölmarkt, der die entsprechenden Mengen sicher zur Verfügung stellen kann. Jatrophaöl könnte die Zukunft sein, ist derzeit aber nicht wirklich erhältlich. Vom technischen Her könnte man in meiner Maschine nahezu alle Fette verheizen, da es sich um einen schweröltauglichen Schiffsmotor handelt. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist die Sache kurz und verständlich zu erklären.“


    Fazit: Eine traurige Sache - das Blockheizkraftwerk des Lesers steht diesen Monat vor dem Aus. Und damit fällt Strom für 400 Haushalte weg. Strom, welcher aus nachwachsenden Rohstoffen und nicht fossilen Brennstoffen oder Atomkraft hergestellt wurde. So etwas tut mir wirklich weh. Hier ist guter Rat allerdings teuer. Dabei würde ich Andreas D. so gerne helfen!


    Vielleicht gibt es in der Trader´s Daily-Gemeinde jemanden, der Rat weiß? Dann bitte Email an


    info@investor-verlag.de (im Betreff meinen Namen nennen).


    Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche,


    Ihr


    Michael Vaupel

  • Hallo zusammen,


    das Problem mit solchen Anlagen wird sich in Zukunft bestimmt noch verschärfen! Nur wer die die Möglichkeit hat die thermische Leistung zu verkaufen, z.B. an eine angrenzende Reit- oder Tennishalle wird einigermaßen über die Runden kommen.
    Genau genommen ist es auch ein Witz die Vergütung auf 20!!! Jahre festzulegen @:pille - bei der Photovoltarik kein Thema, die Sonne kostet ja nix! Aber in 2004 eine Anlage wie beschrieben planen und bis 2024 die gleichen 18 ct pro KW/h erhalten bei x-mal höheren Treibstoffpreisen ?(


    AxelF

    Wikipedia: ICH WEISS ALLES!


    Google: ICH HABE ALLES!


    Internet: OHNE MICH GEHT NICHTS!


    Strom: ACH WIRKLICH ???!!!

  • Also ich finde das auch misst.


    Wobei der Betreiber seine Wärme sicherlich verkaufen wird - hoffe ich.


    Nur an dieser Stelle wird er die steigenden Brennstoffkosten auf den Wärmepreis schlagen müssen und das macht keine Verbraucher mit - zumahl dabei sicherlich Gesetze zu beachten sind welche eine Erhöhung der Wärmekosten nur teilweise und unter bestimmten Voraussetzungen erlauben.



    Mfg